In der vorliegenden Untersuchung wird die Empathiefähigkeit in Abhängigkeit von Berufsgruppe (sozial vs. nicht-sozial) und Berufserfahrung (mit vs. ohne Berufserfahrung) erfasst. Dabei sollen die Variablen Geschlecht, Alter, Geschwister und Kinder als mögliche Kovariaten berücksichtigt werden. Insgesamt 1676 Personen beantworteten zwei Fragebögen zur Erfassung der Empathiefähigkeit.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Kovariablen Geschlecht und Alter einen Einfluss auf die Empathiefähigkeit haben. Nachdem diese Faktoren kontrolliert wurden, zeigte sich ein bedeutsamer Effekt der Berufsgruppe auf die Empathiefähigkeit: Personen, die einen sozialen Beruf ausüben bzw. anstreben sind empathischer als Personen, die einen nicht-sozialen Beruf ausüben oder anstreben.
Für die Berufserfahrung konnte kein positiver Effekt auf die Empathiefähigkeit nachgewiesen werden und die Interaktion von Berufsgruppe und Berufserfahrung erlangte keine statistische Signifikanz: Personen, die in einem sozialen Beruf arbeiten und somit über Erfahrungswissen verfügen, sind demnach nicht am empathischsten.
Methode und Ergebnisse werden kritisch hinterfragt und Implikationen für die weitere Forschung und Praxis diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Theoretischer Hintergrund
Einleitung
Empathie
Empathietheorie
Empathie bei sozialen Berufen
Eigenschaft versus Fähigkeit
Einflussfaktoren auf die Empathiefähigkeit
Vorliegende Untersuchung
Methode
Versuchspersonen
Versuchsmaterial
Versuchsdurchführung
Ergebnisse
Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss der Berufsgruppe (sozial vs. nicht-sozial) und der Berufserfahrung auf die Empathiefähigkeit von Personen zu untersuchen, wobei soziodemografische Kovariaten wie Geschlecht und Alter berücksichtigt werden.
- Definition und theoretische Grundlagen der Empathie
- Zusammenhang zwischen Empathiefähigkeit und der Ausübung sozialer Berufe
- Empirische Untersuchung mittels Online-Fragebogen und "Reading the Mind in the Eyes Test"
- Analyse des Einflusses von Geschlecht, Alter, Geschwistern und Kindern auf die Empathie
- Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf Berufswahl und psychologische Eignung
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Als Ben seinen Großeltern berichtet, dass er sein Abitur erfolgreich abgeschlossen hat, brechen sie mit ihm gemeinsam in Jubel aus, als wenn sie selbst vor kurzem erst die Abiprüfung bestanden hätten. Anna schießen die Tränen in die Augen, als sie erfährt, dass die Mutter ihrer besten Freundin gestorben ist. Max verspürt einen unwillkürlichen Schmerz, als er sieht wie eine Tür zugeschlagen wird und sein Freund sich dabei die Finger zwischen Tür und Rahmen einklemmt. Alle haben eins gemeinsam: Empathie. „Freude an der Freude und Leid am Leid des Anderen, das sind die besten Führer der Menschen“ sagte bereits Albert Einstein (1931, zitiert nach Einstein & Calaprice, 2005, S. 131). Das Zusammenleben der Menschen würde ohne Empathie nicht gelingen. Empathie ist ohne Frage eine wichtige Fähigkeit. Sie ermöglicht uns zu erkennen, wie sich eine andere Person fühlt oder was diese vielleicht denkt (Baron-Cohen & Wheelwright, 2004).
Empathie erlaubt uns, die Absichten anderer zu verstehen, ihr Verhalten vorherzusagen und ein Gefühl zu erleben, welches durch die Emotion anderer ausgelöst wird. Kurz gesagt, ermöglicht uns die Empathie in der sozialen Welt effektiv zu interagieren (Baron-Cohen & Wheelwright, 2004). Es gibt dennoch interindividuelle Unterschiede im Ausmaß des Erlebens der Empathie. Warum ist eine Person empathischer als die andere? Gibt es Merkmale, in denen sie sich unterscheiden? Empathie spielt besonders in sozialen Berufen eine essentielle Rolle, wie zum Beispiel bei der Beziehung zwischen Therapeut und seinem Patienten (Burns & Nolen-Hoeksema, 1992; Clark, 2010; Rogers, 1975).
Zusammenfassung der Kapitel
Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert Empathie als multidimensionales Konstrukt, beschreibt das Vier-Komponenten-Modell nach Davis und erörtert die Bedeutung von Empathie in sozialen Berufen sowie Einflussfaktoren.
Methode: Hier wird das Studiendesign erläutert, welches 1676 Versuchspersonen mittels Online-Fragebogen, dem "Reading the Mind in the Eyes Test" und dem Saarbrücker Persönlichkeitsfragebogen untersuchte.
Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der Daten, wobei signifikante Unterschiede in der Empathiefähigkeit bezüglich Berufsgruppe, Geschlecht und Alter aufgezeigt werden.
Diskussion: Dieses Kapitel reflektiert die Ergebnisse kritisch, hinterfragt die Hypothesen und diskutiert Implikationen für die zukünftige Forschung sowie die berufliche Praxis.
Schlüsselwörter
Empathie, Soziale Berufe, Berufserfahrung, Saarbrücker Persönlichkeitsfragebogen, Reading the Mind in the Eyes Test, Kognitive Empathie, Affektive Empathie, Perspektivübernahme, Soziodemografische Faktoren, Psychologie, Berufswahl, Empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Empathiefähigkeit einer Person und ihrem beruflichen Hintergrund (sozialer vs. nicht-sozialer Beruf) sowie der vorhandenen Berufserfahrung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf die theoretische Abgrenzung von Empathiekomponenten, die Rolle von Empathie in sozialen Berufsfeldern und die Prüfung von Faktoren, die Empathie beeinflussen können.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist festzustellen, ob Personen, die in sozialen Berufen arbeiten oder diese anstreben, über eine höhere Empathiefähigkeit verfügen als Personen in nicht-sozialen Bereichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 1676 Probanden unter Verwendung des Saarbrücker Persönlichkeitsfragebogens (SPF) und des "Reading the Mind in the Eyes Test".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Überblick, eine detaillierte Beschreibung der empirischen Methode sowie die Darstellung der statistischen Ergebnisse und deren Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Empathiefähigkeit, Soziale Berufe, Berufserfahrung, kognitive/affektive Empathie und psychologische Eignungsdiagnostik.
Welche Rolle spielt die "Berufserfahrung" in den Ergebnissen?
Entgegen der Hypothese konnte kein positiver Effekt der allgemeinen Berufserfahrung auf die Empathiefähigkeit nachgewiesen werden.
Welcher Unterschied wurde zwischen Männern und Frauen festgestellt?
Die Daten bestätigen die Ergebnisse früherer Studien, dass Frauen im Vergleich zu Männern ein höheres Ausmaß an Empathie aufweisen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Empathie in Abhängigkeit von Berufsgruppe und Berufserfahrung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312899