Grundlagen der Kultursoziologie nach Mannheim


Ausarbeitung, 2014
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kultursoziologie Karl Mannheims
2.1 Biografie und Sprachstil Mannheims
2.2 Die Erläuterung von Mannheims Kultursoziologie in ‚Über die Eigenart kultursoziologischer Erkenntnis‘
2.2.1 Zur Genese und Charakteristik der Kultur und ihrer Soziologie (Teil I)
2.2.2 Die Definitionen und Aufgaben der Soziologie- und Kulturarten (Teile II-IV)

3. Fazit - Mannheims Wirkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Karl Mannheim gilt als einer der Begründer der Wissenssoziologie. Um zu dieser jedoch gelangen zu können, musste er sich mit der Kultursoziologie auseinander setzen, welche sich zu dieser Zeit mit der Analyse von Wissen und Denken beschäftigte. Mannheim nahm dabei das Marx‘sche Denken als Ausgangspunkt und wendete sich gegen dessen Basis-Überbau-These. Er brach damit die Verbindung zwischen Kultursoziologie und Ökonomie, welche zu dieser Zeit den wissenschaftlichen Diskurs dominierte.

Den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden daher die Mannheim’schen Grundlagen seiner Kultur- soziologie. Hierzu soll zunächst nachgezeichnet werden, auf welche Weise Mannheim zu den Annahmen gelangte, auf die er seine Kultursoziologie aufbaute. Anschließend werden, an- hand des ersten Teiles seiner Schrift ‚Über die Eigenart kultursoziologischer Erkenntnis‘, sei- ne wichtigsten Ausführungen bezüglich der Kultursoziologie herausgearbeitet. Daran anknüp- fend sollen aus den folgenden Teilen weitere nennenswerte Aspekte benannt werden. Zum Schluss wird noch ein Ausblick auf den Einfluss unternommen, den seine kultursoziologische Arbeit auf sein weiteres wissenschaftliches Wirken und die Soziologie nehmen sollte.

2. Die Kultursoziologie Karl Mannheims

2.1 Biografie und Sprachstil Mannheims

Karl Mannheim wurde am 28. März 1893 in Budapest geboren, studierte dort mit philosophi- schem Schwerpunkt und bewegte sich in verschiedenen intellektuellen und künstlerischen Kreisen. 1918 promovierte er zum Dr. phil. mit der Arbeit über die ‚Strukturanalyse der Er- kenntnistheorie‘. Im selben Jahr nahm er eine Dozentenstelle an, welche ihm von der damali- gen revolutionär-kommunistischen Regierung angeboten wurde. Als 1919 die Regierung je- doch gestürzt wurde und das anti-kommunistische Regime die Macht ergriff, mussten Mann- heim und weitere Intellektuelle ins Ausland fliehen. Mannheim hielt sich in mehreren deut- schen Städten auf, bis er schließlich nach Heidelberg gelangte. Dort setzte er seine Studien zur Erkenntnistheorie unter dem Einfluss von Alfred Weber fort, wodurch seine Arbeiten eine kultur- und wissenssoziologische Betonung erfuhren. In dieser Zeit, so ca. 1922-1924, ent- stand auch seine Schrift ‚Über die Eigenart kultursoziologischer Erkenntnis‘, welche aber erst 1980 in ‚Strukturen des Denkens‘ durch Kettler, Meja und Stehr veröffentlicht wurde. Mann- heim brachte diese philosophisch-angehauchte Schrift höchstwahrscheinlich deshalb nicht selbst heraus, da sie seinen Ruf als akademischen Berufssoziologen hätte gefährden können (Corsten 2010: 12ff.; Korte 2011: 125; Mannheim 1980: 9)

Bevor wir aber mit den wichtigsten Ausführungen von Mannheims Kultursoziologie begin- nen, sollte ein Blick auf seine Begriffssprache geworfen werden. Er gebrauchte nämlich nicht nur gerne Metaphern und Doppeldeutigkeiten, sondern verwendete zur Beschreibung eines Sachverhaltes verschiedene, aber sinnverwandte Begriffe. So tauchen für die geistigen Sach- verhalte, neben den Begriffen Denken, Wissen und Kultur, auch seine eigenen Neologismen, wie ‚geistige Realitäten‘, ‚Kulturgebilde‘ oder ‚Weltanschauungen‘ auf (Mannheim 1980: 7; Corsten 2010: 18).

2.2 Die Erläuterung von Mannheims Kultursoziologie in ‚Über die Eigenart kultursoziologischer Erkenntnis‘

2.2.1 Zur Genese und Charakteristik der Kultur und ihrer Soziologie (Teil I)

Die Entstehung der Kultursoziologie lässt sich daraufhin zurückführen, dass die Kultur ein Phänomen ist, welches erst durch den Kulturprozess selbst entdeckt wurde - so zumindest Karl Mannheims Prämisse. Unsere gesamten Wissenschaften, ausgenommen die Naturwissenschaften, seien erst zur Kulturwissenschaften geworden; ebenso wie die Philosophie sich zur Kulturphilosophie gewandelt habe. Die Wissenschaften, wie die Philosophie oder Historie, hätten sich zwar mit Kulturerscheinungen befasst, aber nicht diese als solche wahrgenommen. Inzwischen nähme sogar unser Kulturbegriff den höchsten hierarchischen Platz in unserem Lebenssystem ein (Mannheim 1980: 39).

Mannheim stellte sich daher nun die Frage, was sich in diesem Kulturprozess vollzogen habe, damit sich unser Kulturbegriff bilden und diesen hohen Stellenwert einnehmen konnte. Er beschreibt unsere Weltanschauung als ein System, in dem ‚inner- und umweltliche Ele- mente‘ vorhanden seien, welche unsere Lebensgestaltung stark prägen würden. Diese Ele- mente würden wir nach ihrem Wertakzent hierarchisch einordnen. Das Höchstbewertete habe sich dabei selbst zu garantieren, es sei der Ursprung von den anderen Elementen und beruhe auf Gemeinschaftsbewusstsein. Im Mittelalter sei dies die Religion, bzw. Gott gewesen. Alle anderen Elemente - Mannheim spricht hier auch von Realitäten - knüpften ihm zufolge sich daran an und bildeten so ein geschlossenes System: das Weltbild der damaligen Zeit (Mann- heim 1980: 40f.).

Durch einen Wandel des gesellschaftlichen Prozesses, also einen Verlust der Bedeutung der Religion in der Gesellschaft, habe es die Möglichkeit gegeben, neue hierarchische Verhältnis- se zu schaffen. Die einzelnen kulturellen Realitäten - Mannheim bezeichnet diese nun als Sphären - hätten sich so zuerst Autonomie verschafft, wie z.B. die Kunst, welche sich in der Renaissance von der Religion befreit habe. Die verschiedenen Sphären, wie z.B. die Kunst, die Wissenschaft oder die Politik, seien anschließend in einen Kampf um die Vormacht, also den Primat, gegenüber den anderen geraten. Diese Neuorganisierung des Weltbildes habe aber nicht funktionieren können, da sich keine der kulturellen Sphären durchsetzen konnte. Daher habe man nach anderen Lösungswegen gesucht und gerade diesen Machtkampf in den Fokus genommen. Dieser Wandel der kulturellen Sphären sieht Mannheim als Sichtbarmachung des Kulturprozesses und so sei das Phänomen der Kultur nun an oberster Stelle des Weltbildes wertakzentuiert (Mannheim 1980: 41f.).

Mannheim unterscheidet dabei drei verschiedene Haupttypen der Weltanschauungsstabilisierung: die ‚aufklärerische‘, die ‚romantische‘ und die ‚dynamische‘ Lösung. „Die aufklärerische Lösung versuchte aus einem historischen, überzeitlichen Bewusstsein heraus die Kultur als Selbstwert irgendwie zu begründen“, so Mannheim (Mannheim 1980: 42). Das Gesamtphänomen der Kultur übernähme hier den obersten Wertakzent. Sowohl der romantische, als auch der dynamische Lösungsweg nähmen im Gegensatz zur aufklärerischen Lösung, welche das Bewusstsein mit einer Übergeschichtlichkeit verbindet, das Historische in den Fokus. Geschichte werde nun zur Grundlage des Erlebens. Es werde nun nicht mehr nur in der Geschichte gelebt, sondern man erlebe sie auch als Geschichte.

Der romantische Lösungsweg nähme dabei nur einen bestimmten Teil der Vergangenheit in den Blick und übersähe so, dass die Vergangenheit ‚nur‘ Geschichte und das Gegenwärtige eigentlich von Bedeutung sei. Des Weiteren versuche dieser Ansatz das Wachstum der Kultur zu organisieren, dabei sei dieses jedoch organisch. Dieser Ansatz sei somit paradox. Der dritte Lösungsweg, der dynamische, stellt für Mannheim eine Synthese der beiden vori- gen Lösungsstrategien dar. Hier werde nämlich der Selbstwert auf den überzeitlichen- historischen Wandel der Kultur, also auf den Kulturprozess selbst, gelegt (Mannheim 1980: 42ff.).

Im zweiten Abschnitt des Auszugs erläutert Mannheim die Charakteristika des modernen Kulturbegriffes. Er typisiert dabei sechs Merkmale, wobei drei Faktoren Anmerkungen zu dem bereits geschilderten Begriff sind:

Das erste Merkmal bezieht sich auf die Relativierung der einzelnen Kultursphären gegenei- nander, welche erst durch den Zusammenbruch des Primaten, also der Religion, entstehen hätte können. Der Wertakzent verschiebe sich so von der Religion auf die Gesamtheit der verschiedenen Sphären.

Das zweite Charakteristikum zeichnet sich durch eine weitere Relativierung aus, welche auf die historische Ausgestaltung des Kulturphänomens gerichtet ist. Es müsse ein Bewusstsein geschaffen werden, welches zeige, dass sich jede Kultur wandle, relativiere und vergehe. Auch müsse bewusst sein, dass die Kultur einen prozessualen Charakter besäße, womit Mannheim den vierten Faktor beschreibt. Der ‚Kosmos‘ so Mannheim, wandelt sich nicht nur, sondern hat auch die Form eines Prozesses. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft hätten dabei einen bestimmten Platz (Mannheim 1980: 45f.).

Das vierte Merkmal ist das Ergebnis aus den drei vorigen Faktoren. Mannheim unterscheidet hier zwischen ‚Urerlebnis‘ und ‚Bildungserlebnis‘. Beide beziehen sich auf die Beziehung zwischen dem Subjekt und seinem geistigen Gebilde. Im Urerlebnis führe das Subjekt eine ontische Beziehung zum Gebilde. Das Gebilde sei einfach der Ausdruck des Schöpfers, es ‚ist‘ für ihn, sei also ‚seiend‘. Beim Bildungserlebnis komme zum Seienden jedoch ein Wert hinzu. Das Subjekt nähme es als wertvoll, als Kultur wahr. Es könne nun beurteilt werden. Als Beispiel nennt hier Mannheim u.a. das Bild. Es stelle nun nicht mehr nur einfach etwas dar, sondern man nähme es auch als Kunst wahr. Dieses Bildungserlebnis rücke dabei immer weiter in den Vorschein, während das Urerlebnis in den Hintergrund rücke. Alles bekomme einen Wert zugeschrieben, nichts sei einfach mehr nur noch ontisch (Mannheim 1980: 47f.). Nun stelle sich die Frage, ob das Gebilde an sich ‚werthaft‘, also wertvoll sei, oder ob es wertvoll sei, um zu zeigen, wie wertvoll und edel, ihre Schöpfer, die Menschen, seien.

Beim vorletzten Merkmal spricht Mannheim den Kontrast zwischen Kulturbegriff und Naturbegriff an. Die Natur ist für ihn das komplette Gegenteil der Kultur, denn er sieht diese als ‚sinnfrei‘, wertfrei. Sie gebe nur das Seiende und Wirkliche dar.

Aber durch die immer weiter gehende Expansion des Kulturbegriffes gebe es immer weniger, was der Natur zuzuordnen sei. Womit wir beim letzten Merkmal wären. Sogar die menschliche Natur werde zur Kultur. Einzig unser Triebleben und unsere Sinnlichkeit könne man noch als Natur bezeichnen (Mannheim 1980: 48ff.).

In ‚Die gesellschaftliche Bedingtheit der Kulturgebilde‘, dem dritten Abschnitt, zeichnet Mannheim die Entwicklung der Kultursoziologie nach.

Damit sich die Kultursoziologie herausbilden habe können, seien zuerst die Sichtbarmachung des Kulturprozesses und die Entwicklung der Soziologie nötig gewesen. Damit die Soziologie habe entstehen können, sei zum Ausgang des Mittelalters die theokratische Konzeption durch das juristische System der geistigen Gebilde abgelöst worden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der Kultursoziologie nach Mannheim
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
Kultur als soziologischer Begriff
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V313420
ISBN (eBook)
9783668122178
ISBN (Buch)
9783668122185
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur;, Mannheim;, Kultursoziologie;
Arbeit zitieren
Lea Hanke (Autor), 2014, Grundlagen der Kultursoziologie nach Mannheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313420

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