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Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Rechtfertigungsgrundes eines Staatsnotstands

Titel: Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Rechtfertigungsgrundes eines Staatsnotstands

Examensarbeit , 2012 , 52 Seiten , Note: 12 Punkte

Autor:in: Stephan Schneider (Autor:in)

Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Begriff des Staatsnotstands meint im Völkerrecht eine Rechtfertigung völkerrechtswidriger Handlungen eines Staates auf Grund einer gegenwärtigen Gefahr für staatliche Interessen. Im Lauf der Geschichte wurde der Staatsnotstand immer wieder als Rechtfertigung für rechtswidrige Kriege, Annektierungen und Kolonialisierung missbraucht. 1914 belagerten unter diesem Vorwand deutsche Truppen im Rahmen des Schlieffen-Plans Belgien und Luxemburg, während des zweiten Weltkrieges rechtfertigte Italien damit die Besetzung Griechenlands und Jugoslawiens, bereits 1846 berief sich Österreich bei der Annektierung Krakaus auf den Staatsnotstand . Aber nicht nur im Zusammenhang mit Krieg, sondern auch im Wirtschaftsleben spielt der Staatsnotstand eine Rolle. Hoch verschuldete Staaten weigern sich leichtfertig, Schulden gegenüber privaten Gläubigern zurückzuzahlen , während private Schuldner eine versäumte Tilgung zumindest im deutschen Recht nicht mit dem Begriff des Notstands rechtfertigen können .
Jene missbräuchlichen und leichtfertigen Berufungen auf den Staatsnotstand als Rechtfertigungsgrund für völkerrechtswidriges Verhalten verlangen nach einer Auseinandersetzung mit dessen Voraussetzungen und Rechtsfolgen. Diese sollen im Folgenden anhand mehrerer Beispiele aus der Praxis internationaler Gerichte erarbeitet und erläutert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Der Staatsnotstand im Kontext des Völkerrechts

B. Die Voraussetzungen des Staatsnotstands

I. Die rechtliche Anerkennung des Staatsnotstandes

1. Artikel 25 des ILC Entwurfs zur Staatenverantwortlichkeit

2. Staatsnotstand als allgemeiner Rechtsgrundsatz

3. Die völkergewohnheitsrechtliche Anerkennung

4. Staatsnotstand in vertraglichen Regelungen

II. Voraussetzungen des Staatsnotstandes im Einzelnen

1. Völkerrechtswidriges Verhalten

2. Wesentliches staatliches Interesse

a. Staatshaushalt

b. Umweltschutz und ökologisches Gleichgewicht

c. Sicherheit und Wohlergehen der Bevölkerung

d. Militärischer Erfolg

e. Zusammenfassung

3. Interesse der Staatengemeinschaft

4. Schwere, unmittelbare Gefahr für das Interesse des Staates

5. Erforderlichkeit der Maßnahme

6. Abwägung mit wesentlichen Interessen anderer Staaten

7. Staatliche Zurechenbarkeit der Maßnahme

8. Ausschluss des Staatsnotstands

a. Rechtlicher Ausschluss des Staatsnotstands

aa. Völkervertragliche Vereinbarungen

bb. ius cogens

cc. Verpflichtung erga omnes

b. Ausschluss des Staatsnotstands aus tatsächlichen Gründen

c. Die Berufung auf Staatsnotstand gegenüber Privaten

d. Staatsnotstand und privatrechtliche Verträge

9. Unterschiede zu anderen Rechtfertigungsgründen

10. Zusammenfassung

C. Rechtsfolgen des Staatsnotstandes

I. Ausschluss der Rechtswidrigkeit und Verantwortlichkeit

II. Aussetzung der völkerrechtlichen Verpflichtungen

III. Entschädigungspflicht

IV. Ausschluss von Gegenmaßnahmen

V. Einfluss auf völkerrechtliche Verträge

1. Vertragsbeendigung

2. Vertragsanpassung

VI. Typisierung des Staatsnotstands

D. Der Staatsnotstand als unumgängliches Rechtsinstitut

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff des Staatsnotstands im Völkerrecht auseinander. Ziel ist es, die Voraussetzungen und Rechtsfolgen dieses Rechtfertigungsgrundes präzise zu definieren und anhand internationaler Gerichtspraxis zu untersuchen, um eine missbräuchliche Berufung auf den Staatsnotstand zur Rechtfertigung völkerrechtswidrigen Verhaltens zu verhindern.

  • Völkerrechtliche Anerkennung und dogmatische Einordnung des Staatsnotstands
  • Detaillierte Analyse der kumulativen Voraussetzungen gemäß ILC-Entwurf
  • Abgrenzung wesentlicher staatlicher Interessen (Staatshaushalt, Umweltschutz, Sicherheit)
  • Untersuchung von Ausschlussgründen (ius cogens, tatsächliche Gründe, Privatrechtsverhältnisse)
  • Rechtsfolgen bei erfolgreicher Geltendmachung, insbesondere Entschädigungspflichten

Auszug aus dem Buch

a. Staatshaushalt

Im „Russian Indemnity“ Fall 1912 begründete das Osmanische Reich den Zahlungsverzug von Reparationsleistungen bei der Russischen Regierung mit der schwierigen finanziellen Situation in der es sich zu diesem Zeitpunkt befand und machte damit einen Staatsnotsand (fälschlicherweise als Notlage bezeichnet) geltend. Der Notstand wurde vorliegend zwar verneint, jedoch bestätigte das zuständige Schiedsgericht, dass eine Notstandslage auf Grund finanzieller Schwierigkeiten dann bestehen kann, wenn die Rückzahlung der Schuld „selbstzerstörerisch“ wäre, das heißt die Existenz des Staates gefährden würde.

Im Fall “French Company of Venezuela Railroads“ von 1905 bestätigte das zuständige Gericht, dass die verweigerte Rückzahlung von Schulden durch Notstand (wiederum als Notlage bezeichnet) gerechtfertigt ist, wenn es den Staat in eine derart schlechte finanzielle Situation versetzt, dass dessen Selbsterhaltung gefährdet scheint.

Für die Entscheidung im Société Commerciale de Belgique Fall (s.o.) war das angerufene Gericht zwar nicht zuständig, betonte im Ergebnis aber dennoch die Möglichkeit, sich bei der Verweigerung der Rückzahlung von Schulden auf eine Notstandslage zu berufen, soweit der Haushalt des Staates sonst derart schlecht aufgestellt wäre, dass die Funktionsfähigkeit der wesentlichen Öffentlichen Dienstleistungen nichtmehr aufrechterhalten werden kann. Mit dieser Entscheidung wurden die Voraussetzungen an die Schwere der finanziellen Lage somit abgesenkt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob für alle Staaten der gleiche Maßstab an die „wesentlichen Öffentlichen Dienstleistungen“ zu stellen ist, oder ob bspw. zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern unterschieden werden muss.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Der Staatsnotstand im Kontext des Völkerrechts: Einleitung in den Begriff des Staatsnotstands und Abgrenzung zum verfassungsrechtlichen Notstand sowie historische Kontextualisierung.

B. Die Voraussetzungen des Staatsnotstands: Untersuchung der rechtlichen Anerkennung und detaillierte Prüfung der Voraussetzungen gemäß ILC-Entwurf und Staatenpraxis.

C. Rechtsfolgen des Staatsnotstandes: Analyse der Auswirkungen einer erfolgreichen Berufung auf den Staatsnotstand, insbesondere im Hinblick auf Rechtswidrigkeit und Entschädigung.

D. Der Staatsnotstand als unumgängliches Rechtsinstitut: Abschließende Würdigung des Staatsnotstands als notwendiges Instrument des Völkerrechts trotz verbleibender Kritikpunkte.

Schlüsselwörter

Staatsnotstand, Völkerrecht, Staatenverantwortlichkeit, ILC-Entwurf, Rechtfertigungsgrund, völkerrechtswidriges Verhalten, wesentliches Interesse, Notlage, Entschädigungspflicht, Ius cogens, Wirtschaftsnotstand, Souveränität, Staatenpraxis, Internationale Gerichte, Rechtsfolgen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den völkerrechtlichen Rechtfertigungsgrund des Staatsnotstands, seine Voraussetzungen und die daraus resultierenden Rechtsfolgen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen die völkergewohnheitsrechtliche Anerkennung, die Kriterien für wesentliche staatliche Interessen, die Abgrenzung zu anderen Rechtfertigungsgründen sowie die Frage der Entschädigung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die strengen Voraussetzungen des Staatsnotstands zu analysieren, um Missbrauch vorzubeugen und die Rechtslage für die Staatengemeinschaft zu klären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer juristischen Analyse von Völkerrechtsquellen, insbesondere dem ILC-Entwurf zur Staatenverantwortlichkeit sowie der Auswertung internationaler Gerichtsurteile.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Voraussetzungen (Existenz, Verhalten, Interesse, Erforderlichkeit, Abwägung) und die anschließende Untersuchung der Rechtsfolgen (Verantwortlichkeit, Entschädigung).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Staatsnotstand, Völkerrecht, Staatenverantwortlichkeit, ILC-Entwurf, Rechtfertigungsgrund und Entschädigungspflicht sind prägend für die Arbeit.

Kann sich ein Staat im Wirtschaftsnotstand einfach auf den Staatsnotstand berufen?

Nein, der wirtschaftliche Notstand unterliegt engen Voraussetzungen; eine bloße finanzielle Belastung genügt nicht, die Zahlungsunfähigkeit muss die Existenz oder wesentliche Dienste des Staates bedrohen.

Wie geht die Arbeit mit der Berufung auf Staatsnotstand gegenüber Privaten um?

Die Arbeit diskutiert kontrovers, ob dies zulässig ist, tendiert jedoch zur Auffassung, dass Staaten sich gegenüber privaten Gläubigern nur schwerlich auf den Staatsnotstand berufen können.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Rechtfertigungsgrundes eines Staatsnotstands
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
12 Punkte
Autor
Stephan Schneider (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
52
Katalognummer
V312566
ISBN (eBook)
9783668115309
ISBN (Buch)
9783668115316
Sprache
Deutsch
Schlagworte
voraussetzungen rechtsfolgen rechtfertigungsgrundes staatsnotstands
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephan Schneider (Autor:in), 2012, Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Rechtfertigungsgrundes eines Staatsnotstands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312566
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Leseprobe aus  52  Seiten
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