Christliche Wertekultur. Ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln


Diplomarbeit, 2012

61 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Aufbau und Gliederung der Arbeit

2 Definitionen und Erklärungen
2.1 Die Arbeit als wirtschaftliche Tätigkeit
2.2 Wertekultur und christliche Werte
2.3 Ethik – Wirtschafts- und Unternehmensethik
2.4 Moral
2.5.. Führung, Führungsverständnis und Führungsverantwortung in der Wirtschaft
2.6 Theologische Sichtweise über Erfolg beim wirtschaftlichem Handeln

3 Christliche Wertekultur als Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln sowie zum Einfluss der Werte christlicher Führungskräfte auf Entscheidungen im Wirtschaftsalltag
3.1 Christliche Wertekultur.
3.2 Anständiges und unanständiges wirtschaftliches Handeln.
3.2.1 Integrität.
3.2.2 Theologische Sichtweise von Integrität .
3.2.3 Korruption
3.3 Verantwortung von Führungskräften
3.4 Unanständiges wirtschaftliches Handeln
3.5 Christliche Wertekultur – christliche Religion und wirtschaftliches Handeln
3.6 Religiöse Prägungen für die unternehmerischen Positionen
3.7 Theologie und Ökonomie.

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Es kann gesagt werden, dass eine christliche Wertekultur die wirtschaftlichen wie auch die politischen Entscheidungsträger beeinflusst. Sie stellt die Wertekultur zur Verfügung und wirkt fördernd auf die Unternehmenskultur. Aus christlicher Einsicht sind alle Menschen vor Gott gleich geschaffen worden. Es ist ihnen eine Würde gegeben.

Fraglich ist, ob bei einer hohen religiösen Einstellung von Führungskräften das ehrliche Ver­halten steigt. Der soziale Ausgleich ist aus christlicher Erwägung wie auch aus der Sicht der Unternehmungen sinnvoll. Die Unternehmungen sollen sich ihrer Verantwortung im wirt­schaftlichen Handeln bewusst sein. Insbesondere ist dies bei den Ressourcen „Mitarbeiten­de“ bedeutsam für die Unternehmenskultur.

Die vorliegende Arbeit thematisiert die Fragestellung, ob eine christliche Wertekultur ein Er­folgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln sein kann und ob Werte von christlichen Füh­rungskräften Einfluss auf ihre Entscheidungen beim wirtschaftlichen Handeln haben – wie beispielsweise das anständige oder unanständige Wirtschaften. Dazu werden theoretische Grundlagen aus den Bereichen der Theologie, Ethik, Moral und Ökonomie dargestellt und reflektiert. Die Schlussfolgerungen beinhalten eine Zusammenfassung der Erkenntnisse, Empfehlungen sowie Denkanstösse.

Eigenständlichkeitserklärung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel der vorliegenden Abschlussarbeit ist die Auseinandersetzung mit der Fragestellung, ob eine christliche Wertekultur ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln sein kann. Im Vordergrund stehen Werte christlicher Führungskräfte und der Einfluss auf ihre Entschei­dungen beim wirtschaftlichen Handeln wie das anständige oder unanständige Wirtschaften.

Nebst der Sensibilisierung für das Thema „christliche Wertekultur – ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln“ wird auf die Werte christlicher Führungskräfte und der Einfluss die­ser Werte auf ihre Entscheidungen im alltäglichen wirtschaftlichen Handeln eingegangen. Die Begriffe „Arbeit im Sinne von Wirtschaften“ sowie die Frage, ob ein christlicher Lebensstil und christliche Werte dem Wirtschaften günstig sind, werden behandelt. Weiterführende Überlegungen und Denkanstösse verstehen sich als Anregung und Motivation in der Ausei­nandersetzung, ob Werte von christlichen Führungskräften Einfluss und Auswirkungen auf die alltäglichen wirtschaftlichen Entscheide haben.

Das wirtschaftliche Handeln steuert und prägt unser Leben in weiten Bereichen. Es erzeugt bleibende Werte. Nachkommende Generationen müssen nicht von vorn beginnen, da eine Basis für ihr Leben und für ihr wirtschaftliches Handeln vorhanden ist. Es ist oft mühsam, auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren. Gleichzeitig ist in den meisten von uns die Bestrebung vorhanden, Erfolg zu haben, einen entsprechenden Verdienst zu erhalten und ein „gutes Leben“ zu führen. Aus dem wirtschaftlichen Handeln von Führungskräften resultieren Erfolge, aber auch Misserfolg. Gelingendes Leben für alle ist auch unter grossen Anstrengungen nicht vollkommen zu erreichen. Die Verwirklichung der Vollkommenheit durch den Menschen wird vom christlichen Glauben nicht erwartet. Es ist Gott vorbehalten. In der Tradition der Bibel ist die Bitte „Dein Reich komme“ zu finden. Die Religion hat in modernen Gesellschaften oft nur sinnstiftende Funktion. Auf der individuellen Ebene ist die Rolle entscheidend, da sie eine Wertorientierung liefert.

In der heutigen modernen Industriegesellschaft ist die primäre Zielsetzung der Wirtschaftsun­ternehmen, die weltweit tätig sind, nicht nur der Gewinn, der erwirtschaftet wird, sondern auch das Wachstum. Dieses Wachstum bedeutet Macht, billigere Arbeitskräfte und einen weltweiten Zugriff auf die Ressourcen. Der Einfluss der global tätigen Konzerne ist oft grös­ser als derjenige von Regierungen. Dieser Einfluss kann das Beste wie auch das Schlech­teste an einer Gesellschaft abbilden.

Als Menschen sind wir auf der Sinnsuche. Der Mensch hat seine Handlungsfreiheit und da­mit auch die Möglichkeit der Selbstbestimmung seines Tuns. Sinn gibt dem menschlichen Dasein eine Bedeutung. Wenn vom Sinn einer Handlung oder vom Zweck der Handlung ge­sprochen wird, so ist damit der letzte ganzheitliche Zweck gemeint. Dieser kann nicht zu ei­nem wiederum höheren Zweck interpretiert werden. Es ist der humane Eigenwert des guten Lebens. Es kann die Frage gestellt werden, was die Religion für den Menschen und für eine Führungskraft in der Unternehmung liefert. Religion ist heute für viele Menschen nicht mehr der Mittelpunkt des Lebens und für viele gibt die Religion keinen Sinn und Halt mehr.

Wirtschaftliches Handeln ist eine soziale Interaktion. Die neoklassische Ökonomie arbeitet mit dem Idealbild des „homo oeconomicus“, um das wirtschaftliche Handeln und die Vorgän­ge des Wirtschaftens zu beschreiben.

Wer oder was eine Führungskraft in der Unternehmung ist, zeigt sich nicht nur an seiner Denkweise und dem Wollen, etwas zu tun oder zu bewegen, sondern auch durch sein Ver­halten. Christen (damit sind auch christliche Führungskräfte gemeint) müssen beim wirt­schaftlichen Handeln ethische Massstäbe einbeziehen. Dies ist jedoch nicht abhängig davon, ob eine Führungskraft Christ ist oder nicht. Das christliche Menschenbild und Selbstver­ständnis wird bei der ethischen Entscheidungsfindung im wirtschaftlichen Handeln bedeut­sam. Der christliche Glaube hat somit praktische Konsequenzen, auch in einer globalisierten Welt und in der Wirtschaft mit ihren rasanten technologischen und gesellschaftlichen Ent­wicklungen und Veränderungen.

Es frägt sich, ob dem Wirtschaftssystem des Westens genügt, nur Kapital in verschiedenen Formen anzuhäufen. Wirtschaftliches Handeln sollte eingebettet sein in eine tragfähige Kul­tur. Diese Kultur ermöglicht dann das Wachsen und Gedeihen.

Die tägliche Arbeit des Menschen sorgt für sein „tägliches Brot“. Dadurch kann der Mensch beständig dazu beitragen, dass Wirtschaft sowie auch die Technologien sich entwickeln. Er trägt dazu bei, dass die Gesellschaft moralische und kulturelle Fortschritte macht.

Der Umgang der Führungskräfte mit Mitarbeitenden in den Unternehmungen ist bedeutsam. Das Wahrnehmen der Bedürfnisse der Mitarbeitenden wie auch ihre Sorgen in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten sowie die Motivation der Mitarbeitenden gehören zu den wichtigen Aufgaben einer Führungskraft. Dies in Einklang zu bringen mit den Unternehmenszielen, ist eine Herausforderung.

Moralisches Handeln von Führungskräften hat heute öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Das Humankapital gewinnt als „Produktionsfaktor“ immer grössere Bedeutung. Führungs­kräfte müssen heute über Fähigkeiten verfügen, Mitarbeitende erfolgreich zu führen und die se für die Unternehmung mit ihren Zielen zu gewinnen. Moralisches Handeln ist nicht als kostenintensiver Wettbewerbsnachteil anzusehen, sondern muss als ein Faktor verstanden werden, der im wirtschaftlichen Handeln eine Nachhaltigkeit gegenüber den unter­schiedlichen Anspruchsgruppen einer Unternehmung erzielt. Ist eine Unternehmung global tätig, so hat das moralische Handeln entsprechende Auswirkungen auch auf diese.

1.1 Vorgehensweise

Die Vorgehensweise ist eine deskriptiv-reflektierende. Es wird sich auf die einschlägige Lite­ratur zur Thematik gestützt. Die Arbeit ist als Analyse und Reflexion zu sehen, in deren Inte­resse es steht, theoretische Grundlagen aus den Bereichen Theologie, Ethik, Moral und Ökonomie aufzuzeigen.

1.2 Aufbau und Gliederung der Arbeit

Das erste Kapitel widmet sich der Entwicklung der Fragestellung. Das zweite Kapitel stellt einen Überblick über die Definitionen und Ansätze sowie Abgrenzungen dar. Es werden die Begriffe „Arbeit als wirtschaftliche Tätigkeit“ dargelegt, die Begriffe „Wertekultur, christliche Werte, Ethik, Wirtschafts- und Unternehmensethik und Moral, Führung, Führungsverständnis und Führungsverantwortung beim wirtschaftlichen Handeln, das wirtschaftliche Handeln und die theologische Sichtweise über den Erfolg beim wirtschaftlichen Handeln.

Das dritte Kapitel setzt sich mit der Frage auseinander, ob eine christliche Wertekultur ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln ist und ob Werte von christlichen Führungskräf­ten Einfluss und Auswirkungen auf Entscheide im Wirtschaftsalltag haben. Das Kapitel be­trachtet die christliche Wertekultur, das anständige und unanständige wirtschaftliche Han­deln, die Integrität und die theologische Sichtweise von Integrität sowie die Korruption. Auch wird die Verantwortung von Führungskräften dargelegt, die christliche Wertekultur und christ­liche Religion und das wirtschaftliche Handeln sowie die religiöse Prägung für die unterneh­merischen Positionen wie auch die Theologie und Ökonomie im Spannungsfeld.

Das vierte Kapitel als Schlussteil versucht eine Antwort auf die Fragestellung zu geben „Wie kann eine christliche Wertekultur ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln sein?“ Es erfolgt eine Zusammenfassung der Erkenntnisse. Ausserdem werden Empfehlungen und Denkanstösse dargelegt.

2 Definitionen und Erklärungen

In den nachfolgenden Kapiteln werden Begriffe erläutert: die Arbeit als wirtschaftliche Tätig­keit, die Wertekultur und die christlichen Werte sowie das wirtschaftliche Handeln, die Ethik und die Moral. Der Begriff „Führung, Führungsverständnis und Führungsverantwortung in der Wirtschaft“ wird erklärt. Dann wird der Mensch als soziales Wesen betrachtet sowie die Mo­ral, die Führungskraft in der Unternehmung und die theologische Sichtweisen über Erfolg beim wirtschaftlichen Handeln.

2.1 Die Arbeit als wirtschaftliche Tätigkeit

In der Genesis (1. Mose) 1, 27 und 1, 28 steht: „Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib. Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch unter­tan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht“. Darin ist auch der Auftrag zu erkennen, dass der Mensch arbeiten soll und seine Umgebung zu gestalten hat.

Im AT, 1. Kapitel (1. Mose 1-3) wird die Arbeit auch thematisiert, und zwar als Segen und Fluch. Die Arbeit ist als eine Tätigkeit zu verstehen, als Verantwortung, die Welt so zu ord­nen und zu bewahren, dass sie dem Bild der „Gottesebenbildlichkeit des Menschen“ gerecht wird. Durch die Vertreibung aus dem Paradies ergeben sich die Bedingungen der Arbeit (Gen 3.17). Der Gott der Bibel wird als ein Arbeiter geschildert, der die Welt in sechs Tage erschuf.

Im Mittelalter war das Bild von einem Menschen vorhanden, der lasterhaft war, von Gott ge­demütigt und der sich seit dem Sündenfall abzuarbeiten hat. Arbeit war hier als Strafe und Sühne zu verstehen. Die andere Betrachtungsweise war und ist, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist. Er ist mit der Gottesschöpfung verknüpft und soll diese darum auch hegen und pflegen. Der Mensch findet dadurch Heil. Die Arbeit wird hier als Mittel zur Erlösung angese-hen.1

Im 20. Jahrhundert ist die Arbeit ein Prozess, der den Menschen die Existenz sichert. Er er­hält für seine wirtschaftliche Arbeit vorwiegend einen Lohn. Die Arbeit gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich zu entfalten und somit auch sich zu verwirklichen. Das Arbeiten ist ein wichtiger Faktor für den Menschen, um Anerkennung zu erfahren. Im Arbeitsprozess kann der Mensch am Erfolg partizipieren und Verantwortung übernehmen.

In der neueren Betriebswirtschaftslehre wird behauptet, dass unter Arbeit heute vor allem eine körperliche und geistige Tätigkeit zu verstehen ist, die in einem Lohnverhältnis erfolgt und damit der Erzielung eines Verdienstes dient. Bei der Arbeit handelt es sich um einen zielgerichteten, intendierten wie – in der Regel – auch um einen geplanten Prozess. Es gibt verschiedene Formen von Arbeit wie die Erwerbs- oder Lohnarbeit, Industriearbeit, Dienst-leistungs- und landwirtschaftliche Arbeit u. a. Solche Begriffe fokussieren die Arbeit auf je­weilige Aspekte. Die Arbeit hat sich im Laufe der Geschichte stark verändert. Sie schliesst die Entwicklung von Technik ein. Die Technik hat zum Ziel, die geeigneten Zusammenfüh­rungen und Positionierung von Bestandteilen von Rohmaterial so zu bündeln, dass Maschi­nen diese Arbeit effizient verrichten können. Der technische Fortschritt veränderte und ver­ändert den Produktionsprozess. Die Computertechnologie ist heute dominierend. Weitere technologische Entwicklungen sind laufend zu erwarten.2

Die Tätigkeit des Menschen hat den Ausgangspunkt in seinen Bedürfnissen, die befriedigt werden wollen. Das Bedürfnis ist das Gefühl eines Mangels mit dem Wunsch, dass die Quel­le oder die Ursache des Mangels behoben werden soll. Die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen beruht also auf Bedürfnissen. Für die Befriedigung benötigt der Mensch Güter und Dienstleistungen. Die Bedürfnisse sind die Grundlage des Wirtschaftens. Sie halten die Wirtschaft aufrecht.3

Die Volkswirtschaftslehre nennt heute die Produktionsfaktoren Kapital, Boden und Natur als einen Produktionsfaktor.4 Die Arbeitsanforderungen werden von der technologischen Ent­wicklung beeinflusst wie auch der Mensch, der die Arbeit verrichtet. Die Arbeitsteilung in den Unternehmungen kann funktionale wie dysfunktionale Konsequenzen haben. Die Globalisie­rung der Märkte und Produkte führt zu einer Umverteilung der Arbeitschancen. Die Forde­rung der Arbeitszeitflexibilisierung und Zeitsouveränität sowie Freiräume für Freizeit und Fa­milie sind Antworten auf die Erkenntnis, dass die Lebenszeit die knappste aller Ressourcen ist. Strukturwandel in der Wirtschaft ist begleitet mit der grundlegenden Veränderung von Bildung und Ausbildung. Rationalisierungsprozesse verändern auch die Arbeitsverhältnisse und Organisationsformen. Intra- und interorganisatorische Beziehungen sind davon betrof- fen. Selbstorganisation und hierarchische Aufbauorganisationen sind gefragt anstelle perso­neller Über- und Unterorganisationssysteme. Die Leistungsverpflichtung für den Arbeitenden ist intensiver geworden. Die zunehmende individualisierte Gesellschaft hat organisatorische Ansprüche zu erfüllen, die in Form von locker geknüpften und hochflexiblen Netzwerken zu finden sind.5

Arbeitsinhalte sollen sinnstiftend sein und der Mitarbeitende soll den Sinn seiner Arbeit über den Entlohnungsaspekt hinaus sehen. Eine möglichst individuelle Arbeitsgestaltung lässt die Persönlichkeit entfalten. Die Arbeitsleistung wird dann als ein eigenes Produkt angesehen. Die Arbeit des Menschen bleibt nicht nur Mittel, sondern ist Zweck.6

In der Ökonomie des Aristoteles hat das wirtschaftliche Handeln der Menschen eine sorgen­de Eigenschaft. Im Blick standen die anderen und die Mitwelt. Es war eine Ökonomie der Sorge. Die Güter dienten für ein gutes Leben. Gerechtigkeit und Mass standen im Vorder­grund sowie die Produktion der Gebrauchsgüter des Lebens und die Kreislaufwirtschaft mit geringem Fernhandel. Das wirtschaftliche Handeln der Moderne hat das Ziel, die Nachfrage zu befriedigen, Kapital zu erwerben und zu mehren wie den wachsenden Wohlstand. Eigen­nutz und Konkurrenzverhalten dienen den Investitionen und den Gewinnen.7 Wirtschaftliches Handeln heisst nach dem ökonomischen Prinzip zu handeln. Ein Wirtschaftsunternehmen versucht aufgrund der Güterknappheit zu handeln. Dies ist in drei Prägungen möglich:

Maximalprinzip: Mit einem gegebenen Input Produktionsfaktoren (Kapital, menschliche Arbeit) einen möglichst hohen Output zu erzielen.

Minimalprinzip: Ein vorgegebener Output soll mit einem kleinen Input an Produktionsfak­toren realisiert werden.

Optimalprinzip: Der In- und Output sollen so aufeinander abgestimmt werden, dass das ökonomische Problem nach festgelegten Kriterien gelöst wird.8

Das wirtschaftliche Handeln soll nie Selbstzweck sein. Der Mensch ist der wichtigste Be­zugspunkt für das wirtschaftliche Handeln. Das heisst, dass die Wirtschaftsprozesse und die Wirtschaftsordnungen zu prüfen sind, ob sie für das Entfalten der Persönlichkeit bedeutsam sind. Der Mensch ist auf Güter und Dienstleistungen angewiesen. Dies macht die menschli­che Arbeit nötig.9

Wenn Wirtschaftssysteme festgelegt werden, muss auch der Zweck für die Gesellschaftssys­teme hinterfragt werden. Es kann gefragt werden, wo beim jeweiligen Wirtschaftssystem das Gemeinwohl berücksichtigt ist. Eine wichtige Aufgabe der Wirtschaft und damit auch der Un­ternehmungen liegt darin, dass die Menschen mit den Produkten und Dienstleistungen ver­sorgt werden, die gut sind und einen annehmbaren Preis haben. Die Ökonomie als Wissen­schaft analysiert Bedingungen von Wachstum, Fortschritt, Wohlfahrt u. a. Wenn Märkte ver­sagen, ist dies ein Grund, Lösungen zu finden. Aus Fehlern soll gelernt werden.

Für das wirtschaftliche Handeln der Unternehmungen sind gesunde Kostenstrukturen be­deutsam. Sie steigern auch den Kundennutzen und dies wiederum ermöglicht ein entspre­chendes Wachstum. Damit die Kostenstrukturen laufend verbessert werden können, sind Anpassungen in ihrer Wertschöpfungskette unerlässlich. Frei werdende Kapazitäten wie z. B. Mitarbeitende, lassen sich jeweils für die Expansion in „mehr“ und idealerweise auch „neue“ Geschäfte einsetzen. Für schwache Unternehmungen mit ungünstigen Kostenstruktu­ren und schlechten Wachstumsaussichten drohen Überkapazitäten und Verlust von Marktan­teilen und damit auch der Abbau von Arbeitsplätzen mit den damit verbundenen Konflikten unter den Mitarbeitenden.10

2.2 Wertekultur und christliche Werte

Unter Wert versteht man den bewussten oder unbewussten Orientierungsstand und die Leit­vorstellungen, von denen sich Individuen und Gruppen bei ihrer Handlungswahl leiten las-sen.11 Die Aussagen wie das Wiederherstellen des Vertrauens der Finanzmärkte sind wichti­ger als die Aussage, dass der Staat die Prozesse des Marktes nicht beeinflussen soll. Da sind die Orientierungsfunktionen von Werten ersichtlich. Eine Massnahme etc. hat mehr oder weniger Wert als eine andere.

Werte sind Vorstellungen über Eigenschaften, die Ideen, Beziehungen und Dingen u. a. zu­geschrieben werden. Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Begriff „Wert“ zu einem Begriff der Ethik. Ursprünglich stammt er aus der Ökonomie (Wirtschaft).12 Werte (Wertorientierungen) sind innere Führungsgrössen des Tun und Lassen des Menschen. Die Werte versehen die Welt mit einer moralischen Bedeutung. Innerhalb dieser können die Menschen allein han­deln. Ein Wertewandel von den „materialistischen“ zu „post-materialistischen Werten“ hat in den späteren 60er-Jahren stattgefunden. Pflicht- und Akzeptanzwerte wurden substituiert durch Werte der Selbstentfaltung und Werte der Kreativität.13 Werte erhalten Geltung, wenn sie normiert werden. Sie liefern nämlich in Konfliktsituationen vorbedachte Handlungsalterna-tiven.14

Normen sind Regeln für das Handeln, die den Rahmen beschreiben, was der geltenden Ordnung entspricht. Sie üben somit auch eine entlastende Funktion aus. Werte liefern näm­lich in Konfliktsituationen vorbedachte Handlungsalternativen.15 Normen stellen Handlungs­anweisungen dar wie Gebote und Verbote. Wertvolles zu realisieren und Wertloses zu un­terlassen, wird durch moralische Normen gewährleistet. Normen haben universellen Charak-ter.16

Bei den christlichen Werten handelt sich um verhaltensleitende Werte, die mit christlichem Menschenwürdebegriff in Einklang stehen. Die Menschenwürde ist aus christlicher Sicht in der Gottesebenbildlichkeit begründet. Diese hat der Schöpfer allen Menschen als Anlage mitgegeben. Sie ist unveräusserlich, unabhängig davon, wie behindert, entstellt oder für die Gesellschaft wertlos geworden der Mensch ist. Die Gottesebenbildlichkeit beinhaltet eine besondere Beziehung zu Gott. Der Mensch ist ein kleines Abbild Gottes. Die Unterordnung unter Gott und sein Gebot sowie die Abhängigkeit von Gott sind Teile seiner Menschenwür­de. Der Mensch tritt mit der Menschenwürde in eine Beziehung zu Gott. Christliche Werte in der mitmenschlichen Beziehung sind mit der Instrumentalisierung des Menschen und seiner Würde nicht vereinbar. Der zwingende Folgewert ist der Schutz vor der Instrumentalisierung. Weitere christliche Werte sind:

Dem in Not geratenden Nächsten soll mit Nächstenliebe begegnet werden. Die Hilfsbereit­schaft schliesst Verzicht- und Opferbereitschaft ein. Der Nächste soll in seiner Persönlich­keitsentwicklung gefördert werden.

In der hierarchischen Beziehungen gelten Unterordnung und Ehrerbietung gegenüber Vorgeordnetem und Anerkennung einer höheren Autorität. Dieser Wert gilt für alle Menschen in den massgebenden Grenzen des Gebots Gottes. Wenn die Vorgeord­neten ein dem Guten widersprechendes Handeln fördern, so ist der Wert der Unter­ordnung zu relativieren.

Bei den christlichen Werten in den Beziehungen zur Schöpfung ist der Umgang mit den Ressourcen wie auch die Barmherzigkeit mit der Tierwelt eingeschlossen. Christ liche Werte in der Gottesbeziehung stiftet den Sinn des menschlichen Daseins. Sinn-findung durch Gottesbeziehung ist ein bedeutsamer christlicher Wert.
„Christliche Werte entspringen dem christlichen Glauben. Göttliche Gebote und Ord­nungen wollen das Gute für den Menschen. Bibeltexte zu den Ordnungen Gottes sind u. a. die zehn Gebote (nach 2. Mose 20) und die Goldene Regel (Mt 7, 12).“17

Wo traditionelle Werte keinen Sinn stiften und Konflikte über das richtige Handeln vorliegen, ist der Konsens aller Beteiligten die Grundlage des Friedens. Damit der Friede in Konfliktsi­tuationen zustande kommen kann, bedarf es einen Dialog. Dialogethik versteht sich als eine Anleitung zur Rechtfertigung und Entwicklung von Normen, die personen- und situations­übergreifend zu befolgen sind. Bei der Dialogethik geht es darum, für bestimmte Normen gute Gründe geltend zu machen.18 Die ganzheitliche Entwicklung aller Menschen setzt ein solidarisches Miteinander voraus, und zwar auch für die Menschen, die vom gesellschaftli­chen Leben und wichtigen Entscheidungen zum grössten Teil ausgeschlossen sind.19

Die personale Entfaltung und die soziale Bindung sind im Personsein des Menschen be­gründet. Die Postmoderne sieht die personale Entfaltung und soziale Bindung in Gefahr. Sie werden zur Privatangelegenheit des Einzelnen. Eine christliche Lebensweise bestärkt die Freiheitsdimension der personalen Entfaltung. Sie ist in der sozialen Bindung ein Konstituti-vum dieser Entfaltung und entlastet von der Verwirklichung aus eigener Kraft, gibt die Er­laubnis zum Fragmentsein und plädiert für entfaltungs- und bindungsförderliche Verhältnis-se.20

Die Bibel liefert nicht unmittelbar normativ-ethische Orientierung und auch nicht Lösungen für Probleme sozialethischer Natur. Sie bildet jedoch den zentralen Bezugspunkt der Identitäts­vergewisserung und Selbstdeutung derer, die sich auf den Gott der Bibel beziehen.21

Schumpeter, Nationalökonom, hat einen Unternehmertyp beschrieben, der Gewinn erwirt­schaftet, weil er den Gewinn als Nebenprodukt seiner eigentlichen Tätigkeit sieht, der kreati­ven Kombination der Produktionsfaktoren. Er klebt nicht am Gewinn. Es ist notwendig, Dis­tanz zu den Dingen zu haben, um sie optimal zu bewältigen. Wenn man an etwas klebt, er­reicht man es schlecht. Für das optimale Bewältigen von Aufgaben, ist ein Wertesystem wichtig, das uns bei grösserem Engagement in den Aufgaben zugleich Distanz gibt. Das einzige Wertesystem, das uns auf die weltlichen Aufgaben verweist und auch Distanz gibt, ist im Evangelium ersichtlich mit seinem In-der-Welt-sein, jedoch Nicht-von-der-Welt sein, mit seiner Forderung, in dieser Welt die Hungernden zu speisen und die Dürstenden zu tränken sowie in der Aussage, dass die Welt nicht unsere Heimat ist. Die dadurch geprägte Verhal­tensweise einer Distanz bei grossem Engagement ist die Ursache der beobachtbaren hohen Effizienz in christlichen Ländern.22

Eine christliche Wertekultur beeinflusst politische wie auch wirtschaftliche Entscheidungsträ­ger. Sie stellt ihnen die Wertekultur zur Verfügung für das wirtschaftliche Handeln. Der nor­mative Gehalt kann aus der christlichen Einsicht der Bestimmung des Menschen gesehen werden, dass alle Menschen in dem Sinn gleich sind, da sie durch Gott erschaffen wurden und ihnen somit die gleiche Würde gegeben ist (Gen 1-3, Ps 8).

2.3 Ethik – Wirtschafts- und Unternehmensethik

Der Begriff „Ethik“ stammt vom griechischen „ethos“ und bedeutet „Sitte, Gewohnheit“. Ethik wird definiert, dass dann, wenn überkommene Lebensweisen und Institutionen ihre selbst­verständliche Geltung verlieren, die philosophische Ethik allgemeingültige Aussagen über das gute und gerechte Handeln sucht. Dabei wird sie geleitet von der eines sinnvollen menschlichen Lebens, auf methodischem Weg, ohne letzte Berufung auf politische und reli­giöse Autoritäten oder auf das von alters her Gewohnte und Bewährte.23

Die Ethik setzt sich auseinander mit menschlichen Handlungen, und zwar im Hinblick darauf, ob diese moralisch gut sind. Im Allgemeinen stützt die Ethik ihre Erkenntnisse dabei auf die Vernunft. Als Gegenstand der Ethik wird auch das verantwortungsvolle Handeln genannt.24 Ethische Handlungen sind dadurch charakterisierbar, dass sie der Person, die sie ausführt, in besonderer Weise zurechenbar sind. Bei einer Handlung wird demjenigen, der sie aus­führt, unterstellt, dass er mit ihr einen Sinn verbindet. Das ethische Beurteilen wird geprägt durch den ihm zugrunde gelegten Sinn, mit welcher Gesinnung und Motivation die Handlung ausgeführt wurde. Dies heisst, dass auch das Nichtstun eine Handlung ist, für die der Han­delnde verantwortlich gemacht werden kann. Das Beurteilen einer Handlung in ethischer Hinsicht stellt ein Urteil dar über den Handelnden.25

Wirtschafts- und Unternehmensethik ist die Verknüpfung von Ethik und Ökonomie und the­matisiert Gewinn und Moral in der Führung von Unternehmen. Sie befasst sich mit der Fragestellung, wie moralische Normen unter den Bedingungen von Gesellschaft und Wirtschaft im Unternehmen umgesetzt werden können.26

Ökonomie und Ethik beziehen sich in der Wirtschaft gemeinsam auf das vernunftgeleitete wie verantwortungsvolle Handeln von Management und Mitarbeitenden in der Unterneh­mung. Ökonomie und Ethik bilden zusammen eine Grundlage für die Entwicklung einer Un­ternehmensethik und damit auch einer Führungsethik. Sachgemässes und Menschenge­rechtes wird im wirtschaftlichen Handeln miteinander in Einklang gebracht.27

Die Wirtschaftsethik beschäftigt sich mit einem vielschichtigen und komplexen Aufgabenfeld. Sie hat nach Ulrich drei grundlegende Funktionen zu erfüllen: die Kritik der reinen ökonomi­schen Vernunft und ihrer normativen Überhöhung des Ökonomismus, das Klären der ethi­schen Gesichtspunkte einer Ökonomie, die dem Leben dient und die Bestimmung der Orte der Moral des Wirtschaftens in einer Gesellschaft, die wohlgeordnet ist und wo Bürger frei sind. Die Wirtschaftsethik ist ein wichtiges, jedoch auch schwieriges Teilgebiet der Sozial­ethik. Sie ist die Anwendung der sozialethischen Fragenstellungen, Gesichtspunkte und Prinzipien auf die wirtschaftlichen Grundprobleme.28

Regulative Idee der Wirtschaftsethik ist die dauerhaft gelingende gesellschaftliche Zusam­menarbeit zum gegenseitigen Vorteil. Unter regulativen Ideen werden solche Grundsätze bezeichnet, die dem Denken die Richtung zu sinnstiftenden Zusammenhängen geben und insofern regulativ wirken sollen. In der Ethik bildet eine regulative Idee als normative Idee den Orientierungspunkt, auf dem hin die ethischen Überlegungen zu Fragen des richtigen moralischen Handelns ausgerichtet werden sollen.29

Die Wirtschaftsethik geht von der Prämisse aus, dass Moral anreizkompatibel sein muss, d. h. vereinbar mit dem wohlverstandenen bzw. reflektierten Eigeninteresse. Damit ist jedoch nicht gemeint, alles sei moralisch akzeptabel, was Menschen als Ziele und Interesse ihrem Handeln zugrunde legen. Es kann immer wieder zum Konflikt von Eigeninteresse und Moral kommen. Die Ethik verfehlt ihren Sinn, wenn sie eigeninteressiertes Verhalten akzeptiert und den Konflikt dadurch löst, dass sie dem Eigeninteresse im Konfliktfall den Vorzug gibt. Moral und Eigeninteresse sind durch das Gestalten der Handlungsbedingungen miteinander ver­einbar: füreinander fruchtbar zu machen.30 Wirtschaftsethik behandelt wirtschaftliches Han­deln auf der Makroebene. In ihrem Fokus steht die institutionelle Rahmenordnung mit ihrer Wirtschaftsordnung sowie der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Die Unternehmensethik setzt sich mit der kritischen Reflexion der unternehmerischen Stra­tegien und operativen Pläne innerhalb der vorgegebenen Rahmenordnung auseinander, welche die Spielräume des Handelns in der Unternehmung eingrenzen. Eine ethische Sen-sibilisierung in den Unternehmenseinheiten soll bewirkt werden.31

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Abgrenzung zwischen Unternehmens-und Wirtschaftsethik die folgende ist: Die Wirtschaftsethik behandelt wirtschaftliches Handeln auf der Makroebene und die Unternehmensethik reflektiert das Handeln der Unternehmens­führung und ihrer Mitarbeitenden sowie die herrschenden Werte und Normen in der Unter­nehmung. Sie stellt für die Mitarbeitenden die Rahmenbedingungen in der Unternehmung zur Verfügung, die ein ethisches verantwortungsvolles Handeln zulässt.

Nach Ulrich geht es in der Wirtschaftsethik um das Nachdenken über den humanen Zweck sowie über die ethischen Grundlagen und sozialen, ökonomischen Rahmenbedingungen einer lebensdienlichen Wirtschaft.32 Das Gewinnprinzip der Ökonomie und Ethik ist geprägt durch ein gegenseitiges Spannungsverhältnis. Gegenüber stehen sich also die Forderung nach Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenlebens und nach Sicherung und Fortbe­stand des Unternehmens.

Führungsethik ist im weiteren Sinn Unternehmensethik und im engeren Sinn setzt sie sich mit den Fragen der Gestaltung von Beziehungen auseinander, die fair und menschenwürdig sein sollen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden.33 Somit kann Führungsethik ver­standen werden als kritisch-normative Reflexion darüber, wie Beziehungen zwischen Füh­renden und Geführten in hierarchischen Strukturen gestaltet sind.34 Die zentrale Fragestel­lung der Führungsethik ist wie die Relationen zwischen den Parteien „Führenden und Ge­führten“ gestaltet werden sollen, damit für beide Parteien eine sinnvolle und erfüllende Be­ziehung entstehen kann, die am Ende zu einem effizienten Ergebnis führt. Die Machtvertei­lung zwischen dem Führenden und dem Geführten ist eine asymmetrische Machtverteilung. In der Führungsethik beschäftigt man sich mit der Legitimation und Berechtigung von Füh­rung, der gerechten Ausführung und Gestaltung der Führung zum Schutze der meist schwä­cheren Partei, des Geführten, so dass beide Parteien in ihrer Menschenwürde unangetastet bleiben. Die soziale Einflussnahme zur Erreichung von Zielen, die mit dem Unternehmens­zweck verbunden sind, ist die direkte Führung in einem Unternehmen. Führung ausüben und die Möglichkeit, andere Personen zu beeinflussen, beruht auf Macht. Wichtige Grundlagen der Macht und somit auch der Führung in einer Organisation oder Unternehmen sind:

Macht auf Grundlage einer formalen Position: Mit jeder Position in einer Unterneh­mung sind mehr oder wenige Möglichkeiten verbunden, Personen zu belohnen oder zu sanktionieren. Die Führungskräfte haben Einfluss auf Einstellungsentscheide u. a.
Macht auf Grundlage von Expertisen: Das bedeutet, Fähigkeiten zu besitzen oder über Informationen zu verfügen, die andere Personen für wichtig erachten.
Macht auf Grundlage von persönlicher Überzeugungskraft: Die Machtquelle bedeutet hier, dass eine Person allein aufgrund des Vertrauens in ihre Persönlichkeit und in ih­rer Kompetenz zu überzeugen vermag.35

Die normative Ethik bildet das Kernstück der Führungsethik. Im Mittelpunkt der normativen Ethik steht die Formulierung und Begründung von Normen. Es wird eine Antwort auf die Fra­ge: „ Was sollen wir tun?“, gesucht. Es ist die Frage nach einer Orientierung, nach Richtlinien für das Handeln, die dem Menschen erlauben, dass er seiner Verantwortung gerecht wird.36 Normen stehen nicht nur für individuelle Interessen, Neigungen oder Hoffnungen, sondern auch für Werthaltungen. Sie gelten allgemein und verkörpern allgemeingültige, für alle Men­schen, an allen Orten, für alle Zeiten universal geltende Richtlinien für das verantwortungs­volle Handeln.37 Die erfolgreiche Anwendung von Normen setzt die einsichtige, an der Ver­nunft, am Verantwortungsbewusstsein ausgerichtete Reflexion dieser Normen voraus. Dafür bedarf es eigener Verantwortungs-, Reflexions- wie auch Urteilsfähigkeit.38

In der Führungsethik fliessen Gedanken zusammen, und zwar aus der Ethik und der Öko­nomie. Das Verhältnis zwischen den beiden kann geprägt sein durch moralisierende Argu­mentation gegen ökonomische Zielsetzungen. Es wird aus der ethischen Perspektive gegen die Ökonomie und deren Zielsetzungen argumentiert. Oder das Verhältnis kann geprägt sein durch eine ökonomische Interpretation von moralischem Handeln: Ökonomische Erwägun­gen dienen der Erklärung moralischen Handelns und damit zu einer Erklärung der Ethik.39

Der Unterschied von Führungsethik zur Unternehmensethik ist der, dass die Unternehmen­sethik sich mit den Beziehungen des Unternehmens zu seinen Anspruchsgruppen auseinan­dersetzt. Führungsethik ist gefragt, wenn innerhalb einer Unternehmung Führungsprobleme und damit Spannungsfelder entstehen. Führungsethik ist Bestandteil der Wirtschaftsethik.40

Im Rahmen eines wirtschaftlichen Unternehmens handelt der Mitarbeiter fremdbestimmt in einer Rolle, die ihm zugeteilt ist. Der Mitarbeitende aus der wirtschaftstheoretischen Sicht betrachtet, ist als Leistungserbringer ein Produktionsfaktor. Ist er eine Führungskraft, wird ihm der Status eines „dispositiven Produktionsfaktors“ zuerkannt. Er ist Objekt im Ablauf der betrieblichen Abläufe, d. h. Mittel zum Zweck. Zum Ausgleich sowohl für seine Mittelfunktion wie auch für seine Leistungen erhält er eine entsprechende Vergütung. Es handelt sich dabei um einen Leistungsaustausch zwischen den Marktteilnehmern. Die Preisgestaltung richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Der Mitarbeitende ist in der Hierarchie funktional einge­gliedert und weisungsgebunden. Seine Freiräume in der Unternehmung sind klar in Stellen­beschreibungen umschrieben, seine Weisungsbefugnisse und Weisungsgebundenheit sind eindeutig bestimmt. Die Leistungserfassung ist festgelegt und die Bezahlung ist nachvoll­ziehbar geregelt in Vereinbarungen etc.

Geht es nur um die Unternehmensziele, wird der Mitarbeitende als Mittel gesehen, um die Unternehmensziele zu erreichen. Somit steht der Erfolg im Vordergrund. Der Mitarbeitende soll jedoch nicht instrumentalisiert werden. Diese beiden Sichtweiten haben unterschiedliche Ziele und die Prioritäten sind unterschiedlich festgelegt. Aus der Sicht der Führungsethik ist das Erfolgsstreben auf Kosten der menschlichen Würde des Mitarbeitenden nicht denkbar. Beide Sichtweisen sollten zueinander geführt werden. Die ethische Sichtweise sollte den Grundrahmen bilden. Die führungstechnischen Aktivitäten zur zielorientierten Steuerung des Verhaltens des Mitarbeitenden soll den führungstechnischen Grundsätzen untergeordnet werden. Die Führungsethik stellt die Rahmenbedingungen zur Verfügung, in denen führungs­technische Prozesse stattfinden. Die ethischen Grundsätze werden nicht verletzt. Die Füh­rungsethik wäre der normative Rahmen der Führung.41

2.4 Moral

Der Begriff „Moral“ stammt aus dem lateinischen „mos“ und hat die Bedeutung von „Sitte“. Die Moral ist die Gesamtheit der Normen und Werke, die in einer Gesellschaft anzutreffen sind und nach denen Handlungen als gut oder böse, falsch oder richtig bewertet werden. Zu finden ist die Moral in Gebräuchen und Sitten einer Gesellschaft.42

[...]


1 Vgl. Le Goff (1990), S. 13.

2 Vgl. Füllsack (2009), S. 108-110.

3 Vgl. Dubs (1990), S. 18.

4 Vgl. Woehe (1986), S. 85 f.

5 Vgl. Korff (1999) S. 51-54.

6 Vgl. Ulrich (1998), S. 13.

7 Vgl. Bien (1990), S. 211-234.

8 Vgl. Thommen (1992), S. 25-26.

9 Vgl. Heimbach-Steins (2005), S. 84.

10 Vgl. Coenenberg/Salfeld (2007 ) , S. 146 ff.

11 Vgl. Höffe (2002), S. 290.

12 Vgl. Wils (2006), S. 404 f.

13 Vgl. Fenner (2007), S. 95 ff.

14 Vgl. Hummel (2005), S. 20 f.

15 Vgl. ebd., S. 20 f.

16 Vgl. Horster (2009), S. 108-111.

17 Vgl. Hanssmann, (2010), Bd. 23, S. 17-23.

18 Vgl. Heimbach-Steins (2005), Bd. 2, S. 105.

19 Vgl. ebd., Bd 2, S. 125.

20 Vgl. Heimbach-Steins (2004), Bd. 1, S. 195.

21 Vgl. ebd. S. 90.

22 Vgl. Millendorfer/Gasparin (1971), S. 81-120.

23 Vgl. Höffe (2002), S. 58.59.

24 Vgl. Enderle (1993), S. 10.

25 Vgl. Rohrhirsch (2005), S. 60-61.

26 Vgl. Homann/Blome-Dress (1992), S. 14 f.

27 Vgl. Krupinski (1993), S. 102 f.

28 Vgl. Rich (1987), S. 67.

29 Vgl. Suchanek (2007), S. 42.

30 ebd., S. 48-50.

31 Vgl. Bausch (1994), S. 31.

32 Vgl. Ulrich/Büscher/Mathiesen/Sarasin (1996), S. 10.

33 Vgl. Ulrich (1999), S. 230.

34 Vgl. Ulrich (1998), S. 1.

35 Vgl. Gmür/Thommen (2006), S. 43 f.

36 Vgl. Krupinski (1993), S. 79.

37 Vgl. ebd., S. 79.

38 Vgl. ebd., S. 80.

39 Vgl. ebd., S. 98 f.

40 Vgl. Ulrich (2001), S. 6.

41 Vgl. Ulrich (1998), S. 7.

42 Vgl. Stückelberger (2001), S. 13.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Christliche Wertekultur. Ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln
Hochschule
Universität Basel
Autor
Jahr
2012
Seiten
61
Katalognummer
V312514
ISBN (eBook)
9783668113596
ISBN (Buch)
9783668113602
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Ethik, Führungsmanagment, Wirtschaftsethik, Philosophie, Managementlehre, Theologie, Korruption, anständiges und unanständiges wirtschaftliches Handeln, nachhaltiges Management, Moral, Führung
Arbeit zitieren
Franz Ludin (Autor), 2012, Christliche Wertekultur. Ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312514

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Christliche Wertekultur. Ein Erfolgsfaktor für das wirtschaftliche Handeln



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden