Counterinsurgency im Krieg gegen den Terrorismus. Die Liberalismustheorie und die Taktik des Regimewechsels


Hausarbeit, 2015
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Quo vadis Amerika ?

2. Liberalismustheorie - Die gedankliche Basis
2.1 Varianten
2.2 Theorie des Demokratischen Frieden
2.3 Wieso der liberale Ansatz?

3. Global War on Terror – Die Taktik des Regimewechsels
3.1 Der Wandel – von Regimewechsel zu Counterinsurgency
3.2 Wie wird ein Wandel möglich? – Die Akteure
3.3. Der Weg zu Counterinsurgency im Irak
3.4 Petraeus übernimmt das Ruder
3.5 Die Folgen und Möglichkeiten von COIN

4. COIN als Produnkt Weniger

5. Literaturverzeichnis

1. Quo vadis Amerika ?

This enemy attaked not just our people, but all freedom – loving people everywhere in the world. The United States of America will use all our rescources to conquer this enemy. We will rally the world. We will be patient, we will be focused, and we will be steadfast in our determination. This battle will take time and resolve. But make no mistake about it: we will win.[1]

Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 standen die Vereinigten Staaten von Amerika einer großen Aufgabe gegenüber. Zum einen war die USA im eigenen Land attackiert worden, was auf Grund der geopolitischen Lage immer als undenkbar erschien, zum anderen war der Feind kein Staat, gegen den es möglich gewesen wäre, direkt Krieg zu führen. Die Anschläge hatten den Terrorismus auf eine neue Stufe gestellt: Die Zahl der Opfer war sehr hoch (ca. 2800), der Anschlag wurde auf dem Territorium der USA verübt und die Terroristen zeigten sich sehr gut organisiert und durchstrukturiert. Es stellte sich heraus, dass in Afghanistan die dort herrschenden Taliban den Terroristen der Organisation Al-Qaida Unterschlupf gewährten.

Zuerst erschien der US-Administrative die Strategie einen Regimewechsel anzustreben als einleuchtend. Die in Afghanistan ansässige Al-Qaida bekannte sich zu den Anschlägen am 11. September. Somit startete der Krieg gegen den Terror in Afghanistan, da dieses Land als Zufluchtshafen für Terroristen angesehen wurde. Die dort ansässigen Taliban unterstützen Al-Qaida. Durch einen Regimewechsel in Afghanistan wurde ein Ende des Terrorismus beabsichtigt. Auf die „Operation Enduring Freedom“(der Afghanistan Einsatz), welche von der USA geleitet wurde, folgte 2003 der Krieg gegen den Irak, welcher von der internationalen Gemeinschaft nicht im selben Maße aufgefasst wurde, wie der Afghanistaneinsatz kurz nach dem 11. September. Die Vermutung, es würden Massenvernichtungswaffen im Irak zu finden sein, sorgte für eine Ausweitung des Krieges gegen den Terror auf den Irak. Doch der lange andauernde Krieg brachte trotz aller Bemühungen keine Erfolge. Daraufhin wurde zu einer neuen Strategie gewechselt: Counterinsurgency. Diese Strategie der Aufstandsbekämpfung beinhaltete nicht den Sturz eines Regimes, sondern dessen Stützung. Somit kann mit Aufbau des Landes die Bevölkerung gewonnen werden und ist nicht mehr so leicht für Terroristische Organisationen zugänglich. Doch die Ausarbeitung eines richtigen Konzepts für COIN stellte sich als langwieriger Prozess heraus, in dem Bush viele Hürden und viel Gegenwind hinnehmen musste, bis er mit Hilfe von General Petraeus Erfolge vorweisen konnte. Der Wechsel von der Strategie eines Regimewechsels zu der Aufstandsbekämpfung (COIN) ist so eklatant, dass es interessant scheint, die Motivation und Kräfte hinter diesem Wechsel genauer zu betrachten. Die vorliegende Arbeit soll der Frage auf den Grund gehen, warum sich bestimmte Akteure für einen Strategiewandel ausgesprochen und ihn umgesetzt haben.

Die theoretische Basis wird der Liberalismus Theorie nach Moravcsik sein, da seiner Grundannahme nach, dass außenpolitische Handeln auf innerstaatliche Akteure zurückzuführen sind. Somit soll diese Theorie dienlich sein, um zu klären, warum es diesen markanten Strategiewechsel im Kampf gegen den Terrorismus gab. Dazu wird nach der Vorstellung der genutzten Theorien Basis ein Überblick über die Strategien an sich, d.h. Regimewechsel und COIN, sowie deren folgen gegeben. Explizit soll darin auch auf die Rolle von einzelnen Personen oder Interessengruppen eingegangen werden, damit abschließend ein Fazit gezogen werden kann.

Die Themen Terrorismusbekämpfung und die Folgen des Irak - und Afghanistankrieges werden in der Literatur oft thematisiert. Eine auf den Neorealismus gestützte Sicht auf die Geschehnisse findet man häufig. Cornelia Bayer beschreibt in ihrem Werk „Die Strategie der Vereinigten Staaten im `War of Terror´“ die Ausführung und die Ursachen des Krieges und erleichtert einen Überblick. Genauer auf die Aktionen Bushs geht Douglas C. Foyle in seinem Aufsatz „The Convinced, the Sceptical, and the Hostile. American and World Public Opinion on the Bush Doctrine“ im von Stanley Allen Renshon herausgegeben Sammelband „Understanding the Bush Doctrine“. Wie genau der Strategiewechsel von statten ging und welche Akteure dabei eine große Rolle spielten, zeigt Gerlinde Groitl in „Strategischer Wandel und zivil-militärischer Konflikt“. Dieses Werk erschien 2015 und ist somit das aktuellste, welches den Strategiewandel, so wie er in dieser Arbeit untersucht werden sollte, behandelt.

Das Thema Terrorismus scheint, seit dem erschütternden Attentat auf das World Trade Center, sehr stark diskutiert zu sein und bietet hierbei sicherlich noch viele Möglichkeiten es zu beleuchten, z.B. die Aspekte der rechtlichen Grundlagen in einem solchen Kampf gegen einen nicht-staatlichen Akteur oder der Antrieb dieser Terroristischen Organisation.

2. Liberalismustheorie - Die gedankliche Basis

In den 1990er Jahren brachte vor allem Moravcsik die Ansätze der liberalen Theorie wieder zurück zur Theorienagenda der internationalen Beziehungen. Der Kern dieser war gleichsam die Abgrenzung zu Realismus und Institutionalismus: Weder die Machtverteilung zwischen internationalen Institutionen noch zwischen Staaten war sein Schwerpunkt, sondern das der staatlich organisierten Gesellschaften.[2] Individuen schließen sich zu Gruppen zusammen (z.B. Parteien, Gewerkschaften oder religiöse Gruppierungen bis hin zu Staaten), dass Handeln einer solchen Gruppe lässt sich aber meist auf bestimmte Individuen zurückführen. Der homo oeconomicus ist das hierbei das vorherrschende Menschenbild, das Bild eines rationalen Eigennutzenmaximierers.[3] Individuen verhalten sich ihren Möglichkeiten entsprechend rational. Das Handeln von Akteuren in der internationalen Politik wird, so argumentieren die politischen Liberalen, vom Handeln im Inneren eines Staates geleitet.[4] Wichtig hierbei sind Herrschafts- und Wirtschaftsformen:

Nach Moravcsik organisieren sie zum einen die Umwandlung gesellschaftlicher Anforderungen in kollektiv verbindliche Entscheidungen und zum anderen verteilen sie gesellschaftliche Wohlfahrtschancen, was erheblichen Einfluss auf die außenpolitische Durchsetzungsfähigkeit konkurrierender Gruppen habe.[5]

Der Staat dient so als Transmissionsriemen, damit die gesellschaftlichen Akteure ihre Interessen verwirklichen können.[6] Individuen und Gruppen versuchen innerhalb des Staates, aber auch International ihre Interessen durch zu setzen. Dies wird durch den Einfluss der Gruppen auf die Regierungsarbeit gewährleistet, somit ist der Staat kein festes Gebilde, sondern immer das Ergebnis von Verhältnissen innerhalb der Gesellschaft. Das Handeln des Staates nach Außen ist somit das Ergebnis des Handelns der Akteure im Inneren. Sind die Präferenzen eines Staates ähnlich mit denen eines anderen, so wird die Zusammenarbeit friedfertiger und produktiver ablaufen. Innenpolitische Prozesse müssen erfasst und empirisch verarbeitet werden, damit dadurch Schlüsse auf das außenpolitische Handeln gezogen werden können.[7] Die Regierung handelt im Auftrag ihres Staates, muss „dabei aber unter dem Einfluss gesellschaftlicher Akteure stehen und entsprechende Präferenzen verfolgen[…]“[8]

2.1 Varianten

Bei Akteuren handelt es sich in der internationalen Politik um einflussreiche Individuen oder Gruppen. Diese Akteure zeichnen sich dadurch aus, dass sie „starke normative Sichtweisen und/oder Interessen an materiellen Ressourcen“[9] haben. Die Interessen eines Akteurs sind hierbei unabhängig von der Politik, wobei durch Konkurrenz oder Konsens mit anderen Akteuren Einfluss auf das politische Geschehen genommen wird.7 Moravcsik zeichnet verschiedene Einflussfaktoren auf, die zur außenpolitischen Präferenzbildung führen: Der Ideelle, der kommerzielle und der republikanische Liberalismus.

Der Ideelle Liberalismus nimmt an, dass außenpolitische Präferenzen durch Werte bestimmt werden. Je nachdem, wie stark innerhalb des Staates eine Identitätsbildung sozioökonomischer Art ausgeprägt ist, kann man das Verhalten des Staates auf diese zurückführen.[10] Der kommerzielle Liberalismus geht nicht von Werten und Normen eines Staates aus, wie der ideelle Liberalismus, sondern nach den Anreizen des Marktes. Das Auftreten eines Staates ist somit von den Gewinnen bzw. Verlusten innerstaatlicher Akteure im internationalen Wirtschaftssystem abhängig. Kriegerische Auseinandersetzungen sind hierbei nicht besonders hilfreich, Staaten sind sich durchaus bewusst, dass der ökonomische Anreiz zu einer kooperativen Verhaltensweise Profit bringender ist.[11] Die dritte Variante ist der republikanische Liberalismus. Wo bei den anderen Varianten ökonomische oder soziale Werte in den Vordergrund steht, liegt hier der Schwerpunkt mehr auf der innerstaatlichen Repräsentation und den Einfluss auf spezifische Interessen innerhalb. Daraus folgt eine konfrontative, expansive Außenpolitik, da durch den Fokus auf wenige Gruppen eher die Möglichkeit besteht, Vorteile für diese Gruppen durchzusetzen. Bei einer gleichmäßigen Berücksichtigung der Gruppen neigen Staaten mehr zu einer kooperativen Außenpolitik. Die Risiken und Kosten werden bei jener Vorgehensweise meist von dem nicht repräsentativen breiten Anteil der Gesellschaft getragen. Durch die breite Entscheidungsträgerschaft neigen Demokratien weniger zu konfliktbereitem Verhalten.[12]

Diese Interessengruppen streben nach Wohlfahrt. Sei dies materieller Natur, Ressourcen oder ein streben im Sinne des Gemeinwohls, wie es bei republikanischen Akteuren der Fall ist. Herrscht ein Mangel an diesen Gütern besteht eine erhöhte Konfliktbereitschaft.[13]

Die Regierung selbst ist auch eine Interessengruppe, deren Ziel es ist so lange wie möglich an der Macht zu bleiben. Die Regierung steht aber in ihrem Handeln unter ständigem Druck der einflussreichsten gesellschaftlichen Akteure. Was ein Staat nach außen hin zeigt, also Wohlfahrt, Sicherheit und Souveränität ist das Ergebnis des Handelns innerstaatlicher Gruppen.[14]

2.2 Theorie des Demokratischen Frieden

Da ein Krieg eine hohe Verschwendung von Ressourcen mit sich führt, sowohl menschlicher wie auch materieller Art, erscheint er aus wirtschaftlicher und politischer Sicht unsinnig. Demokratien führen ungerne Krieg, auch weil ein lang an dauernder Krieg der herrschenden Regierung mit der Zeit die Unterstützung durch die Wähler entziehen würde. Eine Demokratie führt deswegen weniger Kriege. Falls es doch zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen sollte, wird eine Demokratie zu allererst eine Verhandlung anstreben. Sollte diese auch scheitern, wird eine Demokratie nur dann einen Krieg beginnen, wenn die Aussicht auf einen schnellen Sieg besteht. Deshalb gewinnen Demokratien oft Kriege. Aus Gründen der Wohlfahrt erschweren auch wirtschaftliche Verbindungen zwischen den Staaten einen Krieg. Ein Krieg zwischen Demokratien ist somit unwahrscheinlicher.[15]

2.3 Wieso der liberale Ansatz?

Die Entscheidung, den bereits in der Einleitung erwähnten Kurswechsels im Kampf gegen den Terrorismus zu vollziehen, könnte durchaus ein Produkt innerstaatlicher Akteure und Interessengemeinschaften sein, welche einen größeren Vorteil aus diesem ziehen konnten. Dies verleitet dazu, die vornherein gewählte Theorie als Basis der Überlegungen heran zu ziehen. Für eine exakte Beantwortung der Frage ist es unabdingbar, die Motive der Handelnden aufzudecken, deswegen stützt sich die Arbeit auch auf die Varianten des Liberalismus. Beim Voranschreiten soll dann erkenntlich werden, welche Variante in diesem Fall vorliegt. Die Theorie zum Demokratischen Frieden, die hier nur angeschnitten wurde erleichtert es, die Motivation für die genutzten Strategien an sich nachvollziehen zu können. Der Regimewechsel und der Aufbau eines demokratischen Staates ermöglichen eine Beseitigung der Gefahr, durch Demokratisierung.

[...]


[1] Remarks by the president, September 12, 2001 zitiert nach Tan, Andrew T. H (2009): U.S. strategy against global terrorism. How it evolved, why it failed, and where it is headed. 1st ed. New York: Palgrave Macmillan. S. 2.

[2] Vgl. Schieder, Siegfried (Hg.) (2010): Theorien der Internationalen Beziehungen. 3. überarb. und aktualisierte Aufl. Opladen [u.a.]: Budrich (UTB, 2315). S. 191-192.

[3] Vgl. Ebd. S. 192.

[4] Vgl. Liberalismus von Andreas Hasenclever in Wilhelm, Andreas (Hg.) (2008): Handbuch der Internationalen Politik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 77.

[5] Ebd. S. 76.

[6] Vgl. Auth, Günther (2015): Theorien der Internationalen Beziehungen kompakt. Die wichtigsten Theorien auf einen Blick. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin, München, Boston: De Gruyter Oldenbourg (Politikwissenschaften kompakt). S. 159.

[7] Vgl. Liberalismus von Andreas Hasenclever in Andreas (Hg.) (2008): Handbuch der Internationalen Politik. S. 76.

[8] Auth, Günther (2015): Theorien der Internationalen Beziehungen kompakt. S.157.

[9] Ebd. S. 158.

[10] Vgl. Schieder, Siegfried (Hg.) (2010): Theorien der Internationalen Beziehungen. S.198.

[11] Vgl. Ebd. S. 198-199.

[12] Vgl. Ebd. S. 199.

[13] Liberalismus von Andreas Hasenclever in Andreas (Hg.) (2008): Handbuch der Internationalen Politik. S. 76.

[14] Auth, Günther (2015): Theorien der Internationalen Beziehungen kompakt. S. 159.

[15] Vgl. Liberalismus von Andreas Hasenclever in Andreas (Hg.) (2008): Handbuch der Internationalen Politik. S. 91.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Counterinsurgency im Krieg gegen den Terrorismus. Die Liberalismustheorie und die Taktik des Regimewechsels
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Poiltikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die internationale Politik
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V313332
ISBN (eBook)
9783668121522
ISBN (Buch)
9783668121539
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politikwissenschaft, Internationale Politik
Arbeit zitieren
Philipp Amadeus Skudelny (Autor), 2015, Counterinsurgency im Krieg gegen den Terrorismus. Die Liberalismustheorie und die Taktik des Regimewechsels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313332

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