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Das Wagnis in der Jugendphase

Entwicklungstheoretische Überlegung zu einer pädagogisch initiierten Praxis des Wagens

Title: Das Wagnis in der Jugendphase

Master's Thesis , 2012 , 90 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Baberowski (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So lautet ein altes deutsches Sprichwort, welches auch noch in der heutigen Umgangssprache in verschiedensten Zusammenhängen gebraucht wird. In ihm kommt die Haltung zum Ausdruck, dass nur derjenige, der bereit ist einen Einsatz zu riskieren, auch eine Aussicht auf einen Gewinn hat. Was genau mit diesem Gewinn gemeint ist beziehungsweise worauf sich der Nichtgewinn bezieht, bleibt undefiniert.

Der Sportwissenschafter, Psychologe, Philologe und Pädagoge SIEGBERT A.WARWITZ (2001) konkretisiert den Sinngehalt des Sprichworts in seiner Theorie vom „Leben in wachsenden
Ringen“. Ohne Wagnis gibt es keine (Weiter-)Entwicklung, so lautet seine These (ebd., S. 286; 2006, S. 101). Wer sich nicht wagt, der stagniert in seiner Entwicklung (2001, S. 286). Die Argumente für seine These bezieht WARWITZ (2001) überwiegend aus anthropologischen und teleologischen Betrachtungen zum menschlichen Dasein. Obwohl er den
Entwicklungsbegriff explizit verwendet, begründet er seine These ohne entwicklungstheoretische Bezüge. Insofern erscheint es interessant, den Wagnis-Entwicklungs-Zusammenhang aus entwicklungstheoretischer Perspektive zu überprüfen.

Die Neugier für eine Überprüfung dieses Zusammenhangs entspringt einem praxisbezogenen Interesse, wie auch schon der Titel dieser Arbeit vermuten lässt. Das Motiv dieser Arbeit ist
ein praktischer Nutzen, die Anwendung des Wagnisses in einer pädagogischen Praxis mit Jugendlichen. Doch kann die Praxis, zumindest eine professionelle, ohne angemessene
theoretische Begründungen nicht legitimiert werden. Dementsprechend soll das praktische Interesse in dieser Arbeit ein wenig an den Rand gestellt werden. Zwar wurde bereits von
NEUMANN (1999) ein praktischer Ansatz vorgelegt, allerdings bezieht sich dieser ausschließlich auf den (Schul-)Sport. Die Begründungen beschränken sich jedoch überwiegend auf postulierte positive Persönlichkeitswirkungen, die bisher nicht hinreichend nachgewiesen wurden (NEUMANN 1999, S. 156).

Deshalb soll in dieser Arbeit der Versuch unternommen werden das Wagnis entwicklungstheoretisch zu begründen. Das Ziel dieser Arbeit ist, aus entwicklungstheoretischer Perspektive nachzuvollziehen, inwiefern das Wagnis in der Entwicklung
Jugendlicher eine Relevanz besitzt.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 BEGRIFFSBESTIMMUNG

2.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG IN BISHERIGEN FORSCHUNGSARBEITEN

2.1.1 Abenteuer – Wagnis – Risiko im Sport (Schleske)

2.1.2 Das Wagnis im Sport (Neumann)

2.1.3 Sinnsuche im Wagnis (Warwitz)

2.1.4 Schlussfolgerungen für die Bestimmung des Wagnisbegriffs

2.2 ETYMOLOGIE DES WAGNISBEGRIFFS

2.3 HEUTIGES WORTVERSTÄNDNIS

2.4 ABGRENZUNG ZU SYNONYM VERWENDETEN BEGRIFFEN

2.4.1 Risiko

2.4.2 Abenteuer

2.5 DETERMINIERUNG DES WAGNISBEGRIFFS

2.5.1 Möglichkeit und Unmöglichkeit einer kontextübergreifenden Wagnisdefinition

2.5.2 Universelle konstitutive Wagnismerkmale der Grundbedeutung „kühnes Unternehmen“

2.5.3 Abschließende Bemerkungen

3 ENTWICKLUNGSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUM WAGNIS IN DER JUGENDPHASE

3.1 JUGEND

3.2 ENTWICKLUNG

3.2.1 Paradigmen zur Konzeptualisierung von Entwicklungstheorien

3.2.2 Auswahl einer geeigneten Entwicklungstheorie

3.3 DAS KONZEPT DER ENTWICKLUNGSAUFGABEN

3.3.1 Definition und Charakteristik von Entwicklungsaufgaben

3.3.2 Vernetzung von Entwicklungsaufgaben

3.3.3 Gültigkeit der Entwicklungsaufgaben

3.3.4 Kritik am Konzept der Entwicklungsaufgaben

3.4 WAGNIS UND ENTWICKLUNG – ERARBEITUNG EINER FRAGESTELLUNG

3.5 ARGUMENTATIONSRAHMEN ZUR FORMULIERUNG EINER THESE

3.6 UNTERSUCHUNGSVORGEHEN

4 STRUKTURMERKMALE DES WAGNISSES IM KONTEXT JUGENDSPEZIFISCHER ENTWICKLUNGSAUFGABEN

4.1 ABLÖSUNG VON DEN ELTERN

4.1.1 Deutung der Ablösung als Krise oder Entwicklungsaufgabe

4.1.2 Ergebnisdarstellung mit Bezug zum Strukturmodell des Abenteuers

4.2 PEER-GROUP

4.2.1 Neue Leute kennenlernen

4.2.2 Auswahl von Freunden und Aufrechterhaltung von Freundschaften

4.2.3 Jugendliches Risikoverhalten

4.2.4 Verortung jugendlichen Risikoverhaltens innerhalb der Entwicklungsaufgabe „Peer“

4.2.5 Risikoverhalten als spezifisches Bewältigungsmuster der Entwicklungsaufgabe „Peer“

4.2.6 Die Schattenseite jugendlichen Risikoverhaltens und der Bezug zum Wagnis

4.2.7 Zusammenfassung der Ergebnisse der Entwicklungsaufgabe „Peer“

4.3 VORBEREITUNG AUF EINE BERUFLICHE KARRIERE

4.3.1 Strukturelle Entwicklungslinien im Berufs- und Bildungssystem

4.3.2 Struktur der Entwicklungsaufgabe Berufsvorbereitung

4.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse der Entwicklungsaufgabe „Beruf“

4.4 UNTERSUCHUNGSFAZIT

5 DAS WAGNIS UND DIE PÄDAGOGIK

5.1 ALLGEMEINE GEDANKEN ZUR PÄDAGOGISCHEN RELEVANZ DES WAGNISSES

5.2 WERTZUSCHREIBUNG UND SELBSTREFLEXION

5.3 DAS ABWÄGEN IM KONTEXT PSYCHOLOGISCHER RISIKOFORSCHUNG

6 DISKUSSION UND AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Wagnis entwicklungstheoretisch zu begründen und nachzuvollziehen, inwiefern es für die Entwicklung Jugendlicher von Relevanz ist. Dabei wird geprüft, ob eine Strukturähnlichkeit zwischen der Bewältigung jugendlicher Entwicklungsaufgaben und dem Wagnis besteht, um daraus Ansätze für eine pädagogisch initiierte Praxis des Wagens abzuleiten.

  • Grundbegriffe des Wagnisses, des Abenteuers und des Risikos
  • Entwicklungstheoretische Konzepte und Entwicklungsaufgaben
  • Analyse der Ablösung von den Eltern
  • Risikoverhalten im Kontext der Peer-Group
  • Vorbereitung auf die berufliche Karriere

Auszug aus dem Buch

2.5.2 Universelle konstitutive Wagnismerkmale der Grundbedeutung „kühnes Unternehmen“

Die folgenden Merkmale wagenden Handelns ergeben sich aus der Etymologie, sowie aus schlussfolgernden Überlegungen und Bestimmungen. Die Auflistung erhebt deshalb auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Durch eine Beleuchtung des Wagnisphänomens aus anderen Perspektiven (z. B. aus physiologischer, psychologischer oder gesellschaftlicher Perspektive) lassen sich sicherlich noch weitere charakteristische Merkmale erkennen.

Selbst entschiedene Auseinandersetzung mit Unsicherheit, Gefahr oder Verlust

Ein Wagnis beinhaltet immer die (zwanglose) Auseinandersetzung mit Unsicherheit, Gefahr oder Verlust. (vgl. Kap. 2.2 und 2.3). Dadurch erhält das Wagnis einen Ernstcharakter und unterscheidet sich vom Spiel, mit dem es wesentliche Merkmale teilt (WARWITZ 2001, S. 9). Der entstehende Schaden im Falle des Misslingens muss nicht nur den Wagenden selbst, sondern kann auch andere betreffen. So zum Beispiel bei einem Chirurg, der sich wagt, einen Patienten das erste Mal mit einer neuartigen Operationsmethode zu behandeln. Aufgrund der verschiedenen das Wagnis einbettenden Kontexte, ist die Art der Bedrohung außerdem multimodal.20 Wagnisse können z. B. existenzielle, körperliche, soziale oder emotionale Unsicherheiten betreffen. „Wer etwas oder sich selbst wagt, setzt also nicht unbedingt seine körperliche Unversehrtheit aufs Spiel sondern vielleicht lediglich die Kontrolle über die Situation oder das Bild, welches andere von ihm haben“ (HEBEL-SEEGER & LIEDTKE 2003, S. 112). Dem Wagnis ist deshalb auch keine generell existenzielle Bedeutung zuzuschreiben, wie dies etwa SCHLESKE (1977, S. 38-41) oder BOLLNOW (1959, S. 132) proklamieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema, Motivation der Arbeit und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Relevanz des Wagnisses für die jugendliche Entwicklung.

2 BEGRIFFSBESTIMMUNG: Detaillierte etymologische und fachliche Definition des Wagnisbegriffs unter Abgrenzung zu Risiko und Abenteuer sowie Erarbeitung konstitutiver Merkmale.

3 ENTWICKLUNGSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUM WAGNIS IN DER JUGENDPHASE: Analyse der Begriffe Jugend und Entwicklung sowie Einführung in das Konzept der Entwicklungsaufgaben als theoretisches Fundament der Arbeit.

4 STRUKTURMERKMALE DES WAGNISSES IM KONTEXT JUGENDSPEZIFISCHER ENTWICKLUNGSAUFGABEN: Untersuchung der Strukturähnlichkeiten zwischen Wagnis und den Entwicklungsaufgaben Ablösung von den Eltern, Peer-Group sowie Berufsvorbereitung.

5 DAS WAGNIS UND DIE PÄDAGOGIK: Erste Überlegungen zur pädagogischen Relevanz des Wagnisses und Anregungen für eine entsprechende pädagogische Praxis unter Berücksichtigung von Selbstreflexion und Risikoforschung.

6 DISKUSSION UND AUSBLICK: Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung sowie ein Ausblick auf notwendige weiterführende Forschungsaspekte.

Schlüsselwörter

Wagnis, Risiko, Abenteuer, Jugendphase, Entwicklungstheorie, Entwicklungsaufgaben, Ablösung, Peer-Group, Berufsvorbereitung, Pädagogik, Wertzuschreibung, Abwägen, Unsicherheit, Bewältigung, Handlungslogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Wagnis und menschlicher Entwicklung in der Jugendphase unter Einbeziehung erziehungswissenschaftlicher und psychologischer Theorien.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Begriffsdefinition von Wagnis, die theoretischen Grundlagen der Jugendphase und Entwicklung sowie die Anwendung dieser Konzepte auf jugendspezifische Entwicklungsaufgaben.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist die entwicklungstheoretische Begründung des Wagnisses und die Analyse, inwiefern dieses in der Entwicklung von Jugendlichen eine Relevanz besitzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine strukturanalytische Betrachtung gewählt, die konstitutive Wagnismerkmale auf jugendliche Entwicklungsaufgaben anwendet, um Strukturähnlichkeiten zu verifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine kritische Begriffsbestimmung, eine theoretische Einordnung der Jugendphase sowie eine Untersuchung der Aufgabenbereiche Ablösung von den Eltern, Peer-Group und Berufsvorbereitung auf wagnisähnliche Strukturen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das Wagnis, die Jugendphase, Entwicklungsaufgaben, das Abwägen, Wertzuschreibung und Bewältigungsperspektiven.

Wie definiert der Autor das Wagnis im Vergleich zum Risiko?

Während das Risiko oft sachbezogen und berechenbar ist, legt das Wagnis den Schwerpunkt auf die Vorgänge innerhalb der Person und erfordert eine aktive, freiwillige Entscheidung trotz Ungewissheit.

Ist der Übergang in den Beruf ein Wagnis für Jugendliche?

Die Untersuchung zeigt, dass der Prozess der Berufsvorbereitung zwar Unsicherheiten enthält, aber primär durch strukturelle Anforderungen bestimmt ist und somit nur eine geringe Ähnlichkeit zu einer eigenständigen Wagnishandlung aufweist.

Welche Rolle spielt die Peer-Group bei der Bewältigung von Wagnissen?

Die Peer-Group bietet Räume für experimentierendes Verhalten. Hier können insbesondere evidente Risikoverhaltensweisen wagnisähnliche Funktionen zur Gruppenintegration und Anerkennung erfüllen.

Wie bewertet der Autor das Krisenmodell im Zusammenhang mit dem Wagnis?

Der Autor argumentiert, dass das Wagniskonzept dem Krisenmodell überlegen ist, da es die wertorientierte Eigenaktivität des Jugendlichen stärker integriert, während das Krisenmodell den Aspekt des „auf das Subjekt zukommenden“ Zwangs stärker betont.

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Details

Title
Das Wagnis in der Jugendphase
Subtitle
Entwicklungstheoretische Überlegung zu einer pädagogisch initiierten Praxis des Wagens
College
University of Marburg  (Sportpädagogik)
Course
Abenteuer- und Erlebnispädagogik
Grade
1,3
Author
Thomas Baberowski (Author)
Publication Year
2012
Pages
90
Catalog Number
V313703
ISBN (eBook)
9783668125827
ISBN (Book)
9783668125834
Language
German
Tags
wagnis jugendphase entwicklungstheoretische überlegung praxis wagens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Baberowski (Author), 2012, Das Wagnis in der Jugendphase, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313703
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