Was ist Sprache? Der Sprachbegriff bei Karl Bühler, Eugenio Coseriu und Walter Porzig im Vergleich


Seminararbeit, 2006
11 Seiten, Note: 1,7
Natascha Schneider (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenfassungen
Karl Bühler - Sprachtheorie
Eugenio Coseriu - Sprachstruktur
Walter Porzig - Das Wunder der Sprache

3. Was ist Sprache?

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich das Thema „Was ist Sprache?“ behandeln. Dafür werde ich zunächst drei Zusammenfassungen jeweils eines Textes von Karl Bühler, Eugenio Coseriu und Walter Porzig wiedergeben. Alle drei Texte beschreiben Aspekte des Sprachbegriffs und stammen aus dem 20. Jahrhundert. Im Anschluss an die Zusammenfassungen möchte ich eine eigenständige Argumentationsstruktur erarbeiten, in der ich darstelle, inwiefern die dargelegten Texte den „Sprachaspekt“ beschreiben, beziehungsweise welche Aspekte meiner Ansicht nach außer Acht gelassen oder nur in Ansätzen thematisiert wurden.

2. Zusammenfassungen

2.1. Karl Bühler- Sprachtheorie

In der „Sprachtheorie“ von Karl Bühler versucht1 Bühler ein Modell zu entwickeln, das die Sprechereignisse der Menschen darstellen soll. Hierbei lehnt er sich an Platons Bezeichnung an, dass Sprache ein „Organum“ sei, welches Mitteilungen transportiert. Bühlers Organonmodell ist dreistellig, da auch der Zeichenproduzent berücksichtigt wurde. Ausgangspunkt für die Untersuchung der menschlichen Sprache ist für ihn das Sprechereignis. Im Modell stellt der Kreis in der Mitte das konkrete Schallphänomen dar. Über den Kreis liegt ein Dreieck, das Zeichen. Dieses hat dreifache semantische Funktion: Ausdruck, Appell und Darstellung. Dies wird durch Linienscharen, die vom Dreieck ausgehen, dargestellt. Das Zeichen ist ein Symbol für Gegenstände und Sachverhalte (Darstellungsfunktion). Ebenso ist es ein Symptom für den Sprecher in Abhängigkeit vom Sender (Ausdrucksfunktion). Signal bedeutet, dass sich das Zeichen an den Empfänger richtet (Appellfunktion). Das Dreieck im Organonmodell überschneidet zum einen den Kreis, was bedeutet, dass das Wichtige gefiltert und weitergegeben wird (= abstraktive Relevanz). Zum anderen ragt das Dreieck über den Kreis hinaus, wobei Eindrücke hinzugefügt und weitergegeben werden (apperzeptive Ergänzung).

Des Weiteren erläutert Bühler die Begriffe Sprachhandlung und Sprachwerk. Bei der Sprachhandlung lehnt er sich an dem Wort „Handlung“ an, die beim Sprechen vollzogen wird. Jede Handlung, also auch die Sprachhandlung (Kommunikation), verfolgt ein Ziel/eine Absicht, zum Beispiel das Lösen eines Problems durch Nutzung der Sprache. Das Sprachwerk hingegen stellt das Redeprodukt dar (sprechen allgemein).

Außerdem gibt es in der menschlichen Sprache auch ein Zeigfeld und ein Symbolfeld, die von den Kommunikanten aufgebaut werden. Bühler prägt hierfür den Begriff der „Zweifelderlehre“. Das „Zeigfeld der Sprache“ hat eine ähnliche Funktion wie ein Weg- bzw. Richtungsweiser. Auf sprachlicher Ebene gibt es indexikalische Ausdrücke, sogenannte „Zeigwörter“, wie z.B. „hier, jetzt, ich“.

Das „Symbolfeld der Sprache“ wird durch symbolische Ausdrücke aufgebaut, die „Nennwörter“. Diese sind situationsgebunden und haben einen eigenen Bezugsrahmen. Das „Zeigfeld“ kann am besten an der Sprechhandlung, das „Symbolfeld“ an dem Spraachwerk vollzogen werden.

2.2. Eugenio Coseriu - Einführung in die allgemeine Sprachwissenschaft

In dem Kapitel „Kreativität und Sprachtechnik.2 Die drei Ebenen der Sprache“ seines Buches „Einführung in die allgemeine Sprachwissenschaft“ führt Eugenio Coseriu an, dass man Sprache in drei Ebenen unterteilen kann. Er nennt die universelle, individuelle und historische Ebene. Unter der universellen Ebene versteht er allgemein die „symptomatischen“ Aspekte, die einen Sprache als solche erkennen lassen. Wenn man erkennt, welche Sprache gesprochen wird, so ist laut Coseriu die historische Ebene gemeint. Stellt jemand zudem noch fest, welche Person spricht, so hat man auch die individuelle Ebene entschlüsselt. In den weitesten Teilen sind diese drei Ebenen voneinander unabhängig. Des Weiteren führt er an, dass Sprache zusätzlich in Gesichtspunkte wie Tätigkeit (das Sprechen), Vermögen (das Sprechenkönnen) und Produkt (das Gesprochene) gegliedert werden kann. Die Kombination aus beiden Aspekten (Ebene und Gesichtspunkte) stellt die Gesamtstruktur der Sprache dar. Auf der universellen Ebene bedeutet die „Tätigkeit“ das Sprechen im Allgemeinen. Mit dem „Vermögen“ ist elokutionelles Wissen („Sprechenkönnen“) gemeint und das „Produkt“ stellt die Gesamtheit des „Gesprochenen“ dar. Die historische Ebene meint mit der „Tätigkeit“ eine konkrete Sprache, wie sie sich im Sprechen äußert (Spanisch, Italienisch,...) unter „Vermögen“ versteht die historische Ebene das „einzelsprachliche Wissen“. Das Produkt stellt die „abstrakte“ Sprache dar (objektivierte Sprache). Auf individueller Ebene bedeutet die „Tätigkeit“ der Sprechakt eines Menschen in einer Situation. Das „Vermögen“ bezieht sich auf die Ausführung der Sprechakte und das „Produkt“ ist der gesprochene oder geschriebene Text. Ein wichtiger Teil bei der Unterscheidung zwischen den drei Ebenen der Sprache spielt auch die Grammatik. Bezogen auf die drei Ebenen ist die Grammatik partizipiert in allgemeine, beschreibende Grammatik sowie grammatische Analyse. Die allgemeine Grammatik beschäftigt sich mit dem Sprechen im Allgemeinen. Die beschreibende Grammatik hingegen bezieht sich auf eine Sprache. Tätigkeit dieser Grammatik ist es, die Wortarten der jeweiligen Sprache zu beschreiben. Eigentliches Ziel der Grammatik ist es aber einen Text grammatisch zu analysieren. Diese Unterscheidung zwischen den drei Ebenen ist deshalb so wichtig, weil ihnen auch drei Ebenen der Funktionalität entsprechen. Diese sind Bezeichnung, Bedeutung und Sinn.

[...]


1 Für das Folgende vgl. Bühler, Karl (1934): Sprachtheorie, Stuttgart.

2 Für das Folgende vgl. Coseriu, Eugenio (1988): Einführung in die allgemeine Sprachwissenschaft, Tübingen.

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Details

Titel
Was ist Sprache? Der Sprachbegriff bei Karl Bühler, Eugenio Coseriu und Walter Porzig im Vergleich
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Grundkurs: Sprachwissenschaft II
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V312496
ISBN (eBook)
9783668112742
ISBN (Buch)
9783668112759
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, sprachbegriff, karl, bühler, eugenio, coseriu, walter, porzig, vergleich
Arbeit zitieren
Natascha Schneider (Autor), 2006, Was ist Sprache? Der Sprachbegriff bei Karl Bühler, Eugenio Coseriu und Walter Porzig im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312496

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