In den öffentlichen Diskussionen ist es seit einigen Jahren um das Projekt Weltethos etwas stiller geworden. Das ist jedoch kein Zeichen für seine fehlende Bedeutung, sondern für seine bereits realisierte politische Wirkung. Denn in maßgeblichen Institutionen wie der UNO und UNESCO in New York, der ISESCO in Rabat und beim Vatikan in Rom, hat es bereits deutliche und bleibende Spuren in deren religionspolitischen Entscheidungen, Orientierungen und Strategien hinterlassen.
Das weltweite Problem des Friedens unter den größeren und kleineren Weltreligionen und Konfessionen hat in den letzten beiden Jahrzehnten jedoch zugenommen. Deswegen lohnt sich eine Erinnerung, Würdigung und Kritik des Projektes Weltethos im Fadenkreuz der Aufklärung. Die entscheidende Frage ist, ob die Religionen und Konfessionen überhaupt zu einem solchen Frieden wirksam beitragen können oder ob sie nicht vielmehr die ökonomisch, ökologisch und politisch bedingten Konflikte eher verschärfen und einen "Kampf der Kulturen" (Huntington) und der Weltanschauungen anheizen.
Die folgenden Fragen werden erörtert: 1. Wie kam es überhaupt zum Projekt Weltethos? 2. Was ist eigentlich das Projekt Weltethos? 3. Wie verhält sich die Ökumene der Weltreligionen zur politische Moderne des Westens? 4. Kann das Projekt Weltethos auch etwas zur Bewältigung der ökologischen Problematik beitragen?
Das im Projekt Weltethos enthaltene Bekenntnis zur Postmoderne wird kritisiert und die politische Moderne wird von einem liberal-konservativen Standpunkt aus verteidigt. Das nachhaltige Gelingen einer Ökumene der Religionen und Konfessionen bedarf der weitgehend säkularen Rechtsstaaten und Föderationen als zivilisatorischer Errungenschaften des Westens.
Der fehlende Beitrag des Projektes Weltethos zu einer wirksamen Bewältigung der ökologischen Problematik wird ebenfalls kritisiert. Die weltflüchtigen Tendenzen in einigen Religionen und Konfessionen tragen nicht gerade zu einer Bewältigung der ökologischen Problematik bei. Hierzu bedarf es vielmehr der wissenschaftlichen und politischen Aufkärung.
Inhaltsverzeichnis
1. Wie kam es zum Projekt Weltethos?
2. Was ist das Projekt Weltethos?
3. Ökumene der Weltreligionen und politische Moderne
4. Projekt Weltethos und die ökologische Problematik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das "Projekt Weltethos" von Hans Küng kritisch im Kontext der politischen Moderne, der globalen ökologischen Problematik sowie des Verhältnisses zwischen Religionen und säkularen Menschenrechten.
- Analyse der Entstehungsgeschichte und der programmatischen Prinzipien des Weltethos-Projekts.
- Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen religiösen Wahrheitsansprüchen und den Prinzipien der Menschenrechte.
- Diskussion der Relevanz eines "Weltethos" für die Bewältigung globaler ökologischer Krisen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Weltreligionen im Friedensprozess und der politischen Moderne.
Auszug aus dem Buch
1. Wie kam es zum Projekt Weltethos?
Im Februar 1989 wurde in Paris ein Symposion der UNESCO zum Thema "Kein Weltfriede ohne Religionsfriede" durchgeführt. Hans Küng hielt dazu das Grundlagenreferat. Eingeladen zu diesem Symposion waren zahlreiche Vertreter aller großen Weltreligionen und diskutierten Küngs Referat. Ein Jahr später, im Februar 1990 trafen sich auf dem World Economic Forum in Davos zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Finanzwelt, um miteinander über die Notwendigkeit „globaler ethischer Standards“ zu sprechen. Hans Küng wurde wieder gebeten, einen Vortrag zu diesem Thema zu halten. Aus beiden Vorträgen Küngs ist ein Text hervorgegangen, der im September 1993 der Versammlung des Parlamentes der Weltreligionen in Chicago vorgelegt wurde. Der Text trägt den schlichten Titel Erklärung zum Weltethos (1993). Zum ersten Mal in der Geschichte der Religionen der Menschheit hat eine offizielle Versammlung von Repräsentanten der lebenden Weltreligionen gemeinsam darauf hingewiesen, dass alle Religionen über ein gemeinsames Ethos verfügen. Dabei handelt es sich um einen Meilenstein in der nicht immer nur segensreichen, sondern auch konfliktträchtigen Religionsgeschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wie kam es zum Projekt Weltethos?: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Ursprünge des Projekts, beginnend mit dem UNESCO-Symposion 1989 bis hin zur offiziellen Erklärung zum Weltethos im Jahr 1993.
2. Was ist das Projekt Weltethos?: Hier werden die drei programmatischen Prinzipien sowie die fünf zentralen Eigenschaften des Projekts vorgestellt, die als Orientierungswissen dienen sollen.
3. Ökumene der Weltreligionen und politische Moderne: Das Kapitel analysiert die Rolle der Religionen in der heutigen Weltpolitik und diskutiert die notwendige politische Schutzstruktur zur Bewahrung des Weltfriedens.
4. Projekt Weltethos und die ökologische Problematik: Es wird die Frage erörtert, inwiefern das Projekt Weltethos zu einem nachhaltigen und ökologisch verantwortlichen Wirtschaften beitragen kann und welche Rolle ethische Appelle dabei spielen.
Schlüsselwörter
Weltethos, Hans Küng, Politische Moderne, Weltreligionen, Religionsfrieden, Menschenrechte, Ökologie, Globalisierung, Ethik, Weltfrieden, Humanität, Dialogfähigkeit, Interreligiöser Dialog, Nachhaltigkeit, Zeitanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das von Hans Küng initiierte Projekt Weltethos und seine Bedeutung sowie Umsetzbarkeit im Kontext aktueller globaler Herausforderungen wie politische Konflikte, Menschenrechte und die ökologische Krise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Wechselwirkungen zwischen Religionen und moderner Politik, das Konzept eines globalen Ethos, die Bedeutung der Menschenrechte sowie die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit zur Sicherung der menschlichen Lebensgrundlagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, ob das Projekt Weltethos auf realistischen Diagnosen beruht und ob es als Beitrag zur Versöhnung der Weltreligionen sowie zur Bewältigung globaler politischer und ökologischer Probleme fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine philosophische und religionswissenschaftliche Zeitanalyse, wobei er das Projekt Weltethos durch den Vergleich mit historischen Erkenntnissen und den Prinzipien der politischen Moderne kritisch würdigt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehung des Projekts, dessen inhaltliche Charakterisierung, die kritische Diskussion der Rolle der Religionen in der Moderne und die Verknüpfung der ethischen Forderungen mit der ökologischen Problematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Weltethos, politische Moderne, Religionsfrieden, Humanität und die ökologische Verantwortung geprägt.
Wie bewertet der Autor Hans Küngs Bezug zur Postmoderne?
Der Autor begegnet Küngs Berufung auf die Postmoderne mit Skepsis und warnt davor, die rationalen Errungenschaften der Aufklärung und der politischen Moderne zugunsten ästhetischer Moden oder eines beliebigen Pluralismus aufzugeben.
Wie verhält sich das Projekt Weltethos zu den Menschenrechten?
Das Projekt Weltethos plädiert dafür, dass die Weltreligionen die verfassungsmäßig geschützten Menschenrechte nicht nur anerkennen, sondern aktiv unterstützen, wobei das "Humanum" als ökumenisches Prinzip für einen Dialog zwischen verschiedenen Weltanschauungen dienen soll.
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- Dr. Ulrich W. Diehl (Author), 2012, Das Projekt Weltethos im Fadenkreuz der Aufklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313110