Das Motiv der Liebe in Goethes „Faust I“. Die Wandlung der Liebe bis zur Begierde


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wandlung der Liebe bis hin zur Begierde
2.1 Die Szene Hexenküche als Einstieg in die Welt Mephistopheles
2.2 Die Begegnung mit Gretchen in der Szene „Straße“
2.3 Fausts Wandlung in der Szene Abend
2.4 Die erste Annäherung in der Szene Garten
2.5 Ein Gartenhäuschen

3. Die Szene Wald und Höhle als Wendepunkt in dem Faustroman

4. Die Verwandlung Fausts von einem Geist- zu einem Körperwesen
4.1 Die Szene Marthens Garten als Anfang vom Ende
4.2 Die Veränderung Fausts in der Kerkerszene

5. Abschließende Betrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!

Wer sich der Einsamkeit ergibt, ach! der ist bald allein!“

Diese Passage stammt aus Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre. Sie zeigt, wie sehr Goethe sich in seinen Werken mit dem Motiv der Sehnsucht und der Liebe auseinandergesetzt hat.

Die folgende Hausarbeit wird sich mit dem Motiv der Liebe in Goethes Faust beschäftigen.

Da Mephisto den in Sachen Liebe noch unerfahrenen Faust nur als Körperwesen ansprechen kann, muss er versuchen, Faust in diesem Machtbereich zu befriedigen. Dazu „benutzt“ Mephisto, die Gier und die Lust, die er in Faust zunächst wecken muss.

Im weiteren Verlauf des Werkes wird deutlich, dass die Liebe, die Faust zu Beginn ausschließlich in einer idealisierten Reinform sieht, sich immer mehr zu körperlichem Verlangen und zu Begierde wandelt. Dabei missachtet Mephisto den sehnlichsten Wunsch Fausts, sich durch Liebe entgrenzen zu können[1]. Deshalb soll meine Ausgangsthese lauten: „Die Wandlung der Liebe bis zur Begierde“. Deshalb sollen vor allem die folgenden Szenen im Vordergrund stehen: „Hexenküche“, „Straße“, „Abend“, „Garten“ und „Ein Gartenhäuschen“ stehen. Diese Szenen habe ich ausgewählt, weil dort die Wandlung des Liebesmotivs besonders deutlich erkennbar ist.

Als Verknüpfung der Ausgangsthese mit der Zielthese dient die Szene Wald und Höhle.

Die Wandlung der Liebe geht konform mit der „Verwandlung Fausts von einem Geist- zu einem Körperwesen“. Dies habe ich als Zielthese meiner Hausarbeit gewählt, die anhand der Szenen Marthens Garten und Kerker überprüft wird.

2. Die Wandlung der Liebe bis hin zur Begierde

2.1 Die Szene Hexenküche als Einstieg in die Welt Mephistopheles

Mephisto schätzt Faust schon in der Szene „Auerbachs Keller“ falsch ein. Dort spricht Faust, wenn man von der Begrüßung absieht, nur ein einziges Mal, und zwar nur, um Mephisto mitzuteilen, dass er diesen Ort so schnell wie möglich verlassen möchte. Mephistos Antwort: „Gib nur erst acht, die Bestialität wird sich gar herrlich offenbaren“[2] kann auch als Vorgriff auf die Szene „Hexenküche“ gesehen werden, in der sich ein gewisses dämonisches Wesen offenbart[3]. Da das Mittel Alkohol versagt hat, benötigt Mephisto ein stärkeres. In der Szene „Hexenküche“ versucht Mephisto also erneut, Faust als Körperwesen anzusprechen. Aus diesem Grund führt Mephisto Faust nun in einen anderen Bereich der körperlichen Genüsse, nämlich den der Leidenschaft. Um Faust überhaupt erst auf „den Geschmack zu bringen“, verabreicht er ihm einen Trank, der ihn körperlich wie geistig verjüngen soll[4]: Durch den Verjüngungstrank soll Faust um 30 Jahre verjüngt werden, damit er für ein Liebesabenteuer „präpariert“ ist. Dabei sind weniger die Verjüngung an Jahren, als die Verjüngung von Fausts Wesen interessant[5]. Mephisto muss diese drastische Maßnahme vor dem Hintergrund der Erfahrungen in „Auerbachs Keller“ ergreifen. Faust wird fast verrückt vor dem Frauenbild im Zauberspiegel[6]. Für ihn ist diese Frau die höchste Schöpfung der Natur und der „Inbegriff von allen Himmeln“. Doch ein Teilaspekt der irdischen Liebe verselbständigt sich und die Begierde, nicht der „Inbegriff von allen Himmeln“[7] bricht hervor. Dadurch aber entzieht Mephisto Faust der harmonischen Menschlichkeit, nach der er ja unter Anderem strebt. Genau das ist die Gefahr, die von Mephisto ausgeht, nämlich der unpersönliche, unmenschliche und dekadente Aspekt.[8] Dies muss Mephisto sehr erfreuen, denn darauf hat er im bisherigen Verlauf eingehend hingearbeitet. So freut er sich mit der Aussage: „ Du siehst mit diesem Trank im Leibe, bald Helenen in jedem Weibe“[9]. Die Erregung Fausts, die durch das Hineinsehen in den Zauberspiegel hervorgerufen wurde, muss jetzt von Mephisto nur noch weitergeführt werden[10].Er hat es zumindest bis hierhin geschafft, Faust auf das Gebiet der körperlichen Reize und Genüsse, sprich der Begierde zu bringen, welches Mephistos „ureigenstes Gebiet“ darstellt. Damit müssen wir einen ersten entscheidenden Wendepunkt in Fausts Wesen feststellen[11]. Dieser Wendepunkt wird in der „Hexenküche“ durch ein betäubendes Durcheinander dargestellt, wodurch alles widersinnig erscheint. Dies hat die Zerstörung der Vernunft und die Entfesselung der Sinnlichkeit zur Folge. Das Durcheinander ist aber auch durch die Ablehnung der Vernunft und der Wissenschaft, der Faust überdrüssig geworden ist, zustande gekommen[12]. Auffällig ist, dass Faust in den Zauberspiegel schaut, bevor er den Verjüngungstrank zu sich genommen hat. Damit offenbart er sich erst recht als triebgesteuertes Wesen, welches durch die Verabreichung des Trankes in besonderem Maße gefördert wird. Die Begierde ist nun in Faust geweckt, es verlangt ihn nach einer Frau, die er schließlich in Gretchen finden wird. Damit dient die Hexenküche als Prolog für die Gretchentragödie[13].

2.2 Die Begegnung mit Gretchen in der Szene „Straße“

Die Szene „Straße“ beschreibt das erste Aufeinandertreffen Fausts mit Gretchen, bei dem sich Faust dermaßen ungeschickt verhält, dass er von ihr abgewiesen wird. An dieser Szene fällt neben der Unerfahrenheit Fausts im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht - Faust beleidigt Gretchen, indem er sie auf offener Straße anspricht, ihr sein Geleit anbietet und sie überdies noch als „Fräulein“ bezeichnet, was damals eine Anrede für Adlige war, - ein Nebeneinander von Geist- und Körperwesen auf: Fausts Geist ist angetan von Gretchens Anstand und Moral, während sein Körper von Gretchens Reizen als Frau angezogen wird. Der Trank bringt Faust, wie erwähnt, eine jugendliche Bedenkenlosigkeit, die bei der ersten Begegnung mit Gretchen festzustellen ist. Es ist eine ähnliche Begeisterung wie bei dem Anblick der Frau aus dem Zauberspiegel in der „Hexenküche“ zu erkennen.[14] Deshalb begehrt er das Mädchen sofort von Mephisto, doch dieser versucht Faust von einer weiteren Begegnung abzuhalten. Grund dafür ist, dass er über Gretchen, wie er selber sagt „keine Macht habe“[15], womit eine klare Grenze Mephistos aufgezeigt wird. Gretchen ist aus einem tiefen religiösen Empfinden „immun“ gegen den Teufel. Doch genau von dieser Tugend wird Faust angezogen. Genauer gesagt ist er von Gretchens einfachem und natürlichem Wesen fasziniert, das durch Schlichtheit und anmutige Beschränktheit gekennzeichnet ist.[16] Daher agiert Faust schon, ohne es möglicherweise zu wissen, ambivalent auf Gretchen. Ist er zunächst von der mephistophelischen Lust getrieben, so vollzieht sich durch Gretchen sozusagen ein Wandel. Es schlagen also auch hier „zwei Seelen in seiner Brust“: Er ist neben Gretchens körperlichen Reizen ebenso von der Unschuld ihres Wesens begeistert. So hat sich ihr ganzes Wesen „tief in sein Herz geprägt“[17]. Der Hinweis auf Gretchens völlige Unschuld kann auch als Verweis auf Fausts und Mephistos Verderbtheit gesehen werden, die beide Gretchen ins Unglück stürzen werden. Mephistos eigenste Domäne ist die Sinnlichkeit, wobei Gretchen die Gegenspielerin Mephistos um Fausts Heil darstellt, da sie die gefühlsmäßige Liebe darstellt.[18] Mephisto will Faust der rohesten Art der Liebe, der körperlichen Liebe, nahe bringen, von echten Gefühlen versteht er nichts. Faust wird jedoch durch den Umgang mit Gretchen gereinigt und erhoben, was den Zielen Mephistos zuwiderläuft. Gretchen selbst erkennt sofort, dass Mephisto etwas Böses ausstrahlt, denn sie nimmt ein instinktives Grauen war, wenn Fausts Begleiter, Mephisto, in ihrer Nähe ist.

Mephisto merkt von seiner Seite auch, dass Gretchen seinen Zielen im Wege steht. Er hilft Faust erst, als dieser ihn dazu zwingt, wodurch er zum ersten Mal zu einem reinen Gehilfen degradiert wird und Faust die Führung übernimmt[19].

2.3 Fausts Wandlung in der Szene Abend

In der Szene „Abend“ befindet sich Faust zusammen mit Mephisto in Gretchens Zimmer. Zunächst will Faust Gretchen auf billige Art und Weise kaufen, das Kästchen wird zu einem Symbol für seine schlechten Absichten, doch schon bald verändert sich seine Absicht. Dies wird vor allem daran deutlich, dass er Mephisto aus dem Zimmer schickt, als die Atmosphäre desselbigen auf ihn zu wirken beginnt. Die Hinausweisung Mephistos kann auch als symbolischer Akt gedeutet werden: Faust möchte den Teufel, der für ihn die Begierde widerspiegelt, nicht in seiner Nähe haben, wenn er das Zimmer Gretchens auf sich wirken lässt. Mephisto, der Herr der Begierde, stört Faust in der Sinnlichkeit, die von Gretchens Zimmer ausgeht. Er möchte sich ganz seinen Gedanken hingeben und kann daher Mephisto nicht in seiner Nähe ertragen. Faust spürt schon hier den Abgrund, der zwischen Gretchen und der mephistophelischen Welt gähnt[20]. So werden auch die Dinge in diesem Zimmer für Faust zu Symbolträgern. Beispielsweise wird der lederne Sessel zum Väterthron[21]. Seine Begierde wird zurückgedrängt und macht Platz für die Wahrnehmung eines echten Liebesgefühls. „Drang’s ihn so gerade zu genießen“[22], will er „nimmermehr wiederkehren“[23] und seine Pläne verwerfen, für die er sich nun schämt. Es findet durch die Atmosphäre in Gretchens Zimmer eine Wandlung von einem Trieb- zu einem Geisteswesen statt. Im weiteren Verlauf dringt Faust immer tiefer in die Welt Gretchens ein: Ganz besonders setzt er sich mit ihrem Bett auseinander, dem Ort, der möglicherweise sinnbildlich für die körperliche Liebe steht. In diesem Zusammenhang kann man auch Faust Ausruf: „Was fasst mich für ein Wonnegraus!“ gesehen werden. Aber schon kurz darauf verlässt er die Welt der Begierde und er erhebt sich, dadurch, dass er die Natur objektiviert als die Schöpferin jedweden Seins, über den Zustand eines gewöhnlichen Mannes, der ausschließlich die Leidenschaft im Sinn hat, hinaus. Dies lässt sich belegen mit den Versen: „Natur! Hier bildetest in leichten Träumen den eingebornen Engel aus! Und hier mit heilig reinem Leben entwirkte sich das Götterbild“[24]. Auffällig ist außerdem, dass er Gretchen zu einem Engel stilisiert, wodurch sie zu einer Gegengestalt Mephistos wird[25]. Ein ganz entscheidender Wendepunkt in der Szene ist für mich die innere Wandlung Fausts, die sogar soweit geht, dass er sein Vorhaben, Gretchen zu verführen, selbst verurteilt. Entgegen dem Ziel Mephistos, der Faust mit Hilfe des Verjüngungstranks zu einem reinen Körperwesen degradieren wollte, wird Faust von menschlichen Skrupeln geplagt, wodurch er sich zu einem Geisteswesen erhöht. So endet der Liebesmonolog Fausts, der beinahe in jedem Gegenstand von Gretchens Zimmer einen tieferen Sinn entdeckt, mit selbstquälerischen Fragen, an dessen Ende sogar der Wunsch nach Umkehr steht „Und du! Was hat dich hergeführt? Wie innig fühl’ ich mich gerührt! Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer? Armsel’ger Faust? Ich kenne dich nicht mehr. Umgibt mich hier ein Zauberduft? Mich drang’s so gerade zu genießen… Fort! Fort! Ich kehre nimmermehr!“[26] Man kann angesichts dieser Veränderung in Fausts Gemütszustand zu der Vermutung kommen, dass in Gretchens Zimmer etwas wirkt, das wir als „Gegenmittel“ gegen den Verjüngungstrank Mephistos und dessen Auswirkungen bezeichnen können. Gretchen ist also die Gegenspielrein Mephistos, die sich in ihrer Liebe zu Faust im weiteren Verlauf selbst vernichtet[27]. Als Gretchen ihr Zimmer betritt, öffnet sie ein Fenster, um dem schlechten Einfluss Mephistos zu entkommen und versucht mit dem Lied vom König in Thule[28] sich ihre Angst von der Seele zu singen[29].Ganz offenkundig wird die Sehnsucht nach treuer Liebe bei Gretchen in ihrer Liebesballade vom König in Thule, wodurch auch auf das Schicksal der beiden Liebenden vorgegriffen wird[30]. In der Ballade geht es nicht nur um die Liebe jenseits der Standesunterschiede sondern auch über den Tod hinaus. So trinkt der König täglich aus dem goldenen Becher, den ihm seine tote Geliebte geschenkt hat. Als er stirbt, schmeißt er den Becher ins Meer und stürzt sich hinterher. Dies symbolisiert die gegenseitige Verbundenheit: Einerseits nimmt er den Becher mit in den Tod, anderseits wird er von ihm mitgenommen. So wie der Becher und der König sind auch Gretchen und Faust miteinander verstrickt: Sie wissen beide um ihr drohendes Schicksal, können jedoch trotzdem nicht voneinanderlassen. Die Liebe Gretchens zu Faust geht ebenfalls über den Tod hinaus: Obwohl sie weiß, dass sie sterben wird, ruft sie zweimal den Namen Fausts, als dieser in Begriff ist, mit Mephisto zu fliehen. Sie sorgt sich in ihrer Liebe sosehr um Fausts Seelenheil, dass ihr eigenes Schicksal für sie in diesem Augenblick keinerlei Bedeutung hat.

Zurück zu Gretchens Zimmer: Nach dem Singen der Ballade findet sie das Geschenk Fausts, das zweifelsfrei als ein unehrliches Mittel zur Verführung dienen soll. So tritt durch Mephisto, der, entgegen Fausts Vorsatz, nie mehr wiederzukehren, das Kästchen in Gretchens Schrank gestellt hat, die Bedrohung der Liebe auf. Erneut wird der Gegensatz von Gretchen und Mephisto sichtbar. Mit Gretchen tritt in Fausts Leben etwas Neues ein, das ihn im Innersten berührt. Genau das kann Mephisto selbst durch sämtliche Zaubertränke dieser Erde nicht bewirken. Auf diese Weise begleitet Faust die unbedingte Liebe Gretchens in seinem weiteren Leben und führt ihn zu seinem Wunsch, jedes „Wohl und Weh der ganzen Menschheit“ kennen zu lernen[31].

2.4 Die erste Annäherung in der Szene Garten

Die Szene „Garten“ umfasst die Beschreibung des Kennenlernens von Fausts und Gretchen bis hin zum ersten Kuss. Dabei fällt auf, dass sich beide beinahe wie Kinder verhalten. Trotzdem wird schon hier auf die Unterschiede zwischen Faust und Gretchen angespielt. Eigentlich ist Gretchen schon jetzt klar, dass eine feste Beziehung zu Faust unmöglich ist. Ein weiteres Problem, das für die Beziehung der beiden besteht, ist, dass die Liebeshandlung auf einem dämonischen Hintergrund steht. Dies merkt Gretchen als sie es als sie vor Schrecken erschauert. Faust beteuert ihr indes ewige Leibe und steigert sich in diese Vorstellung hinein[32]. Faust verstellt sich keineswegs, wenn er Gretchens Bedenken, dass sie ihm ihr „arm Gespräch“ zumute, mit den Worten entgegnet: „Ein Blick von dir, ein Wort mehr unterhält, als alle Weisheit dieser Welt“[33]. Faust hat nämlich die Welt der Gelehrten mitsamt ihrer Leere kennen gelernt und vermisst geradezu die Natürlichkeit Gretchens. Gretchen hebt sich überdies von Mädchen ihres Alters positiv ab, da sie früh die häuslichen Pflichten ihrer kranken Mutter übernehmen musste. Als dann das Sternblumenspiel, wie von höheren Mächten dazu gebracht, Gretchen enthüllt, dass Faust sie liebt, zeigt sie die Sehnsucht nach Liebe: „Er liebt mich!“ Faust bekräftigt diese Aussage mit dem Hinweis, dass das Blumenwort Götterspruch sei. Zudem fügt er hinzu: „Er liebt dich! Verstehst du, was das heißt?“[34] Da Gretchen nichts Gescheites darauf antworten kann, versucht er es ihr zu erklären: „Sich hinzugeben ganz und eine Wonne zu fühlen, die ewig sein muss! Ewig! – Ihr Ende würde Verzweiflung sein. Nein, kein Ende! Kein Ende!“[35] Diese Vorstellung kann quasi als Vorausdeutung für das Schicksal Gretchens gedeutet werden, das wie eine bange Ahnung schon jetzt über deren beider Heiterkeit liegt. Auffällig ist die Wiederholung des Bekenntnisses in Fausts Monolog in„Wald und Höhle“ mit den Worten: „Ich kann sie nie vergessen, nie verlieren“. Das zeigt, dass Faust mehr für sie empfindet als ein kurzes Verliebtheitsgefühl. In Fausts Bekenntnis gibt es trotzdem schon einen Vorgriff auf die Kerkerszene, in der Gretchens Schicksal besiegelt wird[36].

[...]


[1] Letztlich ist der gesamte Pakt Fausts mit Mephisto nur deshalb zustande gekommen, weil sich Faust mit dessen Hilfe entgrenzen möchte. Man vergleiche die gescheiterten Entgrenzungsversuche über den Erdgeist bis hin zum Selbstmordversuch Fausts.

[2] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Vers 2297f.

[3] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.119.

[4] Im damaligen Volksglauben galt der Liebestrank als Grundlage für die sinnliche Vereinigung zwischen Mann und Frau.

[5] Oberkogler, Friedrich: Faust. Schaffhausen 1981 S.204.

[6] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.121f.

[7] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Vers 2439.

[8] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.124.

[9] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Vers 2603.

[10] Rickert, Heinrich: Goethes Faust. Die dramatische Einheit der Dichtung S.211.

[11] Ebd. S.214.

[12] Schmidt, Jochen: Goethes Faust. S.149 u. S.153.

[13] Goethe versucht, die Darstellung des Teuflischen in der „Hexenküche“ etwas abzumildern, wozu er die Figuren der Meerkatzen und deren wirre Aussagen benutzt. Sinn ergeben diese Aussagen bei aller Interpretationskunst keinen. Allerdings lassen sich Anspielungen auf die Französische Revolution (2450ff.), die Dreifaltigkeitslehre (2560ff.) und auf Literarisches (2390ff, 2454ff, 2951f.) finden, wodurch sich satirische Momente aufzeigen lassen.

[14] Oberkogler, Friedrich: Faust. Schaffhausen 1981.S.248.

[15] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Vers 2626.

[16] Schmidt, Jochen: Goethes Faust. S.162.

[17] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 2616.

[18] Buchwald, Reinhard: Führer durch Goethes Faustdichtung S.89.

[19] Buchwald, Reinhard: Führer durch Goethes Faustdichtung S.90.

[20] Oberkogler, Friedrich: Faust. Schaffhausen 1981. S.257.

[21] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.129.

[22] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 2722.

[23] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 2730.

[24] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Verse 2711 – 2716.

[25] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich. S.130.

[26] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Verse 2717 – 2730.

[27] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.132.

[28] Möglicherweise verwendet sie dieses Lied, weil sie selbst keine eigenen Worte für ihre Gefühle finden kann und verwendet deshalb vorgefertigtes Material. Ein anderer Grund könnte sein, dass sie auf Grund ihrer bürgerlichen Erziehung und Angepasstheit es niemals gelernt hat, ihre eigenen Gedanken auszudrücken.

[29] Buchwald; Reinhard: Führer durch Goethes Faustdichtung S.92

[30] Schmidt, Jochen: Goethes Faust. S.163.

[31] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.133.

[32] Buchwald, Reinhard: Führer durch Goethes Faustdichtung S.94.

[33] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Verse 3079f.

[34] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Verse 3180 – 3186.

[35] Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil Vers 3191ff.

[36] Eppelsheimer, Rudolf: Goethes Faust. Das Drama im Doppelreich S.137.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Motiv der Liebe in Goethes „Faust I“. Die Wandlung der Liebe bis zur Begierde
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar im Grundstudium: Faust I
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V313537
ISBN (eBook)
9783668131682
ISBN (Buch)
9783668131699
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faust, Germanistik, Liebe, Gretchen, Hexenküche, Fausts Wandlung, Geistwesen, Körperwesen, Veränderung, Martes Garten
Arbeit zitieren
Olaf Breithecker (Autor), 2009, Das Motiv der Liebe in Goethes „Faust I“. Die Wandlung der Liebe bis zur Begierde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313537

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