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Wie viel freier Wille darf es sein?

Title: Wie viel freier Wille darf es sein?

Seminar Paper , 2004 , 19 Pages , Grade: angenommen

Autor:in: Anton Distler (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Seit Ch. W. Snells 1789 erschienenem Werk Determinismus firmieren jene Begriffe unter der Determiniertheit bzw. Indeterminiertheit, die seither zur Charakterisierung der Welt im allgemeinen und die des Menschen im besonderen benutzt werden. Während aber heutzutage, zumindest bei einem Grossteil der Philosophen und Naturwissenschaftler, nicht mehr die Frage im Raum steht, ob das Schicksal des Menschen von einem allmächtigen, allwissenden und unfehlbaren Gott vorherbestimmt sei, bedroht vielmehr der naturwissenschaftliche Determinismus etwaige Willensfreiheit des Menschen. Andererseits wird es einem nicht erleichtert, Willensfreiheit zu verfechten, wenn statt dessen der Indeterminismus Geltung besäße. Einerlei also, welche These diesbezüglich wahr sein sollte, keiner der Vertreter kann wirklich überzeugend darlegen, ob und wie, sofern es überhaupt einen wie auch immer gearteten Willen gibt, jener nun mit einem Determinismus oder Indeterminismus verträglich sei.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Freiheitsauffassungen

2.1 Handlungsfreiheit

2.2 Willensfreiheit

III. Bedingung: „x hätte anders handeln können“

3.1 Konsequenz-Argument: Die kategorische Interpretation der Inkompatibilisten

3.2 Konditionale Analyse der Kompatibilisten

IV. „x hätte anders handeln können“: Keine notwendige, im Sinne von Verantwortlichkeit geforderte Freiheitsbedingung

4.1 Indirektes Argument Frankfurts

V. Inkompatibilistische Reaktionen auf Frankfurts indirektes Argument

5.1 Widerkers Zurückweisung

5.2 Lambs Kritik an Frankfurt

VI. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Debatte um die Willensfreiheit, insbesondere im Hinblick auf die umstrittene Bedingung, dass eine Person nur dann für ihre Taten moralisch verantwortlich sei, wenn sie hätte anders handeln können. Ziel ist es, Harry G. Frankfurts indirektes Argument gegen diese Bedingung darzustellen und kritische Reaktionen von Inkompatibilisten zu analysieren, um das komplexe Spannungsfeld zwischen Determinismus, Handlungsfreiheit und moralischer Verantwortung zu beleuchten.

  • Unterscheidung von Handlungs- und Willensfreiheit
  • Analyse des "principle of alternate possibilities" (PAP) und des Konsequenz-Arguments
  • Untersuchung von Frankfurts "counterfactual intervener"-Szenarien
  • Kritische Auseinandersetzung mit libertarischen Gegenpositionen (Widerker, Lamb)
  • Diskussion alternativer Freiheitsbedingungen für moralische Verantwortlichkeit

Auszug aus dem Buch

4.1 Indirektes Argument Frankfurts

Harry G. Frankfurt hat in seinem in Philosophenkreisen viel rezipiertem Aufsatz Alternate Possibilities and Moral Responsibility dargelegt, weshalb seiner Ansicht nach das in der englischsprachigen Welt sog. PAP falsch ist. Falsch in dem Sinne, dass „a person may well be morally responsible for what he has done even though he could not have done otherwise.” Frankfurt behauptet mitunter gerade das Gegenteil von der, von einigen Kompatibilisten vertretenen Auffassung, wonach die Bedingung, dass x auch hätte anders handeln können, nur dann zutreffen kann, wenn auch der Determinismus wahr ist.

Ich will nun Frankfurts Interpretation des principle of alternate possibilities, im weitern nur mehr mit PAP abgekürzt, ausführlich vorstellen und entwickeln. „The principle of alternate possibilities […] states that a person is morally responsible for what he has done only if he could have don otherwise.” Um PAP näher zu illustrieren zieht Frankfurt zunächst die naheliegenden Situationen heran, in denen jemand etwas tut und es auch nicht vermeiden kann, es nicht zu tun. Dies wäre der Fall, wenn jemand dazu gezwungen wird oder unter Hypnose stehend die Handlung, die nicht auf seinem Willen beruht, vollzieht. Unter solchen Umständen scheint es unmöglich für die jeweilige Person zu sein, anders zu handeln als sie es augenblicklich tut. Frankfurt gibt daraufhin zu, dass es zwar Umstände geben mag, unter denen die betreffende Person nicht anders handeln kann, aber, so Frankfurt, „that do not actually impel the person to act or in any way produce his action.“ Er zieht also im wesentlichen jene Beziehung des PAP und der Verantwortlichkeit in Zweifel, die missverstandener weise implizierte, so Frankfurt, dass moralische Verantwortlichkeit durch Zwang ausgeschlossen sei.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Problemfeld der Willensfreiheit und die zentrale Frage, ob der Mensch unter der Annahme von Determinismus oder Indeterminismus überhaupt für sein Handeln moralisch verantwortlich gemacht werden kann.

II. Freiheitsauffassungen: Abgrenzung der Begriffe Handlungsfreiheit und Willensfreiheit, wobei insbesondere die Bedeutung von Motiven und die Abwesenheit von Zwang und Manipulation diskutiert werden.

III. Bedingung: „x hätte anders handeln können“: Darstellung der Bedeutung der Bedingung für moralische Verantwortung sowie der Konflikte zwischen inkompatibilistischer und kompatibilistischer Interpretation.

IV. „x hätte anders handeln können“: Keine notwendige, im Sinne von Verantwortlichkeit geforderte Freiheitsbedingung: Einführung von Frankfurts These, dass die PAP-Bedingung für moralische Verantwortung nicht zwingend erforderlich ist.

V. Inkompatibilistische Reaktionen auf Frankfurts indirektes Argument: Analyse der Gegenkritiken von Widerker und Lamb, die versuchen, die Notwendigkeit von Alternativmöglichkeiten trotz Frankfurts Beispielen zu verteidigen.

VI. Ausblick: Diskussion eines alternativen Ansatzes von Barbara Guckes zur Definition notwendiger Freiheitsbedingungen unter Berücksichtigung der vorangegangenen Debatten.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Determinismus, moralische Verantwortung, Principle of Alternate Possibilities, PAP, Inkompatibilismus, Kompatibilismus, Harry G. Frankfurt, Konsequenz-Argument, Peter van Inwagen, David Widerker, Handlungsalternativen, Urheberschaft, Zwang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der Willensfreiheit und die Frage, ob moralische Verantwortlichkeit zwingend voraussetzt, dass ein Handelnder unter identischen Umständen auch hätte anders handeln können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Abgrenzung von Handlungs- und Willensfreiheit, das Spannungsfeld zwischen Determinismus und Freiheit sowie die Diskussion um das "principle of alternate possibilities" (PAP).

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, Harry G. Frankfurts indirekte Argumentation gegen die Notwendigkeit von Alternativmöglichkeiten darzustellen und die inkompatibilistischen Reaktionen darauf kritisch zu würdigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die philosophische Analyse, wobei zentrale Aufsätze und Theorien (u.a. von Frankfurt, van Inwagen, Widerker und Guckes) anhand von Fallbeispielen und logischen Argumentationen expliziert und gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Freiheitsbegriffen, die Analyse des Konsequenz-Arguments, die Erläuterung von Frankfurts "Frankfurt-type examples" sowie die detaillierte Darstellung der inkompatibilistischen Kritik durch Widerker und Lamb.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Willensfreiheit, Determinismus, moralische Verantwortlichkeit, Principle of Alternate Possibilities und die Unterscheidung von Handlungs- und Willensfreiheit geprägt.

Was genau ist ein "counterfactual intervener" im Kontext von Frankfurt?

Es handelt sich um eine fiktive Person, die sicherstellt, dass eine bestimmte Handlung ausgeführt wird, ohne jedoch in den Entscheidungsprozess des Handelnden eingreifen zu müssen, solange dieser ohnehin die gewünschte Entscheidung trifft.

Wie begründet Widerker seine Kritik an Frankfurts Beispielen?

Widerker argumentiert, dass Frankfurt nicht zeigen kann, dass ein Handelnder in diesen Szenarien tatsächlich keine andere Wahl hat, da eine freie Entscheidung bei genauer Betrachtung eine libertarische, nicht-kausale Freiheit voraussetze, die durch Frankfurts Konstruktionen nicht ausgehebelt werde.

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Details

Title
Wie viel freier Wille darf es sein?
College
University of Zurich  (Philosophisches Seminar)
Course
Willensfreiheit
Grade
angenommen
Author
Anton Distler (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V31344
ISBN (eBook)
9783638323840
ISBN (Book)
9783638760317
Language
German
Tags
Wille Willensfreiheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anton Distler (Author), 2004, Wie viel freier Wille darf es sein?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31344
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