Pneumatologie im Johannesevangelium. Der Geist Gottes im Leben des Christus und der Christen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Heilige Geist und der Christus
2.1 Das Herabsteigen des Geistes auf Christus (Joh 1, 32-34)
2.2 Das Bleiben des Geistes auf Christus (Joh 1, 32f.; 3, 34-36; 6, 63)
2.3 Christus - der Geist-Täufer (Joh 1, 33; 20, 21f.)

3 Der Heilige Geist und die Christen
3.1 Die (Neu-)Geburt des Menschen aus dem Geist (Joh 3, 3-8)
3.2 Anbetung Gottes und Leben im Geist (Joh 4, 10.13f.; 7, 37-39; 4, 23f.)
3.3 Der Paraklet (Joh 14-16)
3.3.1 Joh 14, 16f.
3.3.2 Joh 14, 26
3.3.3 Joh 15, 26f.
3.3.4 Joh 16, 7-11
3.3.5 Joh 16, 13-15

4 Ertrag

5 Bibliographie

1 Einleitung

In den vergangenen Jahrzehnten ist wiederholt die „Geistvergessenheit christlicher Theo- logie“ (Lochman 1982:147ff.) konstatiert und mitunter beklagt worden. So etwa von Otto A. Dilschneider in der prägnanten These: „Die christliche Theologie leidet an einer akuten Geistvergessenheit“. Als Begründung führt er an, dass wir „seit Jahrhunderten einer christozentrischen Theologie des zweiten Artikel so verhaftet [sind], dass wir nicht mehr den Raum des dritten Artikels als die heilsgeschichtliche Fortsetzung einer selbständigen, nach- pfingstlichen, christologischen Theologie erreicht haben“.1 Die Unsicherheit und Auskunfts- unfähigkeit vieler Christen auf diesem Gebiet ist jedenfalls genug Beleg dafür, dass eine erneute Beschäftigung mit dem Wesen und dem Werk des Geistes Gottes erfolgen muss - sprechen wir ihm doch (dogmatisch) das Bewirken der Wiedergeburt, der Erlösung, der Rechtfertigung, der Heiligung, des Trostes, des Beistands und der Hoffnung auf die Auf- erstehung zu. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, dem Wirken des Geistes Gottes gemäß dem Evangelium nach Johannes nachzugehen.

Über viele Jahrhunderte hat in der - kirchlichen wie »kritischen« - Gotteslehre trotz der ausdrücklich bejahenden Haltung zur altkirchlich formulierten Trinitätsformel in praktischer Hinsicht ein stark ausgeprägter Theo-Monismus bzw. Christus-Monismus im Vordergrund gestanden. Dies veränderte sich schlagartig im vorigen Jahrhundert, in dem diese Praxis durch eine weltweite Erneuerungsbewegung starke Gewichtsverschiebungen erfahren hat, welche die theologische Disziplin außerordentlich zur Analyse und Stellungnahme herausgefordert haben.2

Die »erste Welle« dieser internationalen, überkonfessionellen christlichen Erneuerungs- bewegung, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Person und dem Werk des Heiligen Geist ihr besonderes Augenmerk verlieh, als sie ihn aus dem starren Dogma mitten ins kirchliche Leben hineinzustellen bemüht war, geht mit dem Namen Pfingstbewegung einher. Mit den dort aufgeworfenen Fragen haben sich seitdem einige Forschergenerationen (neu) beschäftigt, um der kirchlichen Praxis eine tragfähige Grundlage in der Pneumatologie zu schaffen. Auf diese Weise sind zahlreiche Untersuchungen angestellt und der Öffentlichkeit vorgelegt worden (vgl. Ewert 1998:7). Als in den 60er Jahren die »zweite Welle« des Reformismus die sog. charismatische Bewegung freisetzte, war vielen klar: jenes Jahrhundert würde ein »Jahrhundert des Heiligen Geistes« werden.3 Auch ohne die erneuten Herausforderungen von Seiten der »dritten Welle« (Toronto-Bewegung), die vornehmlich in Nordamerika ihre Blütezeit gehabt hat, lässt sich das angesichts der Auswirkungen auf Theologie und Kirche im Nachhinein deutlich bekräftigen.4

Ist der Beschäftigung mit der Lehre vom Heiligen Geist so wieder eine hohe Bedeutung zugekommen, gilt das in der neutestamentlichen Wissenschaft beinahe ausnahmslos für den Apostel Paulus, den man den Theologen des Heiligen Geistes nennt (Dunn 2000:566).5 Ohne Frage nimmt die Predigt vom Heiligen Geist in der paulinischen Theologie einen ent- scheidenden Raum ein und erfährt dort ihre breiteste Entfaltung. In der kirchlichen Praxis werden heute gerade seine spirituellen Aussagen gerne angenommen - Themen besonders des ersten Korintherbriefes wie Geistestaufe, Geistesgaben, Leben und Erfüllung im Geist u.a. Das alles darf sicher nicht respektlos gering gehalten werden. Die ‚größere’ Pneumatologie aber hat Johannes. Nirgends im Neuen Testament kommt deutlicher zum Ausdruck, wie der Geist eine »Herrlichkeits-Christologie« entflammt (Joh 16, 14), die durch sein Wirken in den Jüngern vernehmlich zum Vorschein kommen soll. Erfreulicherweise kann man nunmehr auf eine stets zunehmende Fülle von Untersuchungen zurückgreifen.

„Die Geistaussagen des vierten Evangeliums verraten ein eigenständiges Profil“. Johannes gebraucht kräftige Bilder, um die Aufgabe des Gottesgeistes zu charakterisieren. Er kommt auf Jesus herab und bleibt auf ihm. Jesus ist im darum Träger des Geistes und „Geisttäufer“: er teilt den Heiligen Geist anderen mit (1, 32ff; 7, 37ff; 20, 21ff) (Schütz 1985:169). Aus- wirkungen hat das auf die, „die an ihn glauben“. Eng mit Jesu Tod verbunden (7, 38f; 19, 30; 20, 22), bewirkt der Geist die neue Geburt (3, 5-8), welche eine neue Schöpfung ist (20, 22 mit Anklängen an Gen 2, 7 und Hes 37, 9), stellt den wahren Gottesdienst her (4, 23f), reicht lebenspendendes Wasser und Brot dar (4, 14; 6, 63; 7, 38f) und ist den Jüngern der ver- heißene Paraklet, damit sie in Wahrheit leben und ein mächtiges Zeugnis für ihren verherr- lichten Herrn in der Welt sind (14, 26; 15, 26; 16, 8-14) (Dunn 2000:566f). Die vorgelegte Untersuchung wird diesen Texten - untergliedert in die Kapitel »Der Heilige Geist und der Christus« und »Der Heilige Geist und die Christen« - möglichst in der Reihen- folge ihres Erscheinens im Johannesevangelium nachgehen. Dabei werden einige Er- wähnungen des »Geistes« aber zu übergehen sein, da sie sich für diese Arbeit als irrelevant erweisen. So z.B. die Textstelle, in der es im Zusammenhang mit dem Beklagen des Todes des Lazarus von Jesus heißt, dass sein Geist ergrimmte (11, 33). Sodann die Mitteilung der Geisteserregung Jesu während der Ankündigung seines Verrats durch einen der Jünger im Festsaal (13, 21). Die Bedeutung der Stelle, dass Jesus den Geist übergab (19, 30), ist sehr umstritten und wird in dieser Untersuchung ebenfalls ausgelassen. Zusätzliche Beachtung finden dagegen die sog. Paraklet-Sprüche in den Abschiedsreden Jesu (14-16), bevor das abschließende Kapitel den Ertrag des pneumatologischen Zeugnisses des Johannes- evangeliums knapp zusammenziehen wird.

2 Der Heilige Geist und der Christus

Auf je eigene, dabei aber trotzdem übereinstimmende Weise deuten die vier Evangelisten das Kommen des Jesus von Nazareth als den Beginn einer lang erwarteten Ära des messianischen Königreichs.6 Dieses würde gemäß der alttestamentlichen Prophetie durch das erreichbare Zugegensein des Geistes Gottes gekennzeichnet sein (Green 1989:35). Von hier aus ist es ein weiterer Schritt zum Empfänger und Träger des Gottesgeistes, wie es Johannes in seinem Evangelium bezeugt. „Jesus gilt als der Geistgesalbte im Sinne des alttestamentlichen Königscharismas und auf der Linie der Verbindung königlicher und prophetischer Amtsauffassung in der Gottesknechtstradition“ (Haacker 1993:147). Mit der Salbung mit dem Geist in der Taufe beginnt sein öffentlicher messianischer Dienst (Ewert 1998:29), was in der Betrachtung der betreffenden Textstellen zu zeigen sein wird.

2.1 Das Herabsteigen des Geistes auf Christus (Joh 1, 32-34)

32 Καὶ ἐμαρτύρησεν Ἰωάννης λέγων ὅτι τεθέαμαι τὸ πνεῦμα καταβαῖνον ὡς περιστερὰν ἐξ οὐρανοῦ καὶ ἔμεινεν ἐπ᾽ αὐτόν.33 κἀγὼ οὐκ ᾔδειν αὐτόν, ἀλλ᾽ ὁ πέμψας με βαπτίζειν ἐν ὕδατι ἐκεῖνός μοι εἶπεν ἐφ᾽ ὃν ἂν ἴδῃς τὸ πνεῦμα καταβαῖνον καὶ μένον ἐπ᾽ αὐτόν, οὗτός ἐστιν ὁ βαπτίζων ἐν πνεύματι ἁγίῳ.34 κἀγὼ ἑώρακα καὶ μεμαρτύρηκα ὅτι οὗτός ἐστιν ὁ υἱὸς τοῦ θεοῦ.

32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel hernieder- fahren, und er blieb auf ihm.33 Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass dieser der Sohn Gottes ist.7

Der Apostel Johannes eröffnet uns in seinem Zeugnis über das auf Christus hin gerichtete Werk des Heiligen Geist einige bezeichnende Perspektiven (vgl. Morris 1990:256). Ihm ist der Beginn dieses Wirkens, der »Sitz im Leben« der Geisttaufe Jesu, nicht unbekannt, wie in der älteren Forschung oft vertreten worden ist. Vielmehr ist die von den Synoptikern überlieferte Taufe Jesu (Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f), auch im johanneischen Bericht (1, 29-34) impliziert (vgl. Dockery 1992:57; Coetzee 1993:71; Schnackenburg 1979:303)8 und wird nach dem übereinstimmenden Zeugnis aller Evangelisten nicht als bloße Wassertaufe aufgefasst. “All four accounts directly link with baptism the anointing of Jesus with the Spirit and the declaration of his sonship” (Dockery 1992:57).

Jesus wird durch die Salbung (χρῖσμα) des Geistes als der Messias (Χριστός; Joh 1, 41; 4, 25) erwiesen.9 D.h., „dass sein ganzes leibliches Sein untilgbar durch den Geist Gottes geprägt und bestimmt ist In ihm ist - in der Kraft des Geistes - Gott selbst gegenwärtig“ (Kraus 1986:32).10 Damit aber sind die prophetischen Hoffnungen des Alten Testaments erfüllt, welche „die Wirksamkeit des Heiligen Geistes an die Person des kommenden Davidssohns (Jes 11, 1ff), oder auch des leidenden Gottesknechts (Jes 42, 1ff), gebunden [haben]“ (Ewert 1998:26).

Während die Synoptiker alle über die Taufe Jesu berichten, ist es alleine der Apostel Johannes, der das Zeugnis des Jordantäufers überliefert (Morris 1990:256; vgl. Schneider 1994:35f): er, der mit Wasser tauft, ist gekommen, damit der »größere Täufer«, der nach ihm kommt, „Israel offenbar werde“ (1, 31) - und zwar als Gesandter Gottes (vgl. Ewert 1998:28).

„Der Täufer eröffnet also mit seiner Wassertaufe eine Offenbarungsgeschichte, die schon vor der Erhöhung Jesu einsetzt und durch die Erhöhung ihren Höhepunkt erreicht“ (Schneider 1993:34).

Das ὃς ἔμπροσθέν μου γέγονεν (V. 30) drückt aus, dass der Kommende seine Vorrang- stellung vor dem mit Wasser Taufenden eingenommen hat (Barrett 1990:202).11 Dies bezeugt der Täufer an einer anderen Stelle selbst (3, 27-30), wo er die Autorität des Christus als eine „aus dem Himmel“ kommende bestätigt (V. 27) und sich mit den Worten „Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ (V. 30) deutlich unter diesen göttlichen Gesandten stellt.12 „Der ihm nachfolgt, ist in einzigartiger Weise bereits vor ihm dagewesen, weil er im Vergleich zu ihm der Erste ist - und zwar im absoluten Sinn: Im Uranfang war er schon bei Gott (1, 1f.)“ (Wilckens 1998:41f).

In Vers 32 folgt die Begründung und Erklärung des Täufers für das vorangestellte Zeugnis. Während er selbst eine »Taufe der Buße zur Vergebung des Sünden« durchführte (Mk 1, 4; Lk 3, 3; vgl. Mt 3, 11), in welcher der Geist fehlt (Apg 19, 1-6),13 bezeugt er hier: „Ich schaute14 den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herniederfahren, und er blieb auf ihm“. Schnackenburg beobachtet richtig, dass (auch) an dieser Stelle der synoptische Vergleich aufgenommen und weitergeführt ist. Gemäß dem vierten Evangelium sieht der Täufer das „Herniederfahren“ des Geistes mit an. Die Himmelstimme, wie sie bei den Synoptikern erscheint, wird zwar nicht erwähnt, kann aber in V. 34 als vorausgesetzt gelten. Die Anders- artigkeit des johanneischen Berichtes liegt wohl darin begründet, dass - anders als bei den Berichten der Synoptiker - hier das Hauptaugenmerk seines Verfassers dem Zeugnis des Täufers anhaftet (1979:303; vgl. Robinson 1999:180).

2.2 Das Bleiben des Geistes auf Christus (Joh 1, 32f.; 3, 34-36; 6, 63)

… [τὸ πνεῦμα] ἔμεινεν ἐπ᾽ αὐτόν.33 … ἐφ᾽ ὃν ἂν ἴδῃς τὸ πνεῦμα καταβαῖνον καὶ μένον ἐπ᾽ αὐτόν, οὗτός ἐστιν ὁ βαπτίζων ἐν πνεύματι ἁγίῳ.

1,32... und er [der Geist] blieb auf ihm.33... Auf welchen du sehen wirst den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.

3,34 ὃν γὰρ ἀπέστειλεν ὁ θεὸς τὰ ῥήματα τοῦ θεοῦ λαλεῖ, οὐ γὰρ ἐκ μέτρου δίδωσιν τὸ πνεῦμα.35 ὁ πατὴρ ἀγαπᾷ τὸν υἱὸν καὶ πάντα δέδωκεν ἐν τῇ χειρὶ αὐτοῦ.36 ὁ πιστεύων εἰς τὸν υἱὸν ἔχει ζωὴν αἰώνιον·ὁ δὲ ἀπειθῶν τῷ υἱῷ οὐκ ὄψεται ζωήν, ἀλλ᾽ ἡ ὀργὴ τοῦ θεοῦ μένει ἐπ᾽ αὐτόν.

3,34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.35

Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

6,63 τὸ πνεῦμά ἐστιν τὸ ζῳοποιοῦν, ἡ σὰρξ οὐκ ὠφελεῖ οὐδέν· τὰ ῥήματα ἃ ἐγὼ λελάληκα ὑμῖν πνεῦμά ἐστιν καὶ ζωή ἐστιν.

6,63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Was den Bericht des Johannesevangeliums von der Geisttaufe Jesu von dem der synoptischen Evangelien im Besonderen hervorhebt, ist die Angabe, dass der Geist auf Jesus geblieben ist (Morris 1990:256; Schnackenburg 1979:303). Καὶ ἔμεινεν ἐπ᾽ αὐτόν (V. 32) will das Werk Jesu als Ganzes als in der Einheit mit dem Geist vollbracht verstehen und spricht gegen einen bloß vorübergehenden Augenblick der Geist-Inspiration (Barrett 1990:202f). „Weil also der Heilige Geist auf Jesus bleibt, bestimmt er voll und ganz dessen Personsein“ (Schneider 1994:37). Zusammen mit der wiederholten Formulierung in V. 33 (τὸ πνεῦμα καταβαῖνον καὶ μένον ἐπ᾽ αὐτόν) wird so auf „das auszeichnende Charakteristikum des Messias“ hin- gewiesen, das in dieser Geisttaufe erfüllt ist - den vollen und ständigen Geistbesitz (Jes 9, 2; 61, 1) (Schnackenburg 1979:303). Für den Jordantäufer folgt aus dem Ereignis dieses Ge- schehens, dass dieser deshalb der Sohn [od. (Aus-)Erwählte] Gottes ist (V. 34).15

Hat es in der Geschichte des Gottesvolkes auch immer wieder Menschen gegeben, auf denen der Geist zeitweise ruhte - die Geisttaufe Jesu ist dadurch einzigartig, weil sie von bleibender Dauer ist und steht geradezu in einem Kontrast mit dem Bleiben des Geistes auf den Propheten. “John’s point is that the immeasurable gift of the Spirit (of revelation) to Jesus corresponds to the perfection of revelation through Jesus - it provides a revelation which transcends the Law and the Prophets” (Turner 1992:347; vgl. Ewert 1998:31).

Das führt uns nun weiter zu 3, 22-36, wo unter der Wiederaufnahme des Themas »Johannes und seine Beziehung zu Jesus«, das schon Gegenstand von 1, 19-34 gewesen ist, wieder von der Geist-Ausstattung Jesu die Rede ist (vgl. Barrett 1990:239; Turner 1992:347). Das Bleiben des Geistes auf Christus wird hier auf seine Beziehung zum Vater bezogen: ὃν γὰρ ἀπέστειλεν ὁ θεὸς τὰ ῥήματα τοῦ θεοῦ λαλεῖ (V. 34a).

[...]


1 Otto A. Dilschneider, in: Evangelische Kommentare, 1973, S. 333; zitiert nach Lochmann (1982:147).

2 Zur neuzeitlichen Entwicklung der Pneumatologie vgl. Schütz, C. 1985. Einführung in die Pneumatologie. Darmstadt: WBG. Darin insb. S. 140-145.

3 Seltsam zurückhaltend dazu Schütz (1985:127): „Als ein Zeitalter der Pneumatologie wird man unser Jahr- hundert wohl kaum bezeichnen können. Trotzdem fehlt es nicht an Anregern, von denen nicht immer beachtete Impulse ausgingen“. Wenn er den »Blick in die Geschichte der Pneumatologie« (:32-145) mit den Worten beschließt: „Es dürfte reizvoll sein, sich mit diesem für die Zukunft des Geistes geschärften Blick dem biblischen Zeugnis über ihn zuzuwenden“ (:144), muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er angesichts der immensen Akzentverschiebungen im letzten Jahrhundert nicht recht spät dran ist mit dieser Einsicht oder lediglich ein weiteres Beispiel für einen westlichen Elfenbeinturmtheologen abgibt. Ausdrücklich zu befürworten ist dagegen seine Einsicht, „dass hier die Aufgabe noch mehr vor uns steht als in anderen Fällen“. Richtig und aus der Praxiserfahrung zu bestätigen ist auch seine Einschätzung, dass eine „nur im Rahmen der Trinitätslehre vor- getragene Pneumatologie ... der Wirklichkeit und den Erfordernissen des dritten Glaubensartikels nicht genügen“ dürfte (:ebd.).

4 Zur Darstellung und Bewertung der charismatischen Erneuerungsbewegung vgl. Green, M. 19891975. I believe in the Holy Spirit. London; Sydney; Auckland; Toronto: Hodder & Stoughton (S. 249-298); Packer, J.I. 1989. Auf den Spuren des Heiligen Geistes. Im Spannungsfeld zwischen Orthodoxie und Charismatik. Gießen; Basel: Brunnen (insbesondere S. 173-205).

5 Vgl. beispielsweise die exzellente, knapp 1000seitige Studie von Fee, G.F. 41999. God's Empowering Presence. The Holy Spirit in the Letters of Paul. Peabody: Hendrickson.

6 Dazu, dass zwischen dem vierten Evangelium und den Synoptikern in neuerer Zeit zunehmend „wichtige Elemente der Kontinuität“ (wieder) erkannt werden, vgl. Childs 2003:332ff. Vgl. auch Robinson, der über den Bericht des Johannes zu sagen hat, „dass er nicht eklatant von der synoptischen Darstellung abweicht“ (1999:179).

7 Griechischer Text nach Nestle/Aland, Novum Testamentum Graece27. Deutscher Text nach der revidierten Elberfelder Übersetzung.

8 Gegen Schweizer, der keine „Geschichte seiner pneumatischen Erzeugung und seiner Geistbegabung in der Taufe“ kennt und dahingehende Bekräftigungen als „einkorrigiert“ betrachtet (1959:436). Seine Ansicht, dass Johannes evtl. überhaupt keine Taufe Jesu annimmt oder aber für unbedeutend hält (:437 Fn. 717), muss entschieden abgelehnt werden.

9 Vgl. die paulinische Wendung, die damit einhergeht: Jesus Christus, unser Herr, wurde „als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt dem Geiste der Heiligkeit nach auf Grund der Toten-Auferstehung“ (Röm 1, 4).

10 Die kursive Schreibweise entspricht dem Textbild im Original und wird in der Folge nicht mehr gesondert gekennzeichnet. Auf anderweitige Hervorhebungen wird die Fußnote verweisen.

11 Zur Annahme, dass hier die Herkunft Jesu aus der einstigen Gefolgschaft des Täufers angezeigt wird, vgl. Robinson 1999:189ff. Sein Fazit lautet: „Wenn daher Jesus als ein ‚Schüler’ des Täufers angesehen werden kann, dann nicht deshalb, weil er das tut, was jener tut, sondern weil er tut, was jener über das Tun des Kommenden gesagt hatte; denn - mit andere Worten - Jesus nimmt die Rolle an, die Johannes für ihn umreißt und ‚erfüllt’ so dessen Hoffnungen (3, 39f.) (:191).

12 Der Täufer betrachtet sich als unwürdig, selbst die Schuhriemen dieses „Größeren“ zu lösen (1, 27).

13 Vgl. Wilckens 1998:41f.

14 Wilckens betont die Zeitform des Perfekts [teqeamai] und will darin die Voraussetzung des Evangelisten erkennen, „dass seine Leser die Szene vor Augen haben, in der dieses Offenbarungsgeschehen seinen Ort hat: Die Taufe Jesu (Mk 1, 10f. parr)“ (1998:42).

15 Nach Robinson erscheint bei den Synoptikern an dieser Stelle die himmlische Stimme Gottes: „Du aber bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (Mk1, 11parr). Er fährt fort: „Im allgemeinen wird anerkannt, dass hinter diesen Worten Jes 42, 1 steht: ‚Seht, mein Knecht, den ich stütze, mein Erwählter, an dem ich mein Wohlgefallen habe! Ich lege meinen Geist an ihn’“ (1999:184).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Pneumatologie im Johannesevangelium. Der Geist Gottes im Leben des Christus und der Christen
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V313488
ISBN (eBook)
9783668131071
ISBN (Buch)
9783668131088
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pneumatologie, Johannesevangelium, Heiliger Geist
Arbeit zitieren
David Löwen (Autor), 2008, Pneumatologie im Johannesevangelium. Der Geist Gottes im Leben des Christus und der Christen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313488

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