Sexuelle Zufriedenheit und ihre erklärenden Faktoren

Eine quantitative Analyse anhand der PAIRFAM-Daten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Methoden
2.1 Daten
2.2 Variablen
2.2.1 Abhängige Variable
2.2.2 Unabhängige Variablen
2.2.3 Drittvariablen

3 Analyseverfahren
3.1 Deskriptive Datenanalyse
3.2 Regressionsanalyse
3.2.1 Regressionsdiagnostik
3.2.2 Poisson-Regression

4 Diskussion

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

7 Anhang
7.1 Reliabilitätstest des sexuellen Selbstbewusstseinsindex
7.2 Output der linearen Regressionen
7.2.1 Output des ersten Modells
7.2.2 Output des zweiten Modells
7.3 Output der T-Test zur Zufriedenheit
7.3.1 Mittelwertvergleich (sexuelle Zufriedenheit) mit den zwei Geschlechtergruppen
7.3.2 Mittelwertvergleich (allgemeine Zufriedenheit) mit den zwei Geschlechtergruppen
7.4 Scatterplots der Zusammenhänge zwischen den nicht-binären Variablen
7.5 Output der Poisson-Regression
7.6 Test auf Fehlspezifikation des Poisson-Modells

1 Einführung

Eine bekannte Partnervermittlungsplattform wirbt mit den Aussagen, dass alle elf Minuten ein Single[1] sich über die Partnerbörse verliebt[2] und über ein Drittel der Mitglieder bei der Partnersuche erfolgreich sind[3]. Wie das Verlieben geht und welche Art von Gefühlen die Betroffenen dabei empfinden, muss den Betroffenen allerdings nicht groß erklärt werden. Sie verspüren das Verlangen nach einem Partner, mit dem sie intim werden wollen, und empfinden Freude und Befriedigung, wenn ihr Vorhaben ihnen gelingt. Dabei sind Menschen gar nicht an ihre Triebe gebunden, wenn es um ihr Liebesleben geht. Das Paarungsverhalten der Menschen ist an keiner Brunftzeit gebunden, kann also jederzeit stattfinden oder auch bei möglichst günstigen Voraussetzungen ausbleiben. Der aufgeklärte Bürger wird außerdem seit der Schulzeit mit Informationen über Verhütungsmittel und sexuell übertragbaren Erkrankungen konfrontiert und weißt über die Biologie der Kinderzeugung Bescheid (vgl. Sielert 2007). Dementsprechend kann er frei entscheiden, ob und wann das sexuelle Treiben stattfindet.

Sind die Gefühle, die beide Partner füreinander empfinden, auf die ganze Person des Anderen ausgerichtet und passen die zwei Menschen gut zueinander, kann aus diesem Verhältnis eine Partnerschaft entstehen, die sogar in einen Bund fürs Leben münden kann. Paare – ob verheiratet oder nicht – können sich auch dazu entscheiden, ein Kind zu zeugen und somit eine Familie[4] zu gründen. Liebe ist insofern Privatsache, da sie ein Produkt der freien Entscheidung von Menschen ist. Doch es ist nicht so, als würde man sich aus dem Liebesleben der Mitglieder dieser Gesellschaft heraus halten: „Wie es scheint, verzichtet keine Gesellschaft darauf, sexuelles Geschehen zu thematisieren, zu problematisieren und zu inventarisieren“ (Lautmann 2012:958). Das Sexuelle ist nicht nur das Thema – mehr oder weniger – seriöser Tageszeitungen und Wochenmagazine, in denen der Familienstand nicht nur prominenter Persönlichkeiten, sondern auch des Nachbarn oder des Arbeitskollegen für endlose Gespräche sorgen und die Beziehungsprobleme – sowohl realer als auch fiktiver Personen – Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch der gesellschaftliche und der wissenschaftliche Diskurs beschäftigen sich mit der Thematik. Da eine umfassende Auseinandersetzung mit all den – auch nur soziologisch relevanten – Facetten der Sexualität den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird im Folgenden nur der Aspekt der sexuellen Zufriedenheit untersucht, da diese eine große Rolle für die sexuelle Gesundheit und dementsprechend für das allgemeine Wohlbefinden der Menschen spielt (vgl. Higgins et al. 2011).

2 Methoden

2.1 Daten

Die Daten, die dieser Untersuchung zugrunde liegen, stammen aus dem Beziehungs- und Familienpanel PAIRFAM, ein Kooperationsprojekt der Universität Bremen, der Technischen Universität Chemnitz, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität zu Köln. Wie der Name bereits andeutet, liegen die Schwerpunkte des Panels in den sozialen Feldern ‚Familie‘ und ‚Beziehung’.

Die Längsschnittstudie befragt seit 2008 mehr als 12.400 zufällig ausgewählte Bundesbürger der Geburtskohorten 1971 bis 1973, 1981 bis 1983 und 1991 bis 1993 (TNS Infratest Sozialforschung 2013). Diese fünfte Erhebungswelle, mit Schwerpunkt Beziehungen und Familienleben in Deutschland, wurde 2012/2013 folgendermaßen durchgeführt: Den Forschern liegen die Daten von Ankerpersonen zugrunde, die mündlich und schriftlich befragt wurden. Danach wurden, soweit vorhanden, der Partner (schriftlich) und die Kinder (mündlich) dieser Ankerpersonen befragt. Anschließen wurden die Ankerpersonen zusammen mit ihren Partnern über die Kinder schriftlich befragt; ebenso wurden die (Stief-)Eltern der Ankerpersonen schriftlich befragt. Für die vorliegende Arbeit werden die Daten zu den Ankerpersonen analysiert, so dass insgesamt 7248 Fälle vorliegen.

2.2 Variablen

2.2.1 Abhängige Variable

Sexuelle Zufriedenheit

Die abhängige Variable dieser Arbeit ist die sexuelle Zufriedenheit, die durch Frage 140[5] erhoben wird. Sie wird nach der Likert-Technik auf einer 11-Punkte-Skala gemessen (vgl. Diekmann 2008: 204f). Dabei wird dem Befragten überlassen, was sie unter Sexualleben verstehen.

2.2.2 Unabhängige Variablen

Häufigkeit von Geschlechtsverkehr

Die Bedeutung von Geschlechtsverkehr für die Zufriedenheit mit dem Sexualleben ist in der wissenschaftliche Literatur unumstritten (vgl. Laumann et al. 2006; Holmberg et al. 2010; Tao & Brody 2011). Higgins et al. (2011) berichten von einem positiven Zusammenhang, den sie zwischen der Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und der physischen sowie psychischen Zufriedenheit der Befragten beobachten.

Ein Problem der Paneldaten ist, dass nicht klar angegeben werden kann, wie oft die Befragten Geschlechtsverkehr im genannten Zeitraum hatten. Die verschiedenen Stufen folgen nicht aufeinander, sondern zwischen ihnen gibt es Lücken[6], die bei der Analyse Probleme bereiten können bzw. die eine feine und kontinuierliche Abstufung nicht erlauben.

Index zum sexuellen Selbstbewusstsein

Unter Frage 139[7] sind vier Aussagen subsumiert, zu denen der Befragte auf einer 5-Punkte-Skala seine Zustimmung ausdrücken soll. Diese vier Items werden für diese Untersuchung zu einem konsistenten Index[8] zusammengefasst, da sie so etwas wie das eigene Selbstbewusstsein zum Thema Sexualität messen, ohne sich inhaltlich zu überlappen bzw. das Gleiche zu messen.

Schwangerschaft

Über die Effekte von Schwangerschaft auf das Sexualleben von Menschen ist viel geschrieben worden, vor allem auf die Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen, sowohl der Schwangeren, als auch des Partners. Robson und Kollegen (1981) beobachten, dass die weibliche Libido während der Schwangerschaft abgeschwächt und demzufolge die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr reduziert wird. Bis zu einem Jahr nach der Geburt konnte diese Reduktion beobachtet werden, wenngleich die Ursache hierfür in der Pflege des Neugeborenen zu suchen ist (vgl. ebd.). Eine aktuelle Studie berichtet, dass die Häufigkeit im ersten Schwangerschaftstrimester um fast 60% abnimmt und in den letzten drei Monaten nimmt sie um weitere 15 Prozentpunkte ab (vgl. Corbacioglu Esmer et al. 2013). Sollte die Ankerperson männlich sein, aber einen schwangere Partnerin haben, dürfte sich die Verminderung ihrer Libido nolens volens auch auf das Sexualleben des männlichen Partners auswirken und demzufolge eine Minderung seiner sexuellen Zufriedenheit bewirken.

Verhütung

Sowohl Kirby (2002) als auch Adeoye und Odebowale (2014) haben gezeigt, dass sexuelle Aufklärung weder an den angewandten sexuellen Praktiken noch an deren Häufigkeit etwas ändern. Allerdings konnten letztere feststellen, dass sexuelle Aufklärung einen positiven Effekt auf die Verhütung hat, was zur Reduzierung von ungewollten Schwangerschaften sowie von Ansteckungen mit sexuell übertragbaren Erkrankungen beiträgt (vgl. Adeoye & Odebowale 2014). Die Verwendung von Verhütungsmitteln fördert die sexuelle Gesundheit, so dass anzunehmen ist, dass auch die Zufriedenheit mit dem Sexualleben davon profitiert.

Gesundheitszustand

Ein guter Gesundheitszustand ist allgemein wünschenswert und im sexuellen Kontext vor allem dann, wenn die Durchführung bestimmter Praktiken ein gewisses Maß an körperlicher Fitness erfordet. Relevant ist er aber für diese Untersuchung auch die negative Seite davon: Gesundheitsprobleme können das sexuelle Wohlbefinden der Betroffenen direkt oder indirekt beeinflussen (vgl. Hensel & Fortenberry 2013), unabhängig davon, ob das Problem psychischer oder physischer Natur ist (vgl. Van Minnen & Kampman 2000).

Der Gesundheitszustand wird in der Pairfam-Studie auf einer 5-Punkte-Skala erhoben. Entsprechend dieser Befunde wird vermehrt ein positiver Zusammenhang zwischen dem Gesundheitszustand und der sexuellen Zufriedenheit der Betroffenen erwartet (vgl. Rosen & Bachmann 2008; Chao et al. 2011).

[...]


[1] Es werden die maskulinen Formen im Sinne des herkömmlichen Sprachgebrauchs auch da verwendet, wo beide Geschlechter gemeint sind. Ebenso wie „Person“ und „Persönlichkeit“ auch dann als weibliche Nomina verwendet werden, wenn die damit angesprochene allgemeine Vorstellung Männer oder andere Geschlechter- bzw. Gender-Kategorien miteinschließt.

[2] „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über PARSHIP. Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2013, weltweit.“ Siehe https://www.parship.de, zuletzt abgerufen am 20.12.2014.

[3] „Beste Aussichten: 38% unserer Premium-Mitglieder finden mit uns einen Partner. Mitgliederbefragung nach Ende der Premium-Mitgliedschaft.“ Siehe https://www.parship.de, zuletzt abgerufen am 20.12.2014.

[4] Eine soziologische Kritik des Familienbegriffes nach dem theoretischer Ansatz Rayna Rapps, Familie nicht als natürliche Einheit anzuerkennen, sondern als gesellschaftliche Konstruktion zu betrachten, kann im Rahmen dieser Hausarbeit wegen ihres Umfanges leider nicht stattfinden. An dieser Stelle sei auf ihren Aufsatz (Rapp et al. 1979) verwiesen. Ebensowenig kann hier die These der Universalität der Kernfamilie, wie vom Anthropologen Murdock (1949) vertreten, ausgelegt und Eickelpaschs Kritik dieses „ethnozentrischen Begriffes“ (Eickelpasch 1974) vorgestellt werden.

[5] „Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit Ihrem Sexualleben?“

[6] Zum Beispiel decken die ersten Optionen nicht alle Möglichkeiten ab: Zwischen „einmal im Monat oder weniger“, also ein- bis dreimal in dem genannten Zeitraum, und „zwei- oder dreimal im Monat“, also sechs- bis neunmal, gibt es eine Lücke, die den Bereich zwischen vier- bis fünfmal in der Bezugsperiode aus dem Spektrum der Antworten ausschließt. Zwischen den anderen Antwortmöglichkeiten gibt es Lücken, die einen noch größeren Ausmaß annehmen.

[7] „Ich bin in sexueller Hinsicht ein sehr guter Partner.“ „Wenn ich beim sexuellen Kontakt etwas anders möchte, sage oder zeige ich das.“ „Im Allgemeinen gelingt es mir sehr gut, die sexuellen Bedürfnisse und Wünsche der Sexualpartnerin zu erfüllen.“ „Im Großen und Ganzen kann ich meine sexuellen Wünsche und Bedürfnisse gut ausdrücken.“

[8] Die Items sind alle gleich gepolt und müssen nicht verändert werden. Befragte, die sich nicht zu den Aussagen geäußert haben, werden nicht berücksichtigt. Die Reliabilität des Index ist sehr hoch (Cronbach-Alpha ist 0,9797). Alle Items eignen sich, in den Index aufgenommen zu werden. Der ausführliche Output befindet sich in Anhang 7.1.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Sexuelle Zufriedenheit und ihre erklärenden Faktoren
Untertitel
Eine quantitative Analyse anhand der PAIRFAM-Daten
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Anwendung von Regressionsverfahren
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V313294
ISBN (eBook)
9783668120259
ISBN (Buch)
9783668120266
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sex, Geschlecht, Zufriedenheit, Glück, Schwangerschaft, Verhütung, Beziehung, Alter, Regression, Regressionsanalyse, Regressionsmethoden
Arbeit zitieren
Claudio Salvati (Autor:in), 2015, Sexuelle Zufriedenheit und ihre erklärenden Faktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313294

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