Im allgegenwärtigen Mediendschungel sticht der Boulevardjournalismus besonders heraus, da er sich trotz oder gerade wegen seiner charakteristischen Berichterstattung großer Beliebtheit erfreut. In dieser Arbeit soll demzufolge untersucht werden, inwieweit sich der Boulevardjournalismus an die ethisch-moralischen Grundsätze des Journalismus hält. Im Kern geht es um die Fragestellung, wie, insbesondere im Boulevardjournalismus, auf eine ethisch vertretbare Art und Weise berichtet wird.
In diesem Zusammenhang wird im zweiten Kapitel zunächst definiert, was Medienethik bedeutet und welche unterschiedlichen Ansätze es hinsichtlich einer Definition gibt. Im nachfolgenden Kapitel werden die ethischen und moralischen Grundsätze vorgestellt, wie sie in Gesetzen, Verordnungen und im Pressekodex enthalten sind. Hierzu werden im zweiten Abschnitt auch die Aufgaben und Funktionen des Deutschen Presserates dargestellt. Das dritte Kapitel fokussiert Verstöße gegen die Vorgaben seitens des Boulevardjournalismus und anderer Publikumspublikationen. An dieser Stelle soll auch un-tersucht werden, ob die Anzahl der gemeldeten und geahndeten Verstöße in den letzten Jahren konstant geblieben ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Medienethik
3 Grenzen der Pressefreiheit – der gesetzliche und ethisch-moralische Rahmen
3.1 Pressegesetze
3.2 Der Deutsche Presserat
4 Die Rüge – Verstöße deutscher Boulevardmedien gegen den Pressekodex
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit sich Boulevardmedien an ethisch-moralische Grundsätze des Journalismus halten, und analysiert die Rolle des Deutschen Presserates bei der Sanktionierung von Verstößen.
- Definition und Bedeutung von Medienethik im Journalismus
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und Pressefreiheit
- Historie und Funktion des Deutschen Presserates
- Analyse von Verstößen gegen den Pressekodex durch Boulevardmedien
- Diskussion über Sanktionsmöglichkeiten und die Effektivität der Selbstkontrolle
Auszug aus dem Buch
Die Rüge – Verstöße deutscher Boulevardmedien gegen den Pressekodex
Die Rügenveröffentlichung ist die einzige Sanktionierungsmöglichkeit des Deutschen Presserates. Demnach muss in der Rügenveröffentlichung darüber informiert werden, gegen welchen publizistischen Grundsatz verstoßen wurde und die Rüge muss in dem jeweils betroffenen Medium veröffentlicht werden. Die Sanktionierungsmöglichkeiten sind also minimal. Nach Eingang einer Beschwerde wird diese zunächst einer Vorprüfung unterzogen. Daraufhin kann der Presserat bei begründetem Verdacht mehrere Maßnahmen ergreifen. Er hat die Berechtigung, Hinweise, Missbilligungen, öffentliche und nicht-öffentliche Rügen auszusprechen, wobei die öffentliche Rüge das härteste Sanktionsmittel darstellt, da in diesem Fall eine Abdruckverpflichtung für das Medium besteht.
Überdurchschnittlich häufig gerügt wird die "Bild"-Zeitung aufgrund von Verstößen gegen Ziffer 8. Das Landgericht Berlin bescheinigte der "Bild"-Zeitung Ende 2002, es sei "gerichtsbekannt, dass sie oftmals persönlichkeitsrechtsverletzende Beiträge veröffentlicht", die "oftmals sogar die Intimsphäre der Betroffenen" verletze. Die Richter unterstellten Chefredakteur Kai Diekmann und der Zeitung Kalkül hinter den Rechtsverletzungen: Sie suchten "bewusst einen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer".
Trotz zahlreicher Rügen gegen die “Bild“ zeigt sich die Zeitung bislang nicht bereit die eingeschlagene und bei Teilen des Publikums offenbar beliebte Strategie zu ändern. Erst im Dezember 2013 erhielt das Onlineportal „bild.de“ eine Rüge aufgrund eines Verstoßes gegen Ziffer 8. Die Redaktion hatte über eine Landtagsabgeordnete berichtet, die in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Die Redaktion hatte den Namen der Frau veröffentlicht sowie Hintergründe der Erkrankung. Gemäß Ziffer 8 des Pressekodex sind psychische oder physische Erkrankungen Teil der Persönlichkeitsrechte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung zur ethischen Vertretbarkeit im Boulevardjournalismus vor und umreißt den inhaltlichen Aufbau der Untersuchung.
2 Medienethik: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen der Medienethik sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Verantwortung und systemischer Medieneinbindung diskutiert.
3 Grenzen der Pressefreiheit – der gesetzliche und ethisch-moralische Rahmen: Hier werden die rechtlichen Grundlagen wie Landespressegesetze sowie die Rolle und Historie des Deutschen Presserates beleuchtet.
4 Die Rüge – Verstöße deutscher Boulevardmedien gegen den Pressekodex: Dieses Kapitel analysiert konkrete Verstöße gegen den Pressekodex, insbesondere durch Boulevardmedien, und thematisiert das Problem der Trennung von Redaktion und Werbung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Problematik der mangelnden Sanktionierungsmöglichkeiten zusammen und diskutiert mögliche zukünftige Ansätze der Selbstkontrolle in der Medienbranche.
Schlüsselwörter
Medienethik, Pressefreiheit, Boulevardjournalismus, Pressekodex, Deutscher Presserat, Persönlichkeitsrecht, Sanktionen, Rüge, Journalistische Sorgfaltspflicht, Public Relations, Medienverantwortung, Selbstkontrolle, Medienrecht, Ethik, Journalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einhaltung ethisch-moralischer Standards im deutschen Boulevardjournalismus und untersucht, wie Verstöße gegen den Pressekodex durch den Deutschen Presserat geahndet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind Medienethik, der gesetzliche Rahmen der Pressefreiheit, die Geschichte des Deutschen Presserates sowie das Problem der Vermischung von redaktionellen Inhalten und Werbung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit Boulevardmedien ethisch vertretbar berichten und ob der Deutsche Presserat mit seinen aktuellen Sanktionierungsmöglichkeiten effektiv gegen Verstöße vorgehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken und Berichten des Deutschen Presserates basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Medienethik, eine Darstellung rechtlicher Grundlagen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Rügen gegen Boulevardpublikationen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Boulevardjournalismus, Pressekodex, Persönlichkeitsrechte, Medienethik, Rügen, Sanktionierung und die Rolle des Deutschen Presserates.
Warum wird die Bild-Zeitung im Text so prominent als Fallbeispiel angeführt?
Die Bild-Zeitung wird als Beispiel gewählt, da sie laut Statistik überdurchschnittlich häufig wegen Verletzungen des Pressekodex, insbesondere im Bereich der Persönlichkeitsrechte, gerügt wird.
Welches Problem identifiziert der Autor bezüglich der Rolle des Presserates?
Der Autor identifiziert den Presserat aufgrund der limitierten Sanktionsmöglichkeiten und der oft geringen Wirkung der Rügen als „zahnlosen Tiger“.
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- Anonym (Author), 2014, Medienethik. Berichterstattung im Boulevardjournalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313788