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Der Einfluss von Geschwisterdynamik und Geburtenrangfolge auf die Bildung des Subjekts

Title: Der Einfluss von Geschwisterdynamik und Geburtenrangfolge auf die Bildung des Subjekts

Master's Thesis , 2015 , 55 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jonas Nyncke (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Kaum eine zwischenmenschliche Beziehung könnte ambivalenter sein, als die von Geschwistern. Streitereien, Raufereien und Konkurrenz sind ebenso ein Teil ihrer alltäglichen Realität, wie das gemeinsame Spielen und Erleben, sowie liebevolle Zuneigung und Pflege.

Neid und Eifersucht, ja sogar Hass können eine Geschwisterbeziehung ebenso prägen wie Vertrauen, Bewunderung und Liebe. Geschwister stellen sich gegenseitig vor immer neue Herausforderungen und lernen durch sie, was es bedeutet zu scheitern, aber auch sich durchzusetzen. Sie sind sich nicht nur räumlich sondern auch emotional durch das Band ihres gemeinsamen Ursprungs außerordentlich nahe und untrennbar miteinander verbunden, zugleich jedoch bestrebt sich zu distanzieren und abzusondern. Dabei bleiben die Eltern zumeist außen vor und agieren mitunter zwar als Schiedsrichter, nicht aber als ebenwürdiger Teil dieses eigenen Mikrokosmus. Sie überstehen dieser eigenen Erfahrungswelt jedoch als Halt und Handlungsmotivation. Ihre Zuneigung, Anerkennung und Aufmerksamkeit ist die Triebfeder und das Damoklesschwert geschwisterlichen Handelns. In Anbetracht dieser scheinbar unerschöpflichen Ressource an Erfahrungen, Emotionen und Herausforderungen, liegt die Vermutung nahe, dass das Aufwachsen mit Geschwistern einen nachhaltig persönlichkeitsprägenden Effekt auf jeden Einzelnen von uns haben muss.

Doch ist dieser Effekt bei allen gleich? Was genau an Geschwistererfahrungen prägt unsere Persönlichkeit? Macht es einen Unterschied ob ich der Erst- oder Letztgeborene von vier Geschwistern bin? Ist es schlecht wenn man keine Geschwister hat oder man nicht mit ihnen gemeinsam aufwächst? Und was, wenn Eltern nicht den Rahmen bieten, der dieser Beziehung seinen nötigen Halt gibt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geschwisterforschung - Theoriebildung der Psychoanalyse

Retrospektive

Gegenwärtige Situation

Ausblick

Ich und du, wir und ihr - Bildung des Subjekts in Bezugssystemen

Vertikale

Modell: „Quadrangulierung“

Horizontale

Imaginäre Horizontale

Familiensystem

Einzelkinder

Positions- und Konstellationsforschung – Neubelebung einer ausgedienten Theorie

Resümee

Legitimation

Geschwisterpositionen

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Einfluss der Geschwisterdynamik sowie der Geburtsrangfolge auf die Bildung und Entwicklung des Subjekts. Dabei wird analysiert, inwieweit das Aufwachsen mit Geschwistern das Sozialverhalten und die Persönlichkeitsmerkmale prägt und welche Rolle die spezifische Position innerhalb der Geschwisterkonstellation in diesem komplexen, interpersonellen Prozess spielt.

  • Analyse psychoanalytischer Theorien zur Geschwisterbeziehung
  • Bedeutung der vertikalen (Eltern-Kind) und horizontalen (Geschwister) Bezugssysteme
  • Kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Positions- und Konstellationsforschung
  • Untersuchung von Entwicklungsprozessen bei Geschwisterkindern im Vergleich zu Einzelkindern
  • Systemische Betrachtung des Familieneinflusses auf die individuelle Persönlichkeitsbildung

Auszug aus dem Buch

Modell: „Quadrangulierung“

Der Punkt der unbewussten Erwartung eines Kindes bereits vor seiner Geburt, der von essenzieller Bedeutung für eine gelingende Triangulierung ist, zeigt sich auch bei einem zweiten Kind bzw. bei einem ersten Geschwister als kritisch und von besonderer Bedeutung. Zu diesem Punkt entstehen Repräsentanzen einer sogenannten imaginären Tetrade, ähnlich denen der Triade, diesmal jedoch nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei dem erstgeborenen Kind. Alle drei beteiligten müssen nun aus der bereits bestehenden Triade heraus neu fantasieren, wie es für die Eltern mit einem weiteren Kind und somit zwei Kindern sein wird bzw. wie es für das erste Kind sein wird, nun ein Geschwisterteil zu haben (Sohni 2011b, 8f.). Mit der Geburt des zweiten Kindes und der realen Geschwistererfahrung, kommt es zur Bildung weiterer Repräsentanzen, wie jener die ausdrückt „Wir vier haben’s gut miteinander“, aber auch jener die besagt „Ihr drei habt’s gut miteinander“ (Sohni 2011b, 9). Während erstere die Akzeptanz einer Tetrade beinhaltet, bezieht sich letztere auf die Akzeptanz jener Triaden die vom jeweiligen Familienmitglied von Außen betrachtet werden. Man könnte somit analog zum Prozess der Triangulierung, auch von einer „Quadrangulierung“ sprechen, die das bereits bestehende Modell auf einen weiteren Pol ausweitet.

Über die unterschiedlichen Wahrnehmungen auf der vertikalen, sowie der horizontalen Beziehungsebene, etabliert sich parallel dazu schließlich die Generationsgrenze, die aufzeigt, wie es gegenüber den Eltern mit Geschwistern ist, aber auch wie es als Eltern gegenüber den Kindern ist (Sohni 2011b, 9). Die durch diese komplexen Vorgänge entstandene Familienrepräsentanz bietet ein Beziehungswissen und impliziert eine psychosoziale Handlungsbereitschaft im späteren Verlauf des Lebens, die sich auf die eigenen Vorstellungen von „Geschwisterlichkeit, Partnerschaft, Elternschaft, Kinderwunsch, eigene Familie und Eingliederung in Gruppen“ auswirkt. So können sich vertikale Beziehungserfahrungen z.B. auf die Gestaltung der eigenen späteren Elternschaft auswirken, horizontale Beziehungserfahrungen dementsprechend auf spätere horizontale Beziehungen wie z.B. Partnerschaften, kollegiale Beziehungen, Freundschaften oder in Gruppen und dem gesellschaftlichen Leben (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz geschwisterlicher Beziehungen und führt in die Forschungsfrage ein, wie Geschwisterdynamik und Geburtenreihenfolge die Bildung des Subjekts beeinflussen.

Geschwisterforschung - Theoriebildung der Psychoanalyse: Dieses Kapitel zeichnet die historische Vernachlässigung der Geschwisterthematik in der klassischen Psychoanalyse nach und beschreibt den Wandel hin zu moderneren Ansätzen.

Ich und du, wir und ihr - Bildung des Subjekts in Bezugssystemen: Hier wird die interpersonelle Persönlichkeitstheorie erläutert, welche die Familie als System mit vertikalen und horizontalen Beziehungsebenen betrachtet.

Vertikale: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Eltern-Kind-Beziehung und die Bedeutung der Triangulierung für die gesunde psychische Entwicklung.

Modell: „Quadrangulierung“: Hier wird das Konzept der Tetrade eingeführt, um die komplexen familiären Dynamiken bei der Hinzunahme eines weiteren Kindes zu beschreiben.

Horizontale: Das Kapitel befasst sich mit der horizontalen Ebene zwischen Geschwistern und deren Bedeutung als „soziales Labor“ für die Entwicklung von Kompetenzen.

Imaginäre Horizontale: Hier wird die Bedeutung von Fantasiegeschwistern als kreative und kompensatorische Kraft in der Entwicklung des Kindes untersucht.

Familiensystem: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen moderner Familienstrukturen und die Schwierigkeiten der statistischen Erfassung von Geschwisterbeziehungen.

Einzelkinder: Hier wird kritisch hinterfragt, ob das Aufwachsen ohne Geschwister zwangsläufig Nachteile mit sich bringt und welche Rolle andere Faktoren spielen.

Positions- und Konstellationsforschung – Neubelebung einer ausgedienten Theorie: Eine kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Geburtenreihenfolgeforschung und deren heutiger wissenschaftlicher Einordnung.

Resümee: Dieses Unterkapitel fasst die theoretischen Reflexionen zur Positionsforschung zusammen und warnt vor deterministischen Pauschalurteilen.

Legitimation: Hier werden die Grenzen der Vorhersagbarkeit von Persönlichkeitsentwicklung durch die reine Geburtsrangfolge aufgezeigt.

Geschwisterpositionen: Eine detaillierte Betrachtung der unterschiedlichen Rollenbilder (Erstgeborene, Sandwichkinder, Jüngste) und deren differenzierte Ausprägung.

Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und betont die multifaktorielle Natur der Persönlichkeitsbildung im Familiensystem.

Schlüsselwörter

Geschwisterdynamik, Geburtsrangfolge, Subjektbildung, Psychoanalyse, Triangulierung, Quadrangulierung, Familienkonstellation, horizontale Beziehungsebene, interpersonelle Entwicklung, Sozialverhalten, Einzelkinder, Identitätsentwicklung, Familiensystem, Persönlichkeitspsychologie, Resilienz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss des gemeinsamen Aufwachsens mit Geschwistern sowie die Bedeutung der eigenen Geburtsrangfolge auf die Entwicklung und Persönlichkeitsbildung des Individuums.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die psychoanalytische Theorie der Geschwisterbeziehung, das triadische und tetradische Beziehungsmodell innerhalb der Familie sowie die kritische Reflexion von Rollenzuschreibungen basierend auf der Geburtenfolge.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, das Verständnis für die komplexe, interpersonelle Psychodynamik zwischen Geschwistern zu vertiefen und aufzuzeigen, wie diese horizontale Ebene die individuelle Persönlichkeit prägt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturrecherche und der kritischen Synthese bestehender psychoanalytischer sowie entwicklungspsychologischer Theorien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Beziehungsebenen (vertikal vs. horizontal), das Konzept der Quadrangulierung, die Rolle von Fantasiegeschwistern und eine kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Konstellationsforschung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Geschwisterdynamik, Triangulierung, interpersonelle Entwicklung und Familienkonstellation charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die horizontale von der vertikalen Beziehungsebene?

Während die vertikale Ebene die hierarchische Beziehung zwischen Eltern und Kind beschreibt, bezieht sich die horizontale Ebene auf die gleichberechtigten Interaktionen zwischen Geschwistern, die ein anderes Lern- und Erfahrungsumfeld bieten.

Was bedeutet der Begriff „Quadrangulierung“ in diesem Kontext?

„Quadrangulierung“ erweitert das triadische Modell (Mutter-Vater-Kind) auf eine tetradische Struktur, um die neuen psychodynamischen Anforderungen zu beschreiben, die mit der Geburt eines zweiten Kindes für alle Familienmitglieder entstehen.

Gibt es einen klaren Vorteil für eine bestimmte Geburtsrangfolge?

Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine Position (Erstgeborene, mittlere Kinder oder Nesthäkchen) per se vorteilhaft ist. Jede Konstellation birgt eigene Chancen und Risiken, die stark von der individuellen Familiensituation abhängen.

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Details

Title
Der Einfluss von Geschwisterdynamik und Geburtenrangfolge auf die Bildung des Subjekts
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,0
Author
Jonas Nyncke (Author)
Publication Year
2015
Pages
55
Catalog Number
V313245
ISBN (eBook)
9783668119451
ISBN (Book)
9783668119468
Language
German
Tags
einfluss geschwisterdynamik geburtenrangfolge bildung subjekts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonas Nyncke (Author), 2015, Der Einfluss von Geschwisterdynamik und Geburtenrangfolge auf die Bildung des Subjekts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313245
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