Kriegsherr oder Friedenbringer? Die Ikonografie Friedrich Wilhelm II. im Wandel

Analyse zweier Gemälde


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedrich Wilhelm II.: Darstellungen in der Kunst
2.1.Friedrich Wilhelm II. als Prinz von Preußenvon Edward Francis Cunningham (um 1785)
2.2.Allegorie auf den Frieden von Baselvon Friedrich Georg Weitsch (1795)

3. Vergleich und Entwicklung seiner bildlichen Darstellungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsnachweise und Abbildungen
6.1. Abbildungsnachweise
6.2. Abbildungen

1. Einleitung

„In dem dunklen Haine des Friedens ist ein Tempel errichtet, in dessen Halle die Büste des königlichen Friedensstifters auf einem marmornen Postamente steht. […] die schönste und beglückendste Eroberung des geendeten Krieges auch für das Vaterland sind, haben eine Olivenkrone geflochten, womit sie das Haupt des Friedensstifters schmücken. Rosen […] streuen sie […] wie auf die Bahn seines Lebens. […]“ [1]

Dies ist die Beschreibung eines Gemäldes von dem Maler Friedrich Georg Weitsch[2] in einem Katalog der Auflistung der Exponate einer Ausstellung der Akademie der Künste am 25. September 1795 in Berlin. Bereits in diesem kurzen Text wird klar, dass die angesprochene Person als Friedensstifter glorifiziert wird, ohne dass der Leser weiß, dass es sich bei dieser Person um Friedrich Wilhelm II. handelt. Ziel dieser Hausarbeit ist es, herauszuarbeiten, ob Friedrich Wilhelm II. wirklich, wie dargestellt, ein Friedensfürst war oder ob er Zeit seines Lebens ein Kriegsherr blieb und inwieweit sich seine Darstellungen im Porträt geändert haben. Dies wird durch eine Vorstellung zweier Gemälde und deren Gegenüberstellung zu erreichen versucht. Ich werde mich zum einen auf das Gemälde „Friedrich Wilhelm II. als Prinz von Preußen“ (Abb. 1) von Edward Francis Cunningham beziehen und zum anderen auf das Gemälde „Die Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen bekränzen die Büste Friedrich Wilhelms II. - Allegorie auf den Frieden von Basel“ (Abb. 2) von Friedrich Georg Weitsch. Im zweiten Teil meiner Forschung werde ich anhand eines Vergleiches dieser Gemälde eine Wandlung der Ikonografie Friedrich Wilhelms II. herausarbeiten und die folgenden Thesen zu beweisen versuchen:

1. Die Darstellungen Friedrich Wilhelm II. im Porträt standen unter dem Einfluss des von Friedrichs II. favorisierten militärischen Malereistils. Im Laufe der Jahre machten seine Darstellungen in der Kunst jedoch eine ganz eigene Wandlung durch, die zunehmend ziviler und militärunähnlicher wurden. Diese Wandlung wurde nicht von ihm initiiert.
2. Friedrich Wilhelm II. förderte seine Präsentation als Kunstmäzen und Friedensbringer, zu dem das von Friedrich Georg Weitsch geschaffene Bildnis in der Öffentlichkeit viel beitrug. Seine „Wandlung“ zum Friedensfürsten spiegelte sich jedoch fast ausschließlich in seinen Porträts wieder und nicht in der uns geläufigen geschichtlichen Realität, in der er, unter anderem im Frieden von Basel, eine untergeordnete Rolle spielte.

Aufgrund der Vielzahl der Darstellungen Friedrich Wilhelms II. beschränke ich mich in meinen Ausführungen auf die zwei Gemälde, anhand derer die Gegensätze der Repräsentation in seiner Zeit als Monarch am deutlichsten zutage treten.

Die Quellen- und Literaturlage zur Ikonografie dieses preußischen Königs ist nicht sehr ausgereift und das Thema als solches noch nicht erschlossen. Deswegen verlasse ich mich in meiner Arbeit hauptsächlich auf meine eigenen Schlussfolgerungen, die sich mir bei der Sichtung verschiedener Literaturen aufgedrängt haben und die ich an den Gemälden zu beweisen versuche.

2. Friedrich Wilhelm II.: Darstellungen in der Kunst

2.1.Friedrich Wilhelm II. als Prinz von Preußen von Edward Francis Cunningham (um 1785)

Das erste Gemälde, das einen Einblick in die Ikonografie Friedrich Wilhelms II. geben soll, wurde von Edward Francis Cunningham um das Jahr 1785 geschaffen. Edward Francis Cunningham wurde 1741 oder 1742 in Kelso, Schottland geboren. Schon früh wurde seine außerordentliche Begabung bekannt. Die Techniken des Malens erlernte er vor allem in Italien, jedoch war er in seinem späteren Leben sehr viel auf Reisen um sein Wissen zu erweitern. Gearbeitet hat er unter anderem in Parma, Rom, Venedig, Paris, London und St. Petersburg, bevor er sich 1783 in Berlin niederließ. 1787 erhielt Cunningham ein Diplom zur Ehrenmitgliedschaft an der Preußischen Akademie der Künste, da er als der Impulsgeber der Entwicklung der preußischen Kunst galt und es verstand, seine künstlerischen und unternehmerischen Vorhaben an den Bedürfnissen der preußischen Kunst- und Kulturwelt auszurichten. So gründete er mit dem Hutfabrikant Jean Marc Pascal die „Königliche Preußische Hofkupferstichofficin“[3], da er seine Werke stechen lassen wollte, um der breiten Masse den Besitz von Kunst zu ermöglichen und holte so unter anderen den bekannten Stecher Domenico Cunego nach Berlin. Das von Cunningham geschaffene Bild trägt den Namen „Friedrich Wilhelm II. als Prinz von Preußen“. Auf diesem Bild sieht man Friedrich Wilhelm II. in seiner Militäruniform, in die Ferne schauend und lässig auf seinen Spazierstock gelehnt. Er trägt die orangene Schärpe der Oranier, einen Degen an der Hüfte und den schwarzen Adlerorden an seiner Uniform. Er hat einen Dreispitz auf und eine Kanone steht im Hintergrund, deren Öffnung in dieselbe Richtung zeigt, wie der Blick des Monarchen. Außer dieser Kanone lenkt nichts im Bild von dem Herrscher ab, der sich durch seine mittige Position im Bild auszeichnet.

Das Bild wurde um 1785 gemalt, also noch in der Kronprinzenzeit Friedrich Wilhelms II. Bekannt ist[4], dass dieses Gemälde vermutlich als Stichvorlage gedacht war und auch tatsächlich von dem Stecher Domenico Cunego gestochen wurde.

Die Hauptelemente stimmen in beiden Kunstwerken überein. Charakteristisch ist die Haltung des späteren Monarchen, die nicht nur in weiteren Werken Cunninghams, wie zum Beispiel „Der Empfang des Herzogs von York im Schloss Sanssoussi“ (1784 – 1787) oder „Friedrich der Große mit Gefolge im Schloss Sanssoussi“ ähnlich dargestellt wurde, sondern unter anderem auch in einem Gemälde von Gottlieb Doepler (Friedrich Wilhelm II., 1790). Seine joviale Pose lässt sowohl auf Selbstbewusstsein, als auch auf innere Gelassenheit schließen. Die Tatsache, dass er in mehreren Gemälden in ähnlicher Haltung dargestellt wurde, lässt die Vermutung aufkommen, dass er diese Darstellung, zumindest von etwa 1780 bis 1790, besonders schätzte. Offensichtlich ist in diesem Gemälde die militärische Schwerpunktsetzung. Friedrich Wilhelm II. wird als Soldat in militärischer Kleidung dargestellt und im Hintergrund befindet sich eine Kanone, bei der es sich in erster Linie um einen militärischen Gegenstand handelt. Die Reverenz auf das Militär in diesem Gemälde ist nicht verwunderlich, denn auf die militärische Ausbildung Friedrich Wilhelms II. wurde sehr sorgfältig geachtet, ausgehend von seinem Onkel Friedrich II. Dieser achtete selbst sehr auf einen militärischen Darstellungsstil in seinen Gemälden. Beruhend auf der Tatsache, dass Friedrich Wilhelm die beste militärische Ausbildung bekommen sollte, bekam er 1751 den Major Adrian Heinrich von Borcke als Militärbegleiter zugeteilt.[5] Seine Militärkarriere war für ein Mitglied der preußischen Herrscherfamilie nicht ungewöhnlich. 1763 wurde er Major, 1764 Oberst eines Infanterieregiments, 1770 Generalmajor und 1779 Generalleutnant.[6] Bekannt ist, dass er in seinem militärischen Rang akzeptiert war, wie auch ein Zitat von General Ernst Friedrich Philip Karl von Rüchel (1754 – 1823) zeigt „General […] und brav als sein Degen.“[7] Er wirkte schon in seiner Kronprinzenzeit in mehreren Kriegen, wie zum Beispiel im Siebenjährigen Krieg oder im Bayrischen Erbfolgekrieg, mit. Auch in seinem weiteren Leben zeigt sich die militärische Dominanz im Leben Friedrich Wilhelms II.[8], auch wenn die zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Gemäldes noch nicht bekannt war.

Ein weiterer, nicht so offensichtlicher Interpretationsansatz bezieht sich auf die metaphorische Bedeutung der Kanone im Hintergrund des Bildes. Natürlich ist die Kanone in erster Linie eine militärische Feuerwaffe. Sie steht für Macht und Zerstörung. Doch warum malt Cunningham eine Waffe der Artillerie hinter einen Befehlshaber der Infanterie? Zu dieser Frage gibt es auf zwei Interpretationsebenen Antworten. Zum einen ist es eine Präsentation seines zukünftigen Regierungsstils. Das Gemälde wurde 1785 gemalt, also zu der Zeit, als Friedrich II. schon erkrankt war und Friedrich Wilhelm II. von seinem baldigen Regierungsantritt ausging.[9] sein Blick schweift in die Ferne, was auf interpretatorischer Ebene durchaus als Blick in die Zukunft gedeutet werden kann. Die Kanone symbolisiert die Art und Weise, wie er in dieses Amt einsteigen will, nämlich mit viel Durchschlagskraft und Macht. Er wird dann das höchste Amt des preußischen Staates bekleiden und hat Instrumente der Macht, hier in diesem Fall das Militär, hinter sich stehen. Der zweite Interpretationsansatz bezieht sich auf die Kanone als potentes phallisches und männliches Angriffssymbol. Seine Durchschlagskraft steht auch für Potenz und Durchdringung. Ganz im Zeichen der Zeit der Spätaufklärung und Frühromantik, in der Mätressen und Liebhaber nichts Ungewöhnliches waren, war auch Friedrich Wilhelm II. ein Mann der Leidenschaftlichkeit.[10] Wie es von dem Thronfolger erwartet wurde, ging dieser schon früh eine Ehe mit Prinzessin Elisabeth von Braunschweig (1746 – 1840) ein, die jedoch schon zwei Jahre später, nach der Geburt einer Tochter, wieder geschieden wurde. Eine zweite Ehe wurde mit Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt (1751 – 1805) geschlossen. Eine Ehe, die zwar lieblos, aber fruchtbar war und Friedrich Wilhelm II. 6 Kinder schenkte, unter anderem seinen Erben Friedrich Wilhelm III.[11] Neben diesen zwei Ehen führte er noch zwei morganatische Ehen, also sogenannte Ehen zur linken Hand, mit Julie von Voss-Buch und nach deren Tod mit Sophie Gräfin Dönhoff aus deren Verbindung zwei Kinder entstanden. Doch seine leidenschaftlichste Verbindung, die sich ab seinem 23. Lebensjahr sein ganzes Leben lang bewährte und 5 Kinder hervorbrachte, war die mit Wilhelmine Encke, der Tochter eines Musikanten. 1767 wurden die beiden einander vorgestellt, 1770 schlossen sie ein Blutsbündnis und obwohl Friedrich Wilhelm 1782 ihre Scheinehe mit seinem Kämmerer Johann Friedrich Ritz arrangierte, blieben die beiden ein Leben lang eng verbunden und führten selbst in Kriegszeiten einen regen Briefwechsel.[12]

[...]


[1] Göres, Burckhardt (Hrsg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste, Preußens Weg zum Klassizismus. Potsdam 1997. S. 97.

[2] Siehe Kapitel 2.2.

[3] Vgl. Börsch-Supan, Helmut: Friedrich Wilhelm II. (1786 – 1797), In: Börsch-Supan, Helmut: Die Kunst in Brandenburg- Preußen, ihre Geschichte von der Renaissance bis zum Biedermeier, dargestellt am Kunstbesitz der Berliner Schlösser. Berlin 1980, S. 173 – 195.

[4] Vgl. Göres, Burckhardt (Hrsg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste, Preußens Weg zum Klassizismus. Potsdam 1997. S.93.

[5] Vgl. Barclay, David E.: Friedrich Wilhelm II. (1786 – 1797). In: Kroll, Frank-Lothar (Hrsg.): Preußens Herrscher, Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. München 2000, S. 179 – 196.

[6] Vgl. Bringmann, Wilhelm: Preußen unter Friedrich Wilhelm II. (1786 – 1797). Frankfurt am Main 2001. S.355

[7] ebd., S. 356.

[8] Siehe Kapitel 4.

[9] Vgl. Kugler, Franz: Geschichte Friedrichs des Großen. Berlin 1856.

[10] Vgl. Barclay, David E.: Friedrich Wilhelm II. (1786 – 1797).

[11] Vgl. Meier, Brigitte: Friedrich Wilhelm II., König von Preußen (1744 – 1797): ein Leben zwischen Rokoko und Revolution. Regensburg 2007.

[12] Vgl. Barclay, David E. Friedrich Wilhelm II. S. 185.

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Details

Titel
Kriegsherr oder Friedenbringer? Die Ikonografie Friedrich Wilhelm II. im Wandel
Untertitel
Analyse zweier Gemälde
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V312201
ISBN (eBook)
9783668110540
ISBN (Buch)
9783668110557
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kriegsherr, friedenbringer, ikonografie, friedrich, wilhelm, wandel, analyse, gemälde
Arbeit zitieren
Peggy Zawadil (Autor), 2011, Kriegsherr oder Friedenbringer? Die Ikonografie Friedrich Wilhelm II. im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312201

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