Soziale Netzwerkanalyse. Eine Methode zur Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit?


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 KATEGORIEN UNSICHTBARER ARBEIT

3 DIE SOZIALE NETZWERKANALYSE
3.1 SOZIALE NETZWERKANALYSE ALS STRUKTURELLE ANALYSE
3.2 DARSTELLUNG UND EINFACHE ANALYSEVERFAHREN VON NETZWERKDATEN
3.3 KONZEPTE VON ZENTRALITÄT UND PRESTIGE
3.4 UMGANG MIT FEHLENDEN DATEN

4 EIN EMPIRISCHES BEISPIEL VON CROSS, BORGATTI UND PARKER

5 FAZIT

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

,,Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Dieses verkürzte Zitat aus der Metaphysik des Aristoteles beschreibt den Grundgedanken der Emergenz. Konzepte der Emergenz spielen in der Soziologie eine wichtige Rolle und sind bei Emile Durkheim, Talcott Parsons und Niklas Luhmann und vielen anderen anzutreffen.

Da Unternehmen stets an Effizienz im Produktionsablauf interessiert sind, beschäftigen auch Entscheidungsträger sich häufig mit Emergenztheorien. Allerdings ergibt sich oft ein gravierendes Problem: Einige ,,Teile“ agieren ,,im Dunkeln“, manche Arbeit bleibt unsichtbar.

Im Folgenden wird es um die Sichtbarmachung dieser unsichtbaren Arbeit gehen. Der aktuelle Forschungsstand berücksichtigt hierbei vor allem zwei Methoden: die Feldforschung, die den qualitativen Methoden zuzuordnen ist und die soziale Netzwerkanalyse. Aufgrund ihres quantitativen Charakters, der schnellen Durchführungsmöglichkeit und der geringeren Kosten ist die Netzwerkanalyse für Unternehmen zur Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit besonders interessant. Doch ermöglicht sie es tatsächlich die Gesamtheit unsichtbarer Arbeit aufzudecken?

Zur Beantwortung dieser Frage muss sich zunächst dem Begriff der unsichtbaren Arbeit angenähert werden. Dabei scheint mir eine Differenzierung zwischen verschiedenen Kategorien unsichtbarer Arbeit als sinnvoll. Anschließend erfolgt eine Einführung in die Grundlagen der sozialen Netzwerkanalyse. In den Kapiteln ,,Konzepte von Zentralität und Prestige“ und ,,Umgang mit fehlenden Daten“ wird auch auf mögliche unsichtbare ,,Teile“ (resp. Arbeiter) hingewiesen. Anhand eines empirischen Beispiels soll abschließend aufgezeigt werden, wie mit Hilfe sozialer Netzwerkanalyse unsichtbare Arbeit sichtbar gemacht werden kann.

Diese Darstellung erhebt nicht den Anspruch die Methode der sozialen Netzwerk- analyse und ihre Anwendung bei der Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit vollständig darzustellen. Vielmehr soll lediglich ein methodischer Einblick in das interessante, wenngleich noch wenig erforschte Gebiet der unsichtbaren Arbeit gewährt werden.

2 Arten unsichtbarer Arbeit

Arbeit kann für alle sichtbar sein. Bereits Kleinkinder erkennen z.B. an einer Bau- stelle die Arbeit von Dachdeckern und Malern. Doch es gibt auch unsichtbare Arbeit, welche entweder für die gesamte Gesellschaft oder für einzelne ,,Teile“ unsichtbar bleibt. Kleinkindern ist es beispielsweise im seltensten Fall möglich die Arbeit eines Soziologen zu erkennen.

Auch in Unternehmen muss zwischen sichtbarer Arbeit und unsichtbarer Arbeit, die von Entscheidungsträgern oder anderen Mitarbeitern nicht gesehen wird, differenziert werden. Da dadurch ein Teil des gesamten, im Unternehmen vorhandenen, Wissens und Könnens den Entscheidungsträger nicht bekannt ist, ergeben sich für Entscheidungsträger Probleme des Wissensmanagements (Mill: 49).

Ihnen bleibt oftmals der Zugang zu sogenannten informellen Netzwerken, die aus Verbindungen ,,zwischen Organisationsmitgliedern und ggf. anderen Personen, die nicht durch die offiziellen Entscheidungsstrukturen einer Organisation abgebildet wer- den“ verwehrt. Sie selbst nehmen keine zentrale Positionen in diesen Netzwerken ein (Mill: 49).

In Anlehnung an Engeström und Mill werden daher im Folgenden mehrere Kategorien unsichtbarer Arbeit unterschieden (Engeström 1999: 63ff; Mill: 49). Eine Kategorie unsichtbarer Arbeit hat ihre Ursache in der räumlichen oder zeit-lichen Trennung von Arbeitern bzw. von Arbeitern und Entscheidungsträgern. So ist es beispielsweise bei verschiedenen Unternehmensstandorten oder bei Schichtarbeit für einige Akteure nicht möglich die Arbeit anderer zu sehen.

Auch Arbeitsteilung kann dazu führen, dass es für einen Akteur aufgrund seiner Spezialisierung nicht mehr möglich ist, die Arbeit eines Anderen zu verstehen, nach- vollziehen oder überhaupt noch wahrzunehmen. Diese Arbeit bleibt daher unsichtbar.

Arbeiten, die als Routine definiert werden, aber dennoch massive Anteile von Pro- blemlösefähigkeiten und Wissen erfordern, wie zum Beispiel Telefonvermittlung, ge- hören ebenso zum Bereich der unsichtbaren Arbeit wie informelle Arbeitsprozesse. Diese werden oft außerhalb der offiziellen Arbeitszeit ausgeführt, sind aber dennoch wichtig für die kollektive Aufgabenerledigung. Ein Beispiel wären informelle Gesprä- che von Managern nach Feierabend. Auch Schwarzarbeit oder Subsistenzarbeit sind informelle, meist unsichtbare, Arbeitsformen und gehören in diese Kategorie.

Für die gesamte Gesellschaft kann Arbeit dann ,im Dunkeln liegen, wenn sie an un- sichtbaren Arbeitsplätzen erfolgt, wie z.B. bei Bibliothekaren im Hintergrund. Auch Arbeit die gesellschaftlich nicht anerkannt wird, also beispielsweise die Ar-beit von Reinigungskräften oder Hausangestellten, stellt (analog zum Kind, welches die Arbeit eines Soziologen nicht (an)erkennt) eine Kategorie unsichtbarer Arbeit dar. Es handelt sich schließlich um Arbeiten, die von ,,sozial unsichtbaren“ Menschen aus-geführt werden und aus diesem Grund ebenfalls unsichtbar bleiben. Wie gezeigt wurde ist unsichtbare Arbeit hochstrukturiert und kann in allen Gesell-schaftsschichten vorkommen. Trotz ihrer Vielseitigkeit und Häufigkeit bleibt sie manchmal allein für den Arbeitsausführenden sichtbar (Kumbuck 2001: 25).

3 Die soziale Netzwerkanalyse

3.1 Soziale Netzwerkanalyse als strukturelle Analyse

Bevor erläutert werden kann, wie mit Hilfe der Netzwerkanalyse die Struktur unsichtbarer Arbeit sichtbar gemacht werden kann, müssen einige Grundbegriffe geklärt werden. Ausgangspunkt ist ein kurzer historischer Umriss.

Die amerikanische Gemeinde- und Industriesoziologie, die deutsch-österreichische Sozialpsychologie (u.a. Gestalttheorie von Wolfgang Köhler), die Anwendung der mathematischen Graphentheorie (Cartwright, Harary) auf das von Fritz Heider formulierte Balance-Problem und vor allem die Harvard-Strukturalisten um Harrison C. White ließen die soziale Netzwerkanalyse als ausdifferenzierte methodische und theoretische Perspektive entstehen. Nach Scott war aber erst Whites Blockmodellanalyse der entscheidende Durchbruch (Jansen 2006: 38/39/40; Scott 1991: 8/33).

Doch bereits Georg Simmels Vergleich von Dyaden und Triaden und die darauffolgende Theorie, die die Bedeutung der Gruppengröße für die Prozesse der Über- und Unterordnung und für die Kohäsion innerhalb der Gruppe aufzeigt, darf als ein prominenter Vorläufer der sozialen Netzwerkanalyse nicht unberücksichtigt bleiben. In seiner Abhandlung ,,Philosophie des Geldes“ wird deutlich, dass Simmel als zentralen Gegenstandsbereich der Soziologie die Analyse von Relationen zwischen Individuen betrachtet, Soziologie also als formale Soziologie begreift, und daraus erst ihr Recht auf disziplinäre Selbstständigkeit ableitet (Jansen 2006: 37).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Soziale Netzwerkanalyse. Eine Methode zur Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Unsichtbare Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V312277
ISBN (eBook)
9783668110922
ISBN (Buch)
9783668110939
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unsichtbare Arbeit, Netzwerkanalyse
Arbeit zitieren
Nelson Müller (Autor), 2011, Soziale Netzwerkanalyse. Eine Methode zur Sichtbarmachung unsichtbarer Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312277

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