Luthers erste Bauernschrift unter besonderer Berücksichtigung der Apokalypse


Hausarbeit, 2001

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Luthers erste Bauernschrift „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“
2.1.1 Entstehungsbedingungen und Anlass
2.1.2 Historischer Kontext
2.1.3 Aufbau und Inhalt
2.2 Apokalyptische Vorstellungen bei Luther
2.2.1 Apokalyptisches Gedankengut in der Zeit vor dem Bauernkrieg
2.2.2 Apokalyptisches Gedankengut in der ‚Ermahnung’

3. Schluss

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Haltung Luthers zum Bauernkrieg ist ein komplexer und vielschichtiger Gegenstand. Diese Tatsache ermöglicht, die Thematik unter ganz unterschiedlichen Fragestellung zu behandeln, etwa hinsichtlich der politischen Ethik Luthers, der Entwicklung der lutherischen Position im Verlauf des Bauernkrieges oder der Reziprozität von Reformation und Bauernerhebung.[1]

Die vorliegende Arbeit möchte theologische Überlegungen und Interpretationsansätze in das Verständnis der lutherischen Position einfließen lassen.

Luthers erste Schrift zum Bauernkrieg „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“ soll zunächst inhaltlich, formal und entstehungsgeschichtli­ch untersucht werden. Im Folgenden wird auf das apokalyptische Gedankengut bei Luther in den Monaten vor dem Abfassen seiner ersten Bauernschrift hingewiesen, bevor die apokalyptischen Vorstellungen, die in der ‚Ermahnung’ auftauchen, näher erörtert werden. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Position Luthers und seine Kritik an Obrigkeit und Bauernschaft durch die Vision der strafenden Weltvernichtung durch Gott beeinflusst sein könnte. Inwieweit ist die ‚Ermahnung’ durch politische Überlegungen und Rücksichten, inwieweit durch theologische geprägt?

Die Arbeit stützt sich auf den Text der Clemenschen Ausgabe (Cl), die auf der Weimarer Ausgabe (WA) basiert und ferner das vollständig erhaltene Originaldruckmanuskript in der Staatsbibliothek München berücksichtigt.[2]

2. Hauptteil

2.1 Luthers erste Bauernschrift „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“

2.1.1 Entstehungsbedingungen und Anlass

Luther war am 16. April 1525 anlässlich der Einrichtung einer Gelehrtenschule zusammen mit Melanchthon von Wittenberg nach Eisleben aufgebrochen. Dort angekommen, begann er mit der Ausarbeitung der Flug- und Programmschrift[3] am 19. oder 20. April 1525. Die Schrift wurde zügig fertiggestellt und im Zeitraum der folgenden zehn Tage gedruckt.[4] Anlass, zu den Forderungen der Bauern Stellung zu nehmen, hatte Luther der letzte der Zwölf Artikel[5] der Bauernschaft geboten. Hier räumt das Bauernmanifest die Möglichkeit ein, (wie Luther selbst vor dem Reichstag zu Worms 1521) von den eigenen Forderungen abzurücken, sofern sie sich unzweideutig durch die Bibel widerlegen ließen.[6] Zudem wurde Luther von Seiten der Bauern in einer früheren Flugschrift[7] namentlich erwähnt und zu einer Beurteilung der Lage aufgefordert.

2.1.2 Historischer Kontext

Nach dem Ausbruch allgemeiner, aber stets Einzelaktion bleibender Bauernaufstände im Juni 1524 im Südschwarzwald, griff die Bewegung zur Jahreswende auch auf Oberschwaben und die Bodenseeregion über, ohne dass es aber zu erheblichen militärischen Konfrontationen gekommen wäre. Da es der Bauernbewegung immer an einer einheitlichen Organisation mangelte, verloren ihre Führer in den eigenen Reihen mehr und mehr an Rückhalt und Einfluss, was zu Brandschatzungen und Plünderungen von Klöstern und Schlössern durch radikale Bauerngruppen führte. Diese Entwicklung kulminierte im Frühjahr 1525 in den Verwüstungen um Würzburg (26.März), den Auseinandersetzungen in Leipheim bei Augsburg (4. April), in Wurzach in Südwürttemberg (14. April) und der Eroberung von Weinsberg am 16. April durch den Odenwälder Haufen.[8]

Zu beachten aber ist, dass diese bäuerlichen Gewalttaten zwar vor dem Niederschreiben der ,Ermahnung’ geschehen waren, die Nachrichten von diesen aber noch nicht von Süddeutschland her bis zu Luther vorgedrungen waren.[9] So intendierte seine Schrift durchaus noch, zur Gewaltprävention und zur Deeskalation beizutragen: So ist noch gute hoffenunge da / Es solle gut werden.“[10] Luther ging also von nicht mehr aktuellen Voraussetzungen aus. Deswegen zeigte diese Schrift auch keine erkennbare Wirkung – sie kam zu spät. Zwar kamen auch ohne den Einfluss Luthers Einzelverträge zwischen Fürsten und Bauern zu Stande;[11] sie wurden aber eher aus militärischen Notwendigkeiten als aus Überzeugungen und Einsichten geschlossen.

2.1.3. Aufbau und Inhalt

Der Text ist in vier Abschnitte gegliedert. Auf die Vorrede folgen die beiden Kernkapitel, die sich direkt an die Obrigkeit und an die Bauernschaft richten und sich mit deren Situation und Bestrebungen kritisch auseinandersetzen, bevor die Schrift mit der „Vermahnung zum Frieden“ an beide Seiten schließt.

[...]


[1] Vgl. Lohse, Bernhard: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk. 3., vollst. überarb. Aufl. München 1997. S. 152.

[2] Vgl. Ergänzungstext der Ausgabe Martin Luther. Ausgewählte Werke. Hrsg. von H. H. Borchert und Georg Merz. 3. Aufl. 4. Bd. München 1964. S. 382. Fortan abgekürzt als Mü Erg.

[3] Lohse, S. 123f.

[4] Vgl. Mülhaupt, Erwin: Martin Luther und der Bauernkrieg 1525. In: Monatsblatt der Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland. Beiheft Nr. 21. Sachsen 1975. S. 15 und Vortext zu Luther, Martin: Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525. In: Luthers Werke in Auswahl. 3. Bd. Hrsg. von Otto Clemen. Berlin 1950. Fortan abgekürzt als Cl.

[5] Die Zwölf Artikel sind ein allgemeiner Katalog religiös begründeter sozialer und wirtschaftlicher Forderungen der Bauernschaft, in denen unter anderem Anspruch auf freie Pfarrerwahl, freies Jagd- und Forstrecht, Aufhebung der Leibeigenschaft sowie die Aufhebung ungerechter Frondienste erhoben wird. Dieses Forderungspamphlet wurde Ende Februar 1525 von dem bibelkundigen Memminger Kürschnergesellen Sebastian Lotzer zusammengestellt. Vgl. hierzu Franz, Günther: Die Entstehung der „Zwölf Artikel“ der deutschen Bauernschaft. In: ARG (36), 1939. S. 202f. und Walder, Ernst: Der politische Gehalt der Zwölf Artikel der deutschen Bauernschaft von 1525. In: Schweizer Beiträge zur Allgemeinen Geschichte. Hrsg. von Werner Näf und Ernst Waldner. Bd. 12. Bern 1954. S. 7.

[6] „Zum zwelften ist unser beschluß und endtliche maynung, wann ainer oder mer Artickel alß hie gesteldt (So dem wort Gottes nit gemeß) weren, als wir dann nit vermainen die selbigen artickel, wo man uns mit dem wort Gots für unzimlich anzaigen, wolt wyr daruon abston, wann mans uns mit grundt der schrifft erklert.“ Die Zwölf Artikel. In: Urkunden zur Geschichte des Bauernkrieges und der Wiedertäufer. Hrsg. von Heinrich Böhmer. Anastat. Neudruck d. 1. Aufl. von 1910. Bonn 1921. S. 10.

[7] „Handlung, Ordnung und Instruktion, so fürgenommen worden sein von allen Rotten und Haufen der Bauern, so sich zusammen verpflicht haben. 1525.“ Vgl. Mü Erg, S. 382. Luther rekurriert in seiner ‚Ermahnung’ selber auf diese Aufforderung: „so sie mich mit namen ynn dem andern zedel nennen und beruffen“ Cl, 3. Bd. S. 47.

[8] Vgl. Gebhardt, Bruno. Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 2. Von der Reformation bis zum Ende des Absolutismus. Hrsg. von Herbert Grundmann. 8. vollst. neubearb. Aufl. Stuttgart 1955. verb. Nachdruck 1956. S. 56-64.

[9] Mü Erg, S. 380 und Mülhaupt, S. 16.

[10] Cl, 3. Bd. S. 47.

[11] Wie am 22. April im Weingartner Vertrag zwischen dem Schwäbischen Bund den Bodensee- und Allgäubauern; Vgl. hierzu Althaus, Paul: Luthers Haltung im Bauernkrieg. Basel 1953. S. 29f.

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Details

Titel
Luthers erste Bauernschrift unter besonderer Berücksichtigung der Apokalypse
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Luthers politische Schriften
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V31322
ISBN (eBook)
9783638323673
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luthers, Bauernschrift, Berücksichtigung, Apokalypse, Schriften
Arbeit zitieren
Tobias Gottwald (Autor), 2001, Luthers erste Bauernschrift unter besonderer Berücksichtigung der Apokalypse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31322

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