Der Gesundheitssektor ist einer der größten Beschäftigungszweige in Deutschland. Derzeit arbeiten zirka zweieinhalb Millionen Beschäftigte in diesem Bereich, laut Prognosen sollen es bis 2050 bis zu vier Millionen werden, darunter etwas mehr als die Hälfte bei privaten Arbeitgebern.
Die demographische Entwicklung lässt zudem einen weiter stark ansteigenden Bedarf an Arbeitskräften erwarten. In Deutschland gibt es im Moment rund zwei Millionen Pflegebedürftige. Nach einer einfachen Hochrechnung werden die Pflegebedürftigen im Vergleich zu diesem Jahr bis 2020 um etwa 40 Prozent zunehmen.
Der hieraus entstehende Personalbedarf lässt darauf schließen, dass eine einmalig absolvierte und mit einem Examen abgeschlossene dreijährige Lehre - als Einstieg in die berufliche Tätigkeit - für das gesamte Berufsleben ausreicht. Im Gegenteil, eigentlich bedarf es nicht einmal einer dreijährigen Ausbildung. Aus gesundheits- und sozialpolitischer Sicht, sowie aus wirtschaftlichen Überlegungen in der Pflege werden nicht nur Fachkräfte gebraucht, sondern auch Pflegehilfskräfte. Nur so könne man die Versorgung aller Pflegebedürftigen im ambulanten wie stationären Bereich sicher stellen.
Trotz der Faktenlage werden unzählige Fortbildungen, Weiterbildungen und andere Maßnahmen speziell für die Pflege angeboten. Das Angebot ist nahezu unerschöpflich: so bekommt man auf eine Suchanfrage im Internet mit der Eingabe „Weiterbildung Pflege“ fast 2.000.000 Links, die entsprechende Vorschläge parat halten. Sie versprechen eine Kompetenzsteigerung und stellen eine verbesserte Qualifikation in Aussicht. Nicht wenige Pflegekräfte nehmen diese Mehrbelastung bezüglich Zeit und Engagement auf sich.
Daher geht die vorliegende Hausarbeit der Frage nach:
Führt der Erwerb fachlicher Kompetenz, im Rahmen der Fachweiterbildung in der Pflege, zu einer besseren beruflichen Position?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Begriff der Kompetenzförderung
2.1 Kompetenzgenese und Kompetenzentwicklung
2.2 Kompetenz und Bausteine von Kompetenz
2.3 Berufliche Handlungskompetenz
2.4 Kompetenz versus Qualifikation
3 Zugang zu einer Weiterbildung während der Berufspraxis
3.1 ProfiPASS
3.2 Betriebsexterne Weiterbildungsmaßnahmen
3.3 Betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen
4 Voraussetzungen für eine Fachweiterbildung in der psychiatrischen Pflege
4.1 Das Spektrum aller Weiterbildungsmöglichkeiten
4.2 Gestaltung einer Fachweiterbildung
4.3 Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus bildungswissenschaftlicher Perspektive, ob der Erwerb fachlicher Kompetenz durch eine Fachweiterbildung in der psychiatrischen Pflege Pflegekräften zu einer verbesserten beruflichen Position verhilft. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die Verzahnung von theoretischer Qualifizierung und Lernen im Arbeitsprozess für die berufliche Entwicklung spielt.
- Grundlagen der Kompetenzförderung und Kompetenzentwicklung
- Differenzierung zwischen Kompetenz und Qualifikation
- Zugangswege und Methoden der beruflichen Weiterbildung
- Anforderungen und Gestaltung einer fachspezifischen Weiterbildung in der Psychiatrie
- Bedeutung von Weiterbildung für die berufliche Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
4.2 Gestaltung einer Fachweiterbildung
Die Weiterbildung für Pflegekräfte, die bereits in einem Fachbereich arbeiten, soll kompetenzbasiert sein, was bedeutet, dass die bisher erworbene Fach- und Methodenkompetenz sowie die Personal- und Sozialkompetenz der Teilnehmerin im Lernprozess erweitert werden soll; im besten Fall zu einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz, wie sie im Abschnitt 2.3 beschrieben ist. Außerdem soll die Weiterbildung arbeitsplatznah gestaltet werden, indem das Lernen überwiegend am Arbeitsplatz und somit im täglichen Arbeitsprozess stattfindet. Dafür ist eine lernförderliche Arbeitsumgebung notwendig, die einen eigenen Handlungsspielraum mit vollständiger Handlung, Partizipationschancen, Problem- und Komplexitätserfahrung, eine individuelle Entwicklung, sowie Entwicklung von Professionalität und Reflexivität, soziale Unterstützung und Kommunikations- sowie Kooperationsintensität bietet (Dehnbostel, Elsholz & Gillen, 2007, S. 40). Zur Unterstützung dieses Lernprozesses sollen Lerneinheiten für zu Hause angeboten werden, um dem Bedürfnis nach flexibler Zeiteinteilung der Beschäftigten entgegen zu kommen. Durch die Kombination von Lernen im betrieblichen Setting, in der Weiterbildungsstätte und zu Hause, werden sowohl formelles als auch informelles Lernen als Lernform genutzt.
Formelles Lernen vermittelt zielgerichtet und in organisierter Form festgelegte Lerninhalte und strebt ein bestimmtes Lernziel an (Dehnbostel, 2014, S. 35), wie beispielweise der Fachunterricht in der Weiterbildungsstätte. Beim informellen Lernen stellt sich in der Regel ein Lernergebnis ein, ohne dass es von vornherein bewusst angestrebt wird. Aus diesem Grund nennt man es auch „beiläufiges“ oder „indizidentelles“ Lernen (ebd., S. 34). Dies geschieht zum Beispiel bei der direkten Arbeit mit den Klienten auf Station. Nachdem Wissen als stark kontextbezogen angesehen wird und individuell konstruiert wird, sollten Lern- und Anwendungssituation möglichst ähnlich gestaltet werden (Mandl, Gruber & Renkl, 2002, S. 141). Dies findet vor allem beim Lernen am Arbeitsplatz in einer situierten Lernumgebung Anwendung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den wachsenden Personalbedarf im Gesundheitssektor aufgrund demografischer Veränderungen und stellt die Forschungsfrage nach dem Nutzen einer Fachweiterbildung für die berufliche Position.
2 Zum Begriff der Kompetenzförderung: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Kompetenzentwicklung und definiert zentrale Begrifflichkeiten wie berufliche Handlungskompetenz sowie die Abgrenzung von Kompetenz und Qualifikation.
3 Zugang zu einer Weiterbildung während der Berufspraxis: Hier werden verschiedene Wege der Weiterbildung, vom ProfiPASS bis hin zu betriebsinternen und -externen Maßnahmen, hinsichtlich ihrer Umsetzung in der Berufspraxis analysiert.
4 Voraussetzungen für eine Fachweiterbildung in der psychiatrischen Pflege: Dieses Kapitel beleuchtet spezifische Anforderungen an Weiterbildungen in der Psychiatrie, gestaltet kompetenzbasierte Lernformen und diskutiert die Verwertbarkeit der Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Fachweiterbildungen die beruflichen Aufstiegschancen in der psychiatrischen Pflege maßgeblich erhöhen.
Schlüsselwörter
Kompetenzförderung, Berufliche Weiterbildung, Fachweiterbildung, Psychiatrische Pflege, Handlungskompetenz, Qualifikation, Lebenslanges Lernen, Arbeitsprozessorientiertes Lernen, Pflegenotstand, Fachkräftebedarf, Professionalisierung, Bildungswissenschaft, Berufspraxis, Situiertes Lernen, Fachkrankenschwester.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Teilnahme an einer Fachweiterbildung in der psychiatrischen Pflege und der Verbesserung der beruflichen Position von Pflegekräften aus bildungswissenschaftlicher Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf Kompetenzentwicklung, die Abgrenzung von Weiterbildungsarten, Anforderungen an eine fachspezifische Ausbildung sowie die Arbeitsmarktsituation für qualifiziertes Fachpersonal in der Pflege.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es zu klären, ob der Erwerb fachlicher Kompetenz im Rahmen einer Fachweiterbildung tatsächlich zu einer besseren beruflichen Position führt und wie wichtig dabei die Kombination aus Qualifikation und Persönlichkeitsbildung ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine bildungswissenschaftliche Literaturanalyse, die aktuelle Konzepte zur Kompetenzentwicklung und beruflichen Bildung auf den spezifischen Kontext der psychiatrischen Pflege anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen (Kompetenz vs. Qualifikation), eine Analyse der Zugangswege zur Weiterbildung sowie die konkrete Gestaltung und den Nutzen von Fachweiterbildungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kompetenzförderung, berufliche Handlungskompetenz, psychiatrische Fachweiterbildung, lebenslanges Lernen und der Fachkräftemangel in der Pflege.
Welche Rolle spielt die „Fachkrankenschwester“ in der Argumentation der Autorin?
Die Autorin nutzt den Titel als Indikator für verbesserte Karrierechancen, da sie in der Praxis feststellt, dass Leitungspositionen fast ausnahmslos mit Fachpflegekräften besetzt sind.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Kompetenz und Qualifikation für die Autorin wichtig?
Obwohl sie theoretisch differenziert werden, stellt die Autorin fest, dass in der Praxis beide Aspekte – die zertifizierte Qualifikation für den Zugang und die Kompetenz für das Handeln – entscheidend sind.
- Citation du texte
- Daniela Rupprecht (Auteur), 2015, Kompetenzförderung und Weiterbildung in der psychiatrischen Pflege. Eine Betrachtung aus bildungswissenschaftlicher Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312882