Die Haltung Luthers zum Bauernkrieg ist ein komplexer und vielschichtiger Gegenstand.
Diese Tatsache ermöglicht, die Thematik unter ganz unterschiedlichen Fragestellung zu
behandeln, etwa hinsichtlich der politischen Ethik Luthers, der Entwicklung der
lutherischen Position im Verlauf des Bauernkrieges oder der Reziprozität von
Reformation und Bauernerhebung. 1 Die vorliegende Arbeit möchte theologische Überlegungen und Interpretationsansätze in
das Verständnis der lutherischen Position einfließen lassen. Luthers erste Schrift zum Bauernkrieg „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“ soll zunächst inhaltlich, formal und
entstehungsgeschichtlich untersucht werden. Im Folgenden wird auf das apokalyptische
Gedankengut bei Luther in den Monaten vor dem Abfassen seiner ersten Bauernschrift
hingewiesen, bevor die apokalyptischen Vorstellungen, die in der ‚Ermahnung’ auftauchen, näher erörtert werden. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Position Luthers und seine Kritik an Obrigkeit und Bauernschaft durch die Vision der strafenden
Weltvernichtung durch Gott beeinflusst sein könnte. Inwieweit ist die ‚Ermahnung’
durch politische Überlegungen und Rücksichten, inwieweit durch theologische geprägt?
Die Arbeit stützt sich auf den Text der Clemenschen Ausgabe (Cl), die auf der Weimarer
Ausgabe (WA) basiert und ferner das vollständig erhaltene Originaldruckmanuskript in
der Staatsbibliothek München berücksichtigt.2 1 Vgl. Lohse, Bernhard: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk. 3., vollst. überarb. Aufl. München 1997. S. 152. 2 Vgl. Ergänzungstext der Ausgabe Martin Luther. Ausgewählte Werke. Hrsg. von H. H. Borchert und Georg Merz. 3. Aufl. 4. Bd. München 1964. S. 382. Fortan abgekürzt als Mü Erg.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Luthers erste Bauernschrift „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“
2.1.1 Entstehungsbedingungen und Anlass
2.1.2 Historischer Kontext
2.1.3 Aufbau und Inhalt
2.2 Apokalyptische Vorstellungen bei Luther
2.2.1 Apokalyptisches Gedankengut in der Zeit vor dem Bauernkrieg
2.2.2 Apokalyptisches Gedankengut in der ‚Ermahnung’
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Luthers erste Schrift zum Bauernkrieg („Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“) unter dem speziellen Fokus auf sein apokalyptisches Endzeitverständnis. Dabei soll geklärt werden, inwieweit Luthers Kritik an Obrigkeit und Bauernschaft durch die Vision eines drohenden göttlichen Weltgerichts geprägt war und ob seine Position primär theologisch oder politisch motiviert ist.
- Analyse der Entstehungsgeschichte und des historischen Kontextes von Luthers „Ermahnung“.
- Untersuchung des apokalyptischen Gedankenguts Luthers in der Zeit vor dem Bauernkrieg.
- Interpretation der „Ermahnung“ im Hinblick auf das apokalyptische Denken des Autors.
- Herausarbeitung der theologischen Dimension als primärer Beweggrund für Luthers Handeln und Stellungnahme.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Apokalyptisches Gedankengut in der ‚Ermahnung’
Angesichts dieses Denkens ist es ratsam, das Endzeitempfinden Luthers auch bei der Interpretation seiner Bauernschriften näher zu betrachten. Die mangelnde Auseinandersetzung mit dem diplomatischen Detail zeigt, wie wenig es Luther um einzelne politische Fragestellungen und Forderungen geht. Luther intendiert keineswegs, als politischer Vermittler zwischen zwei weltlichen Konfliktparteien einen „nüchtern praktische[n] Schiedsspruch“ vorzulegen und über Einzelheiten politischer, sozialer oder wirtschaftlicher Probleme zu urteilen. Vielmehr soll seine ‚Ermahnung’ der Obrigkeit wie der Bauernschaft gleichermaßen „ein Warnungsruf sein.“
Die Furcht vor dem göttlichen Gericht ist es, die Luther hier Anstoß zu geben scheint, zu Vermittlung, Diskussion und Verhandlung aufzurufen: „So ist von noeten / das wyr frey davon reden und radten [...] auff das nicht [...] Gottes Zorn seynen vollen gang und schwang gewinne.“ Im Hinblick auf die Apokalypse kann das Handeln von Bauern und Obrigkeit wider die göttlichen Normen als Provokation, die das unabwendbare Gottesgericht auslösen könnte, verstanden werden. Ihre Frevel könnten Anlass zur göttlichen Vernichtung werden, denn nur der Zeitpunkt des Weltendes scheint Luther unklar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität von Luthers Haltung zum Bauernkrieg ein und skizziert die Fragestellung zur theologischen sowie apokalyptischen Prägung seiner ersten Bauernschrift.
2. Hauptteil: Dieser Teil analysiert die Entstehung und den Inhalt der „Ermahnung“ sowie die Einbettung von Luthers apokalyptischem Endzeitverständnis in seine politische Argumentation gegenüber Obrigkeit und Bauernschaft.
3. Schluss: Das Fazit resümiert, dass Luthers Reaktion auf den Bauernkrieg nicht allein historisch-politisch, sondern primär als seelsorgerisch-theologische Handlung aus der Erwartung des nahen Jüngsten Tages zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Bauernkrieg, Ermahnung zum Frieden, Zwölf Artikel, Apokalypse, Endzeit, Antichrist, Weltgericht, Reformation, Obrigkeit, Bauernschaft, Theologie, Gottesordnung, Seelenheil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Haltung Martin Luthers zu den frühen Phasen des Bauernkrieges, speziell anhand seiner Schrift „Ermahnung zum Frieden auf die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben. 1525.“
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Analyse der Entstehung von Luthers „Ermahnung“ sowie die tiefgreifende Untersuchung seines apokalyptischen Weltbildes und dessen Einfluss auf seine politische Urteilsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Luthers umstrittene Position im Bauernkrieg wesentlich stärker durch seine theologischen Vorstellungen vom nahen Jüngsten Tag geprägt war als durch rein politisches Kalkül.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse und interpretiert den Text der „Ermahnung“ vor dem Hintergrund zeitgenössischer theologischer Schriften und historischer Kontexte der Reformationszeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehungsbedingungen der Flugschrift, den zeitgenössischen historischen Kontext sowie die Bedeutung apokalyptischer Visionen bei Luther, sowohl vor als auch während des Bauernkrieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Martin Luther, Bauernkrieg, Apokalypse, Endzeit, Reformation, Obrigkeit und Theologie.
Wie bewertet Luther in der Schrift konkret das Verhalten der Bauern?
Luther lehnt die Auflehnung der Bauern als Verstoß gegen die gottgegebene Ordnung und Röm. 13 ab, wobei er sie teilweise als vom Teufel durch „falsche Propheten“ verhetzt betrachtet.
Warum rät Luther zu einem „freundlichen Vertrag“ zwischen den Parteien?
Dieser Rat entspringt primär seiner Sorge um das Seelenheil beider Parteien; er will verhindern, dass Menschen aufgrund ihrer Sünden und Gewalttaten beim bald erwarteten Jüngsten Gericht „ewiglich verloren“ gehen.
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- Tobias Gottwald (Autor), 2001, Luthers erste Bauernschrift unter besonderer Berücksichtigung der Apokalypse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31322