Derivate. Unerlässliches Element im Bankgeschäft?


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risiken in Bankgeschäften
2.1 Aktienkursrisiken
2.2 Bilanzrelevantes Zinsrisiko einer Bank

3. Derivative Finanzinstrumente
3.1 Einsatz von Futurekontrakten zur Lenkung des Aktienkursrisikos
3.2 Einsatz von Zinsswaps zur Lenkung von Zinsrisiken

4. Bilanzierung derivativer Finanzinstrumente nach dem HGB
4.1 Bilanzierung von Derivaten im Handelsbestand
4.2 Bilanzielle Bewertung von Derivate (kein Handelsbestand)
4.3 Bildung von Sicherungsbeziehungen gemäß dem Anschaffungskostenprinzip

5. Vergleich mit den Regelungen der IFRS

6. Zusammenfassung und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1 Terminologie operativer Risiken gemäß der BaFin

Abbildung 3.1 Derivate im Überblick

Abbildung 4.1 Bewertungskonzepte nach dem HGB

Abbildung 5.1 Bilanzierung von Finanzinstrumenten bei Kreditinstituten nach IFRS

1. Einleitung

„The phenomenal growth of derivative financial instruments has sparked a near revolution in finance“ (Markham, 1994, S. 10). Die Bedeutung derivativer Finanzinstrumente für Kreditinstitute, aber auch für Unternehmen und Investoren, wird auf der Grundlage unterschiedlicher auf dem Kapitalmarkt getätigter Beobachtungen deutlich. Sei es der enorm rasche Wertwachstum, der sich im letzten Jahrzehnt exponentiell entwickelt hat, oder die dauerhaft steigende Anzahl gehandelter Kontrakte, die die Notwendigkeit von Derivaten begründen (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 330; Statista, 2014). Im Vordergrund steht immer die Absicherungs- und Spekulationsfunktion derivativer Finanzinstrumente, die ihre immense Bedeutung fundiert. Vor allem führt aber die Möglichkeit, unterschiedliche Geschäfte abzusichern und dementsprechend Risiken zu steuern dazu, dass derartige Finanzinstrumente als das Herzstück eines funktionierenden Kapitalmarkts gesehen werden (vgl. Poole, Spooner, 2010, S. VII). Zweifellos hängt nicht nur die Wirtschaftlichkeit der (Bank-)Geschäfte von der Risikosteuerung ab, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit einer Bank1. Demzufolge nehmen derivative Finanzinstrumente für das Risikomanagement einer Bank einen hohen Stellenwert ein, da sie die vorteilhaftesten Finanzinstrumente im Hinblick auf die Absicherungsfähigkeit und Bilanzierung auswählt (vgl. Gebhardt, Fiolka, 2012, S. 3).

In der vorliegenden Arbeit wird der zentralen Frage nachgegangen, warum derivative Finanzinstrumente als unerlässliches Element in Bankgeschäften gelten und wie sich diese in Kreditinstituten bilanzieren lassen. Dazu werden im zweiten Kapitel relevante Risiken von Bankgeschäften aufgezeigt und deren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit dieser Geschäfte dargestellt. Darauf aufbauend werden im dritten Kapitel ausgewählte derivative Finanzinstrumente veranschaulicht. Daran soll gezeigt werden, wie Risiken durch Derivate gesteuert oder gar eliminiert werden können. Anschließend erfolgt im vierten Kapitel die Darstellung der Bilanzierung dieser Finanzinstrumente. Hierzu werden grundsätzliche bilanzielle Bewertungskonzepte nach dem Handelsgesetzbuch näher erläutert und deren Auswirkung auf die Bankbilanz aufgezeigt. Im fünften Kapitel erfolgt eine Gegenüberstellung der national und international (IFRS) geltenden Rechnungslegungsvorschriften. Das sechste Kapitel bildet den Schluss dieser Arbeit dar, in dem die gesamte Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick auf die Bedeutung von derivativen Finanzinstrumenten gegeben wird.

2. Risiken in Bankgeschäften

Gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 KWG2 handelt es sich bei Kreditinstituten um Unternehmen, die ausgiebig Bankgeschäfte betreiben. Dabei sind unter Bankgeschäften eine Vielzahl von Aktivitäten zu verstehen, die Einlagen- und Kreditgeschäfte bis hin zu Depot- und Investmentgeschäfte umfassen. Abgesehen von der enormen Bedeutung der Bankgeschäfte für den Unternehmenserfolg eines Kreditinstituts, bergen diese Aktivitäten unterschiedliche Arten von Risiken. Insbesondere operative Risiken im Finanzbereich stellen eine große Gefahr für die Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Geschäfte dar. Gemäß der Terminologie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) wird im Finanzbereich bei operativen Risiken zwischen Ausfall- und Preisänderungsrisiken unterschieden (vgl. Schierenbeck, Lister, Kirmße, 2008, S. 3ff.). Die folgende Grafik veranschaulicht Gefahren im operativen Bereich, die sich durch Bankgeschäfte ergeben, sowie deren Unterteilung in Ausfall- und Preisrisiken.

Abbildung 2.1 Terminologie operativer Risiken gemäß der BaFin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an Horsch, Schulte, 2010, S. 43f.

Diese Arbeit richtet ihr Augenmerk insbesondere auf die Behandlung von Preisänderungsrisiken, wobei Wechselkurs- und Ausfallrisiken ausgeschlossen werden. Um die Steuerungspflicht dieser Exposures zu veranschaulichen und die daraus resultierende Notwendigkeit derivativer Finanzinstrumente darzustellen, werden in den folgenden Abschnitten Zinsänderungs- und Aktienkursrisiken aufgezeigt sowie ihre Einflussstärke auf die Wirtschaftlichkeit von Bankgeschäften verdeutlicht.

2.1 Aktienkursrisiken

Das Gesamtrisiko von Aktienkursen lässt sich in der Regel in unsystematische und systematische Risiken aufteilen. Unsystematische oder auch firmenspezifische Risiken stellen dabei unternehmensspezifische Faktoren dar, die den Aktienkurs eines einzelnen Unternehmens negativ beeinflussen können. Diese werden auch als die Standardabweichung der Aktie festgelegt. Hingegen umfasst das systematische Risiko, welches auch als Marktrisiko bezeichnet wird, Aktienkursschwankungen für eine gesamte Branche und definiert demnach die Standardabweichung eines Aktienindizes (vgl. Steiner, Bruns, 2007, S. 21ff.).

Auch die Steuerung bzw. Eliminierung dieser Teilrisiken ist jeweils unterschiedlich handzuhaben. Während das unsystematische Risiko einer Aktie durch die Bildung eines Aktienportfolios (Diversifizierung3 ) abgeschwächt oder gar beseitigt werden kann, lassen sich systematische Risiken durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente lenken. Diese werden dann zur Absicherung (Hedging) von systematischen Aktienkursen herangezogen. Dabei wird der unsichere Erfolg einer Aktie durch den unsicheren Erfolg derivativer Finanzinstrumente kompensiert (vgl. Rudolph, Schäfer, 2010, S. 6). Neben Aktienkursrisiken sind insbesondere Zinsrisiken eine enorme Gefahr für den Erfolg von Bankgeschäften. Im nächsten Abschnitt werden bilanzrelevante Zinsrisiken in Bankgeschäften veranschaulicht.

2.2 Bilanzrelevantes Zinsrisiko einer Bank

Aufgrund der Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der Bankerträge aus zinstragenden Geschäften resultieren, stellt das Zinsrisiko bei Bankgeschäften eine konventionelle Gefahr dar. Demnach entsteht ein derartiges Risiko durch negative oder unsichere Marktzins- veränderungen, was barwertige Zinspositionsgrößen (Barwertänderungsrisiko) oder die Bruttozinspanne (Zinsspannenrisiko) beeinträchtigt, wodurch die Wirtschaftlichkeit betroffener Geschäfte stark variieren kann. Das Barwertänderungsrisiko steht für die positive oder negative Entwicklung des Barwerts von Aktiv- oder Passivpositionen der Bilanz. Bilanziell werden derartige Risiken insbesondere durch geringere beizulegende Marktpreise von Wertpapieren sichtbar, als durch das Niederstwertprinzip4 anzusetzen ist. Das Zinsspannenrisiko hingegen umfasst die Veränderung von Zinserträgen oder Zinsaufwendungen, die aus einer Marktzinsänderung resultieren (vgl. Sopp, Grünberger, 2014, S. 36).

Somit können Zinsrisiken nur dann vorliegen, wenn eine Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Zinsen auftritt. Diese Unsicherheit kann aus Zinsveränderungen, aber auch durch die Drehung der Zinsstruktur entstehen. Demnach bestimmt die Marktzinsvolatilität die Höhe des Zinsrisikos (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 253).

Gegebenenfalls führt die Veränderung der Zinsspanne zwischen Aktiva und Passiva bilanziell zu einer Verlustantizipation. Maßnahmen zur Steuerung des Zinsrisikos können entweder auf Risikovermeidung oder Ertrags-Risiko-Optimierung basieren und somit eine möglichst perfekte oder eine selektive Hedging-Strategie beinhalten. Traditionelle Methoden zur Steuerung der Zinsrisiken beziehen sich auf die Wahl fester oder variabler Verzinsung der Mittelaufnahme und -anlage. Hinzu kommen Finanzinstrumente wie Forward Rate Agreements, Zinsfutures und -optionen sowie Swaps (vgl. Rudolph, Schäfer, 2010, S. 9).

Demnach kann die negative Entwicklung von unterschiedlichen Marktvariablen geschwächt oder sogar gestoppt werden (Marktzinsen, Aktienkurse etc.). Um die Notwendigkeit derivativer Finanzinstrumente zu verdeutlichen, werden im folgenden Kapitel ausgewählte Derivate vorgestellt und deren Nutzung sowie Vorgehen zur Steuerung von Risiken in Bankgeschäften analysiert.

3. Derivative Finanzinstrumente

Derivative Finanzinstrumente lassen sich durch das zeitliche Auseinanderfallen von Erfüllungs- und Verpflichtungsgeschäften (schwebende Geschäfte) charakterisieren. Somit liegt ein schwebendes Vertragsverhältnis vor, wenn sein Gegenstand erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt wird. Demnach ist es unerheblich, ob der Käufer bei Vertragsabschluss über die notwendigen liquiden Mittel beziehungsweise der Verkäufer über die gehandelten Güter verfügt. Aufgrund dessen werden Derivategeschäfte auch Termingeschäfte genannt, da die Erfüllung des Geschäfts zu einem beschlossenen zukünftigen Zeitpunkt stattfinden wird (vgl. Schüwer, Steffen, 2010, S. 35). Die Wertentwicklung eines Derivats ist abhängig von einem Basiswert, den eine Marktvariable darstellt (Zinssatz, Aktienkurs etc.) (vgl. BT-Drs., 2008a, S. 114).

Derivate dienen der Absicherung von Risiken oder Spekulationszwecken. Angesichts der unterschiedlichen vertraglichen Vereinbarungen lassen sich Termingeschäfte in zwei Grundformen unterteilen: in die unbedingten und bedingten Termingeschäfte. Bestehen feste Verpflichtungen und somit verbindliche Vereinbarungen zwischen Vertragspartnern, liegen unbedingte Termingeschäfte vor. Bedingte Termingeschäfte lassen sich durch ein sogenanntes Wahlrecht charakterisieren, das dem Käufer eines solchen Termingeschäfts eingeräumt wird.

Mit diesem Wahlrecht kann der Käufer einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis erwerben bzw. verkaufen (wirksam) oder das Geschäft unwirksam werden lassen. Die Entscheidungsgrundlage des Wahlrechts hängt somit von dem positiven Wert des Vertrags ab (vgl. Rudolph, Schäfer, 2010, S. 16f.). Die folgende Abbildung veranschaulicht den Finanzmarkt und gibt eine Übersicht über unbedingte und bedingte derivative Finanzinstrumente.

Abbildung 3.1 Derivate im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an Schüwer/Steffen, 2010, S. 37.

Termingeschäfte können als zeitlich verzögerte Kassageschäfte gesehen werden, während bedingte Termingeschäfte zeitlich verzögerte Kassageschäfte mit zusätzlichen vertraglichen Bedingungen sind. Ein weiteres Unterscheidungskriterium stellt der Handelsplatz von derivativen Finanzinstrumenten dar. Hierbei wird zwischen börsengehandelten Derivaten und außerbörslich gehandelten (OTC) Derivaten unterschieden (vgl. Hull, 2006, S. 2f.). Exemplarisch werden in dieser Arbeit ein Future und ein Zinsswap behandelt.

3.1 Einsatz von Futurekontrakten zur Lenkung des Aktienkursrisikos

Die Grundform eines Futures kann zur Lenkung bzw. Eliminierung des Aktienkursrisikos genutzt werden. Ein derartiges Termingeschäft verpflichtet beide Vertragsparteien5, eine bestimme Menge an Aktien oder anderen Basiswerten zu einem bestimmten Zeitpunkt zum vereinbarten Terminkurs zu kaufen oder zu verkaufen (vgl. Zimmermann, 2005, S. 54f.). Der Käufer eines Futurekontrakts kann im Umfang der Differenz zwischen Terminkurs und Marktpreis zum Fälligkeitszeitpunkt einen Gewinnen erzielen und somit das Aktienkursrisiko steuern. Dies setzt jedoch voraus, dass der Marktpreis den Terminkurs übersteigt. Liegt der Marktpreis unter dem Terminkurs, erleidet der Käufer des Futurekontrakts einen Verlust. Zu vermerken ist jedoch, dass der mögliche Verlust begrenzt ist, und demnach der Marktpreis nicht unter null Währungseinheiten fallen kann. Dagegen ist der mögliche Gewinn des Verkäufers eines Futurekontrakts, aufgrund des minimalen Wertes von null Währungseinheiten, begrenzt. Demnach stellt der Gewinn (Verlust) des Käufers eines Futures den Verlust (Gewinn) des Verkäufers dar. Somit ist eine negative Korrelation beider Positionen zu beobachten. Futures gehören zu den börsengehandelten Derivaten, bei denen eine Clearingstelle die Erfüllung des Kontrakts garantiert. Dies gewährt die Clearingstelle bei Abschluss eines Futurekontrakts durch die Anforderung von Sicherheitsanlagen sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite (vgl. Hull, 2006, S. 6). Ein weiteres häufig gehandeltes Termingeschäft stellen Zinsswaps dar. Da im dritten Kapitel dieser Arbeit die Bilanzierung von Zinsswaps im Fokus steht, wird im folgenden Abschnitt die Anwendung eines Zinsswaps und dessen Vorteile dargestellt.

3.2 Einsatz von Zinsswaps zur Lenkung von Zinsrisiken

Swaps gehören zu den nicht börsengehandelten OTC-Produkten und finden häufig Anwendung zur Absicherung von Geschäften, die mit Zins-, Aktienkurs oder Währungsrisiken behaftet sind (vgl. Kruse, 2014, S. 140). Somit können unterschiedliche Risiken mit unterschiedlichen Swapgeschäften gesteuert werden. Unter den unterschiedlichen Zinsderivaten wie Zinsoptionen oder -futures, die zur Steuerung des Zinsrisikos herangezogen werden, besitzt vor allem der Zinsswaps eine hohe Bedeutung (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 328f.; Albrecht, Maurer, 2008, S. 726ff.).

Zinsswaps dienen dem vertraglichen Austausch von zwei verschiedenen Zinszahlungen zwischen Vertragspartnern6, die auf einem identischen Nominalbetrag basieren. Diese werden überwiegend zur Steuerung des Zinsrisikos, der Fristentransformation oder zum Handel selbst genutzt. Dabei werden nur die Zinszahlungen zwischen den Vertragspartnern getauscht. Die Nominalbeträge bleiben unberührt, wodurch keine gegenseitigen Kapitalforderungen zustande kommen und somit ein geringer Liquiditätseinsatz erforderlich ist (vgl. Albrecht, Mauer, 2008, S. 726ff.). Der klassische Zinsswap steht für den Austausch fester durch variable Zinsen, der sich über einen vereinbarten Zeitraum in gleicher Währung erstreckt. In der Regel sind variable Zinsen an einen Referenzzins gekoppelt und feste Zinssätze vertraglich vereinbart (vgl. Läger, Schlosser, 2010, S. 59).

Ein praktisches Beispiel: Gegeben sei ein Unternehmen A, welches ein variabel verzinslichtes Darlehn bekommen hat, bei dem die Zinszahlungen an den Sechs-Monats-EURIBOR geknüpft sind. Es werden steigende Zinsen erwartet und dementsprechend ein Zinsswap abgeschlossen. Dieser umfasst einen Nominalbetrag, die Laufzeit, die Zahlungszeitpunkte und die jeweiligen Zinsstrukturen. Damit verpflichtet sich das Unternehmen (Payer), dem Vertragspartner (Receiver) einen geringen Festzins zu zahlen, und bekommt als Gegenleistung den Sechs- Monats-EURIBOR. Durch dieses Vorgehen ist das Unternehmen A gegenüber steigenden Zinsen abgesichert, erwirtschaftet bei möglichen geringeren Zinsen jedoch keinen Profit (vgl. Martin, Reitz, Wehn, 2014, S. 67).

Folglich kann der Einsatz derivativer Finanzinstrumente zur Steuerung unterschiedlicher Risiken eingesetzt werden. Wie sich die Bilanzierung derivativer Finanzinstrumente nach den Richtlinien des Handelsgesetzbuchs (HGB) auffassen lässt, wird im folgenden Kapitel behandelt. Zudem werden Bilanzierungsunterschiede zu den nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) aufgezeigt.

4. Bilanzierung derivativer Finanzinstrumente nach dem HGB

Die richtige und sachgemäße Bilanzierung von Derivaten ist eines der umfangreichsten Diskussionsfelder der unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards. Die Diskrepanz liegt in der zu differenzierenden Intention, mit denen derivative Finanzinstrumente abgeschlossen werden. Einerseits kann die Intention in der Erzielung von kurz- oder langfristigen Gewinnabsichten, andererseits in der Absicherung unterschiedlicher Marktpreisrisiken liegen (vgl. Auerbach, Klotzbach, 2010, S.573).

Derivate gelten grundsätzlich als schwebende Geschäfte und haben bspw. für alle Kaufleute bei Vertragsabschluss keine Bilanzwirksamkeit. Die letzte Finanzmarktkrise hat jedoch die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Finanzinstrumenten für risikobehaftete Geschäfte offenbart und dementsprechend auch die Bedeutung der Rechnungslegung dieser Finanzinstrumente deutlich gemacht (vgl. Gebhardt, Fiolka, 2012, S. 1). Über die bilanzielle Behandlung von Derivaten, wie beispielsweise über die verlustfreie Bewertung des Bankbuchs, wurde in der Vergangenheit oft diskutiert, aber nie konsequent durchgesetzt. Durch das Inkrafttreten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) kam es zu spürbaren Veränderungen im HGB, wodurch diesen Diskrepanzen entgegengewirkt werden konnte (vgl. Albrecht u. a., 2013, S. 273; Jessen, Haaker, Briesemeister, 2011, S. 313ff., 359ff.).

Obwohl sich sowohl im deutschen Handelsrecht als auch im internationalen Rahmen starke Veränderungen durchgesetzt haben, beinhaltet das HGB keine konkreten Definitionsansätze für Finanzinstrumente. Allerdings werden gemäß dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) Verweise auf andere Gesetzte wie § 1 Abs. 11 KWG oder § 2 Abs. 2b Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) erlaubt. Demnach umfassen Finanzinstrumente neben einer Vielzahl von unterschiedlichen Verträgen auch Derivate7. Liegen Finanzinstrumente vor, müssen diese nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung gemäß HGB bilanziert werden. Einige Ausnahmen der Nichtbilanzierung derivativer Finanzinstrumente, finden aufgrund unterschiedlicher Einstufungsaspekte statt. Die bilanzielle Einstufung erfolgt dabei entweder durch die Art des Finanzinstruments oder seiner Zweckbestimmung. Demnach werden gemäß dem HGB alle Finanzinstrumente auf Basis der fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, mit Ausnahme jener des Handelsbestands. Finanzinstrumente, die sich im Handelsbestand eines Kreditinstituts befinden, werden gemäß § 340e Abs. 3 Satz 1 HGB auf Grundlage ihres jeweiligen Zeitwerts eingestuft. Das Realisations-8 und Imparitätsprinzip9 nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB darf bei der Bilanzierung nicht verletzt werden (vgl. Albrecht u. a., 2013, S. 274ff.; Schmitz, Huthmann, 2012, S. 87).

Falls sich ein derivatives Finanzinstrument nicht im Handelsbestand befindet, gilt es laut § 246 Abs. 1 HGB als schwebendes Geschäft und wird somit nicht bilanziert. Kommt es jedoch dazu, dass ein Verpflichtungsüberhang10 entsteht, muss gemäß dem Imparitätsprinzip eine Rückstellung gebildet werden, welche für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften haften muss (vgl. Krumnow, 2004, S. 490). Dabei ist erforderlich, dass die jeweiligen Derivate grundsätzlich einer Einzelbewertung11 unterzogen werden (vgl. Sopp, Grünberger, 2014, S. 36). Die folgende Abbildung liefert eine Übersicht der Bewertungskonzepte (Erst- und Folgebewertung) von Finanzinstrumenten nach dem HGB.

[...]


1 Hier wird keine Unterscheidung zwischen einem Unternehmen und einer Bank gemacht.

2 Gesetz über das Kreditwesen.

3 Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Größen, deren Ausprägungen nicht perfekt positiv miteinander korrelieren, mit dem Zweck, Risiken zu mindern (vgl. Horsch, Schulte, 2010, S. 51).

4 Das Niederstwertprinzip ist gem. § 253 Abs. 3 und 4 ein Prinzip der Grundsatz ordnungsmäßiger Buchführung, mit dem Ziel, Vermögensgegenstände zu bewerten.

5 Das heißt, den Käufer und Verkäufer des Kontrakts.

6 Zu unterscheiden sind die Positionen des Payers und des Receivers. Der Payer kann bspw. der Festzinszahler und der Receiver der Zahler des variablen Zinses sein (vgl. Wiedemann, 2008, 89f.).

7 Juristisch stellen auch derivative Finanzinstrumente Verträge dar.

8 Gewinne werden erst nach der Leistungserfüllung der Vertragspartner erfasst.

9 Das Imparitätsprinzip gem. § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB beinhaltet, dass nicht realisierte aber bevorstehende Verluste ausgewiesen werden müssen. Dabei herrscht jedoch ein Ausweisungsverbot bezüglich nicht realisierter Gewinne.

10 Ein Verpflichtungsüberhang liegt dann vor, wenn die vertraglichen Verpflichtungen den vermuteten wirtschaftlichen Nutzen übersteigen (vgl. Binger, 2009, S. 261).

11 Dies ist in § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB geregelt. Eine Ausnahme stellt § 254 HGB dar.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Derivate. Unerlässliches Element im Bankgeschäft?
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V313016
ISBN (eBook)
9783668117341
ISBN (Buch)
9783668117358
Dateigröße
966 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzierung von Derivaten, Derivate IFRS, Derivate HGB, Derivate, Bilanzierung
Arbeit zitieren
Ridvan Yildirim (Autor), 2014, Derivate. Unerlässliches Element im Bankgeschäft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313016

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