Französische Republik-Propaganda gegen deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Fakt und Fassade


Bachelorarbeit, 2015
38 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Propaganda als Kriegswaffe
1.1 Ziel und Abgrenzung dieser Arbeit
1.2 Definitionen der relevanten Begriffe

2 Der Hintergrund des Hohenzollern-Hasses

3 Die deutschen Soldaten als Zielgruppe

4 Die Methodik – Republikanische Flugblätter
4.1 Die äußeren (Gestaltungs-)Merkmale
4.2 Deutsche republikanische Autoren am Beispiel Wilhelm Ecksteins
4.3 Der Inhalt der Flugblätter
4.3.1 Der Kampf gegen Wilhelm II. und den preußischen Militarismus
4.3.2 Der Kampf für eine deutsche Republik

5 Untermauerung der Fassade – Die Hintergründe
5.1 Desertion als Weg in den Frieden
5.2 Freiheit und Demokratie
5.3 Politische Umstände
5.3.1 Kaiser Wilhelm II. und seine Politik
5.3.2 Karl Liebknecht und der Sozialismus
5.3.3 Der Sturz des russischen Zaren

6 Fazit: Konsequenzen der Republik-Propaganda

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Propaganda als Kriegswaffe

Um einen Krieg zu entscheiden, braucht es oftmals nicht nur Waffengewalt. Das wussten auch die Franzosen, als sie 1914, neben dem Kampf an der europäischen Westfront, mit einem gezielten Propagandafeldzug gegen die Deutschen begannen. Anfangs noch sehr unsystematisch, nahm dieser im Verlauf des Krieges immer mehr zu, um eine möglichst rasche Niederlage Deutschlands mit Hilfe der moralischen Kriegsführung herbeizuführen. Damit man die Soldaten, mit denen man sich einerseits erbitterte Kämpfe lieferte, andererseits auf die eigene Seiten ziehen konnte, musste eine ausgeklügelte und für den Gegner freundliche Propagandafassade errichtet werden. Im Ersten Weltkrieg versuchten die Franzosen das u. a. mit einer Republik-Propaganda. Mit dieser sollten die deutschen Soldaten von der verfassungsfeindlichen und despotischen Position ihres Kaisers überzeugt und so zum Kampf gegen die eigene Regierung angestiftet werden, um ein republikanisches System herzustellen. Wie aber haben es die Franzosen geschafft, eine solche Fassade für ihre erbitterten Feinde glaubwürdig zu gestalten, um eine Propaganda zu schaffen, die eine reelle Chance zur Beeinflussung des Kriegsgeschehens und insbesondere des Kriegsausganges gehabt hätte bzw. die diesen tatsächlich beeinflusst hat?

1.1 Ziel und Abgrenzung dieser Arbeit

In der Feindpropaganda ist es üblich, den Blick des Gegners vom äußeren Feind, hier den Franzosen, auf einen inneren, hier Kaiser Wilhelm II. mit seiner Militärmonarchie, zu lenken, um eine Schwächung des Feindes von innen heraus zu erreichen. Im Folgenden soll analysiert werden, mit Hilfe welcher stützender Fakten und welcher Methoden die französischen Propagandisten eine Fassade aufbauten, die bei den deutschen Soldaten so viel Vertrauen erweckte, dass sie dadurch einen gewinnenden Einfluss ausüben konnte.

Die zwei Hauptakteure der französischen Flugblattpropaganda gegen die Deutschen zwischen 1914 und 1918, Jean-Jacques Waltz alias Hansi und Ernest Tonnelat, stellten 1922 ihre Vorgehensweisen und Hintergründe der Flugblattgestaltung in einem ausführlichen Werk A travers les lignes ennemies. Trois années d’offensive contre le moral allemand dar. Dieses Buch dient als Basis für die vorliegende Arbeit. Sozusagen die deutsche Gegenseite wird beschrieben durch Hans Thimmes Buch Weltkrieg ohne Waffen – Die Propaganda der Westmächte gegen Deutschland, ihre Wirkung und ihre Abwehr von 1932. In seinen Betrachtungen beschäftigt er sich intensiv mit Hansi und Tonnelat. Zu dem Vergleich dieser beiden Bücher kommen in der vorliegenden Arbeit eine Analyse weiterer Autoren sowie eine eigene Betrachtung der Flugblätter mit republikanischem Inhalt. Diese und dazugehörige Informationen entstammen Klaus Kirchners Flugblattsammlung Flugblätter aus Frankreich 1914–1918 von 1992. Mit den Auswertungen soll geprüft werden, welche Strategien und Inhalte die Franzosen zur moralischen Kriegsführung unter der Fahne der Revolutionäre[1] genutzt haben, um eine Niederlage Deutschlands herbeizuführen.

1.2 Definitionen der relevanten Begriffe

Der Begriff Flugblätter umfasst in dieser Arbeit alle von der französischen Propagandaabteilung gefertigten schriftlichen Medien, die in der Zeit von 1914 bis 1918 über den deutschen Linien per Flugzeug abgeworfen oder mit Ballonen oder Geschossen verbreitet wurden. Diese beinhalten sowohl Einzelblattdrucke als auch Flugblattbroschüren und -zeitungen.

Bei der Bezeichnung Republik-Propaganda handelt es sich um einen, vom Verfasser selbst gewählten, nicht offiziellen Begriff, der eine Sparte der französischen Flugblattpropaganda abdeckt. Dabei errichteten die Franzosen eine Fassade, die das Ziel einer deutschen Republik vortäuschte, um die deutsche Armee zu schwächen. Für diese Fassade nutzten sie u.a. deutsches und europäisches Tagesgeschehen, versuchten dabei aber mit allen Mitteln ihre eigentlichen Kriegsziele, wie die Zerstörung Deutschlands und dessen Großmachtstrebens, zu vertuschen.

Der preußische Militarismus [2], dessen Vernichtung ebenfalls Ziel Frankreichs war, wird von den Ententemächten folgendermaßen beschrieben und deshalb als negatives Symbol in der Propaganda gebraucht: Der preußische Militarismus ist „ein System politischer Machtverteilung: das System, in dem die Armee nicht ein Werkzeug des Staates, sondern seine Herrin ist.“[3] Es gibt also eine Waffenherrschaft und keine parlamentarische Regierungsform. Die Entente bezeichnet „Preussen-Deutschland [als] die Verkörperung des Militarismus.“[4]

2 Der Hintergrund des Hohenzollern-Hasses

Dieser preußische Militarismus zeigte sich laut den Franzosen erstmals im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Bei dessen Ende ließ sich Wilhelm I. nach Frankreichs Niederlage im Kronsaal von Versailles zum deutschen Kaiser krönen. Durch den erneuten Verlust Elsaß-Lothringens und vor allem aufgrund dieser Demütigung im eigenen ehemaligen Kaiserschloss wurde Deutschland für Frankreich zum erklärten Erbfeind und dessen Zerstörung zum höchsten Streben.[5],[6] Deshalb war schon 1914 für die Franzosen das vorgelagerte Ziel, durch die Kampfhandlungen Elsaß-Lothringen zurückzugewinnen und sich für die Schmach von Versailles in einem „Revanchekrieg“[7] zu rächen.[8] Dieser war für den Antrieb der Propagandisten und der französischen Soldaten von großer Bedeutung. Im Gegensatz zu ihnen hatten die Deutschen im Laufe des Krieges kein greifbares Kriegsziel mehr vor Augen. Die Soldaten, die in Frankreich weit von ihrer Heimat entfernt waren, fochten hier nicht, wie die Einheimischen, für den Schutz und die Verteidigung des Vaterlandes.[9] Die französische Propaganda versuchte deshalb, ihnen als Ersatz den Kampf für die Republik zu bieten.

3 Die deutschen Soldaten als Zielgruppe

Das oberste Ziel Frankreichs war also, auch wenn es das hinter einer Fassade der Gerechtigkeit verbarg, stets der Sieg; laut Henri Bornecque „La paix blanche était un leurre pour la France. Si celle-ci voulait vivre, il lui fallait vaincre, vaincre à tout prix [Herv. i. Orig.].“[10] Dazu waren der französischen Propagandaabteilung[11] alle möglichen Wege recht.[12] Nachdem die Deutschen, gemäß Hansi und Tonnelat, mit dem moralischen Flugblattfeldzug begannen[13], waren die Franzosen gezwungen, auf deren Propagandatätigkeiten zu reagieren, um ihrerseits einen strategischen Vorteil zu erhalten:

„Cela ne les avait pas empêchés de toujours se faire battre avec leurs propres armes. […] Les Allemands avaient voulu […] la bataille morale; on ferait comme eux et l’on ferait mieux qu’eux. […] [O]n arriverait à les vaincre.“[14]

Hansi und Tonnelat sahen die deutschen Soldaten als „les pauvres diables forcés de garder les tranchées allemandes“[15]. Die Formulierung erweckt den Eindruck, dass die Propagandisten die Soldaten als Werkzeuge der deutschen Machthaber betrachteten – gezwungen das zu tun, was ihnen aufgetragen wurde. Diese mangelnde innere Motivation würde sie, aus Sicht der beiden Franzosen, leichter beeinflussbar machen. Dabei waren sich die Propagandisten darüber im Klaren, dass ihre Flugblätter bei der allgemeinen deutschen Kriegseuphorie zu Beginn wirkungslos gewesen wären und die Deutschen nie auf Ratschläge der feindlichen Franzosen gehört hätten.[16] Diese äußeren Motivatoren mussten die Franzosen durch Aufhetzung gegen die deutsche Regierung unterminieren. Um das zu erreichen, widmeten sich die Franzosen schließlich der Republik-Propaganda.[17]

Um also das Vertrauen der Soldaten zu gewinnen, mussten überzeugende Argumente gefunden werden, die an die Stimmung im Heer angepasst wurden.[18] Dazu führte Hansi, der als Elsässer der deutschen Sprache mächtig war, Befragungen der deutschen Kriegsgefangenen durch, um Informationen betreffend innenpolitische Spannungen in Deutschland zu erhalten: „Je […] sondais leur état d'âme, je parlais leurs dialectes pour les mettre en confiance, pour tenter de pénétrer leur mentalité.“[19] So konnte er laut Thimme eine Entwicklung der deutschen Stimmung im Verlauf des Krieges zu einer „immer größere[n] Kriegsmüdigkeit und Neigung zur Kritik“ feststellen.[20],[21] Über die Folgen dieser Untersuchungen äußert Thimme sich wie folgt:

„Die feindliche Propaganda verstand es so vortrefflich, ihre Angriffe gegen die deutsche Regierung und Heeresleitung nach dem Grade der Mißstimmung in Deutschland abzutönen, daß es sogar möglich ist, von dem Tone der feindlichen Flugblätter auf die Stimmung der deutschen Soldaten Rückschlüsse zu machen.“[22]

Die eintretende Kriegsmüdigkeit führte schließlich zu immer konkreteren Umsturzgefühlen, die die Franzosen als Nährboden für ihre Propaganda nahmen.[23]

4 Die Methodik – Republikanische Flugblätter

Im Zuge der Republik-Propaganda entstanden von französischer Seite zahlreiche gezielt und systematisch erzeugte Propagandaschriften.[24]

4.1 Die äußeren (Gestaltungs-)Merkmale

Diese Schriften mussten, um ihren wahren Zweck zu erreichen, so gestaltet sein, dass sie kein Misstrauen seitens der deutschen Soldaten weckten. Hansi nennt hierfür als oberstes Gebot, die deutsche Sprache absolut fehlerfrei zu gebrauchen.[25] Auch musste das sprachliche Niveau der Soldaten berücksichtigt werden. Hansi selbst (s. Kap. 3) und die Mitarbeit deutscher Autoren waren hierfür von Vorteil. Um einen Wiedererkennungswert zu erhalten, imitierten die Propagandisten das Layout deutscher Zeitungen, wie bei der Gestaltung der Flugblattzeitung Die Feldpost.[26] Auch weitere Fälschungen, wie des Titelblattes, des Umschlages oder Scheintitel, waren neben der Nachahmung ganzer Zeitungen, z. B. der Frankfurter Zeitung [27], an der Tagesordnung.[28],[29] Mehrere Flugblattbroschüren wurden im Mantel des Reclam-Verlags aus Leipzig verbreitet. Hansi und Tonnelat geben unumwunden zu, dass dieser Einband eine Lüge war. Die Broschüren wurde tatsächlich in Paris gedruckt, was sie als „petit camouflage de guerre“[30] bezeichneten. Um ihre Propagandamaßnahmen nicht als ebensolche erkennbar werden zu lassen, ließen Hansi und Tonnelat auf die Flugblätter auch Preisangaben drucken (s. Abb. 3). So sahen die Schriften aus, als kämen sie aus gewinnorientierten privaten Druckstellen, und nicht, als seien sie von der französischen Regierung finanziert. Außerdem nutzten die Franzosen auch Artikel aus deutschen Zeitungen unter Angabe der jeweiligen Ausgabe, um eine Zusammenarbeit mit den Deutschen zu suggerieren und so Vertrauen zu erwecken.[31] Die Flugblätter, die einen deutschen Ursprung vorgeben sollten, erschienen meist in altdeutscher Fraktur. Einige spätere, auf die Republik bezogene Schriften waren in Antiqua gesetzt. Das sieht man gut am Beispiel der Flugblattzeitung Die Feldpost. Zu Beginn des Krieges geschmückt mit den Farben des Kaiserreiches Schwarz-Weiß-Rot, war sie in Fraktur gedruckt, solange sie den Eindruck eines urdeutschen Schriftstücks erwecken sollte. Als die Zeitung später als republikanische Schrift unter dem Namen Das Freie Deutsche Wort [32] abgeworfen wurde, erschien sie in Antiqua.

Ein spezieller Gestaltungsaspekt der republikanischen Propagandaschriften waren schwarz-rot-goldene Banner und Streifen, die eine Verbindung zu der deutschen Revolution von 1848 herstellten.[33] Man kann darauf schließen, dass die Soldaten damit an das „glorreiche“ revolutionäre Ereignis erinnert und dazu aufgerufen werden sollten, es den Deutschen von damals gleich zu tun, und damit ebenfalls in die deutsche Geschichte einzugehen. In Abb. 1 ist die Abwurfkarte Republik bedeutet Frieden und Freiheit! mit diesen Farben zu sehen.[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Flugabwurfkarte Republik bedeutet Frieden und Freiheit! in den republikanischen Farben (Klaus Kirchner 1992, S. 181)

4.2 Deutsche republikanische Autoren am Beispiel Wilhelm Ecksteins

Die Langversion dieser Flugabwurfkarte stammte von Wilhelm Eckstein[35], der unter dem Pseudonym Siegfried Balder[36] schrieb. Er war einer mehrerer „deutsche[r] Staatsangehörige[r]“[37], die entweder in französischen Kriegsgefangenenlagern oder im neutralen Ausland, insbesondere der Schweiz, republikanische Schriften verfassten. Darunter Dr. Hermann Rösemeier, ehemaliger Chefredakteur der Berliner Morgenpost, Richard Grelling u.v.m.[38] Von diesen Autoren berichtete sogar 1922, nach Erscheinen Hansis und Tonnelats Buch, eine französische Zeitung.[39] Diese waren besonders geeignet, da sie mit ihrer Meinungsäußerung wegen ihrer (ehemaligen) Stellung[40] für die Deutschen sehr glaubwürdig wirkten.[41],[42] Aufgrund der Authentizität, u. a. durch Detailinformationen zu den „deutschen Verhältnissen“[43], waren die Emigranten die stärkste Waffe der französischen Republik-Propaganda. Hansi und Tonnelat nennen den Hauptgrund für die Wirksamkeit: „Ces hommes ne travaillaient pas pour nous, mais pour l’Allemagne démocratique de leurs rêves“[44], geben aber auch den Hintergrund zu, warum die deutschen Autoren für sie so wichtig waren: „La défaite allemande proclamée […] par une voix allemande, c’était là une opinion qu’il importait de faire connaître largement en Allemagne“[45], um eine moralische Schwächung der Armee zu erreichen. Die Autoren schrieben also aus eigener Überzeugung, was ihre Werke sehr einflussreich, da für die Soldaten überzeugend, machte.[46] In den Kriegsblättern für das deutsche Volk [47] nutzten die Franzosen das und schufen Vertrauen über die Formulierung: „Wie ein Deutscher über die deutsche Regierung denkt“. Andererseits hatten auch die Autoren[48] einen Vorteil davon, da somit eine weitläufige und zahlreiche Verbreitung ihrer Schriften gewährleistet wurde. Angelehnt an die deutsche Revolution von 1848, wollten sie ein neues, demokratisches und rechtschaffenes Deutschland erschaffen.[49] Zwar ließen sie den „Kaiser- und Einheitsgedanke[n]“ von 1848 außer Acht, verteidigten aber trotzdem ihre deutschen Ideen.[50] Viele ihrer Punkte konnten die Franzosen ohne Wenn und Aber unterschreiben.[51] Siegfried Balder sagte über sich und die anderen deutschen Republikaner: „Nous sommes les alliés naturels de l'Entente.“[52] Was er ausschöpfen wollte, hatte er doch noch höhere Ziele: Er wollte selbst Präsident der ersten deutschen Republik werden. Diesen Ehrgeiz nutzten die Franzosen für ihre Zwecke aus, solange sie ihn für ihre Propaganda benötigten.[53] Im Kriegsgefangenenlager „Fort Sucy“ in der Nähe von Paris sollte Balder sogar eine „republikanische Armee“ aufbauen.[54] Hansi zeigt in einer Zeichnung, dass diese „Armee“ in Wahrheit nur aus fünf „armseligen“ Kriegsgefangenen bestand. Damit wird klar, dass mit der Bezeichnung „Armee“ vor allem die deutschen Soldaten beeindruckt werden sollten.[55]

Hansi[56] stellte die ihm verhassten Deutschen häufig mit einer eher hageren Gestalt dar. Außerdem finden sich stets ein fliehendes Kinn und eine Brille.[57],[58] Eine Tendenz zu dieser Charakterisierung ist auch bei einer seiner Karikaturen von 1922, die Balder darstellt, ersichtlich, woran man die eigentliche Einstellung der Franzosen ihm gegenüber erkennen kann[59] (vgl. Abb. 2). Während des Krieges hofierten die Franzosen ihn als ihren „Freund“, um ihn für die Propaganda skrupellos auszunutzen – hielten ihn aber eigentlich für eine Witzfigur und taten das nach dem Krieg auch öffentlich kund.[60],[61]

[...]


[1] Keine andere Propagandaform der Franzosen, z. B. die Vermittlung von Gefallenenzahlen zur Schwächung der Kampfmoral, nahm zahlenmäßig und organisatorisch (eigene Autoren, eigene Zeitung, thematische Broschüren etc.) die gleichen Ausmaße an wie die Propaganda, die die Schaffung einer deutschen Republik als Ziel vortäuschte (vgl. Kirchner 1992).

[2] Für die Propaganda ist er wichtig, da er sowohl zur Unterstützung der Fassade als auch zu den französischen Hintergründen gehörte.

[3] Diese Definition verbreiteten die Franzosen z. B. über die Flugblattzeitung Das Freie Deutsche Wort, Nr. 38 (September 1918).

[4] ebd.

[5] Léon Schirmann, Été 1914. Mensonges et désinformation : comment on "vend" une guerre. 2003, S. 175.

[6] Eugen Neter, „Der Seelische Zusammenbruch der deutschen Kampffront“, Süddeutsche Monatshefte, München 1925, 1–47, S. 31.

[7] Oskar Michel, Die Lügenpresse unserer Feinde, Schützengräbenbücher für das deutsche Volk, Berlin 1918, S. 16.

[8] Friedrich Stieve, „Die Kriegsziele der Entente“, Süddeutsche Monatshefte, München 1925, 1–33, S. 2.

[9] Neter (Anm. 6), S. 31.

[10] Henri Bornecque, La France et la guerre. Formation de l'opinion publique pendant la guerre, Paris 1921, S. 19.

[11] Die Abteilung trug den Namen „Service de la propagande aérienne“ (später „Centre de la propagande contre l’ennemi“) – Hansi und Tonnelat hatten die Leitung inne.

[12] Ralph Haswell Lutz, The causes of the German collapse in 1918. Sections of the officially authorized report of the Commission of the German Constituent Assembly and of the German Reichstag, 1919 – 1928, the selection and the translation officially approved by the commission, Stanford, Calif. [u. a.] 1934, S. 127 f.

[13] Klaus Kirchner (Flugblätter aus Frankreich 1914–1918, Erlangen 1992) widerlegt das und stellt dar, dass die Franzosen mit einem moralischen Kriegszug per Flugblatt begonnen hatten (S. VII).

[14] Hansi et Tonnelat, A travers les lignes ennemies. Trois années d'offensive contre le moral allemand, Paris 1922, S. 136. – Man sieht hier an ihrer eigenen Aussage, dass sie mit der Propaganda nur eine Niederlage Deutschlands erreichen wollten.

[15] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 20.

[16] ebd., S. 8.

[17] ebd., S. 10 /14.

[18] Da die Soldaten zur Untätigkeit und großenteils Unwissenheit bzgl. des entfernteren Kriegsgeschehens durch immensen Informationsmangel an der Front verdammt waren, hatten die Franzosen eine erste Chance, den Informationsdurst durch gezielte Informationen zu befriedigen und Aufmerksamkeit in der vorherrschenden Langeweile zu bekommen.

[19] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 8.

[20] Hans Thimme, Weltkrieg ohne Waffen. Die Propaganda der Weltmächte gegen Deutschland, ihre Wirkung und ihre Abwehr, Stuttgart u.a. 1932, S.119.

[21] Neben den Befragungen Kriegsgefangener, untersuchten Hansi und Tonnelat auch Briefe aus Deutschland, die sie bei ebenjenen fanden, um die Stimmung dort zu ermitteln. An diese konnten sie dann ihre Propagandamaßnahmen anpassen. Daraufhin entstanden die Flugblattzeitungen Grüsse an die Heimat und Briefe aus Deutschland, die die jeweiligen Briefe faksimiliert verbreiteten, um den Soldaten die Zunahme der verschlechterten Stimmung zu vermitteln.

[22] Thimme (Anm. 20), S. 119. – Danach sollte eine zunehmend revolutionäre Stimmung in Flugblättern und auch privater Korrespondenz der Soldaten festzustellen sein (ein bestätigender Vergleich ist in der vorliegenden Arbeit leider, aufgrund der schlechten Quellenlage bzgl. der Soldatenbriefe, nicht möglich).

[23] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 42/87 f.

[24] In Klaus Kirchners Flugblattsammlung (Anm. 13) kann man über 160 unterschiedliche Werke mit weitestgehend republikanischem Inhalt unterscheiden, die in enormen Auflagenzahlen erschienen (durchschnittlich etwa 200.000 Stück; bei den Reden Präsident Wilsons wird Ende des Krieges sogar eine Zahl von 1.000.000 gedruckten Exemplaren genannt).

[25] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 10.

[26] Benoît Bruant, Hansi. L'artiste tendre et rebelle, Strasbourg 2008, S. 182.

[27] Als Beispiel kann hier die Ausgabe vom 31. Juli 1917 angeführt werden.

[28] Wilhelm Ernst, Die antideutsche Propaganda durch das Schweizer Gebiet im Weltkrieg, speziell die Propaganda in Bayern, München 1933, S. 20ff.

Richard Grellings J’accuse erschien z. B. unter dem Titel Die Europäische Lage. Grelling war ein republikanischer Schweizer-Immigrant und durch seine Anklageschrift J’accuse, die sich für die Kriegsschuld der deutschen Regierung aussprach und diese zu beweisen suchte, in Deutschland und international zu Bekanntheit gelangt. So hatte seine Stimme auch für weitere Flugblätter durchaus Gewicht.

[29] Bruant (Anm. 26), S. 186 f.

[30] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 30.

[31] In der ersten Ausgabe der Flugblattzeitung Das freie deutsche Wort wurde z. B. ein Artikel über die Kriegsgier der deutschen Regierung abgedruckt, veröffentlicht kurz vor Ausbruch des Krieges im Vorwärts. Dieser war eine sozialdemokratische Zeitung in Deutschland. Abwurfbeginn der Flugblattzeitung war Januar 1917. Es wurde also eine Kriegsschuld der deutschen Regierung mit deren inländischen Medien belegt.

[32] Von der Flugblattzeitung Das Freie Deutsche Wort wurden von Januar 1917 bis November 1918 42 Nummern abgeworfen. Bei den letzten Nummern konnte eine gedruckte Auflage von 200.000 Stück pro Ausgabe nachgewiesen werden. Zu Beginn des Krieges trug die Zeitung den Namen Die Feldpost, erschien später unter dem Titel Kriegsblätter für das deutsche Volk und erhielt erst 1917 den Namen Das Freie Deutsche Wort. Der Inhalt wurde im Verlauf zunehmend revolutionär.

[33] Thimme (Anm. 20), S. 133. – Die deutschen Burschenschaften hatten diese Farben 1848 als „Symbol der zu erringenden Freiheit“ und der Revolution getragen. Das galt auch dann auch für die franz. Flugblätter.

[34] George G. Bruntz, Allied Propaganda and the Collapse of the German Empire in 1918, International Propaganda and Communications - Hoover War Library Communications 13, New York 1972, S. 109 f.

[35] Zu dieser Zeit deutscher Kriegsgefangener in Frankreich.

[36] Die meisten der republikanischen Emigranten schrieben zu Beginn unter dem Schutz eines Pseudonyms, um vor möglicher deutscher, politischer Verfolgung sicher zu sein. Siegfried Balder hatte noch zwei andere Gründe. Erstens war er Jude, was zu dieser Zeit bereits eine Rolle seine Reputation betreffend spielte; zweitens nutzte er den Hintergrund seines Pseudonyms als Markenzeichen. „Siegfried“ war der deutsche Held aus der Nibelungensage, der das Schwert gegen den gefährlichen Drachen (hier übertragbar auf Wilhelm II.) schwang, und „Balder“ in Anlehnung an Balder, den Gott des Lichts und der Gerechtigkeit aus der alten germanischen Mythologie. Außerdem gab es eine deutsche Frontstellungslinie namens Siegfriedstellung, wodurch ein geltender, emotionaler Wert des Namens für die Soldaten ausgemacht werden kann.

[37] Thimme (Anm. 20), S. 122.

[38] Friedrich Felger, „Frontpropaganda bei Feind und Freund“, in: Friedrich Felger (Hrsg.), Was wir vom Weltkrieg nicht wissen, Berlin, Leipzig 1929, 498–530, S. 504 f.

[39] Am 30. Juni 1922 erschien in der franz. Zeitung Le Petit Parisien ein Artikel mit dem Titel La Propagande Française pendant la Grande Guerre. Gaston Richard beschreibt darin Hansis und Tonnelats A travers les lignes ennemies, deckt noch einmal in der Zeitung ihre Propagandamechanismen auf und schließt damit, dass sie damit ihren Beitrag zum finalen Sieg der Entente im Ersten Weltkrieg geleistet hätten.

[40] Die jeweilig hohe Stellung drückte (politische) Bildung aus und hatte damit erhöhte Überzeugungskraft, gerade für großenteils niedriger gestellte Soldaten.

[41] Thimme (Anm. 20), S. 122.

[42] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 20.

[43] Ernst (Anm. 28), S. 5.

[44] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 20.

[45] ebd., S. 142 f.

[46] Die Schriften wirkten damit in Inhalt und Ton viel motivierter, da die Autoren mit High-Involvement (psycholog. Fachbegriff für hohe, innere Motivation) mit viel mehr „Herzblut“ schrieben, als wenn sie von außen dazu angehalten/gezwungen worden wären, und sie sahen damit weniger wie Propagandamaßnahmen für die Soldaten aus, sondern eher wie private Schriften der Autoren.

[47] Einsatzbeginn Juni 1916, Nr. 17.

[48] Bruntz (Anm. 34), S. 42. führt die Autoren namentlich auf. Ausführliche Beschreibungen der Persönlichkeiten finden sich bei Hans Thimme (Anm. 20), Julius Wernsdorf (Anm. 200) und Georg Huber (Anm. 146).

[49] Thimme (Anm. 20), S. 94. / Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 66. – Vgl. damit verbunden die deutsch-demokratischen Farben in der Gestaltung der Flugblätter.

[50] Thimme (Anm. 20), S. 94.

[51] Hansi et Tonnelat (Anm. 14), S. 65 ff.

[52] ebd., S. 87. – Sie hatten seiner Meinung nach das gemeinsame Ziel des Sturzes des deutschen Kaisers und der damit verbundenen Schaffung einer deutschen Republik. Hier wird ersichtlich, dass er wohl tatsächlich naiv an die hehren Ziele Frankreichs glaubte, und nicht daran, dass diese seine Heimat zerstören wollten.

[53] ebd., S. 65 ff.

[54] ebd., S. 87.

[55] ebd.

[56] Jean-Jacques Walz war ursprünglich Zeichner und Karikaturist.

[57] Vergleiche z. B. Zeichnungen Hansis aus der L‘histoire d’Alsace racontée aux petits enfants d’Alsace et de France par l’oncle Hansi. (1915) oder z. B. in Hansis Professor Knatschké (1915), S. 127.

[58] Wilhelm Ziegler, Bilddokumente zur Kriegsschuldfrage, Berlin 1924, S. 80ff.

[59] Mit hängenden Schultern und Mundwinkeln steht er vor dem Fort Sucy, Hut und einen Regenschirm in Händen, den er für ein Geschenk des französischen Präsidenten persönlich hielt. Balder strahlt keinesfalls die Autorität aus, die man vom „Président de la République allemande“ (Hansi et Tonnelat 1922, S. 99) erwarten würde.

[60] In A travers les lignes ennemies widmen Hansi und Tonnelat diesem Thema ein ganzes Kapitel.

[61] Thimme (Anm. 20), S. 129 ff.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Französische Republik-Propaganda gegen deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Fakt und Fassade
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung)
Veranstaltung
Propaganda im Ersten Weltkrieg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
38
Katalognummer
V312627
ISBN (eBook)
9783668116535
ISBN (Buch)
9783668116542
Dateigröße
4383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erster Weltkrieg;, 1914;, Propaganda;, Frankreich;, Wilhelm II.;, Deutschland;, Soldaten;, Flugblätter;, Republik;, Tonnelat;, Hansi;, Russland;, Zar;, Liebknecht;, Hohenzollern;, Bayern;, Preußen;, Desertion;, Sozialisten;
Arbeit zitieren
Marion vom Hofe (Autor), 2015, Französische Republik-Propaganda gegen deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg. Fakt und Fassade, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312627

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