Die zunehmende Bedeutung einer zukunftsorientierten Berichterstattung über das künftige Unternehmensgeschehen sowie die letzte Überarbeitung der konkreten Anforderungen an die Konzernberichterstattung führt in der vorliegenden Arbeit zu der Frage, ob sich die Prognosepublizität börsennotierter Konzerne durch die Erstanwendung des DRS 20 verbessern konnte und ob sich Unterschiede aufgrund der Notierung innerhalb der unterschiedlichen Börsenindizes ergeben.
Vor dem Hintergrund dieser Fragestellung verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, die neuen Anforderungen an die Konzernlageberichterstattung nach DRS 20 darzustellen und den aktuellen Stand der Umsetzungspraxis am Beispiel der Prognoseberichterstat-tung von börsennotierten Konzernen im Sinne der Fragestellung zu analysieren. Hierbei werden ebenso die Determinanten der Prognoseberichterstattung bzgl. der Standard-konformen Anwendung nach den neuen Anforderungen des DRS 20 untersucht.
Gegenstand der Betrachtung sind börsennotierte Konzerne des HDAX sowie des Prime- und General Standards. Der Beitrag soll die bisherigen empirischen Untersuchungen zur Prognoseberichtspraxis nach erstmaliger Anwendung des DRS 20 ergänzen und erweitern. Dies soll durch die Überprüfung geschehen, inwieweit es durch die Standard-konforme Anwendung des DRS 20 zu einer Verbesserung der bereitgestellten Informationen gekommen ist, sowohl bei den Konzernen des HDAX als auch bei den weniger im Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen stehenden Konzerne des Prime- und General Standards.
Die Arbeit richtet sich an publizitätspflichtige Unternehmen und hierbei insbesondere an die „kleineren“ Unternehmen des Prime- und Generalstandards, die auf die Ergebnisse dieser Untersuchung zurückgreifen und diese als Basis für die Anpassung ihrer aktuellen Berichtspraxis nehmen können. Ebenso können mittelständische, nicht börsennotierte Unternehmen von den Erkenntnissen zur Standard-konformen Umsetzung profitieren und sich im Sinne einer Best-Practice an den Ergebnissen orientieren, da auch für diese grundsätzlich die neuen Anforderungen des DRS 20 relevant sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung
2 Konzeptioneller Überblick über die Lageberichterstattung börsennotierter Konzerne
2.1 Konzernlagebericht als Instrument der Rechnungslegung
2.1.1 Vorbemerkung
2.1.2 Funktionen des Konzernlageberichts
2.1.3 Übersicht der Konzernlageberichtsentwicklung seit 1985
2.1.4 Aufstellung und Offenlegung des Konzernlagebericht
2.1.5 Adressaten der Konzernlageberichterstattung
2.2 Inhalt und Form der Konzernlageberichterstattung nach HGB
2.3 DRS zur Konzernlageberichterstattung
2.3.1 Überblick zum DRS 20 Konzernlagebericht
2.3.2 Grundsätze und Inhalt des Konzernlageberichts nach DRS 20
2.3.2.1 Grundsätze der Konzernlageberichterstattung
2.3.2.2 Grundlagen des Konzerns
2.3.2.3 Wirtschaftsbericht
2.3.2.4 Nachtragsbericht
2.3.2.5 Prognose-, Chancen- und Risikobericht
2.3.2.6 Weitere Berichtselemente
2.4 Prüfung des Konzernlageberichts
3 Grundlagen zur Prognoseberichterstattung
3.1 Definition und Merkmale von Prognosen
3.2 Zweck und Bedeutung des Prognoseberichts
3.3 Aktuelle Regulierung der Prognoseberichterstattung
3.4 Inhaltliche Anforderungen an den Prognosebericht nach DRS 20 und Veränderungen im Vergleich zu DRS 15
3.4.1 Prognosegegenstand
3.4.2 Prognosehorizont
3.4.3 Prognosegenauigkeit
3.4.4 Wesentliche Annahmen
3.4.5 Gesamtaussage zur voraussichtlichen Entwicklung
3.4.6 Prognosen bei außergewöhnlich hoher Unsicherheit
4 Prognosebericht als Untersuchungsgegenstand
4.1 Stand der empirischen Forschung
4.2 Abgrenzung zum bisherigen Forschungsstand
4.3 Wissenschaftstheoretische Einordnung, Theoriebasis und Hypothesengenerierung
4.3.1 Wissenschaftstheoretische Einordnung der Untersuchung
4.3.2 Positive-Accounting-Theory
4.3.2.1 Grundkonzept des Positive-Accounting-Theory
4.3.2.2 Principal-Agent-Theory
4.3.2.3 Agency-Costs-Theory
4.3.2.4 Political-Costs-Theory
4.3.2.5 Signaling Theory
4.3.3 Hypothesenentwicklung und Bestimmungsfaktoren
4.3.3.1 Einfluss der Unternehmensgröße
4.3.3.2 Einfluss der Branchenzugehörigkeit
4.3.3.3 Einfluss der Börsensegments
5 Untersuchungsdesign und -ergebnisse
5.1 Untersuchungsumfang
5.2 Festlegung der Untersuchungsmethodik
5.2.1 Inhaltsanalyse
5.2.2 Grad der Standard-konformen Umsetzung - „Konformitätsindex“
5.2.3 Erläuterungen zu der Untersuchungsauswertung
5.3 Ergebnisse der empirischen Analyse
5.3.1 Auswertung der Ergebnisse
5.3.2 Befunde der Hypothesenprüfung
5.4 Würdigung der Gesamtergebnisse
5.5 Begrenzte Aussagefähigkeit
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob sich die Prognosepublizität börsennotierter Konzerne durch die Erstanwendung des DRS 20 verbessern konnte und inwieweit Unterschiede zwischen verschiedenen Börsenindizes bestehen. Ziel ist es, die Anforderungen des DRS 20 darzustellen, den Stand der Umsetzungspraxis zu analysieren und Determinanten der Standard-konformen Anwendung zu identifizieren.
- Konzernlageberichterstattung nach DRS 20
- Prognoseberichterstattung und Prognosepublizität
- Empirische Analyse börsennotierter Konzerne (HDAX, Prime und General Standard)
- Konformitätsindex zur Messung der Umsetzung
- Determinanten wie Unternehmensgröße, Branche und Börsensegment
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Merkmale von Prognosen
Eine Prognose wird in DRS 20.11 als „Aussage über voraussichtliche Entwicklungen und Ereignisse“ definiert. Diese Begriffsbestimmung ist für eine wissenschaftliche Auswertung jedoch weiter zu präzisieren. Die Prognose muss im Zeitablauf sowohl vorher, als auch nachher überprüfbar sein und sich auf einen genau definierten und überprüfbaren Sachverhalt beziehen. Vor Ablauf des Prognosezeitraums wird eine Prognose durch die Analyse der auf nachvollziehbaren und stützbaren Argumenten basierenden Herleitung überprüfbar, wobei die Prämissen verdeutlichen, unter welchen Voraussetzungen die Prognose gültig ist.
Zu den wesentlichen Merkmalen, anhand derer Prognosen im Kontext der Lageberichterstattung abgegrenzt werden können, gehören der Prognosegegenstand, der Prognosehorizont, die Prognosepräzision sowie die Konditionalität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problemstellung, die Zielsetzung der Arbeit sowie den methodischen Gang der Untersuchung.
2 Konzeptioneller Überblick über die Lageberichterstattung börsennotierter Konzerne: Vermittelt Grundlagen zur Konzernlageberichterstattung, deren historische Entwicklung sowie die Anforderungen nach HGB und DRS 20.
3 Grundlagen zur Prognoseberichterstattung: Definiert Prognosen und erläutert deren Zweck, aktuelle Regulierung sowie inhaltliche Anforderungen nach DRS 20.
4 Prognosebericht als Untersuchungsgegenstand: Dient der theoretischen Fundierung durch Stand der Forschung und Herleitung von Hypothesen mittels ökonomischer Theorien.
5 Untersuchungsdesign und -ergebnisse: Erläutert das Untersuchungsdesign, die methodische Vorgehensweise mittels Konformitätsindex und präsentiert die empirischen Analyseergebnisse.
6 Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzung des DRS 20 in der Praxis unter Berücksichtigung der Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Konzernlagebericht, Prognoseberichterstattung, DRS 20, Konformitätsindex, Prognosegenauigkeit, Unternehmensgröße, Kapitalmarktorientierung, Publizität, Rechnungslegungsstandards, Empirische Analyse, HDAX, Prime Standard, General Standard, Bilanzrichtlinie, Prognosehorizont
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis befasst sich mit der Lageberichterstattung börsennotierter Konzerne unter Berücksichtigung der Anforderungen des Deutschen Rechnungslegungsstandards Nr. 20 (DRS 20).
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die Prognoseberichterstattung als Teil des Konzernlageberichts, deren regulatorische Entwicklung, die empirische Messung der Umsetzungsqualität sowie die Untersuchung von Einflussfaktoren auf diese Publizität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Analyse, ob die erstmalige Anwendung des DRS 20 zu einer Verbesserung der Prognosepublizität geführt hat und welche Unterschiede zwischen Konzernen verschiedener Börsensegmente vorliegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse durchgeführt, für die ein spezieller „Konformitätsindex“ entwickelt wurde, um den Grad der Standard-konformen Umsetzung bei 80 ausgewählten Konzernen zu messen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Lage- und Prognoseberichterstattung, ordnet diese in ökonomische Theorien ein (z.B. Positive-Accounting-Theory, Principal-Agent-Theory) und leitet Hypothesen zu Unternehmensgröße, Branche und Börsensegment ab, die empirisch geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DRS 20, Konzernlagebericht, Prognoseberichterstattung, Konformitätsindex, Publizitätsqualität und Kapitalmarktorientierung.
Warum ist die Analyse der Prognosegenauigkeit so wichtig?
Die Genauigkeit und Plausibilität von Prognosen sind entscheidend für die Bewertung von Zukunftsperspektiven durch Investoren und reduzieren die Informationsasymmetrie zwischen Management und Kapitalmarkt.
Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße bei der Berichterstattung?
Die Ergebnisse zeigen einen positiven Zusammenhang: Größere Konzerne erreichen tendenziell einen höheren Grad der Standard-konformen Umsetzung des DRS 20 als kleinere Unternehmen.
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- BA Matthias Pohlann (Author), 2015, Die Lageberichterstattung von börsennotierten Konzernen des HDAX, Prime und General Standards nach der Umsetzung des DRS 20, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313077