Die Wirkungen traditioneller und moderner Medien aus mediensoziologischer Perspektive

Eine Analyse


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Charakteristika von Märchen und von Zeichentrickserien
2.1. Die Merkmale von Märchen nach Lüthi
2.2. Die Merkmale und Arten der Zeichentrickserie u.a. nach Theunert

3. Die Wirkungen der Märchen und der Zeichentrickserien
3.1. Die Wirkung des Märchens auf Kinder
3.2. Die Wirkung der Zeichentrickserien

4. Analyse der Fallbeispiele: „Hänsel und Gretel“ und „Kim Possible“
4.1. Analyse der Merkmale und Wirkung von Märchen am Beispiel „Hänsel und Gretel“
4.2. Analyse der Merkmale und Wirkung von Zeichentrickserien am Beispiel „Kim Possible“ .
4.3. Beweis Märchen = Zeichentrickserie: Übertragung der Märchenmerkmale auf die Zeichentrickserie

5. Fazit

1. Einleitung

In unserer heutigen Welt spielt das Fernsehen, neben anderen zahlreichen medialen Angeboten, immer noch eine sehr große Rolle und das nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern. Vor allem in Bezug auf letztgenannte wurde schon häufig über den Nutzen oder Schaden des Fernsehens diskutiert. Zum einen brauchen Kinder die für sie geschaffenen Serien, die sich vor allem aus Zeichentrickserien rekrutieren, da sie sich an deren Hauptfiguren orientieren. Diese dienen als Vorbilder, sogar als Helden, für sie. Auf der anderen Seite wird den Zeichentrickserien aber vorgeworfen, dass sie Kinder verängstigen oder gar zur Gewalt bewegen können. Ob positive oder negative Einstellung gegenüber ihnen: Die Serien nehmen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

Daher stellt sich nun die Frage, ist das Medium dafür verantwortlich oder liegt es allgemein an den Medien und dem, was sie vermitteln? Ähnliche Merkmale der Zeichentrickserie sind auch bei den Märchen anzutreffen. Ihnen kann genauso eine Vorbildfunktion, wie auch eine Verängstigung durch Gewaltszenen u.a. vorgeworfen werden.

Ein Vergleich beider Medien, anhand ihrer Charakteristika und die Betrachtung inwiefern die Medien eine Wirkung auf Kinder haben können, sollen Aufschluss darüber geben, ob es an einem bestimmten Medium liegt, oder die Medien an sich die Realität des Kindes verändern.

2. Die Charakteristika von Märchen und von Zeichentrickserien

In Folge sollen die Charakteristika von Märchen und Zeichentrickserien jeweils vorgestellt werden. Hierzu wurden die bedeutendsten Vertreter der Kategorisierung und der Erforschung der jeweiligen Mediengattungen gewählt. Für die Märchen soll dies anhand der Kategorisierungen von Max Lüthi geschehen, da dieser im deutschsprachigen Raum den größten Anteil der Forschungsliteratur verantworten hat. Für die Zeichentrickserien sollen v.a. die Charakterisierungen nach Helga Theunert herangezogen werden, da diese eine der meistzitierten Referenzen in der deutschsprachigen Zeichentrickforschung ist.

2.1. Die Merkmale von Märchen nach Lüthi

Das Märchen beschreibt Lüthi folgendermaßen: „Das europäische Volksmärchen hat sich uns dargestellt als eine mehrgliedrige, welthaltige Abenteuererzählung von abstrakter Stilgestalt […] Es faßt die Welt in sich. Es zeigt zwar nicht ihre innersten Zusammenhänge, aber ihr sinnvolles Spiel. Alle Elemente der Welt sind in ihm leicht und durchsichtig geworden. Die magischen Inhalte haben sich verflüchtigt wie die mythischen, die numinosen und die profanen. Aber gerade darauf beruht die eigentümliche Magie, die dem Märchen eignet, und die magische Wirkung, die von ihm ausgeht. Es verzaubert alle Dinge und Vorgänge dieser Welt.“ (Lüthi 1968: 96)

Die Begriffe „Märchen“ und „Märlein“ (mhd. maerlin) sind Verkleinerungsformen zu dem Wort „Mär“ (mhd. maere), was als kurze Erzählung bzw. Nachricht oder Kunde verstanden wurde. Somit setzt der Begriff eigentlich einen wahren Gehalt voraus, dieser änderte sich jedoch im 15-17. Jahrhundert zu einer unwahren Erzählung. Das Märchen wurde einst nur mündlich überliefert und richtete sich eigentlich v.a. an Erwachsene. Erst durch die Gebrüder Grimm wurden sie schriftlich festgehalten und umgeändert, so dass sie auch für Kinder geeignet sind (Gerstl 1964: 9; Strehlow 1985: 5ff.). Als Synonym zum Märchen wird oft das „Volksmärchen“ gebraucht, welches auch hier im Mittelpunkt stehen wird. Verwandte Erzählformen zu diesem sind das Kunstmärchen, die Sage, die Legende, der Mythus, die Fabel und der Schwank (Gerstl 1964: 14f.; Strehlow 1985: 12ff.).

Nach Lüthi gibt es fünf nennenswerte Merkmale des Märchens: Die Eindimensionalität, die Flächenhaftigkeit, der abstrakte Stil, die Isolierung und Allverbundenheit und die Sublimation und Welthaltigkeit (Gerstl 1964: 10; Strehlow 1985:21).

Eindimensionalität bedeutet dabei, dass es keine Distanz zwischen den Gestalten gibt. Jeder tritt mit jedem mit vollkommener Selbstverständlichkeit in Kontakt. Sogar leblose Gestalten, wie Steine können reden. Sie befinden sich alle auf einer Ebene und können dem Helden sogar noch helfen. Dem Helden wird dabei die Rolle des Protagonisten zutrage, daneben gibt es nur die Helfer und die Gegner.

Ebenso spielen weder Zeit und Raum, Logik, Naturgesetze, noch das innere seelische Leben der Figuren eine Rolle. Diese Eigenschaften bezeichnet Lüthi als Flächenhaftigkeit (Gerstl 1964: 10; Lüthi 2005: 8ff.; Strehlow 1985: 20ff.).

Die Eindimensionalität und Flächenhaftigkeit bedingen das dritte Merkmal im Märchen: Der abstrakte Stil. Indem auf detaillierte Darstellungen verzichtet und die Figuren einfach benannt werden, also diese keinen individuellen Charakter vorweisen, entsteht eine Einheit, ein Gesamtkonzept. Die einfache Benennung ist auch hilfreich, um den klaren, zielstrebigen Handlungsablauf zu ermöglichen. Typisch an der Handlung ist zudem, dass diese mehrgliedrig und einsträngig ist, diese also aus mehreren, nacheinander folgenden Teilen besteht und sich keine Nebenhandlungen vollziehen (Gerstl 1964: 10f.; Lüthi 2005: 25ff.; Strehlow 1985:25f.).

Des Weiteren zeichnet sich dieser Stil durch seine immer wiederkehrenden Formeln aus, welche vor allem am Anfang oder Schluss des Märchens zu finden sind. Wie z.B. „Es war einmal“ oder „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Immer wieder treten auch die Zahlenmotive drei, vier, sieben und zwölf auf und sprachlich ist das Märchen einfach gestrickt, mit fast ausschließlich nur Hauptsätzen und einfachem Vokabular. Neben abstrakten Veranschaulichungen, gibt es die Einteilung in polarisierende Charaktereigenschaften: gut und böse, stark und schwach oder groß und klein. Wobei immer das Gute über das Böse siegt oder die Kleinen sich gegen die Großen behaupten (Gerstl 1964: 11; Lüthi 2005: 33ff.; Strehlow 1985: 21ff.).

Die Helden sind immer am Anfang mit einer Aufgabe oder einem Problem konfrontiert, welche sie allein versuchen müssen zu lösen, denn nur in schwierigen Situationen kommt Hilfe durch die (magische) Außenwelt. Langwierige Beziehungen kommen dabei nicht zustande und der gute Ausgang ist dabei immer mit inbegriffen. Der Held oder die Heldin ist somit isoliert, aber steht auch in einer Allverbundenheit mit der Welt, womit Lüthi das vierte Merkmal des Märchens beschreibt (Gerstl 1964: 11; Lüthi 2005: 37ff.; Strehlow 1985: 20, 27).

Das letzte Merkmal ist die Sublimation und Welthaltigkeit. Das Märchen verwendet nur Motive des menschlichen Daseins und verwandelt diese, sublimiert sie also. Dadurch wird das Märchen welthaltig, jeder kann sich damit identifizieren und Fragen nach dem Sinn des Daseins beantworten. Das Märchen erklärt dabei nichts, es stellt nur dar. Man braucht es einfach nur betrachten (Gerstl 1964: 12f.; Lüthi 2005: 63ff.; Strehlow 1985: 29).

2.2. Die Merkmale und Arten der Zeichentrickserie u.a. nach Theunert

Der Zeichentrickfilm ist eine besondere Form der Animation. Reale oder abstrakte Darstellungen von gezeichneten Figuren werden durch den Phasentrick zum Leben erweckt. Synonym zum Zeichentrickfilm wird häufig der amerikanische Begriff Cartoon verwendet, da die meisten Zeichentrickserien aus amerikanischer Produktion stammen. Als Massenmedium tritt jedoch eher die Zeichentrickserie, als der Zeichentrickfilm auf. Im Folgenden soll daher auch der Schwerpunkt auf der Zeichentrickserie liegen (Aden/Stehr 1976: 3; Rathmann 2004: 3; Theunert et al. 1995: 125).

Bei den Zeichentrickserien kann in drei tendenzielle Serienrichtungen unterschieden werden: Sie sind entweder auf kämpferische Auseinandersetzungen, auf Alltagsbegebenheiten oder auf Komik ausgerichtet. Theunert unterscheiden in fünf Serientypen: Der bewegte Alltag, die Gerechten Kämpfe, Kleine Abenteuer, Persönliche Scharmützel und Erfolgreiche Gaunerjagden.

Der bewegte Alltag ist bestimmt, wie der Name schon verrät, durch alltägliche Situationen, die in Familien oder größeren Gemeinschaften passieren, wie z.B. dass Streiche ausgeheckt werden, es Konflikte zu lösen gilt oder die Kleinen sich gegen die Großen durchsetzen müssen.

Eine große Rolle spielen Konflikte auch im zweiten Typus, den gerechten Kämpfen. Das Gute bekämpft das Böse und dies mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, ob mit realistischen oder phantastischen Waffen, mit Zauberei oder übermenschlichen Fähigkeiten. Gewalt zur Lösung der Konflikte findet hier rege Anwendung. Diese wird sogar als legitim dargestellt und hingenommen, da sie notwendig ist, um das Böse zu bekämpfen und in der Regel keine negativen Folgen nach sich zieht.

Die kleinen Abenteuer zeichnen sich durch außeralltägliche und spannende Erlebnisse in gewohnter oder fremder Umgebung aus.

Cartoonklassiker, wie Tom und Jerry, lassen sich dem Serientyps Persönliche Scharmützel zu ordnen. In dieser Gattung des Cartoons geht es meistens um zwei Akteure, die verfeindet sind, und sich das Leben tagtäglich versuchen schwer zu machen. Auch in ihnen spielt Gewalt eine beachtliche Rolle, da sie hier sogar ein Mittel ist um Komik auszulösen. Der letzte Typ lautet Erfolgreiche Gaunerjagden. Im Mittelpunkt stehen hier die Hauptfiguren, die als Vertreter des Gesetzes agieren und die Bösen zur Strecke bringen. Vor allem die selbsternannten Ordnungshüter erbringen diese Leistung dabei mit großem Geschick (Theunert/Schorb 1996: 29ff.).

Die Figuren in den Zeichentrickserien weisen zumeist eine einfache, klare Gestalt auf. Diese äußert sich sowohl in der zeichnerischen Umsetzung, als auch in der Persönlichkeit. Die Figuren tragen ihre stereotypischen Eigenschaften sogar nach außen. Ob gut oder böse, pfiffig oder tollpatschig.

Das Fehlen eines Hintergrundes und einer Tiefe von einer Handlung kommt vor allem bei den Figuren der Actioncartoons zum Vorschein. Der Protagonist besitzt zumeist eine Doppelnatur, welche sich zeigt, wenn eine Gefahr droht und er sich zum Helden verwandeln muss, in dem er seine übernatürlichen Fähigkeiten aktiviert. Diese verkörpert auch zumeist den Höhepunkt jeder Folge. Die Gefahr oder Bedrohung geht zumeist von seinem Gegenspieler, dem Schurken aus. Die Entwicklung des Helden in jeder Folge, ist jedoch keine auf lange Zeit, in der nächsten Folge steht er schon wieder am Anfang ebendieser (Rathmann 2004: 11f.).

Die Handlung wird in ihrem genauen Verlauf von Gattung und Intention der Zeichentrickgeschichte stark beeinflusst. Bei dem Gag-Cartoon wird vor allem Wert auf die Pointe gelegt. Die Erzählidee ist zwar auch vorhanden, aber spielt keine besondere Rolle.

Wichtiger sind ausgefallene, unerwartete Situationen, denen es an Logik fehlt.

Daneben gibt es Cartoons, die sich sehr weit mit ihrer Handlung am Realfilm orientieren. Während der Aufbau und die Dramaturgie dem Realfilm sehr ähneln, wird der inhaltliche Grundkonflikt zumeist aus Märchen, Sagen oder Mythologien genommen. Die Handlung beginnt dabei mit einer Einführung in das Geschehen und der Beschreibung des Grundkonfliktes. Im Hauptteil treffen die Fronten aufeinander und der Schluss endet immer mit einem positiven Ausgang für das Gute, sprich für die Helden und deren heile Welt. Einige Serien sind sogar moralisch geprägt. Die Zeichentrickserie folgt dabei seinen eigenen Gesetzen, „sowohl was die Gestaltung von Zeit und Raum als auch die Darstellung alternativer Handlungskonzepte anbetrifft“ (Rathmann 2004: 13). Der Held trifft dabei immer die Entscheidung welchen Weg er geht, da er meistens auf sich allein gestellt ist und nur Hilfe in Form von seinen übernatürlichen Kräften oder von außerhalb erhält.

Schließlich ist dann noch der episodische Aufbau zu nennen. Die Serien haben kurze, in sich geschlossene Episoden, oder die Folgen sind Teile einer Gesamtgeschichte, die meistens mit einem Rückblick auf die vorherige Episode beginnen. Charakteristisch für die Serien ist des Weiteren die Schaffung von Vertrauen durch Wiederholung des Bekannten. Sprüche und Formeln finden hier besondere Bedeutung (Rathmann 2004: 10ff.).

3. Die Wirkungen der Märchen und der Zeichentrickserien

3.1. Die Wirkung des Märchens auf Kinder

Märchen können auf Kinder eine besondere Wirkung haben. Sie können diese nicht nur unterhalten, sondern auch unbewusst in ihrer persönlichen Entwicklung fördern. Durch das Mitverfolgen von Handlung und das Mitfiebern mit dem Protagonisten kann zum einen die Vorstellungskraft von Kindern geschult, sowie ihr Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen gefördert werden. Zudem können Märchen sich durch Spielen und Erzählen auf die Kontaktfreudigkeit und Aktivität des Kindes positiv auswirken. Die magischen Bestandteile ziehen sie in ihren Bann und die Grausamkeiten in Märchen können sogar als positiv angesehen werden, da das Kind durch diese auf etwaige Hindernisse und Unannehmlichkeiten im Leben vorbereitet wird (Strehlow 1985: 142ff.; Lüthi 2004: 105f.).

Wie diese ganzen Wirkungen zustande kommen, wird nun anhand der Merkmale aus 1.1 deutlich gemacht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Wirkungen traditioneller und moderner Medien aus mediensoziologischer Perspektive
Untertitel
Eine Analyse
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
Medien, Realität und Simulation. Zur Herstellung sozialer Wirklichkeit(en) durch Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V313422
ISBN (eBook)
9783668121348
ISBN (Buch)
9783668121355
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien;, Kinder;, Jugend;, Märchen;, Zeichenstrickserien;, Wirkung;
Arbeit zitieren
Lea Hanke (Autor), 2013, Die Wirkungen traditioneller und moderner Medien aus mediensoziologischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313422

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