Die Briefe des Paulus. Ein Lerntagebuch


Hausarbeit, 2014

42 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Leben des Paulus
2.1 Die vorchristliche Zeit (bis „vor Damaskus“)
2.2 Lebenskehre und die Zeit als Missionar bis zum Apostelkonvent und Antiochenischen Konflikt
2.3 Die Zeit als selbständiger Missionar

3 Formmerkmale des antiken Briefes

4 Die Briefe des Paulus
4.1 Der erste Thessalonicherbrief
4.1.1 Hintergrund
4.1.2 Aufbau
4.1.3 Inhalt
4.2 Der erste Korintherbrief
4.2.1 Hintergrund
4.2.2 Aufbau
4.2.3 Inhalt
4.3 Der zweite Korintherbrief
4.3.1 Hintergrund
4.3.2 Aufbau
4.3.3 Inhalt
4.4 Der Galaterbrief
4.4.1 Hintergrund
4.4.2 Aufbau
4.4.3 Inhalt
4.5 Der Philipperbrief
4.5.1 Hintergrund
4.5.2 Aufbau
4.5.3 Inhalt
4.6 Der Philemonbrief
4.6.1 Hintergrund
4.6.2 Aufbau
4.6.3 Inhalt
4.7 Der Römerbrief
4.7.1 Hintergrund
4.7.2 Aufbau
4.7.3 Inhalt

5 Fazit

Bibliographie

1 Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit ist der Apostel Paulus und dessen Briefe. Sie beruht auf den Mitschriften und Präsentationen des Moduls the149 im Wintersemester 2013/2014 der Vorlesungen von Prof. Dr. Weiß ‚Die Briefe des Paulus – Bibelkunde und Einleitungsfragen‘ sowie des Seminars von Dr. theol. Wetz ‚Paulus. Leben und Werk‘. Zitate oder Vergleiche aus diesen Mitschriften werden nicht nochmal gesondert in den Fußnoten angegeben. Als weitere Grundlage der Hausarbeit dient er Text der Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984.

Paulus war ein von Gott berufener Apostel und erfolgreicher Missionar des Christentums. Somit ist er auch heute noch von großer Bedeutung für die Christen und nimmt auch in der Bibel durch seine Briefe einen großen Raum ein. Über diesen Apostel gibt es die ältesten und meisten Dokumente und man kann aufgrund dessen viele Ereignisse nachkonstruieren und verstehen. Ich persönlich interessiere mich sehr für den Apostel Paulus und hierbei vor allem für den Inhalt seiner Briefe. Man kann anhand Dieser sehr gut die damalige Situation nachvollziehen und das Handeln des Apostels verstehen. Auch geben die Briefe einen sehr guten Einblick in die Denkweise und Lebensführung des Paulus und stellen seinen theologischen Standpunkt dar. Paulus gibt Antworten auf verschiedene Probleme im alltäglichen Leben und erklärt die rechte Lebensweise.

Bei der Erstellung dieser Hausarbeit werde ich in einem ganz bestimmten Schema vorgehen. Zunächst werde ich den Apostel und sein Leben kurz vorstellen um einen Eindruck über die Person gewinnen zu können. Danach werde ich kurz den Aufbau seiner Briefe erläutern um dann genauer auf die jeweiligen Briefe einzugehen. Für die Erschließung des Inhaltes der Paulusbriefe werde ich den jeweiligen Brief in der Bibel lesen und mit Hilfe der Mitschriften versuchen diesen zu verstehen und die Aussagen des Paulus zu deuten. Meine eigene Vorstellung über diese werde ich dann in Textform niederschreiben. Erst nachdem ich den Brief alleine gedeutet habe werde ich andere Literatur zur Hilfe nehmen. Mit dieser werde ich die Texte daraufhin ergänzen und gegebenenfalls verändern. Diese Arbeitsmethode habe ich gewählt, da ich bereits in den letzten Jahren festgestellt habe, dass es mir persönlich am meisten bringt zunächst alles selber zu erschließen. So behalte ich die einzelnen Inhalte besser und erziele einen deutlich größeren Lernerfolg. Zudem erhoffe ich mir, dass ich dadurch die für uns doch sehr schwer verständliche Sprache in der Bibel besser verstehen lerne und den Umgang mit dieser Schule.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit wird auf dem ersten Korintherbrief liegen. Dieser ist Teil eines längeren Briefwechsels zwischen der Gemeinde und dem Apostel und klärt viele verschiedene Themen und Probleme im Gemeindeleben, wodurch man einen guten Einblick in die paulinische Theologie erhält.

2 Das Leben des Paulus

Das Leben des Paulus wird in der heutigen Wissenschaft in drei grobe Abschnitte eingeteilt. Dies sind zunächst die vorchristliche Zeit, darauffolgend die Lebenskehre und die Zeit als Missionar bis zum Apostelkonvent und antiochenischen Konflikt und als letztes die Zeit als selbständiger Missionar. Als Grundlage für die Rekonstruktionen des Lebenslaufs von Paulus dienen hauptsächlich die protopaulinischen Briefe sowie die Apostelgeschichte von Lukas, die jedoch kritisch zu lesen ist, da Lukas judenchristliche Quellen hat.

2.1 Die vorchristliche Zeit (bis „vor Damaskus“)

Der Geburtsort des Paulus beruht ausschließlich auf Vermutungen. Die plausibelste Vermutung stützt sich auf Apg 22,3, wo Paulus sich selbst in einem von Lukas wiedergegebenen Zitat „ein[en] jüdische[n] Mann, geboren in Tarsus in Zilizien“ nennt. Tarsus, wo Paulus aufwuchs, ist für seine Biographie der bedeutendste Ort. Auch die Zeit seiner Geburt kann nur vermutet werden und wird auf das erste Jahrzehnt nach Christus datiert. Paulus war ein „Hebräer von Hebräern“1 aus dem Diasporajudentum und schloss sich den Pharisäern an. Gewohnt und gearbeitet hat er als „Zeltmacher“2 bei Priscilla und Aquila in Rom. Ihm war die Thora „Richtschnur des Lebenswandels bis hin zu einer fanatischen Verfolgung“3, weshalb er den Gegensatz zu den Hellenisten als gottwidrig empfand und nach dem Tod Jesu um 30 n. Chr. christliche Gemeinden in Syrien/Diaspora verfolgte.

2.2 Lebenskehre und die Zeit als Missionar bis zum Apostelkonvent und Antiochenischen Konflikt

Sein Leben änderte sich 30/31 n. Chr. nach einem Offenbarungserlebnis vor Damaskus. Diese Lebenskehre wird häufig auch mit der Änderung des Namens von Saulus zu Paulus beschrieben. Bei der Offenbarung wurde Paulus zum Apostel berufen und reiste daraufhin ohne dies zu hinterfragen nach Arabia um seine Mission durchzuführen. Kurze Zeit später kehrte er nach Damaskus zurück wo er dann am eigenen Leib Verfolgungen erlebte. Er flüchtete daraufhin wieder aus Damaskus und besuchte Petrus in Jerusalem. Dies war sein erstes Zusammentreffen mit einem anderen Apostel. Er zog aus Jerusalem wieder fort und begann zu missionieren. Zunächst führte er seine Mission in Tarsus, Syrien und Cilicien durch und wurde neben Barnabas zur leitenden Figur im hellenistischen Zentrum Antiochien. Nach dem Tod des Jakobus Zebedäus begann er seine erste Missionsreise. Nachdem er diese vollendet hatte kehrte er 48 n. Chr. erneut nach Jerusalem zurück und nahm dort unter anderem mit Petrus am Apostelkonvent4 teil. Mit diesem kam es kurze Zeit später aufgrund verschiedener Ansichten über die Aufnahme zum Christentum (Beschneidung oder Taufe) zum sogenannten antiochenischen Konflikt, woraufhin Paulus den Kontakt zu der Gemeinde in Antiochien und zu Barnabas abbrach.

2.3 Die Zeit als selbständiger Missionar

Paulus begann von nun an seine selbständige Mission an den Heiden und führte seine zweite Missionsreise durch, auf der er unter anderem die Gemeinden in Philippi, Thessaloniki und Korinth gründete. Während dieser Missionsreise entstand der Haftpunkt der absoluten Chronologie, die Gallio-Inschrift, von der aus alle weiteren Daten der paulinischen Biographie abgeleitet sind. Sie schreibt dessen Aufenthalt in Korinth 51 bis 52/53 n. Chr. fest. Eine absolute Chronologie kann im Gegensatz zu der relativen Chronologie genaue Jahreszahlen und Daten der Ereignisse angeben. Die relative Chronologie kann lediglich die Reihenfolge der Ereignisse wiedergeben. Paulus hielt sich nach dem Aufenthalt in Korinth die meiste Zeit in Ephesus auf und reiste von dort aus zwischendurch zu verschiedenen anderen Gemeinden, wie zum Beispiel nach Galatien und Korinth. 55/56 n. Chr. wurde Paulus in Asien, wo genau ist hierbei unklar, in Gefangenschaft genommen. Er kam jedoch wieder frei und reist danach über Troas nach Mazedonien. Nach seinem letzten Besuch in Korinth, bei dem er den Römerbrief, das letzte erhaltene paulinische Dokument, verfasste, lieferte er eine Kollekte in Jerusalem ab. Dort geriet er erneut in Gefangenschaft und wurde kurze Zeit später auch in Caesarea gefangen genommen. Von dort aus wurde Paulus nach Rom überführt, wo er etwa 62 n. Chr. starb.

3 Formmerkmale des antiken Briefes

Die antiken Briefe, so auch die des Paulus, waren in vier grobe Abschnitte eingeteilt. Der Anfang der Briefe, das sogenannte Präskript, bestand aus dem Absender/den Absendern im Nominativ, dem Empfänger/den Empfängern im Dativ sowie einer Grußformel. Die Grußformel konnte hierbei entweder das griechische Grußformular, welches eingliedrig war, oder das orientalische Grußformular, welches zweigliedrig war, darstellen. Zweigliedrigkeit bedeutet hierbei, dass der Adressat in dem Grußformular nochmals angesprochen wird. Auf das Präskript folgte der zweite Abschnitt, das sogenannte Proömium. Hier wurde in der Regel ein Dank oder eine Eulogie ausgesprochen und eine Selbstempfehlung gegeben. In einigen Fällen wurde in diesem Briefabschnitt auch ein Lob ausgesprochen. Als dritter und längster Abschnitt folgte das Briefcorpus, der Hauptteil des antiken Briefes. Dieser war von keiner festen Form. Je nach Situation und Anliegen wurden in diesem Abschnitt verschiedene Themen abgehandelt. Der letzte Teil des Briefes ist der Briefschluss, auch Postskript genannt. In diesem wurden verschiedene Grüße ausgerichtet, ein Gnadenwunsch und in einigen Fällen auch Mahnungen ausgesprochen. Außerdem enthielt das Postskript Aufforderungen zur Fürbitte.

4 Die Briefe des Paulus

4.1 Der erste Thessalonicherbrief

4.1.1 Hintergrund

Der Brief des Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki ist der älteste uns erhaltene Brief des Paulus, welchen er etwa 50/51 n. Chr. in Korinth verfasste. Zudem ist es der persönlichste Brief des Paulus, da er diese Gemeinde selbst gründete und sich um diese sorgte. Er entsandte seinen Mitarbeiter Timotheus nach Thessaloniki und reagierte mit diesem Schreiben auf dessen positive Rückmeldungen.

4.1.2 Aufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.1.3 Inhalt

Im Briefeingang nennt Paulus sich selbst, Silvanus und Timotheus als Absender und die Gemeinde in Thessaloniki in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus als Adressaten. Mit dieser Formulierung legt Paulus die Gemeinde in Thessaloniki als christliche Gemeinde fest. Anschließend folgt der Gruß Gnade sei mit euch und Friede, welcher sich aus dem jüdischen Gruß Schalom (Friede) und dem griechischen Gruß Chaire zusammensetzt. Paulus deutete das Wort Chaire zu dem ähnlich klingenden Wort Charis (Gnade) um und verband es mit dem jüdischen Gruß zu einer Grußformel.

Die Länge des Proömiums ist umstritten, da es nach hinten relativ offen ist. Ich verwende hier die Angabe aus der Vorlesung. Zunächst dankt Paulus der Gemeinde in Thessaloniki für ihren vorbildlichen Glauben, wobei er in 1Thess 1,3 die theologischen Trias Glaube, Liebe und Hoffnung verbunden mit den aktiven Begriffen Arbeit, Werk und Geld verwendet. Vermutlich bestand die Gemeinde in Thessaloniki größtenteils aus Heidenchristen, da Paulus berichtet, sie hätten sich von den Abgöttern zu Gott bekehrt. Dieser Briefabschnitt enthält nicht nur die Aussage der Bekehrung sondern stellt zugleich eine kurze Zusammenfassung der paulinischen Missionspredigt dar.5 Paulus verwendet in diesem Briefabschnitt eine übertriebene Redensweise mit Worten wie allezeit und ohne Unterlass, was ebenfalls auf die besondere Verbindung von Paulus und der Gemeinde zurückzuführen ist (Familientopos).

In 1Thess 2,1-20 blickt Paulus auf die Gründung der Gemeinde und sein dortiges Wirken zurück. Er spricht von der Auserwählung Gottes, ihnen das Evangelium anzuvertrauen, was die Liebe Gottes zu den Menschen zum Ausdruck bringen soll. Das Evangelium ist in diesem Zusammenhang als das Wort/die Botschaft zu verstehen, nicht als Gattungsbegriff für biblische Schriften. Dann beschreibt sich Paulus selbst als Apostel Christi und dass er dieses Amt nicht ausgenutzt habe, sondern stets wie in einer Familie mit der Gemeinde gelebt habe. Hierbei beruft sich Paulus immer wieder auf Gott als Zeugen. Die Gemeinde in Thessaloniki wurde von den eigenen Landsleuten verfolgt. Paulus vergleicht dies mit der Verfolgung der Gemeinden in Judäa durch Juden. In diesen Aussagen über die Verfolgung der Christen durch Juden und dem deutlichen Vorwurf der Tötung des Herrn Jesus durch eben diese zeigt sich deutlich eine anti-jüdische Polemik. Möglicherweise will Paulus damit darauf hindeuten, dass auch die Verfolgungen in Thessaloniki auf Juden zurückzuführen sind. Die Christengemeinden hatten in der damaligen Zeit sehr häufig unter Verfolgungen zu leiden, was somit nichts Besonderes war.6 Paulus dankt der Gemeinde für ihren anhaltenden Glauben trotz allen Einflusses von außen und lobt ihre Vorbildfunktion für alle Christen in der Umgebung. Aufgrund der geglückten Mission in der Gemeinde in Thessaloniki möchte Paulus diese schnellstmöglich wieder selbst besuchen, was er mehrfach versuchte, woran ihn jedoch „der Satan […] hinderte“7. Was diese Aussage genau zu bedeuten hat, kann nur in Spekulationen enden. Möglicherweise war Paulus krank, vielleicht war dies aber auch lediglich eine traditionelle Erklärung.

In 1Thess 3,1-8 erklärt Paulus die Sendung des Timotheus, seines Mitarbeiters, um die Gemeinde in Thessaloniki in dieser schwierigen Zeit in ihrem Glauben zu stärken. Das Proömium endet mit dem Dank an Gott für die verbesserte Lage und einer Fürbitte für die Gemeinde. Die Eschatologie dieses Briefes ist anders zu allen anderen Paulusbriefen. Hier spricht Paulus von einem Weg zur Heiligkeit, also einem Prozess den man durchlaufen muss. Später entwickelt sich das Denken des Paulus weiter und dieser Prozesscharakter wird nicht nochmal aufgegriffen.

In 1Thess 4,1-12 beginnt das Briefcorpus. Paulus ermahnt die Gemeinde zur Heiligung. Das einzige Ziel soll die Heiligkeit sein und die Gemeinde soll den hier noch geltenden Prozess durchlaufen. Zudem behandelt Paulus das Thema der Unzucht, welche nur unter Heiden betrieben werde und von der man sich abgrenzen solle. Stattdessen soll man sich untereinander lieben, womit Paulus die Nächstenliebe meint. Das Nächstenliebe-Gebot ist das Erkennungsmerkmal der Christen. Man soll ruhig und ehrbar leben, sodass sich andere nicht über die Christen aufregen können. In 1Thess 4,13-5,11 steht der berühmteste Text aus dem ersten Thessalonicherbrief. Zunächst reagiert Paulus auf das Ableben einiger Gemeindemitglieder und das Unwissen darüber, was mit diesen passiert. Dass diese Thematik in der Paränese zu finden ist, deutet darauf hin, dass es sich „nicht um eine dogmatische Belehrung, sondern um Trost angesichts akuter Trauer“8 handelt. Er beschreibt den Vorgang der Wiederauferstehung all derer, die an die Auferstehung Jesu glauben, und dass die Lebenden den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden. Christen haben laut Paulus, im Gegensatz zu Heiden, Hoffnung aufgrund der Auferstehung Jesu. Er argumentierte diese These damit, dass es das Wort des Herren sei, um sie beständiger zu machen. Zudem verwendet er in 1Thess 4,16 eine apokalyptische Sprache, welche auf eine zeitliche Nähe der Parusie hindeutet.9 Paulus selbst ging von einem baldigen Kommen des Messias aus und rechnete nicht damit, dass vorher Christen versterben würden. Mit dieser Erklärung schenkte er der Gemeinde Trost.

Trotz der Nächsterwartung macht Paulus nun deutlich, dass niemand den genauen Zeitpunkt der Parusie des Herren kennt. Es werde plötzlich und unerwartet geschehen und dennoch soll man sich darauf einstellen, nüchtern und wachsam sein. Wie bereits im Proömium verwendet Paulus hier erneut die Trias Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie bilden die Rüstung der Glaubenden und machen sie unangreifbar.

Paulus ermahnt die Gemeinde in Thessaloniki im Postskript und spricht Weisungen über allgemeine Sachverhältnisse aus. Daraus lässt sich schließen, was für ihn im Leben einer christlichen Gemeinde wichtig ist. Abschließend nimmt Paulus den Gnadenwunsch aus dem Präskript wieder auf und schließt den Brief mit guten Wünschen.

4.2 Der erste Korintherbrief

4.2.1 Hintergrund

Paulus missionierte 50/51 n. Chr. in Korinth, in der Achaia. Nach seiner Abreise stand er weiterhin über einen Briefwechsel mit der Gemeinde in Kontakt. 1Kor 5,9 zeigt, dass diesem Brief bereits ein anderer vorausgegangen ist. Auch die Gemeinde schrieb bereits vorher einen Brief an den Apostel, was man aus 1Kor 7,1 entnehmen kann. Der erste sowie zweite Korintherbrief sind in dem weiteren Dialog zwischen der Gemeinde und dem Apostel Paulus entstanden. Diesen Brief schrieb er höchstwahrscheinlich 54/55 n. Chr. von Ephesus aus. Er verwendet im Gegensatz zum ersten Thessalonicherbrief mehrfach Zitate aus dem Alten Testament. Im ersten Korintherbrief geht Paulus auf die aktuelle Situation in der korinthischen Gemeinde ein und beantwortet konkrete Fragen.

4.2.2 Aufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2.3 Inhalt

Im Gegensatz zum ersten Thessalonicherbrief ist das Präskript, vor allem in der Ausführung des Adressaten, sehr lang. Als Absender werden Paulus und Sosthenes, als Adressaten die Gemeinde Gottes in Korinth, die Geheiligten in Christus Jesus und die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, genannt. Der Gruß ist derselbe wie im ersten Thessalonicherbrief, verlängert durch den Anhang, dass dies von Gott ausgehe.

Das Proömium ist im ersten Korintherbrief deutlich abgegrenzt und wird als Eucharistie formuliert.10 Paulus dankt Gott für seine Gnade, die der korinthischen Gemeinde gegeben ist, und macht einen theologischen Quantensprung mit der Aussage, die Predigt von Christus sei in ihnen bereits kräftig geworden und sie warten nur auf die Offenbarung des Herrn Jesus Christus.

Das erste große Problem der Parteiungen wird im Briefcorpus in 1Kor 1,10-4,21 behandelt. Dieser erste Abschnitt des Briefcorpus geht von dem christologischen in den eschatologischen Aspekt über. Durch Chloë wurde Paulus zugetragen, dass es Streit in der korinthischen Gemeinde gab. Es haben sich unterschiedliche Parteien gegründet nachdem Konkurrenzmissionare aufgetreten waren. Gemeindemitglieder stehen zu den jeweiligen Aposteln von denen sie getauft wurden und streiten sich untereinander. Paulus ermahnt die Gemeinde alle mit einer Stimme zu reden und keine Spaltungen untereinander sein zu lassen, da sich alle Apostel auf Christus berufen und eben dieser auch nicht zerteilt sei. Paulus selbst war kein großer Fan der Taufe und führte diese auch selten durch. Er beruft sich in diesem Brief darauf, dass Christus ihn zur Verkündigung des Evangeliums berufen habe und nicht um zu taufen. Mit dem Satz in 1Kor 1,17 leitet Paulus zum nächsten Thema über. Er stellt die Weisheit dem Kreuz gegenüber und beginnt im nächsten Abschnitt mit dem Wort vom Kreuz.

Die Kreuzestheologie besagt, dass das Niedrige und Verachtete Gott besonders nah ist. So wie Gottes Sohn durch den Kreuzestod verachtet wurde, so bilden auch die Verachteten die Gemeinde des Gekreuzigten. Die Macht Gottes zeigt sich darin, dass arme, schwache und privilegierte Menschen berufen werden. In der Antike galt das Kreuz als Folterwerkzeug und die Menschen verbanden damit Schmerz, Leid und schlechte Taten, worauf Folterung folgte. Paulus bringt dieses Symbol des Schmerzes und der Erniedrigung mit Gott in Verbindung und sagt, Gott ist nicht da wo Könige sind, sondern da wo Schmerz und Leid ist. Die Kreuzestheologie besagt eine eschatologische Umkehrung. Was nichts ist wird zu etwas werden. Wenn man sich nur auf den Herrn beruft wird gerade das Schwache durch Gott stark.

In 1Kor 3,1-23 geht Paulus erneut auf den Parteienstreit ein und trifft kritische Entscheidungen. Er wendet hierbei ein pädagogisches Prinzip an, indem er die korinthische Gemeinde mit unmündigen Kindern gleichstellt und sie mit den Vollkommenen/Geisterfüllten vergleicht. Zudem stellt er den Geist und das Fleisch in einen Gegensatz, wobei Paulus mit der Beschreibung, dass etwas fleischlich sei, zum Ausdruck bringt, dass jemand im irdischen Leben gefangen ist. Paulus beschreibt die Apostel als Diener und Mitarbeiter Gottes und die christlichen Gemeinden als Gottes Ackerfeld und Bau. Jeder werde den Lohn für seine Arbeit im Garten Gottes erhalten doch nur durch das Gedeihen, welches Gott gibt, wird die Saat zu einer Pflanze. Auch wenn man es als Vorwurf deuten kann, dass Paulus derjenige war der säte und Apollos derjenige der die Gaben dann erntete, spricht sich Paulus deutlich gegen die Parteibildung aus, da dies fleischlich und nach Menschenweise ist. Die Gemeinde ist der heilige Tempel Gottes in dem sein Geist wohnt. Wer diesen Tempel verdirbt, den wird Gott verderben.

In einem vorhergehenden Brief der Gemeinde wurde Kritik am Apostel Paulus geäußert. Dieser entgegnet darauf in 1Kor 4,1-21 zunächst damit, noch einmal seine Arbeit als Diener hervorzuheben und dass von ihnen nichts weiter als Treue gefordert werde. Paulus weist darauf hin, dass Menschen kein Recht haben über andere zu richten, denn nur der Herr ist Herzenskenner und Richter. Die Apostel stellt Paulus als die von Gott als Allergeringsten hingestellt dar. Sie erniedrigen sich für die Gemeinden, sind Schauspieler und Narren um Christi Willen. Er nennt sich selbst den Vater der Gemeinde in Korinth und ermahnt diese, als seine lieben Kinder, seinem Beispiel zu folgen.

In 1Kor 5,1-6,20 spricht Paulus über dieselben Themen wie in 1Thess 4,1-12. Zunächst tadelt er die sexuelle Verfehlung als Grund zum Ausschluss aus der Gemeinde. Wie man in allen Paulusbriefen sieht, spielte die Sexualität eine große Rolle für ihn, da diese am meisten in das menschliche Leben eingreife. Umso mehr man sich auf die Sexualität einlasse, desto weniger könne man sich auf den Herrn richten. Als Kontrast stellt er immer die Heiden und das heidnische Verhalten dar, nicht das jüdische. Aufgrund des Vorfalls, dass ein Gemeindemitglied ein sexuelles Verhältnis mit der Frau seines Vaters pflegt, geht Paulus mit einer deutlichen Stellungnahme auf das Thema Unzucht ein. Der Betreffende müsse unverzüglich aus der Gemeinde ausgeschlossen und dem Satan übergeben werden, damit der Geist, welcher bereits durch die Taufe heilig ist und ihm nicht mehr genommen werden kann, am Tag des Herrn gerettet werde. Allgemein soll sich die Gemeinde von solchen fernhalten, die sich selbst Brüder nennen, diesem Lebensstil jedoch nicht entsprechen, da sie den Ruf der gesamten Gemeinde zerstören.

Paulus legt in 1Kor 6,1-11 den Grundstein für die eigene Gerichtsbarkeit in der Kirche. Nachdem er zuvor aufgefordert hatte, innergemeindlich Gericht zu üben, entwickelt er nun eine Art innergemeindlicher Zivilgerichtsbarkeit, obwohl man besser noch ganz auf Rechtsansprüche verzichten solle.11 Hierbei führt er eine katalogische Paränese auf und betont, dass all diejenigen die diesem widersprechen nicht das Reich Gottes ererben werden. Durch die Taufe ist man jedoch von seinen vorherigen Sünden gereinigt. Wer jedoch nochmals Buße begeht kann nicht noch einmal getauft und reingewaschen werden.

Auch zum Verkehr mit Prostituierten nimmt Paulus Stellung. Die korinthischen Gemeindemitglieder lebten sehr enthusiastisch und dachten sie dürften alles, da sie getauft sind. Die Eheschließung galt für sie lediglich zur Zeugung der Nachkommenschaft und die Sexualität wurde außerhalb der Ehe ausgelebt. Paulus beschreibt den Körper der Christen erneut als Tempel des Heiligen Geistes und Glieder Christi, welche Gott gehören und von diesem teuer erkauft sind. Wer Sexualverkehr mit jemandem hat, wird ein Leib mit diesem. Verkehrt man mit einer Hure, wird man ein Leib mit dieser und macht Christi zu einem Huren. Zudem sei Sexualität die einzige Verunreinigung von innen. Alle anderen Sünden verunreinigen nur von außen.

In 1Kor 7,1-40 geht Paulus auf Fragen zum Ehestand ein. Ehelos und ohne Sexualverkehr zu leben, wie er selbst es tut, ist für Paulus die beste Variante. Wer sich jedoch nicht enthalten kann, soll sich eine Frau/einen Mann nehmen und nur mit dieser/diesem verkehren. Die Ehe wird in diesem Briefabschnitt lediglich unter dem Aspekt der Sexualität behandelt.12 In diesem Brief ist die Reziprozität sehr wichtig. Früher wurde Sexualität fast ausschließlich auf Männer bezogen, Paulus stellt in diesem Brief jedoch die Wechselseitigkeit beider Geschlechter dar.

[...]


1 Phil 3,5.

2 Apg 18,3.

3 Wolfgang Weiß, Art. Paulus, Apostel, in: BBKL VII (1984), 45-57, formatierte Kopie des im Internet zugänglichen Artikels, 2.

4 Genauere Erläuterungen in Gal 2.

5 Vgl. Hanna Roose, Module der Theologie, Neues Testament, Berlin 2009, 59.

6 Vgl. Lukas Bormann, Bibelkunde, Göttingen 42012, 254.

7 1Thess 2,18.

8 Hans Conzelmann, Andreas Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 142004, 232.

9 Ebd.

10 Vgl. Conzelmann, Lindemann, Neues Testament, 257.

11 Vgl. Conzelmann, Lindemann, Neues Testament, 264.

12 Vgl. Conzelmann, Lindemann, Neues Testament, 264.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Briefe des Paulus. Ein Lerntagebuch
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Ev. Theologie)
Veranstaltung
Bibelwissenschaft
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
42
Katalognummer
V313815
ISBN (eBook)
9783668129887
ISBN (Buch)
9783668129894
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
briefe, paulus, lerntagebuch
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Briefe des Paulus. Ein Lerntagebuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313815

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