Empirische Überprüfung der Trainingseffekte eines standardisierten Trainingsprogramms mit dem five® Rücken- und Gelenkkonzept


Bachelorarbeit, 2015

73 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Zielsetzung

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Stütz- und Bewegungsapparat
3.1.1 Aufbau und Funktion
3.1.2 Modellvorstellung
3.1.3 Muskel-Faszien-Ketten
3.1.4 Biokinematik
3.1.5 Bewegungsstörungen
3.2 Schmerzen des Bewegungsapparats
3.2.1 Definition von Schmerz
3.2.2 Ursachen und Auslöser
3.2.3 Behandlungsmethoden
3.2.4 Sport und Training
3.3 Das five® Rücken- und Gelenkkonzept
3.3.1 Geräte und Übungen

4 Methodik
4.1 Functional Movement Screen
4.1.1 Die sieben Bewegungstests
4.1.2 Das Bewertungsschema
4.2 Durchführung
4.2.1 Auswahl der Testpersonen
4.2.2 Das standardisierte Trainingsprogramm
4.2.3 Eingangs- und Abschlusstest
4.2.4 Datenauswertung

5 Ergebnisse

6 Diskussion

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungs-, Tabellen-, Abkürzungsverzeichnis
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Bewertungsbogen Functional Movement Screen
Anhang 2: Anweisungen der Tests des Functional Movement Screen
Anhang 3: five® Geräte mit Beschreibung

1 Einleitung und Problemstellung

In Deutschland sind Rückenschmerzen häufig Ursache von Arbeitsunfähigkeit. Von 2010 bis 2014 ist der Anteil an Wirbelsäulenerkrankungen unter den Berufskrankheiten von 17,8 % auf 24,3 % gestiegen (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, 2015). Auch Schüler klagen immer häufiger über Bewegungseinschränkungen, vor allem im Bereich des Rückens. 16,1 % der Schüler hatten in den letzten sechs Monaten mehrmals pro Woche, teilweise sogar täglich, Rückenschmerzen (DAK-Gesundheit, 2015).

Der Mensch mit seinem Stütz- und Bewegungsapparat ist ein "Bewegungsallrounder" und kann viele komplexe Bewegungsmuster nutzen. Diese werden jedoch viel zu selten benötigt und fallen daher extrem schwer. Die Lebensbedingungen haben sich geändert. Durch überwiegend sitzende Tätigkeit und einen bewegungsarmen Lebensstil kommt der Körper zu dem Schluss, dass Sitzen normal sei. Alle Bewegungen, darunter auch schon einfaches Gehen, zwingen den Körper dazu, aus diesem als normal empfundenen Zustand auszutreten. Die Anforderungen an den menschlichen Körper sind sehr einseitig geworden. Daher verlernen wir, uns so zu bewegen, wie es eigentlich normal wäre.

Der menschliche Körper gleicht diese Defizite durch Kompensationsbewegungen aus, was aber zu Überlastung, erhöhtem Verschleiß und eventuell sogar Verletzungen führen kann. Deshalb wird Sport als Ausgleich von vielen Medizinern dringend empfohlen.

Hohe Motivation und intensives Sport treiben alleine genügt aber nicht. Ohne fachliche Anleitung können Asymmetrien, Ausweichbewegungen und diverse Schwachstellen zu falschen und auf Dauer potenziell schädlichen Bewegungsmustern führen (Schmidtlein, 2013). Daraus resultieren Haltungsfehler und eventuell sogar Verletzungen und Schmerzen.

Schmerzen beschützen und alarmieren bei Gefahr, oft schon bevor eine Verletzung resultiert oder eine vorhandene Verletzung noch schlimmer wird. Mit Schmerzen bewegt man sich anders. Wenn es irgendwo weh tut, gibt es normalerweise einen guten Grund dafür. Doch niemand möchte gerne, dass ihm etwas weh tut. Wer Schmerzen hat, möchte diese am liebsten gleich wieder loswerden. Das ist verständlich, denn Schmerzen sind unangenehm. Gerade aber wegen dieses Gefühls, macht es sie zu einem wichtigen Teil im Leben. (Butler & Moseley, 2009, S. 3).

Aus diesen verschiedenen Gründen werden Schmerzen behandelt. Die Medizin bietet von Medikamenten bis zur Operation viele Möglichkeiten der Behandlung. In den vergangenen Jahren raten jedoch selbst Mediziner immer mehr zu Training als Behandlung. Das Beweglichkeitstraining zur Stärkung der Muskulatur kann jeder Betroffene alleine im Fitnessstudio oder zu Hause absolvieren.

Einen neuen Ansatz brachte die Firma Five-Konzept GmbH & Co. KG auf den Fitnessmarkt. Mit ihrem Rücken- und Gelenkkonzept bietet five® eine auf der Biokinematik des Freiburger Arztes Walter Packi basierende Methode des Trainings an.

Obwohl das Konzept seit über zehn Jahren auf dem Markt ist, sind bis heute keine Untersuchungen zu dessen Wirksamkeit bekannt. Bisherige Studien (die meisten wurden erst ab etwa 2013 durchgeführt) wurden meist von Fitnessstudios initiiert und wandten sich speziell an Testpersonen, die Rückenschmerzen hatten. Die Personenanzahl betrug meist 50 und die Testdauer war überwiegend fünf Wochen. Fast immer wurden die Ergebnisse nur allgemein ("wirksam") angegeben oder beschränkten sich auf positive Aussagen der Teilnehmer. Es entstand der Eindruck, dass hier der Marketingzweck eindeutig im Vordergrund stand.

2 Zielsetzung

In dieser Thesis soll - vermutlich erstmals - ein nach Einweisung selbstständig durchgeführtes, standardisiertes Trainingsprogramm nach den Vorgaben der Firma Five-Konzept GmbH & Co. KG ("five® Rücken- und Gelenkkonzept") untersucht und hinsichtlich seiner Wirksamkeit bei kurzer Trainingsdauer bewertet werden.

Zur Beurteilung soll der Functional Movement Screen (im weiteren auch kurz als FMS bezeichnet) angewandt werden. Dieser soll, im Gegensatz zu herkömmlichen Beweglichkeitstests, die nur einzelne Muskeln oder Gelenke untersuchen, für komplexe Bewegungsmuster geeignet sein (Schmidtlein, 2013). Da seine Aussagekraft in der Fachliteratur durchaus unterschiedlich beurteilt wird, soll diese nach Möglichkeit ebenfalls eingeschätzt werden.

Durchgeführt werden soll der Test mit nach eigenem Empfinden schmerzfreien Kandidaten. Trotz dieser subjektiven Schmerzfreiheit kann allerdings der Ablauf komplexer Bewegungen minimal gestört sein und in der Folge zu Schmerzen führen. Bei der Studie steht damit die Prävention im Blickpunkt, also die grundsätzliche Verbesserung der Beweglichkeit noch bevor Schmerzen auftreten.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Stütz- und Bewegungsapparat

3.1.1 Aufbau und Funktion

Zum Stütz- und Bewegungsapparat des Menschen gehören die Knochen, die Muskeln und das Bindegewebe (Knorpel, Kapseln, Bänder und Sehnen). Jeweils zwei Knochen, ein Gelenkband und zwei Muskeln bilden eine Bewegungseinheit. Alle Bewegungseinheiten passen geometrisch eindeutig zusammen, da alle Teile zusammen heranwachsen (Packi).

Der Muskel stellt den einzigen variablen Teil im gesamten System dar. Er kontrahiert und verändert damit seine geometrische Form. Damit erzeugt der Muskel Kraft und daraus resultierend eine Bewegung. Der entgegengesetzt wirkende Muskel wird dabei in die Länge gezogen. Knochen und Bänder verändern ihre Form nicht, da sie nicht arbeiten (Packi).

Die Wirbelsäule hat in diesem System eine tragende Funktion. Dieses zentrale Element funktioniert auf dieselbe Art und Weise. Die Bauchmuskulatur und die Rückenstrecker bilden in diesem Zusammenhang den Agonisten und den Antagonisten. Kontraktion der Bauchmuskulatur führt zu einer gebeugten Haltung, arbeiten die Rückenstrecker, so richtet sich der Körper auf. Die Wirbelsäule funktioniert auf natürliche und gesunde Weise, wenn die Hebelverhältnisse zwischen den Rückenstreckern und der Bauchmuskulatur durch eine entsprechende Länge ausgeglichen werden.

3.1.2 Modellvorstellung

In der Vergangenheit wurden die im vorhergehenden Abschnitt genannten Bewegungseinheiten vorwiegend isoliert betrachtet, heute überwiegt dagegen die Vorstellung von größeren, zusammenhängenden Einheiten.

Für diese Betrachtungsweise wurde aus der Architektur ein Modell abgeleitet, das die grundlegenden Zusammenhänge im menschlichen Körper beschreibt: das "Tensegrity-Modell". Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern für Spannung ("tension") und Zusammenhalt ("integrity").

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Tensegrity-Modell (https://physiotherapeuten.de/wp-content/uploads/1502p_rs_2-300x270.jpg )

Im Folgenden wird dieses Modell kurz beschrieben.

Nach Schleip (2014) besteht der Körper sowohl aus stabilen als auch aus unter Spannung stehenden elastischen Elementen. Dadurch verbinden sie die stabilen Elemente miteinander und stellen Spannung im gesamten System her. Diese Spannung ist nötig, da sich die stabilen Elemente an keiner Stelle gegenseitig berühren. Sie sind vielmehr durch Bindegewebe - Knorpel, Kapseln, Bänder und Sehnen - flexibel miteinander verbunden. Auch die Vorstellung von der Wirbelsäule ändert sich: "Sie ist eben kein tragender Pfeiler wie eine Säule in einem antiken Tempel, sondern nur eines der stabilen Elemente, noch dazu ein sehr besonderes, weil sie so beweglich ist - unsere Wirbelsäule ist eigentlich eine flexible Wirbelschlange" (Schleip, 2014).

Schleip (2014) betont weiter, dass das Rückgrat kein durchgehender Knochen wie etwa der dicke Oberschenkelknochen sei, sondern aus zahlreichen einzelnen Elementen bestehe, die nur von Bändern und einem ganzen System aus Faszien und kleinen Muskeln zusammengehalten würden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Tensegrity-Modell der Wirbelsäule (Myers, 2015, S. 54)

Das "Tensegrity-Modell" liegt sowohl der Bewegung an den five® Geräten als auch der Bewertung im Rahmen der Untersuchung mit dem Functional Movement Screen zu Grunde.

3.1.3 Muskel-Faszien-Ketten

Nach Schleip (2015) gehen Faszienforscher davon aus, dass auch der menschliche Körper nach dem im vorherigen Abschnitt beschriebenen "Tensegrity-Modell" aufgebaut ist. Zusammen mit den Knochen bilden dabei lange Muskel-Faszien-Ketten ein sog. Spannungsnetzwerk. Dieses System reagiert bei Bewegungen sehr fein, es ist dynamisch.

Wenn ein Muskel aktiviert wird, gibt es über die Muskel-Faszien-Ketten Reaktionen an anderen Stellen des Körpers. "Muskeln arbeiten also nicht isoliert, sondern immer verbunden im körperweiten faszialen Netz" Schleip (2015).

Nach Schleips Ansicht geht diese Betrachtungsweise über die klassische Anatomie hinaus. Diese sieht die Muskeln als "einzeln lokalisierbare" Elemente, wogegen die moderne Ansicht "größere funktionale Faszieneinheiten im Körper identifiziert" (Schleip, 2015).

Myers (2015) beschreibt insgesamt zwölf "myofasziale Leitbahnen" im menschlichen Körper. Die für diese Studie wesentlichen vier Muskel-Faszien-Ketten werden im Folgenden näher beschrieben. Es handelt sich um die vier "oberflächlichen Hauptlinien", die über mehrere Gelenke hinweg im ganzen Körper wirken.

Oberflächliche Rückenlinie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Oberflächliche Rückenlinie (Myers, 2015, S. 80)

Nach Schleip (2014) verläuft die oberflächliche Rückenlinie von den Füßen über den Rücken, den Nacken und den Schädel bis zu den Augenbrauen. Sie erstreckt sich somit von der Plantarfaszie über den M. gastrocnemius, die Ischiokruralmuskeln, die M erector spinae und den Hinterkopf bis zum Augenbrauenbogen.

Sie stützt und schützt den Rücken und sorgt für die aufrechte Haltung. Der Oberkörper wird durch sie nach oben und hinten gestreckt (Schleip, 2014).

Myers (2015) sieht die allgemeine Bewegungsfunktion der oberflächlichen Rückenlinie in der Erzeugung von Extension und Hyperextension. Ausgenommen davon sei die Flexion im Knie.

Oberflächliche Frontallinie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Oberflächliche Frontallinie (Myers, 2015, S. 106)

Myers (2015) sieht die oberflächliche Frontallinie als Gegengewicht zur oberflächlichen Rückenlinie. Sie verläuft von den Zehen bis zum Becken und dann über den Bauch und den Hals bis zum Kopf (Schleip, 2014).

Eingeschlossen in diese Linie sind also das Schienbein, der M. rectus femoris, der M. rectus abdominis, die fünfte Rippe und der M. sternocleidomastoideus (Myers, 2015).

Die oberflächliche Frontallinie ist zwar zweigeteilt, doch verhält sie sich bei aufrechtem Stand wie eine einheitliche Zuglinie von oben nach unten. Ihre Aufgabe ist es, den Oberkörper in der Haltung zu stabilisieren. Sie ermöglicht auch Bewegungen und Beugungen sowie Heben und Senken des Oberkörpers (Schleip, 2014). Myers (2015) bemerkt dazu noch: "Die Myofaszien der oberflächlichen Frontallinie sorgen darüber hinaus für die Extension der Knie in der aufrechten Haltung."

Laterallinien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Laterallinien (Myers, 2015, S. 126)

Die Laterallinien "verlaufen jeweils außen am Körper und klammern beide Außenseiten ein" (Schleip, 2014). Weiter führt er aus, dass die beiden Zugbahnen oben auf der Außenseite des Fußes beginnen, dann außen um die Fußknöchel herum gehen und sich weiter nach oben wie ein Korbgeflecht an der Seitenlinie des Rumpfes bis zum Kopf fortsetzen.

Rumpf und die Beine werden durch die Laterallinien fixiert, die außerdem für Balance zwischen der vorderen und der hinteren oberflächlichen Frontallinie sorgen. An der Seitwärtsneigung des Körpers sind sie ebenfalls beteiligt, außerdem werden zu starke Neigung und Rotationen gebremst (Schleip, 2014).

Spirallinien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Spirallinien (Myers, 2015, S. 144)

Rotationen des Körpers und gegenläufige Bewegungen werden durch die Spirallinie ermöglicht. Sie windet sich um den Körper und umhüllt ihn wie eine Doppelspirale (Schleip, 2014).

Beim Gehen wird eine exakte Spurführung gewährleistet, Hauptfunktion sei jedoch, für Gleichgewicht in allen Ebenen zu sorgen und den Körper zu stabilisieren (Schleip, 2014).

3.1.4 Biokinematik

Jede Bewegung wird durch drei Größen charakterisiert: die Amplitude (Bewegungsumfang), die Intensität (Bewegungskraft) und die Geometrie (Bewegungsbahn). Grundsätzlich hat die Stärke der Kraft keinen Einfluss auf den Ablauf einer Bewegung. Jedoch hängt es von der Beschaffenheit eines Gegenstandes ab, in welche Richtung der Kraftimpuls umgesetzt wird.

Prinzipiell ist dies im menschlichen Körper nicht anders. Mit wie viel Kraft ein Arm bewegt wird ist nicht entscheidend und beeinflusst den Bewegungsablauf nicht. Die Bahn, auf der sich ein Arm bewegt, hängt von der allgemeinen Geometrie, also den Strukturen des Armes, ab. Liegen in diesem Bereich strukturelle Veränderungen vor, wird sich die Bewegungsbahn ändern und unabhängig von der Kraft zu Einschränkungen und damit Störungen führen. Diese Störungen werden dann als Schmerz wahrgenommen.

Krafttraining nach der klassischen Trainingslehre wird keinen Effekt haben, da die Bewegungsbahn weder durch die Kraft (Intensität) noch durch die Masse beeinflusst wird. Erst wenn die relevanten geometrischen Strukturen korrigiert werden, ist eine Verbesserung möglich. Solange eine körperliche Bewegung von der normalen Bahn abweicht, wird diese weiter als Schmerz registriert (Packi).

Die Klinik für Biokinematik in Bad Krozingen, die Walter Packi leitet, führt auf ihrer Homepage aus:

"Die Lehre der Biokinematik vereint wichtige Erkenntnisse aus der Medi zin, der Mathematik und der Biologie. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie chronische Schmerzen entstehen und wie man sie behandeln kann. Sie erforscht Ursachen und entwickelt Methoden, die einen Körper, der seine natürliche Bewegungsfähigkeit verloren hat, wieder ins Gleichgewicht bringen.

Die Biokinematik gründet auf der Erkenntnis, dass chronische Schmerzen, wie z.B. bei Arthrose oder einem Bandscheibenvorfall durch krankhafte Veränderungen des Bewegungsapparats entstehen. Die Auslöser solcher Veränderungen können vielfältiger Natur sein. In der modernen Gesell schaft spielt der einseitige und bewegungsarme Lebensstil als Ursache eine große Rolle. Aber auch Verletzungen und Unfälle können chronische Schmerzen hervorrufen.

Durch die Erkenntnisse der Biokinematik ist es möglich geworden, chroni- sche Schmerzen ganz ohne Operationen und Medikamente erfolgreich zu therapieren. In der Biokinematik werden verschiedene Techniken zur Be- handlung des Bindegewebes und der Muskulatur angewendet. Ziel ist es, die Muskulatur wieder in ihren ursprünglichen, gesunden Zustand zu ver- setzen. Dadurch kann sich der Körper wieder in seinen natürlichen Bewe- gungsbahnen fortbewegen und die Schmerzen gehen zurück" (Packi, 2015).

Diese grundlegenden Ansichten liegen auch dem five® Programm zugrunde. Auf der Homepage des Herstellers liest sich das dann verkürzt so:

"Auf Basis der Biokinematik des Freiburger Arztes Walter Packi wurde die five®-Methode entwickelt. Es handelt sich hierbei um Bewegungen, die unser menschlicher Körper machen muss, um sich nicht selbst immer mehr zu schädigen" (Five-Konzept GmbH & Co. KG).

"Mit dem einzigartigen five®-Geräteparcours wird der gesamte Körper gegen seine Gewohnheiten gestreckt und trainiert" (Five-Konzept GmbH & Co. KG).

Während also beim klassischen Dehnen einzelne Muskeln isoliert gedehnt werden, werden bei diesem neuen Ansatz und der neuen Art von Training die kompletten Muskel-Faszien-Ketten über den ganzen Körper gedehnt. Die Geräte und Übungen der Firma five® (als ein Vertreter dieser Trainingsmethode) bieten die Gegenbewegung zu einem sehr einseitigen Alltag. Generell lässt sich feststellen, dass eine Wiederherstellung von Flexibilität und Beweglichkeit der Muskulatur über die Biokinematik sicher gesundheitsfördernd und sanft im Sinne von nebenwirkungsarm ist. (Ohlsen, 2015)

3.1.5 Bewegungsstörungen

Durch den ständigen gleich bleibenden Reiz passt sich die Muskulatur und das umliegende Gewebe den Gegebenheiten an. Beispiel Sitzen: der Oberschenkelknochen ist ständig der Wirbelsäule angenähert. Die hüftbeugende Muskulatur passt sich an und verklebt die Strukturen. Denn alles was sich bewegt, verbraucht Energie. Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, sehr ökonomisch zu arbeiten. "form follows function" - Die Form folgt der Funktion. Die Struktur ergibt sich aus der Bewegung. (Five-Konzept GmbH & Co. KG)

Der Nährstoffaustausch im Knorpel zur Versorgung wird durch Druck und Zug ermöglicht. Durch Druck wird die Synovialflüssigkeit mit allen Abfallstoffen herausgepresst. Durch Zug saugt sich der Knorpel wieder voll und nimmt neue Nährstoffe auf. (Five-Konzept GmbH & Co. KG)

Wenn die Entlastung des Knorpels auf Grund der angepassten Muskulatur und des umliegenden Gewebes fehlt, kommt es nun zu einer dauerhaften Kompression des Gelenks und der Knorpel kann sich nicht wieder wie ein Schwamm vollsaugen. Daher fehlt der Austausch der benötigten Nährstoffe. Es kommt zu einer Unterversorgung und daraufhin zu Knorpelabbau (Arthrose). (Five-Konzept GmbH & Co. KG)

Des weiteren werden durch die Bewegungseinschränkung bestimmte Teile eines Gelenks nicht mehr benutzt. Die Muskulatur lässt nicht mehr den gesamten Bewegungsumfang zu. Dies unterstützt die mangelhafte Knorpelernährung. (Five-Konzept GmbH & Co. KG)

Wie man allgemein sagt, ist die Kette in ihrer Gesamtheit nur so stark wie ihr schwächstes Glied. "Wenn eine Körperregion beeinträchtigt ist, können andere Muskeln das nur oberflächlich kompensieren. Das geschieht oft auf Kosten der korrekten und symmetrischen Ausführung komplexer Bewegungen. Dysbalancen oder neue Schmerzen sind die Folge" (Schmidtlein, 2013). Oft folgt daraufhin auch eine Verletzung des Bewegungsapparats.

3.2 Schmerzen des Bewegungsapparats

3.2.1 Definition von Schmerz

Bis heute ist nicht genau definiert, was "Schmerz" eigentlich ist. Merskey & Baranowski haben 1994 die folgende Definition veröffentlicht:

"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird."

Bei Schmerzen wird zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden. Nach der Deutschen Schmerzliga e.V. (Schmerzliga) sind akute Schmerzen wichtig als Signal für eine Erkrankung oder Verletzung. Sie sind oft auf den erkrankten Körperteil beschränkt und nach erfolgreicher Heilung verschwindet der Schmerz wieder.

Chronische Schmerzen dagegen können zwar auch Folge von Erkrankungen sein, haben oft aber keine klar erkennbaren Ursachen. Die Schmerzen bestehen weiter, obwohl die ursächliche Krankheit bereits geheilt ist. Fachleute bezeichnen Schmerzen als "chronisch", wenn sie länger als drei bis sechs Monate anhalten. Dann werden sie zu einer eigenständigen Krankheit ("Schmerzkrankheit") und haben ihre Funktion als "Warnsignal" verloren.

Weil Schmerzen subjektive Wahrnehmungen von Patienten sind, lassen sie sich nicht mit Geräten messen. Stattdessen wird die Schmerzstärke mit Hilfe sog. Schmerzskalen ermittelt. Gebräuchlich sind die "Visuelle Analogskala (VAS)" und die "Numerische Rating Skala (NRS)".

3.2.2 Ursachen und Auslöser

Da die Kraft einer Bewegung keinen Einfluss hat, ist grundsätzlich alles eine Schmerzursache, was Bewegungsbahnen stören kann. Schmerzen sind also von Bewegung abhängig. Jeder Schmerz kann durch Bewegung verstärkt werden. Aber auch durch die vorübergehende Ruhigstellung abgeschwächt werden. Es geht also beim Verständnis von Schmerzen um das Verständnis von Bewegung. Wenn Bewegung den Schmerz verstärkt, dann kommt die Frage auf, was an der Bewegung falsch ist. Oder anders ausgedrückt: Schmerz ist "kranke Bewegung". (Packi)

Mit der Kombination der Biologie und der Mathematik der bewegten Körper, der Biokinematik, werden die mechanischen Funktionen des menschlichen Körpers beschrieben. Zusammen mit der Kombination aus Biologie und Kybernetik, der Mathematik der Logik, welche die regulierenden Funktionen des Bewusstseins beschreiben, können die Gesetze des Schmerzes beschrieben werden. Die Veränderungen an Strukturen des Bewegungsapparats haben nicht zwangsläufig Schmerzen zur Folge. Wenn sich etwas im Körper verändert, muss gleichzeitig eine Verarbeitung im Bewusstsein stattfinden. So betrachtet, gibt es bei Bewusstlosigkeit keinen Schmerz. (Packi)

Verantwortlich für einen Schmerz ist immer der passive Muskel. Dieser muss Länge generieren können. Macht er dies nicht auf Grund von strukturellen Veränderungen und einer gestörten Geometrie, stört dieser passive Muskel die Arbeit des aktiven Muskels und behindert dessen Verkürzungsprozess. Er verändert die Bewegungsbahn. Er löst Schmerzen aus. (Packi)

3.2.3 Behandlungsmethoden

Akute Schmerzen mit bekannter Ursache, beispielsweise eine Verletzung oder eine Entzündung, werden vorrangig mit Medikamenten (z.B. Tabletten, Salben, Spritzen) oder auch einer Operation behandelt. Ist die Ursache dann beseitigt, der Patient also geheilt, dann verschwindet auch der Schmerz.

Anders sieht es bei chronischen Schmerzen, insbesondere des Rückens und der Gelenke, aus. Da hier die Ursache häufig unbekannt ist, wird oft nur symptomatisch behandelt oder durch Schmerzmittel das Schmerzempfinden unterdrückt.

Aus diesem Grund sind alternative Behandlungsmethoden weit verbreitet: Akupunktur, Physiotherapie oder die Anwendung von Wärme und Kälte, um nur einige zu nennen.

Mit der heutigen Erkenntnis über den Bewegungsapparat raten Mediziner auch immer öfters zu Beweglichkeitstraining, um Rückenschmerzen zu behandeln, oft in Kombination mit Krafttraining zur Stärkung der Muskulatur.

3.2.4 Sport und Training

Dehnungen werden von vielen Freizeitsportlern in fast allen Sportarten, aber auch in der Therapie, zur Behandlung von "verkürzten" Muskeln eingesetzt und praktiziert. Ziele sind dabei sowohl das Aufwärmen zum Vorbeugen von Verletzungen als auch das Verringern der Muskelspannung für die Erholung nach dem Training (Zahnd, 2005). Obwohl wissenschaftliche Studien noch immer kein einheitliches Abbild der Wirksamkeit von Dehnungen ergeben (Bovend'Eerdt et al., 2008), laut Law et al. (2009) auch, weil die meisten der Untersuchungen sich nur auf zwei unterschiedliche Dehnmethoden im Vergleich beschränken und nur bei ganz bestimmter Intensität und Dauer angewendet werden. Die optimale Gestaltung der Belastungsparameter Intensität, Dauer und Häufigkeit der Dehnungen sind nicht durch einheitliche Richtlinien festgelegt (da Costa & Vieira, 2008). Auch sind negative Erscheinungen, wie ein stark verringertes Gleichgewicht und langsame Reaktionen sowie Bewegungen, zu erwarten (Behm, Bambury & Cahill, 2004). Eine Steigerung der Kraftwerte ist mit einem Stretching auch nicht zu erreichen (Behm, Bambury & Cahill, 2004). Zur Darstellung wird ein einzelner Muskel dabei fast immer vom Skelett isoliert. Seine Verbindungen nach oben und unten sowie die regional angrenzenden Strukturen werden abgeschnitten, Nerven- und Gefäßverbindungen ignoriert (Myers, 2015). Das ganze System ist aber nicht eine Aneinanderreihung von parallelen Einzelbausteinen, die isoliert behandelt werden können (Vleeming, Mooney & Stoeckart, 2007, Stecco & Stecco, 2009). Das Wort "isoliert" passt im Zusammenhang mit Dehnung also überhaupt nicht in den Kontext. Denn "unabhängig davon, was die individuelle Aufgabe eines einzelnen Muskels ist, beeinflusst dieser darüber hinaus funktionell integrierte, den Körper umspannende Verbindungen innerhalb des Fasziennetzes" (Myers, 2015). Aus der Kettenreaktion der Muskel-Faszien-Ketten leiten sich verschiedene Empfehlungen ab, um dem neuen Denken gerecht zu werden. Die übliche Theorie der isolierten Muskeln muss durch ein anatomisches Modell zur Dehnung ganzer Muskelketten ersetzt werden. "Dies entspricht dem aktuellen Bedürfnis nach einer ganzheitlichen Betrachtungsweise der menschlichen Struktur und Bewegung" (Myers, 2015).

[...]

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Empirische Überprüfung der Trainingseffekte eines standardisierten Trainingsprogramms mit dem five® Rücken- und Gelenkkonzept
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
73
Katalognummer
V312431
ISBN (eBook)
9783668117488
ISBN (Buch)
9783668117495
Dateigröße
1271 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empirische, überprüfung, trainingseffekte, trainingsprogramms, rücken-, gelenkkonzept
Arbeit zitieren
Stefan Hausenbiegl (Autor), 2015, Empirische Überprüfung der Trainingseffekte eines standardisierten Trainingsprogramms mit dem five® Rücken- und Gelenkkonzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312431

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