Psychogramme der Kompensation. Unbewusstes Abwehrverhalten in der epischen Literatur Ingeborg Bachmanns und Patrick Süskinds

Eine psychoanalytische Betrachtung


Bachelorarbeit, 2015
63 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Rezeptionsgeschichtliche und biografische Einordnung
1.1 Patrick Süskind
1.2 Ingeborg Bachmann

2 Abwehrmechanismen - Darlegung des Analysekorpus
2.1 Psychoanalyse
2.2 Abwehrmechanismen
2.2.1 Theoretische Grundlage
2.2.2 Definitionskorpus
2.3 Einordnung und Problematisierung der literaturpsychologischen Methodik

3 Konstruktion in der Epik Bachmanns und Süskinds
3.1 Patrick Süskind
3.1.1 Die Taube
3.1.2 Das Parfum
3.1.3 Der Kontrabaß
3.2 Ingeborg Bachmann
3.2.1 Alles
3.2.2 Ein Schritt nach Gomorrha
3.2.3 Ihr glücklichen Augen

Das Streben nach Ausgleich - Schlussbetrachtung

Bibliografie

Einleitung

Ich hoffe aber, eines Tages ein Zimmer zu finden, das so klein ist und mich so eng umschließt, dass es sich beim Verlassen selbst mitnimmt. 1

- Patrick Süskind

Süskinds Kommentar zu seinem Einakter Der Kontrabass soll in die grundlegende Thematik meiner Arbeit einleiten. Dieser bildet nicht nur eine Brücke zu seiner später erschienenen Novelle Die Taube 2, in der wir - wie den in einer kleinen Kammer verharrenden Kontrabassisten - die Isolation von Jonathan Noel erleben, der in seinem Zimmer eine „sichere Insel in einer unsicheren Welt“ (T 12) sieht, sondern offenbart auch, dass der Handlungsursprung beider Protagonisten unter anderem in psychologischen Abwehrmechanismen liegt. In Süskinds Novelle Die Taube überwiegen Formen regressiven Verhaltens beim Protagonisten Jonathan Noel, die sich neben seiner übersteigerten Reaktion gegenüber der eigentlich harmlosen Taube auch in seinem gegen Ende formulierten Traum äußern, in dem er sagt: „[D]u bist ein Kind, du hast nur geträumt, daß du erwachsen seist“ (T 95).

Ähnlich verhält es sich mit der Figurengestaltung in der Epik Ingeborg Bachmanns. Exemplarisch wird dies auch an ihrem letzten Erzählband Simultan in der Sekundärliteratur festgestellt. So zeigen sich dort Verhaltensmuster, die einzelnen Hauptfiguren durch Überlebens-, Flucht- und Verweigerungsstrategien die Möglichkeit bieten, durch die Relativierung der historischen Gegenwart die eigene Existenzkrise zu überwinden und eine idealisierte Zukunft anzustreben.3 Die Erzählung Ihr glücklichen Augen stellt mit Miranda zum Beispiel eine Figur ins Zentrum, die trotz ihrer geringen Sehkraft ihre Brille nicht anzieht, das Vergessen ihrer Brille verleugnet und so die Grausamkeiten der Umwelt verdrängen möchte. Inwieweit die Benutzung von Abwehrmechanismen nicht nur psychische, sondern auch physische Auswirkungen hat, zeigt das Ende dieser Erzählung, dessen Analyse an späterer Stelle vorgenommen werden soll. Auch Bachmanns großes Interesse an den Texten Sigmund Freuds, der als erster Forscher gilt, der die Theorie über Abwehrmechanismen schriftlich festhielt, zeugen von ihrer Affinität, psychoanalytische und psychosomatische Figurenkonstrukte zu entwerfen.4

Diese Abwehrmechanismen sind nach dem Freudschen Strukturmodell der Psyche all- gemein als Reaktion des Ichs auf die eigene, mangelnde Kompromissfähigkeit zwischen Es und Über-Ich definiert5 und verfolgen somit das Ziel eines „Schutz[es] des Ichs gegen Triebansprüche“6. Aufgrund der fehlenden Operationalisierung sind Abwehrmechanismen - und das ist wissenschaftlich schade aber deutungshypothetisch von Vorteil - empirisch schwer nachzuweisen, erweisen sich aber dadurch auch als leistungsstarkes Analysewerkzeug zur Interpretation unbewusster Strategien der Kompensation in den Figuren der Literatur. Dabei geht es maßgeblich im Sinne eines literaturpsychologischen Ansatzes darum, „aus dem verworrenen Murmeln des Unbewußten und des Es, über die inneren Konflikte, die aus einem Bereich der Stille und der Dunkelheit her auflauern, einen klar wissenschaftlichen Diskurs auszuarbeiten“7.

Die Motivation zu diesem Thema entstand aus der Lektüre der epischen Literatur Ingeborg Bachmanns und Patrick Süskinds und dem dabei konstatierten Zusammenhang in der psychologischen Figurenkonstruktion beider Autoren. Häufig finden sich in diesen Werken deprivierte und isolierte Protagonisten, die aufgrund der äußeren Umstände Neurosen entwickeln. Dabei bedienen sie sich unter anderem verschiedener Abwehrmechanismen. Da die Theorie über eben diese „eine der fruchtbarsten und am meisten, auch außerhalb der Psychoanalyse, akzeptierten Teile der psychoanalytischen Theorie“8 ist, möchte ich sie für meine Literaturanalyse verwenden, um aufzuzeigen, inwieweit sich diese Strategien der Abwehr in den Figuren der Werke beider Autoren äußern.

Diese Fragestellung ist außerdem durch eine Lücke in der Forschung motiviert. Auf der einen Seite fehlen häufig psychoanalytische Betrachtungen der Epik beider Autoren, auf der anderen Seite sind diese Analysen häufig defizitär begründet und bedürfen einer Revision. So ist die Einschätzung, Jean-Baptiste Grenouille, Süskinds Protagonist im Roman Das Parfum, sei asexuell9 vor dem Hintergrund einer psychoanalytischen Interpretation des

Textes unglaubwürdig. Auch wenn Grenouille einen sexuellen Akt nie anstrebt, ist für ihn das intensive Riechen einer Frau als Triebbefriedigung zu verstehen. Zu Süskinds Novelle Die Taube fehlt eine psychoanalytische Betrachtung in der Sekundärliteratur, trotz bestimmter Dispositionen, die eine solche Analyse nahelegen würden.10 Auch in Bachmanns Erzählung Alles, die zwar häufig pädagogisch gelesen wurde11, finden wir eine Lücke in der Sekundärliteratur, die mit dieser Arbeit gefüllt werden soll. Auch die Behauptung, dass Bachmanns Erzählung Ein Schritt nach Gomorrha durch die gewählte Erzählperspektive keinen Einblick ins Unbewusste gewährt12, soll mit dieser Arbeit widerlegt werden.

Nach einer rezeptionsgeschichtlichen Einordnung der Werke Süskinds und Bachmanns möchte ich die Psychoanalyse als Wissenschaft kurz einführen und eine getroffene Auswahl an Abwehrmechanismen darlegen und als Arbeitsbegriff für meine Analyse definieren. Diese folgt methodisch einer psychoanalytischen Literaturanalyse, in der ich mich nacheinander mit ausgewählten epischen Werken beider Autoren auseinandersetzen möchte. Trotz meiner im Titel postulierten Beschäftigung mit der epischen Literatur beider Autoren möchte ich auch Süskinds Einakter Der Kontrabaß betrachten, da auch in diesem Werk interessante psychologische Einblicke in die literarische Darstellung von Strategien der Abwehr gewährt werden.

1 Rezeptionsgeschichtliche und biografische Einordnung

1.1 Patrick Süskind

Der am 26. März 1949 am Starnberger See geborene und noch lebende postmoderne Literat lässt sich biografisch kaum einordnen, da er, trotz einer immensen Popularität, die Öffentlichkeit stark meidet. Daher lässt sich an dieser Stelle eine biografische Einordnung nur schwer vornehmen, sodass die Rezeptionsgeschichte Süskinds im Zentrum dieses Abschnitts stehen soll. Betrachtet man Patrick Süskinds Publikationen, so ist die Kontrarität zwischen einer anti-inflationären Frequenz und einem ausgeprägten literarischen und intermedialen Spektrum von einer besonderen Einzigartigkeit. Süskind ist ein Schriftsteller, der mit seinem Roman Das Parfüm einen Weltbestseller verfasst hat, sich jedoch völlig der Öffentlichkeit entzieht, Interviews sowie Fotos meidet und nur in großen Abständen seine Werke veröffentlicht. Gleichzeitig hat er mit seinen seltenen Publikationen eine Vielzahl verschiedener literarischer Gattungen - und davon jede beinahe nur einmal - bedient und auch intermediale Werke veröffentlicht.13

So wird sein im Jahre 1981 publiziertes erstes Werk, der Einakter Der Kontrabaß - wohl auch im Zuge des nachfolgenden Romans Das Parfüm - zu einem der meistgespielten Stücke an deutschsprachigen Bühnen. Auch in der Rezeption sammelt Süskinds Erstwerk überwiegend positive Eindrücke. So schreibt Kaiser, im Protagonisten habe Süskind „einen autodidaktisch hochgebildeten, etwas verworrenen Musiker, [...] der über Goethes Pantheismus seltsam kluge Sachen sagt“14 entworfen. Das Drama sei „so schön und voller eigener Einfälle, daß [einen] überhaupt nicht die Wiedererkennungseffekte und die Vergleichszwang-Reize gestört haben“15. Auch die interessante Mischung „zwischen Melancholie und Heiterkeit, die manchmal fast kabarettistische Züge annimmt“16, wird angemerkt. Es kann also bei näherer Betrachtung des Feuilletons, welches zwar teilweise auch die Erstaufführung im Theater bewertete, durchaus von einer sehr begeisterten Literaturkritik gesprochen werden.

Sein darauf im Jahr 1985 veröffentlichter und bisher einziger Roman Das Parfüm wird ein Weltbestseller, wie es kaum ein deutschsprachiges Buch danach geschafft hat. Auch die Rezeptionisten loben die Vielschichtigkeit der Geschichte und Reich-Ranicki liest das Ende als „eine Apotheose von mythologischem Rang [...], eine grandiose Darstellung des Massenwahns“17. Auch die narrative Gestaltung wird von Reich-Ranicki hervorgehoben, wenn er schreibt, er habe in Süskind „einen zeitgenössischen Erzähler, der dennoch erzählen kann“18 gefunden und Stadelmaier schreibt von „erlesenen und fein gesetzten, geformten und ‚alten‘ Wörter[n]“19. Dennoch verweigerte sich die Literaturwissenschaft mit ihrem teilweise höheren Rezeptionsniveau etwas länger der Beurteilung des Romans. So schreibt Hoesterey, dass Umberto Ecos Der Name der Rose auch aufgrund von Ecos Tätigkeit als Semiotiker die fachwissenschaftlichen Rezensenten schneller aufmerksam machte, während Süskinds mit „ostentativer Verschmitztheit inszenierte Trivialromanmaske“20 erst später die Aufmerksamkeit der Literaturwissenschaftler wecken konnte. Auch dass Süskind - nicht nur in diesem Roman, sondern in seinem Gesamtwerk - häufig auf Motive der Trivialliteratur zurückgreift21, könnte die Skepsis der Fachwissenschaften befeuert haben.

Zwei Jahre später veröffentlicht Süskind die Novelle Die Taube, bei der erneut Süskinds Stilsicherheit22 sowie die Präzision, mit der hier die Gattung der Novelle verschriftlicht wird, hervorgehoben werden, wenn von makelloser Konstruktion geschrieben wird.23 Aber auch kritische Töne mischen sich in die Rezensionen; das Buch sei „voller Spannung, ohne Geheimnis, geschmackvoll, aber geruchlos“24 und selbst die sonst so gelobten narrativen Fähigkeiten des Autors werden im selben Atemzug mehr verurteilt als noch bei Das Parfüm. Dennoch kann festgehalten werden, dass der grundlegende Tenor im Feuilleton durchaus positiv war.

Einer der wenigen Momente, in denen sich Süskind selbst im Feuilleton zu Wort meldete, war die Wiedervereinigung Deutschlands, zu der er die politische Rhetorik mit größter Skepsis bewertete. Nicht nur die politischen Äußerungen der damaligen Amtsträger, son- dern auch die rhetorische Dominanz des deutschen Volkes missbilligte er und stimmte eher für die Einigung Europas, da sich „die deutsche Frage [...] eines fernen Tages in einer wie immer gearteten europäischen Suppe von selbst auflösen würde - hoffentlich“25 - und erachtet im Tenor trotz dieser eher negativen Formulierung eine europäische Einigung als erstrebenswert.

Von der Rezeption der Taube unterscheidet sich Süskinds 1991 erschienene Kurzgeschichte Die Geschichte von Herrn Sommer, die teils scharf kritisiert wurde. Er habe die „Kraftlinien seiner Fabel für Momente vergessen“26 und die Geschichte sei „gefährdet von Harmlosigkeit“27. Hierin unterscheiden sich die Bewertungen in der Sekundärliteratur. Während von einigen Rezensenten die „Leichtigkeit - ohne leichtgewichtig zu werden“28 - konstatiert werden kann, wird von anderen Autoren die Geschichte als „Pausenfüller zwischen ein paar Anekdoten aus dem Leben eines kleinen Jungen“ beschrieben, die bloß „recht hübsch erzählt“29 ist.

Seine letzte literarische Publikation stellt die Erzählsammlung Drei Geschichten und eine Betrachtung dar, welche genau das beinhaltet, was es betitelt. Die drei Erzählungen Zwang zur Tiefe, Ein Kampf und Das Vermächtnis des Maître Mussard reihen sich zur Betrachtung Amnesie in litteris. Alle Werke finden - außer in einer sozialistischen Tageszeitung30 - im Feuilleton praktisch keine Resonanz.

Außerhalb seiner literarischen Veröffentlichungen hat Süskind 2006 einen Essay unter dem Titel Über Liebe und Tod publiziert, der den gewohnten Schreibduktus Süskinds verlässt und sich philosophisch und doch allgemein mit den im Titel benannten Begriffen beschäftigt. Auch das Feuilleton reagiert verwundert auf dieses Werk, durch welches das „Süskind-Gesetz“31, dass jedes seiner Werke in seine Form passt und unsagbar erfolgreich wird, die Güstigkeit verliert. Es sei doch sehr „quälend, Patrick Süskind auf diesen wenigen Seiten zu folgen, wie er traurig-verzweifelt die wahre Liebe sucht“ und für den Autor dieser Rezension steht fest: „Der wahre Süskind hat diesen Essay nicht geschrieben“32. Sein Essay stieß allgemein auf eher negative und äußerst wenig Resonanz.

1.2 Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 als erstes von drei Kindern in Klagenfurt geboren und galt bereits zu Lebzeiten als eine der wichtigsten deutschen Nachkriegsliteratinnen und wurde mehrfach - vor allem aufgrund ihrer Lyrik - ausgezeichnet. Die Gründe für ihren immensen Erfolg liegen, neben ihrem literarischen Vermögen, besonders in ihrer Zugehörigkeit zur Schriftstellerversammlung der Gruppe 47 und dem Preis derselben, der sehr zuträglichen literaturhistorischen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und der ihr gewidmeten und ihre Popularität ungemein steigernden Titelstory im Spiegel.33

Die ausschlaggebende Entscheidung, ihr Leben der Schriftstellerei zu widmen, fiel nach Hitlers Einmarsch 1938 in Klagenfurt zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Sie selbst schreibt über diesen Vorfall, er sei „etwas so Entsetzliches, daß mit diesem Tag meine Erinnerung anfängt“34 und er ihre Entscheidung, als Schriftstellerin zu leben, entschieden prägte.35 Nach ihrer 1944 abgelegten Matura nahm sie zum 1945 ihr Studium der Philosophie, Psychologie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck auf und promovierte 1950 mit der Arbeit Die kritische Aufnahme der Existentialphilo- sophie Martin Heideggers „gegen Heidegger“36, verarbeitete jedoch trotzdem viele seiner Gedanken in ihren Werken.37 Sehr prägend war auch Bachmanns Begegnung mit dem Schriftsteller Paul Celan im Laufe ihres Studiums, mit dem sie eine - immer nur in kurzen Intervallen haltende - Liebesbeziehung hatte.38 In Bachmanns Roman Malina finden wir im Traumkapitel eine literarische Hommage an Celan, der sich 1970 das Leben nahm.39

Während ihrer Arbeit im Hörfunk beim Radiosender Rot-Weiß-Rot, aus der sogar einzelne selbstverfasste Hörspiele und Rundfunkbearbeitungen hervorgegangen sind, lernte Bachmann im April 1952 Hans Werner Richter kennen. Als einer der Initiatoren und Organisatoren der Gruppe 47, einer Schriftstellerversammlung von aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Literaten, die sich zur Selbstkritik und Diskussion an bisher unveröffentlichten Werken zusammenfindet, lud er Ingeborg Bachmann zur 10. Tagung der Gruppe 47 ein, zu der Ilse Aichinger den sehr angesehenen Preis der Gruppe erhalten hat. Mit ihrem 1953 erstmals ausgesprochenen Entschluss40, als freie Autorin zu leben, wohnte Bachmann fortan den halbjährlich stattfindenden Treffen der Gruppe 47 bei. Ihren Preis, den sie in diesem Jahr für die Gedichte aus ihrem Band Die gestundete Zeit erhält, bekräftigt diese Entscheidung und hat - durch die gewonnene Aufmerksamkeit - eine immense Bedeutung für ihre Etablierung auf dem literarischen Markt.41 Der Gedichtband wurde auch im Feuilleton begeistert aufgenommen. So schrieb Blöcker, dass das „lyrische Jahr 1953/54 [...] alle Aussicht [hat], in die Literaturgeschichte einzugehen“, weil es „einen neuen Stern am deutschen Poetenhimmel beschert“42. So wird Bachmanns Ausdruck als Literatur von „großer Kühnheit und einzigartiger Eindringlichkeit“43 beschrieben. Als eines der wichtigsten Daten in Bachmanns Existenz als freie Literatin erwies sich die Titelstory des schon damals sehr einflussreichen Nachrichtenmagazins Der Spiegel am 18. August 1954.44 Mit ihrem damals immer mehr „wachsende[n] Ruf als die wichtigste deutschsprachige Lyrikerin der Nachkriegszeit“45 veröffentlicht sie im Sommer 1956 ihren zweiten Gedichtband Anrufung des Großen Bären, der „wegen seiner traditioneller klingenden Form- und Bildsprache nun auch die volle Anerkennung der Literaturkritik“46 bekommt. Es wird von „einer Reihe echter, ergreifender, ja herzbewegender Gedichte“ geschrieben, „von denen man wohl mit Recht annehmen darf, daß sie bleiben werden, so zart und stark sind sie“47. Aufgrund der dennoch teilweise ihren Intentionen widersprechenden Rezeptionen zog Bachmann die Konsequenz, fortan kaum noch Gedichte zu schreiben48, sondern begann die Arbeit an ihrem ersten Erzählband Das dreißigste Jahr. Zeitgleich bil- deten die Vorbereitungen zu ihrer Poetik-Vorlesung, die sie zum Wintersemester 1959/60 an der Universität Frankfurt hält, einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit.49 Der im Juli 1961 erschienene erste Erzählzyklus „trifft in der Literaturkritik auf ein skeptisches Echo“50 und eine eher negative Rezeption. Der Band sei „als Ganzes mißlungen. Auf sehr hohem Niveau, aber mißlungen“51, wenn auch einzelne Werke begeistert aufgenommen wurden. So wird Alles fast ausnahmslos positiv bewertet und von Hartung als „Herzstück der Sammlung“52 bezeichnet. Aber auch positive Stimmen über den gesamten Zyklus lassen sich ausmachen. Bienek bezeichnete ihn nicht nur als „eine exorbitante Prosa, sondern auch eine der reifsten Sprachleistungen in unserer Literatur“53. Denn auch trotz der überwiegend negativen Kritik erhält sie 1964 mit dem Georg-Büchner-Preis einen der wichtigsten deutschen Literaturpreise unter anderem für ihre Epik.

Nachdem sie bereits vorher zeitweise in Rom lebte, kehrt Bachmann im Herbst 1965 zurück in die von ihr so geliebte Stadt und beginnt ihr Todesarten -Projekt. In diesem versuchte Bachmann, eine „große Studie aller möglichen Todesarten“54 zu verschriftlichen, ohne einen Roman schreiben zu wollen. Dieses Werk sollte sich thematisch mit der Identitätsproblematik innerhalb der Geschlechter, zwischenmenschlichem Krieg und dem Faschismus zwischen Mann und Frau beschäftigen.55 Von den angefangenen Texten Der Fall Franza und Ein Requiem für Fanny Goldmann, die je nur Fragmente blieben, ist der Roman Malina das einzige vollendete Werk aus den Todesarten. Dieser wurde 1971 veröffentlicht und von der Literaturkritik zwiespältig aufgenommen. Die frühe Rezeption verkannte die „subtile Zeit-, Bewußtseins- und Diskurskritik dieses komplexen Texts“56.

Die Literaturwissenschaft hat konstatiert, das der im Feuilleton unter anderem als „radikal unzeitgemäß“57 bewertete Roman am mangelnden epischen Vermögen der Redakteure, mit den lyrischen Tendenzen der Bachmann umzugehen, litt.58 Auch positive Stimmen konnte Malina auslösen, wenn Mayer schreibt, dass, „solange Malina da ist, [...] Ingeborg Bachmann unbeirrt weiterschreiben“59 kann und zu stark auf die Biografie fixierte Fehlinterpretationen anspricht. Auch die spätere feministische Rezeption konnte für ein angemessenes Verständnis dieses Textes sorgen.

Aus den Motiven der Fragmente des Todesarten -Projekts entsteht 1972 der zweite Erzählband Simultan. Nach diesen beiden epischen Publikationen Bachmanns bezeichnet sie Reich-Ranicki als „gefallene Lyrikerin“60. Simultan sei eine „preziös-anachronistische Prosa“, mit der Bachmann „bewußt und zynisch angestrebte Trivialliteratur“61 verfasst. Auch im Vergleich mit ihrem ersten Erzählzyklus wird im Feuilleton konstatiert, dass hier die „sensiblen Anstrengungen fast wirkungslos im gesellschaftlich luftleeren Raum [verpuffen]“ und so „das böse Wort ‚Edelkitsch‘ [...] bedrohlich im Hintergrund“62 steht. Auch wenn über die Ursache für ihren Tod unklar ist, wird allgemein davon ausgegangen, dass Bachmann in der Nacht vom 25. September 1973 mit einer Zigarette in der Hand einschlief, diese sich an ihrem Nachthemd entzündete und ihre Haut zu großen Teilen verbrannt hat. An den Folgen der Brandverletzungen soll sie dann am 17. Oktober 1973 verstorben sein. Auch der Entzug von ihrer seit 1967 nachgewiesenen Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln gilt als mögliche Ursache für ihren Tod.63 So reiht sich auch das grausame Ableben der Bachmann in die Reihe der Gründe für ihren Erfolg.64

2 Abwehrmechanismen - Darlegung des Analysekorpus

2.1 Psychoanalyse

Wie in der Einleitung erwähnt, bediene ich mich in meiner Arbeit eines literaturpsychologischen Ansatzes respektive der Psychoanalyse und möchte diese zur Vollständigkeit auch einführend erläutern. Die Psychoanalyse geht grundsätzlich auf den 1856 geborenen und 1939 verstorbenen Sigmund Freud zurück, der von 1888 bis zu seinem Tod in achtzehn Bänden die erste umfassende Persönlichkeitstheorie auf einer psychoanalytischen Basis veröffentlichte.65 Allgemein bezeichnet man mit Psychoanalyse eine „Persönlichkeitstheorie, die alle unsere Gedanken und Handlungen unbewussten Motiven und Konflikten zuschreibt“66. Dabei spiele zwei grundlegende Hypothesen eine wichtige Rolle. Die erste Hypothese zur psychischen Determiniertheit besagt, dass das menschliche Verhalten nie zufällig entsteht, sondern immer auf eine Ursache zurückzuführen ist. Die zweite Hypothese geht von der Annahme aus, dass psychische Prozesse, die das menschliche Verhalten bestimmen, meist unbewusst ablaufen, sodass die Ursache des jeweiligen Verhaltens verborgen bleibt. Freud unterschied neben dem durch diese Hypothesen mehr ins Zentrum gerückten Unbewussten, also psychischen Inhalten, die dem Individuum nicht zugänglich sind, durch psychoanalytische Methoden aber bewusst gemacht werden können, das Vorbewusste, mit dem gerade die psychischen Inhalte bezeichnet werden, die zwar akut nicht bewusst sind, jedoch durch Nachdenken ins Gedächtnis gebracht werden können.67

Zur Struktur der Persönlichkeit hielt Freud fest, dass sich Persönlichkeitsunterschiede in der Lösung des Konflikts zweier Grundtriebe, die durch die Instanzen des Es und des Über-Ichs repräsentiert werden, äußern.68 Das Es strebt mithilfe unbewusster Energie nach der Erfüllung grundlegender sexueller und aggressiver Triebe und verlangt nach sofortiger Befriedigung. Der Sexualtrieb wird üblicherweise als Libido bezeichnet während der Aggressionstrieb Destrudo genannt wird.69 Das Über-Ich repräsentiert hingegen internalisierte Normen über Moral, Werte und Ethik, die eine Art Leitfaden für sozial akzeptiertes Handeln darstellt.70 Allgemein lässt sich darunter gerade das verstehen, was man alltagssprachlich als Gewissen bezeichnet.71 Die konfliktlösende Instanz ist das Ich, das maßgeblich die später betrachteten Abwehrmechanismen steuert. Das Ich ist ein bewusst ausführendes Organ, das nach einem Kompromiss zwischen dem Es, dem Über-Ich und der Realität sucht.72 Unsere Persönlichkeit ist dann das Ergebnis der Lösungsversuche dieses Konflikts.73

2.2 Abwehrmechanismen

2.2.1 Theoretische Grundlage

Die Abwehrmechanismen greifen nun genau dort, wo das Ich im Konfliktlösungsprozess die Kontrolle über die Forderungen des Über-Ichs und des Es zu verlieren droht. Das Ergebnis ist eine unspezifisch empfundene Angst, vor der die Abwehrmechanismen das Individuum schützen wollen.74 Der Preis für diesen „Schutz des Ichs gegen Triebansprüche“75 ist dann jedoch eine Verzerrung der Realität.76 Das Individuum gibt sich mit dieser irrealen Welt dem Eskapismus hin, flieht somit vor den realen Problemen und kann sie dadurch - zumindest zeitweise - vergessen. Allgemein können Abwehrmechanismen wie folgt definiert werden:77

„Abwehrmechanismen des Ich sind mentale Strategien, mit denen sich das Ich gegen den täglichen Konflikt zwischen Impulsen des Es, die nach Ausdruck verlangen, und der Forderung des Über-Ich, diese zu verweigern, verteidigt.“78

Somit zählen Abwehrmechanismen zu den sogenannten Ich-Funktionen.79 Dabei laufen sie unbewusst ab, sodass die Ursache der Kompensation der Person unzugänglich bleibt.80 Die Arbeit des Analytikers ist es nun, diese unbewussten Vorgänge bewusst zu machen, und steht somit der Arbeit des Ichs zur Bewältigung des Trieblebens entgegen. Somit bilden die Absichten des Analytikers eine drohende Gefahr für die Ich-Instanz, gegen die es sich zu wehren gilt81, denn durch den Einsatz von Abwehrmechanismen „ist eine Person in der Lage, ein günstiges Selbstbild aufrechtzuerhalten und ein akzeptables soziales Erscheinungsbild zu wahren“82.

Auch wenn die hilfreichen Eigenschaften der Abwehrmechanismen deutlich geworden sein sollten, muss auch auf die Problematik hingewiesen werden, dass sie häufig die Realität verzerren und selbstbetrügerisch sind. Dabei werden die Probleme umso größer, je häufiger man auf diese Abwehr zurückgreifen muss, da in diesem Fall umso mehr Energie zur Abwehr inakzeptabler Triebe verwendet wird, die nicht zur produktiven Lebensführung verwendet werden kann.83 So führen zu starke Abwehrmechanismen zur Ausbildung eines zu starken Über-Ichs und verhindern so eine gesunde Triebbefriedigung, sodass die Selbstverwirklichung eingeschränkt und die Disposition für Neurosenbildung erhöht ist.84

Für die nun folgenden Definitionen der Abwehrmechanismen habe ich zunächst eine Auswahl derer getroffen, die aufgrund der häufigen Benennung in den gängigen psychologischen Standardwerken wichtig scheinen. Außerdem führe ich diejenigen Bewältigungsstrategien auf, die in den praxisnahen, an Analytiker adressierten Lehrbüchern besondere respektive häufige Erwähnung gefunden haben.85 Auf eine Kategorisierung der Abwehrmechanismen möchte ich aus verschiedenen Gründen verzichten. Zum einen fehlt auch in den meisten Beiträgen der Sekundärliteratur diese Kategorisierung und zum anderen sind die Differenzen in den Beiträgen, die eine solche Kategorisierung vorgenommen haben, häufig zu groß, um auf eine wirklich stringente Kategorisierung zurückgreifen zu können.86

[...]


1 Süskind, Patrick: Selbstbiographie. In: Theater heute 11 (1981). S. 42.

2 Die Novelle Die Taube wird im Folgenden mit der Sigle T und darauf folgender Seitenzahl im Text zitiert nach: Süskind, Patrick: Die Taube. Zürich: Diogenes 1987

3 Vgl. Meid, Volker: Metzler-Literatur-Chronik. Werke deutschsprachiger Autoren. Stuttgart; Weimar: Metzler 1993. S. 671.

4 In Bachmanns Bibliotheksbestand wurden zahlreiche Titel Sigmund Freuds aufgefunden, wohingegen andere namhafte Psychologen wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler fehlen. Auch in den von ihr gehaltenen Vorlesungen finden sich häufig Literaturhinweise zu psychoanalytischer Sekundärliteratur (vgl. Albrecht, Monika und Göttsche, Dirk (Hrsg.): Bachmann-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Sonderausgabe. Stuttgart; Weimar: Metzler 2013. S. 223; vgl. zu Bachmanns Bibliotheksbestand auch Pichl, Robert: Ingeborg Bachmanns Privatbibliothek. Ihr Quellenwert für die Forschung. In: Göttsche, Dirk und Ohl, Hubert (Hrsg.): Ingeborg Bachmann - Neue Beiträge zu ihrem Werk. Münster; Wien: Königshausen & Neumann 1993. S. 381-388).

5 Vgl. Zimbardo, Philip G. und Gerrig, Richard J.: Psychologie. 18. Auflage. München: Pearson 2010.

6 S. 518.

7 Freud, Anna: Das Ich und die Abwehrmechanismen. 11. Auflage. München: Kindler 1978. S. 35. Starobinski, Jean: Psychoanalyse und Literatur. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990. S. 92.

8 Mentzos, Stavros: Lehrbuch der Psychodynamik. Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Stö- rungen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2009. S. 45.

9 Vgl. Rindisbacher: Körper-Sprache - Sprach-Körper. In: Prutti, Brigitte und Wilke, Sabine (Hrsg.): Körper - Diskurse - Praktiken. Zur Semiotik und Lektüre von Körpern in der Moderne. Heidelberg: Synchron 2003. S. 224; vgl. Malyszek, Tomasz: Ästhetik der Psychoanalyse. Die Internalisierung der Psychoanalyse in den literarischen Gestalten von Patrick Süskind und Sten Nadolny. Wroclaw: Wydawnictwo Uniwersytetu Wroclawskiego 2000 (= Acta Universitatis Wratislaviensis; Band 2209). S. 89.

10 Vgl. Wassmann, Elena: Die Novelle als Gegenwartsliteratur. Intertextualität, Intermedialität und Selbstreferentialität bei Martin Walser, Friedrich Dürrenmatt, Patrick Süskind und Günter Grass. St. Ingbert: Röhrig 2009 (= Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft; Band 46). S. 293.

11 Vgl. Koschel, Christine und Weidenbaum, Inge von: L’enfant abdique son extase. In: Koschel, Christine und Weidenbaum, Inge von (Hrsg.): Kein objektives Urteil - nur ein lebendiges. Texte zum Werk von Ingeborg Bachmann. München; Zürich: Piper 1989 (= Serie Piper; Band 792). S. 465.

12 Vgl. Schneider, Jost: Die Kompositionsmethode Ingeborg Bachmanns. Erzählstil und Engagement in „Das dreißigste Jahr“, „Malina“ und „Simultan“. Bielefeld: Aisthesis 1999. S. 235.

13 Vgl. Blödorn, Andreas und Hummel, Christine: ,Kipp‘-Figuren: Postmoderne und anti-postmoderne Tendenzen in Süskinds Kurzprosa und im literarischen Gesamtwerk. In: Blödorn, Andreas und Hummel, Christine (Hrsg.): Psychogramm der Postmoderne. Neue Untersuchungen zum Werk Patrick Süskinds. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier 2008 (= Kleine Reihe. Literatur - Kultur - Sprache; Band 5). S. 2.

14 Kaiser, Joachim: Musikerwitze - oder Schwank ohne Sarah. In: Süddeutsche Zeitung (24.09.1981). S. 13.

15 Becker, Peter von: Von Kaldewey bis Kontrabaß. In: Theater heute 11 (1981). S. 5.

16 Marquart, Alfred: Patrick Süskind „Der Kontrabaß“. In: Süddeutscher Rundfunk (15.04.1984).

17 Reich-Ranicki, Marcel: Des Mörders betörender Duft. Patrick Süskinds erstaunlicher Roman „Das Parfüm“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (2.03.1985). Literaturbeilage.

18 Ebd.

19 Stadelmaier, Gerhard: Lebens-Riechlauf eines Duftmörders. Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm Die Geschichte eines Mörders“. In: Die Zeit (15.03.1985). S. 59.

20 Hoesterey, Ingeborg: Verschlungene Schriftzeichen: Intertextualität von Literatur und Kunst in der Moderne/Postmoderne. Frankfurt am Main: Athenäum 1988. S. 173.

21 Vgl. Blödorn und Hummel 2008. S. 1.

22 Vgl. Krämer-Badoni, Rudolf: Gewitter des Unheils. Gewitter der Heilung. In: Die Welt (28.03.1987).

23 Vgl. Heinrichs, Benjamin: Menschmaschine, Todestier. In: Die Zeit (24.04.1987).

24 Ebd.

25 Süskind, Patrick: Deutschland, eine Midlife-crisis. In: Der Spiegel 38 (17.09.1990). S. 121.

26 Kirste, Stephan: Die im Wasser aufrecht sterben. In: Die Welt (8.10.1991).

27 Kaiser, Joachim: Das Süskind-Syndrom. In: Süddeutsche Zeitung (8.10.1991).

28 Heidkamp, Konrad: Luchs 64. In: Die Zeit (10.01.1992).

29 Detje, Robin: Eine Pfütze Regenwassers. In: Die Zeit (6.12.1991).

30 Gutschke, Irmtraud: Hals über Kopf. In: Neues Deutschland (8.12.1995).

31 Weidermann, Volker: Laßt ihn wieder frei! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (8.12.2006).

32 Ebd.

33 Vgl. Bartsch, Kurt: Ingeborg Bachmann. 2. Auflage. Stuttgart; Weimar: Metzler 1997. S. 2.

34 Koschel, Christine und Weidenbaum, Inge von (Hrsg.): Ingeborg Bachmann. Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews. 4. Auflage. München; Zürich: Piper 1994. S. 111.

35 Vgl. Albrecht und Göttsche 2013. S. 2. Bachmanns Mutter revidierte diese Aussage, da Ingeborg Bachmann zum Zeitpunkt des Einmarsches Hitlers mit Diphtherie in Quarantäne im Krankenhaus lag und somit ihr beschriebenes Erlebnis nie hatte.

36 Koschel und Weidenbaum 1994. S. 137.

37 Vgl. Albrecht und Göttsche 2013. S. 3.

38 Auch wenn Bachmann immer viel Wert auf ihr Briefgeheimnis legte und keinen der zahlreichen Liebesbriefe zwischen ihr und Paul Celan veröffentlichte, wurden doch 2008 sämtliche Liebesbekundungen zwischen beiden publiziert (vgl. Badiou, Bertrand u. a. (Hrsg.): Herzzeit: Ingeborg Bachmann - Paul Celan. Der Briefwechsel. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008 ).

39 Vgl. Albrecht und Göttsche 2013. S. 4.

40 In einem Brief an Heinrich Böll schrieb Bachmann: „Vor der Literatur als Beruf fürchte ich mich sehr [...]. Aber probieren möchte ich es trotzdem“ (Albrecht und Göttsche 2013. S. 5).

41 Vgl. ebd. Paul Celan hat es leider aufgrund eines immensen „Mißverständnis[ses]“ (Richter, Toni: Die Gruppe 47 in Bildern und Texten. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1997. S. 49) nicht in die Gruppe 47 geschafft. Mit seinem Gedicht Die Todesfuge, einem der wichtigsten lyrischen Werke der Nachkriegszeit, und seiner sehr pathetischen - aber jüdisch-rumänisch gängigen - Gedichtrezitation konnte er die übrigen Mitglieder nicht überzeugen und sorgte stattdessen für Verwirrung.

42 Blöcker, Günter: Lyrischer Schichtwechsel. In: Süddeutsche Zeitung (13.11.1954). S. 13.

43 Koopmann, Helmut: Im Geheimnis der Worte[1987] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 25 f.

44 Wagner schreibt dort, der „scharf trainierte Intellekt der Doktorin [...] befähigt sie zum Gedichtemachen nach moderner Auffassung“ (Wagner, Klaus: Bachmann. Stenogramm der Zeit. In: Der Spiegel (18.08.1954). S. 28).

45 Albrecht und Göttsche 2013. S. 7.

46 Ebd. S. 8.

47 Schmied, Wieland: Ingeborg Bachmann ,Anrufung des Großen Bären‘[1957] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 34.

48 Vgl. Meid 1993. S. 623.

49 Der Versuch, eine Gesamtdarstellung dieser Vorlesung zu publizieren, wurde vom Piper-Verlag vorgenommen, auch wenn die erschienene Buchausgabe keinen Vollständigkeitsanspruch erheben kann (vgl. Bachmann, Ingeborg: Frankfurter Vorlesungen: Probleme zeitgenössischer Dichtung. 4. Auflage. München; Zürich: Piper 1995 (= Serie Piper; Band 205) ).

50 Albrecht und Göttsche 2013. S. 12.

51 Jens, Walter: Zwei Meisterwerke in schwacher Umgebung[1961] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptions- dokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994 (= Literatur- und Medienwissenschaften; Band 21). S. 74 f.

52 Hartung, Rudolf: Vom Vers zur Prosa. Zu Ingeborg Bachmanns „Das dreißigste Jahr“. In: Koschel, Christine und Weidenbaum, Inge von (Hrsg.): Kein objektives Urteil - nur ein lebendiges. Texte zum Werk von Ingeborg Bachmann. München; Zürich: Piper 1989 (= Serie Piper; Band 792). S. 53.

53 Bienek, Horst: Lieblingskind der deutschen Publizistik [1961] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 67.

54 Koschel und Weidenbaum 1994. S. 66.

55 Vgl. Beicken, Peter: Ingeborg Bachmann. 2., verbesserte Auflage. München: C. H. Beck 1992. S. 190. Bachmann selbst sagt über dieses Projekt, dass es „von den Verbrechen, die heute begangen werden, vom Virus Verbrechen, der nach zwanzig Jahren nicht weniger wirksam ist als zu der Zeit, in der Mord an der Tagesordnung war, befohlen und erlaubt“ (Albrecht, Monika und Göttsche, Dirk (Hrsg.): Ingeborg Bachmann. „Todesarten“-Projekt. Kritische Ausgabe. Band 2. Unter Leitung von Robert Pichl. München; Zürich: Piper 1995. S. 349) erzählen möchte.

56 Albrecht und Göttsche 2013. S. 19.

57 Kaiser, Joachim: Liebe und Tod einer Prinzessin. Ingeborg Bachmanns neuer Roman. In: Süddeutsche Zeitung (25.03.1971). S. 1.

58 Vgl. Bartsch 1997. S. 11.

59 Vgl. Mayer, Hans: „Malina“ oder „Der große Gott von Wien“. In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 137.

60 Reich-Ranicki, Marcel: Ingeborg Bachmann mit neuem Repertoire [1973] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 188.

61 Ebd. S. 190. Hier missversteht er das ironische Spiel der Bachmann mit der Trivialliteratur und nimmt den Text dabei zu wörtlich (vgl. Gürtler, Christa: Ironie und Komik in Ingeborg Bachmanns Erzähl- band „Simultan“. In: Béhar, Pierre (Hrsg.): Klangfarben: Stimmen zu Ingeborg Bachmann. Interna- tionales Symposium. Universität des Saarlandes vom 7. und 8. November. St. Ingbert: Röhrig 2000 (= Beiträge zur Robert-Musil-Forschung und zur neueren österreichischen Literatur; Band 11). S. 135).

62 Callsen, Max: Sensibel plätschert sanftes Schicksal[1973] . In: Schardt, Michael Matthias (Hrsg.): Über Ingeborg Bachmann: Rezensionen - Porträts - Würdigungen (1952-1992). Rezeptionsdokumente aus vier Jahrzehnten. Paderborn: Igel 1994. S. 187.

63 Vgl. Beicken 1992. S. 212.

64 Für eine nähere Betrachtung des Todes Bachmanns und der öffentlichen Wahrnehmung dieses Vorfalls, vgl. Huemer, Georg: Der Tod Ingeborg Bachmanns in der öffentlichen Darstellung. In: Hemecker, Wilhelm und Mittermayer, Manfred (Hrsg.): Mythos Bachmann. Zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung. Wien: Paul Zsolnay 2011 (= Profile; Band 17). S. 170-184.

65 Vgl. Myers, David G.: Psychologie. New York; Basingstoke: Springer 2005. S. 567; Vgl. Weber, Hannelore und Rammsayer, Thomas (Hrsg.): Handbuch der Persönlichkeitspsychologie und Differentiellen Psychologie. Göttingen u. a.: Hogrefe 2006. S. 53.

66 Myers 2005. S. 567.

67 Vgl. Weber und Rammsayer 2006. S. 54.

68 Vgl. Zimbardo und Gerrig 2010. S. 518.

69 Vgl. Weber und Rammsayer 2006. S. 54.

70 Vgl. Bourne, Lyle E. und Ekstrand, Bruce R.: Einführung in die Psychologie. 5., aktualisierte Auflage. Frankfurt am Main: Dietmar Klotz 2008. S. 369.

71 Vgl. Zimbardo und Gerrig 2010. S. 518.

72 Vgl. Myers 2005. S. 569.

73 Zur basalen Kritik an der Freudschen Persönlichkeitstheorie, vgl. Zimbardo und Gerrig 2010. S. 520.

74 König fasst chronologisch präzise die Forschungsergebnisse der Psychologen zur Ursache von Abwehrmechanismen zusammen. Angefangen mit Freuds Vermutung, die Angst wäre alleiniger Auslöser der Angst, wurden auch depressive Affekte, Kränkungen oder Scham als Ursache konstatiert. König postuliert schließlich, dass vermutlich alle Affekte und Stimmungen Auslöser von Abwehrmechanismen sein können (vgl. König, Karl: Abwehrmechanismen. 4. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007. S. 12).

75 Freud 1978. S. 35; vgl. auch Werner, Christoph und Langenmayr, Arnold: Das Unbewusste und die Abwehrmechanismen. Göttingen: Vandenhoeck & Rupecht 2005 (= Psychoanalyse und Empirie; Band 1). S. 17.

76 Vgl. Myers 2005. S. 571.

77 Da der psychoanalytische Begriff des Abwehrmechanismus eher negativ konnotiert ist, spricht man in der Verhaltenstherapie von Coping, meint damit aber prinzipiell dasselbe, wobei Coping das bewusste Bemühen beschreibt, unangenehme Gefühle zu unterdrücken, während die Psychoanalyse von unbewussten Handlungen ausgeht. Wegen der Ausblendung des Unbewussten möchte ich in dieser Arbeit auf den Begriff Coping verzichten und stattdessen zur Vermeidung der Redundanz Bewältigungsstrate- gien, Kompensationsmuster oder Abwehrprozesse synonym für Abwehrmechanismen verwenden.

78 Zimbardo und Gerrig 2010. S. 518.

79 Vgl. König 2007. S. 11. Zu diesen Funktionen zählen unter anderem auch die Willkürmotorik, die Wahrnehmung, das Denken oder das Gedächtnis u. a. (vgl. Weber und Rammsayer 2006. S. 54).

80 Vgl. ebd.

81 Vgl. Freud 1978. S. 25.

82 Zimbardo und Gerrig 2010. S. 518.

83 Vgl. ebd. S. 520.

84 Vgl. Schenk-Danzinger, Lotte: Entwicklungspsychologie. 25., unveränderte Auflage. Wien: öbv & hpt 1999 (= Schriften zur Lehrerbildung und Lehrerfortbildung; Band 1). S. 213.

85 Eine Aufführung zahlreicher Abwehrmechanismen findet sich in Königs sehr ausführlichem Werk (vgl. König 2007). Da jedoch nahezu alle Ich-Funktionen als Abwehrmechanismen interpretiert werden können, kann keine Auflistung einen wirklichen Vollständigkeitsanspruch erheben.

86 Eine beispielhafte Kategorisierung findet sich bei Mentzos, der die verschiedenen Strategien nach dem Grad der Reife einteilt, wobei Unreife das Ausmaß bezeichnet, mit dem auf regressives Verhalten zurückgegriffen werden muss, bzw.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Psychogramme der Kompensation. Unbewusstes Abwehrverhalten in der epischen Literatur Ingeborg Bachmanns und Patrick Süskinds
Untertitel
Eine psychoanalytische Betrachtung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
63
Katalognummer
V313233
ISBN (eBook)
9783668119031
ISBN (Buch)
9783668119048
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychogramme, kompensation, eine, betrachtung, abwehrverhaltens, literatur, ingeborg, bachmanns, patrick, süskinds, verdrängung, psychoanalyse
Arbeit zitieren
Lukas Baumanns (Autor), 2015, Psychogramme der Kompensation. Unbewusstes Abwehrverhalten in der epischen Literatur Ingeborg Bachmanns und Patrick Süskinds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313233

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