In den vergangenen Jahrzehnten ist wiederholt die „Geistvergessenheit christlicher Theologie“ (Lochman) konstatiert und mitunter beklagt worden. Die Unsicherheit und Auskunftsunfähigkeit vieler Christen auf diesem Gebiet ist jedenfalls genug Beleg dafür, dass eine erneute Beschäftigung mit dem Wesen und dem Werk des Geistes Gottes erfolgen muss.
Die vorgelegte Untersuchung wird den Texten – untergliedert in die Kapitel »Der Heilige Geist und der Christus« und »Der Heilige Geist und die Christen« – möglichst in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Johannesevangelium nachgehen.
Dabei werden einige Erwähnungen des »Geistes« aber zu übergehen sein, da sie sich für diese Arbeit als irrelevant erweisen. So z.B. die Textstelle, in der es im Zusammenhang mit dem Beklagen des Todes des Lazarus von Jesus heißt, dass sein Geist ergrimmte. Sodann die Mitteilung der Geisteserregung Jesu während der Ankündigung seines Verrats durch einen der Jünger im Festsaal. Die Bedeutung der Stelle, dass Jesus den Geist übergab, ist sehr umstritten und wird in dieser Untersuchung ebenfalls ausgelassen.
Zusätzliche Beachtung finden dagegen die sog. Paraklet-Sprüche in den Abschiedsreden Jesu, bevor das abschließende Kapitel den Ertrag des pneumatologischen Zeugnisses des Johannesevangeliums knapp zusammenziehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Heilige Geist und der Christus
2.1 Das Herabsteigen des Geistes auf Christus (Joh 1, 32-34)
2.2 Das Bleiben des Geistes auf Christus (Joh 1, 32f.; 3, 34-36; 6, 63)
2.3 Christus – der Geist-Täufer (Joh 1, 33; 20, 21f.)
3 Der Heilige Geist und die Christen
3.1 Die (Neu-)Geburt des Menschen aus dem Geist (Joh 3, 3-8)
3.2 Anbetung Gottes und Leben im Geist (Joh 4, 10.13f.; 7, 37-39; 4, 23f.)
3.3 Der Paraklet (Joh 14-16)
3.3.1 Joh 14, 16f.
3.3.2 Joh 14, 26
3.3.3 Joh 15, 26f.
3.3.4 Joh 16, 7-11
3.3.5 Joh 16, 13-15
4 Ertrag
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Wirken des Heiligen Geistes im Johannesevangelium, um der verbreiteten „Geistvergessenheit“ in der christlichen Theologie entgegenzuwirken, wobei der Fokus auf dem Zeugnis über Jesus Christus und die Gemeinschaft der Glaubenden liegt.
- Rolle des Heiligen Geistes im Leben und Wirken Jesu Christi
- Die Geisttaufe Jesu als messianisches Ereignis
- Die Bedeutung der Neugeburt und des Lebens im Geist für Christen
- Die Funktion des Parakleten als Beistand und Zeuge in der Welt
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Herabsteigen des Geistes auf Christus (Joh 1, 32-34)
Der Apostel Johannes eröffnet uns in seinem Zeugnis über das auf Christus hin gerichtete Werk des Heiligen Geist einige bezeichnende Perspektiven (vgl. Morris 1990:256). Ihm ist der Beginn dieses Wirkens, der »Sitz im Leben« der Geisttaufe Jesu, nicht unbekannt, wie in der älteren Forschung oft vertreten worden ist. Vielmehr ist die von den Synoptikern überlieferte Taufe Jesu (Mt 3, 13-17; Mk 1, 9-11; Lk 3, 21f), auch im johanneischen Bericht (1, 29-34) impliziert (vgl. Dockery 1992:57; Coetzee 1993:71; Schnackenburg 1979:303) und wird nach dem übereinstimmenden Zeugnis aller Evangelisten nicht als bloße Wassertaufe aufgefasst. “All four accounts directly link with baptism the anointing of Jesus with the Spirit and the declaration of his sonship” (Dockery 1992:57).
Jesus wird durch die Salbung (χρῖσμα) des Geistes als der Messias (Χριστός; Joh 1, 41; 4, 25) erwiesen. D.h., „dass sein ganzes leibliches Sein untilgbar durch den Geist Gottes geprägt und bestimmt ist. ... In ihm ist – in der Kraft des Geistes – Gott selbst gegenwärtig“ (Kraus 1986:32). Damit aber sind die prophetischen Hoffnungen des Alten Testaments erfüllt, welche „die Wirksamkeit des Heiligen Geistes an die Person des kommenden Davidssohns (Jes 11, 1ff), oder auch des leidenden Gottesknechts (Jes 42, 1ff), gebunden [haben]“ (Ewert 1998:26).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Vernachlässigung der Pneumatologie in der christlichen Theologie und setzt sich zum Ziel, das Wirken des Heiligen Geistes anhand des Johannesevangeliums zu untersuchen.
2 Der Heilige Geist und der Christus: Dieses Kapitel analysiert die Taufe Jesu und das Bleiben des Geistes auf ihm, wodurch Jesus als Messias und Geist-Täufer ausgewiesen wird.
3 Der Heilige Geist und die Christen: Der Fokus liegt hier auf der Neugeburt des Menschen aus dem Geist, dem Leben in der Anbetung und der Rolle des Parakleten als Beistand für die Jünger.
4 Ertrag: Eine zusammenfassende Synthese der Ergebnisse, die das Wirken des Geistes als Weiterführung des Werkes Jesu in der Welt charakterisiert.
Schlüsselwörter
Heiliger Geist, Johannesevangelium, Pneumatologie, Christus, Geisttaufe, Paraklet, Neugeburt, Geist Gottes, Messias, Zeugnis, Geisttaufe, Trinität, Offenbarung, Glaube, Wahrheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit widmet sich der Pneumatologie im Johannesevangelium und untersucht, wie der Geist Gottes das Leben Jesu und das Leben der Christen konstituiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Geist-Christologie, die Rolle des Geistes bei der Wiedergeburt des Menschen, das geistliche Leben der Gläubigen sowie die Funktion des Parakleten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Vergessen des dritten Artikels des Glaubensbekenntnisses entgegenzuwirken und das Wirken des Geistes gemäß dem Zeugnis des Johannesevangeliums exegetisch aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine exegetische Untersuchung, die sich auf biblische Texte und deren wissenschaftliche Kommentierung durch verschiedene Forschungsliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Geistes im Bezug auf den Christus (Geisttaufe) und den Geist im Bezug auf die Christen (Paraklet-Sprüche, Neugeburt).
Welche Schlagworte charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Pneumatologie, Geistaussagen, Paraklet, Zeugnis, Sendung und die christozentrische Ausrichtung des Geisteswirkens.
Wie interpretiert der Autor die „Neugeburt aus dem Geist“?
Die Neugeburt wird als notwendiger Beginn des Lebens „nach dem Geist“ verstanden, wobei das Bild der Geburt „von oben“ im Dialog mit Nikodemus hervorgehoben wird.
Welche Funktion hat der Paraklet laut der Arbeit?
Der Paraklet dient den Jüngern als Beistand, Lehrmeister und Zeuge, der sie in die Wahrheit leitet und das Werk Jesu nach dessen Rückkehr zum Vater fortführt.
- Quote paper
- David Löwen (Author), 2008, Pneumatologie im Johannesevangelium. Der Geist Gottes im Leben des Christus und der Christen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313488