Medienethik. Berichterstattung im Boulevardjournalismus


Studienarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Medienethik

3 Grenzen der Pressefreiheit – der gesetzliche und ethisch-moralische Rahmen
3.1 Pressegesetze
3.2 Der Deutsche Presserat

4 Die Rüge – Verstöße deutscher Boulevardmedien gegen den Pressekodex

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Im allgegenwärtigen Mediendschungel sticht der Boulevardjournalismus besonders heraus, da er sich trotz oder gerade wegen seiner charakteristischen Berichterstattung großer Beliebtheit erfreut. In dieser Arbeit soll demzufolge untersucht werden, inwieweit sich der Boulevardjournalismus an die ethisch-moralischen Grundsätze des Journalismus hält. Im Kern geht es um die Fragestellung, wie, insbesondere im Boulevardjournalismus, auf eine ethisch vertretbare Art und Weise berichtet wird.

In diesem Zusammenhang wird im zweiten Kapitel zunächst definiert, was Medienethik bedeutet und welche unterschiedlichen Ansätze es hinsichtlich einer Definition gibt. Im nachfolgenden Kapitel werden die ethischen und moralischen Grundsätze vorgestellt, wie sie in Gesetzen, Verordnungen und im Pressekodex enthalten sind. Hierzu werden im zweiten Abschnitt auch die Aufgaben und Funktionen des Deutschen Presserates dargestellt. Das dritte Kapitel fokussiert Verstöße gegen die Vorgaben seitens des Boulevardjournalismus und anderer Publikumspublikationen. An dieser Stelle soll auch untersucht werden, ob die Anzahl der gemeldeten und geahndeten Verstöße in den letzten Jahren konstant geblieben ist.

2 Medienethik

Nach Pürer ist mit dem Begriff der Moral „jenes uns anerzogene Werte-, Sitten- und Normengeflecht gemeint, auf dessen Basis wir täglich bewusst oder unbewusst unsere Handlungen vollziehen“1. Unter Ethik versteht man nach Pürer die „Lehre von den sittlichen Werten und Forderungen […] “2. Wilke betont, es sei Aufgabe ethischer Prinzipien, auch im Journalismus, „den Spielraum des rechtlich nicht Verbotenen auf das moralisch verantwortbare ein[zu]grenzen“3. Pürer hat in seinen Publikationen die Begriffe der journalistischen Individualethik, der Mediensystemethik und der Ethik der kollektiven Verantwortung verwendet, um zu verdeutlichen, dass die Befolgung ethischer Grundsätze im Journalismus nicht ausschließlich als Aufgabe des einzelnen Journalisten anzusehen ist. Die journalistische Individualethik liegt im Verantwortungsbereich des einzelnen Journalisten. Die ethischen Grundlagen sollen den Journalisten innerhalb seiner Ausbildung vermittelt werden. Dabei muss dem angehenden Journalisten das hohe Maß seiner Verantwortung gegenüber denen, über die er berichtet, ebenso bewusst sein, wie seine Verantwortung gegenüber denjenigen, denen er berichtet.4 Pürer hat darauf hingewiesen, dass Berufskodizes stark der Interpretation des einzelnen Journalisten unterliegen und dadurch im Berufsalltag nur eingeschränkt greifen.5 Max Weber unterteilte Ethik in Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Während sich der gesinnungsethisch Handelnde der Wahrheit verpflichtet fühlt und dabei nicht auf die Folgen seines Handelns achte, handele der verantwortungsethisch Handelnde auch im Hinblick auf die Konsequenzen.6 Pürer betont, dass der Journalist im Spannungsfeld zwischen beiden Ethiken arbeite und daher auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel achten muss.7 Der Begriff der Mediensystemethik wurde von Rühl und Saxer 1981 geprägt, um darauf hinzuweisen, dass die alleinige Zuschreibung ethischer Handlungskodizes auf den einzelnen Journalisten, dessen Eingebundenheit in das Mediensystem zu wenig Rechnung trägt. Die Systemethik begreift den Journalisten als Person mit zugewiesenen Arbeits- und Berufsrollen innerhalb eines Systems, von dem er abhängig ist. Zu diesem Mediensystem zählen neben den Presseorganen und –Institutionen auch das politische und das wirtschaftliche System sowie nachgelagerte Instanzen wie Publikum oder Kritiker. So bedarf es nach Saxer neben der Frage der persönlichen Individualethik auch der Frage und Klärung der ethischen Verantwortung des Mediensystems.8 Pürer hat aufgrund der Eingebundenheit der Presse in viele unterschiedliche Systeme und Strukturen vorgeschlagen, von einer „gestuften Verantwortung“ zu sprechen. Demnach läge zunächst die Verantwortung beim Gesetzgeber, den gesetzlichen Rahmen der Rechte und Pflichten der Presse festzulegen. Im Anschluss läge die Verantwortung des Medieninhabers, die inhaltliche Linie zu bestimmen. Die Kontrolle der Einhaltung obliegt dann den Intendanten und Herausgebern und gemäß der hierarchischen Struktur des Medienbetriebes Chefredakteuren, Programmleitern, Ressortleitern und zuletzt den Journalisten.9 Journalistische Individualethik und Mediensystemethik werden in der Fachliteratur häufig unter dem Begriff der Professionsethik zusammengefasst.10 Bei einer Diskussion um Ethik und Moral im Journalismus muss auch auf die Publikumsethik hingewiesen werden. Die Theorie der Publikumsethik stammt von dem amerikanischen Kommunikationswissenschaftler Clifford Christians und konstatiert eine kollektive Verantwortung für das Wesen der Presselandschaft bei den Rezipienten der Massenmedien. Unter „kollektiver Verantwortung“ oder „Verantwortung des Gemeinwesens“ versteht er eine „umfassende moralische Pflicht der Öffentlichkeit, soziale Prozesse, wie die gesellschaftliche Kommunikation zu überwachen“11. Christians fordert zwar keine Verweigerung von allen medialen Erzeugnissen, jedoch von solchen, die ethischen Standards nicht genügen oder anderweitig mit persönlichen Einstellungen des Rezipienten kollidieren.12 Pürer weist darauf hin, dass Christians von einem sehr aufgeklärten Publikum ausgeht und sich zudem die Frage stelle, ob es in pluralistischen Gesellschaften etwas wie „kollektive Gesinnung“ geben kann. Er stellt fest, dass das Konzept der gestuften Verantwortung eine hohe Plausibilität besitzt, letztlich aber Journalisten ins Zentrum ethischer Debatten rücken „weil sie als Berufsrollenträger im System Massenkommunikation eine Schlüsselrolle einnehmen und das Grundrecht auf Pressefreiheit […] treuhänderisch für die Bürger wahrnehmen“13.

3 Grenzen der Pressefreiheit – der gesetzliche und ethisch-moralische Rahmen

Der Begriff Presse oder Medien beschreibt die Gesamtheit der Printmedien und Funkmedien sowie deren Ableger im Internet. Aufgrund ihres erheblichen Einflusses in modernen Demokratien wird die Presse auch als Vierte Gewalt bezeichnet. Bereits Jean-Jacques Rousseau bezeichnete sie als „vierte Säule des Staates“ und im Kontext der liberalen Pressetheorie des 19. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung „Vierte Gewalt“ gebräuchlich.14 Eine gesetzliche Grundlage für diese Einstufung gibt es jedoch nicht. Auch die Presse ist den Prinzipien der Gewaltenteilung und den Gesetzen sowie der Rechtsprechung unterworfen. Sie unterliegt in modernen Demokratien keiner staatlichen Kontrolle der Inhalte (Zensur), aber den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Verleger bzw. Eigentümer.15

3.1 Pressegesetze

Bis zum Inkrafttreten der Föderalismusreform am 1. September 2006 hatte der Bund nach dem Grundgesetz die Kompetenz, ein Presserechtsrahmengesetz zu erlassen, wovon er jedoch keinen Gebrauch machte. Seitdem gilt für jedes Bundesland das jeweilige Landespressegesetz, womit auch die Gesetzgebungskompetenz für das Presserecht allein bei den Bundesländern liegt. Die Pressegesetze der Länder stimmen jedoch weitgehend überein und unterscheiden sich nur in Details. Eine wesentliche gesetzliche Vorgabe ist die publizistische Sorgfaltspflicht, die konkret verfügt, dass Inhalt, Herkunft und Wahrheitsgehalt von Nachrichten vor der Veröffentlichung überprüft werden müssen und dass Nachrichten nicht sinnentstellend wiedergegeben werden dürfen. Unbestätigte Meldungen oder Gerüchte müssen als solche gekennzeichnet werden und Kommentare müssen von der Berichterstattung erkennbar getrennt sein.16 Als Auslegungshilfe zur Bestimmung der Sorgfaltsanforderungen werden in der Fachliteratur teilweise die Regelungen im Pressekodex des Deutschen Presserates herangezogen.17 Die Anforderungen an die Sorgfalt sind besonders zu beachten, wenn die Berichterstattung Rechte Dritter berührt, insbesondere das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Dabei muss eine Güterabwägung zwischen den Grundrechten der Meinungsfreiheit und Pressefreiheit einerseits und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht andererseits erfolgen. Es gilt, dass je größer das öffentliche Interesse an einem Ereignis ist, desto eher wird bei einer gerichtlichen Überprüfung die Güterabwägung zugunsten der Meinungsäußerungs- und Pressefreiheit erfolgen.18 Unzulässige Äußerungen, die das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen verletzen, können zivilrechtliche Ansprüche des Verletzten gegen das Presseorgan zur Folge haben. Um Betroffenen von Tatsachenbehauptungen die Möglichkeit zu geben, Stellung zu nehmen, ist für Presseerzeugnisse in den Pressegesetzen (hier Berliner Pressegesetz § 10) ein Recht auf Gegendarstellung verankert. Gemäß § 18 des Berliner Pressegesetzes haben Angehörige der Presse ein Zeugnisverweigerungsrecht aus dem auch ein Beschlagnahmeverbot vertraulicher Unterlagen resultiert. Eine Beschlagnahme darf nur dann durchgeführt und richterlich angeordnet werden, wenn zu erwarten ist, dass ein Verbot gegen die Veröffentlichung ausgesprochen wird.19

[...]


1 Pürer, H. (2003), S. 143.

2 Pürer, H. (2003), S. 143.

3 Wilke, J. (1998), S. 292.

4 Vgl. Pürer, H. (2003), S. 143 f.

5 Vgl. Pürer, H. (2003), S. 145.

6 Vgl. Boventer, H. (1989), S. 44 f.

7 Vgl. Pürer, H. (2003), S. 145.

8 Vgl. Rühl, M., Saxer, U. (1981), S. 471 f.

9 Vgl. Pürer, H. (2003), S. 146.

10 Vgl. Meier, K. (2007), S. 240.

11 Christians, C. G. (1989), S. 258.

12 Vgl. Christians, C. G. (1989), S. 264 f.

13 Pürer, H. (2003), S. 147.

14 Vgl. Kunczik, M., Zipfel, A. (2001), S. 73.

15 Vgl. Chill, H., Meyn, H. (2000), S. 6.

16 Vgl. Löffler, M. (2006), S. 153 f.

17 Vgl. Löffler, M. (2006), S. 1088.

18 Vgl. Löffler, M. (2006), S. 38 f.

19 Vgl. Berliner Pressegesetz (2009), Web.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Medienethik. Berichterstattung im Boulevardjournalismus
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V313788
ISBN (eBook)
9783668126510
ISBN (Buch)
9783668126527
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Moral, Journalismus, Boulevardjournalismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Medienethik. Berichterstattung im Boulevardjournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313788

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Medienethik. Berichterstattung im Boulevardjournalismus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden