Wie trauern Kinder und wie kann man ihnen dabei helfen? Zu Trauerarbeit und Trauersitten


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sterben, Tod und Trauer – Trauerarbeit, Trauersitten

3 Was Kinder vom Tod und Sterben verstehen

4 Wie Kinder trauern: Stadien der Trauer nach Bowlby

5 Wie Kinder trauern und wie wir ihnen dabei helfen können

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Meister Hora lächelte (…) "Wenn die Menschen wüssten, was der Tod ist, dann hätten sie keine Angst mehr vor ihm. Und wenn sie keine Angst mehr vor ihm hätten, dann könnte niemand ihnen mehr die Lebenszeit stehlen."

"Dann braucht man es ihnen doch bloß zu sagen", schlug Momo vor.

(…) "Ich sage es ihnen mit jeder Stunde, die ich ihnen zuteile. Aber ich fürchte, sie wollen es gar nicht hören. Sie wollen lieber denen glauben, die ihnen Angst machen. (…) " (Momo, Ende, M., 1973, S. 177)

Tod und das Sterben machen Angst. Vieles Unbekannte macht den Menschen Angst. Menschen benötigen ein Wissen über das was sie erwartet, um sich sicher fühlen zu können. Es gibt viele Möglichkeiten, den Tod zu erklären, (Sichtweisen auf das Phänomen Tod) zum Beispiel theologische, philosophische, biologische und medizinische. Doch welchen soll man glauben? Niemand weiß, tatsächlich was nach dem Tod passiert. Und doch ist eines sicher, Sterben müssen wir alle!

Kommen dann noch die überwältigenden Gefühle einer gerade erlebten Trauer hinzu, so glaubt man, es gäbe nichts, was einen halten könnte. Und wenn die Erwachsenen schon Angst haben, wie sollen diese dann mit ihren Kindern frei und offen über diese Themen sprechen können? Wie sollten sie diese davon überzeugen können, keine Angst zu haben brauchen, wenn sie doch selbst Angst in sich spüren?

Dabei ist so wichtig mit Kindern über (ihre Erfahrungen von) Trauer, Tod und Sterben zu sprechen. Es ist so wichtig diese Themen nicht zu tabuisieren. Denn eine bewältigte Trauer kann auch Kräfte frei setzen, sie kann zu einem neuen Selbstbewusstsein führen und dazu beitragen jede einzelne Stunde der eigenen „Lebenszeit“ bewusster und aktiver zu leben und zu erleben. Hierbei ist es egal, ob es um das eigene Sterben oder den Tod eines geliebten Menschen geht.

Voraussetzung um also mit Kindern über Trauer, Sterben und Tod sprechen zu können, ist, sich selbst mit diesen Themen auseinanderzusetzen, sich selbst ein Bild zu machen, einen Standpunkt zu gewinnen, sich den eigenen Gefühlen bewusst zu werden und diese Themen für sich selbst zu enttabuisieren. So sagt auch Bowlby in seinem Buch Verlust, dass ungeachtet der möglichen Fähigkeit von Kindern, häufig die Erwachsenen in der Umgebung des Kindes selbst nicht fähig seinen, den Schmerz der Trauer zu ertragen.

Tod, Sterben und Trauer machen Angst. Bewältigte Trauer kann aber auch Quelle neuer Kraft sein, wenn man den Tod eines geliebten Menschen und die Trauer darüber erst einmal verarbeitet, und schließlich auch die eigene Sterblichkeit akzeptiert hat. Sie kann Kraft geben für das eigene Leben und auch für das eigene Sterben, welches auf jeden von uns definitiv zukommt.

Um also zu einem glücklichen Menschen heranzuwachsen, ist es wichtig den Tod zu verstehen, gut durch die Phasen des Trauerns hindurchzugehen und erfolgreich weiterzuleben. (vgl. Kroen, 1998)

Kinder werden uns immer wieder überraschen, denn sie trauern anders als Erwachsene. Aber wie Erwachsene, zeigen auch sie eine Unmenge an Gefühlen wenn sie trauern. Was uns Erwachsene jedoch immer wieder irritieren wird, ist dass sie oftmals scheinbar unangemessen reagieren. Kinder sind interessiert und neugierig, sie stellen Fragen, mit denen so manch Erwachsener überfordert ist.

In dieser Arbeit möchte ich über die Themen Sterben, Tod und Trauer im Leben von Kindern sprechen und auch darüber aufklären, was Kinder in welchem Alter über Tod und Sterben verstehen können und wie wir ihnen helfen können mit ihrer eigenen Trauer umzugehen.

Auch wenn auf den folgenden Seiten meist die männliche Schreibweise benutzt wird, so bezieht diese die weibliche stets mit ein.

2 Sterben, Tod und Trauer – Trauerarbeit, Trauersitten

Das Wort Trauern stammt von dem altenglischen Begriff „drusian“ ab und bedeutet so viel wie sinken, matt und kraftlos werden. Trauern bedeutet also ein niedergedrückt werden von der schweren Last des Traurigseins. Der Kern eines gesunden und natürlichen Trauerns ist die Fähigkeit mit dieser Last umzugehen, sie zu tragen, nach und nach leichter zu machen und schließlich ganz abzulegen. (vgl. Kroen, W. C., 1998)

In unserer Gesellschaft steht oft immer noch eine Erziehung zur Selbstbeherrschung und zum „Haltung bewahren“ dem Trauern im Wege. Um eine Trauer zu bewältigen ist es jedoch notwendig, dass die damit zusammenhängenden Gefühle zugelassen werden.

Kleine Kinder haben dann zusätzlich noch das Problem, dass sie aufgrund ihrer Unfähigkeit zu verbalisieren und der noch mangelnden kognitiven Einsicht in die Gegebenheiten des Lebens gehemmt werden. Kinder sind abhängig von Erwachsenen, dass Ich ist noch nicht stark genug, um einen Verlust hinnehmen zu können. Daher benötigen Kinder die Unterstützung durch Erwachsene, damit ihre Trauerarbeit gelingen kann und sie irgendwann wieder ohne ihre Trauer und ohne den Verlust zu verleugnen, fröhlich sein können. (vgl. Leist M., 1993)

Man nennt den Prozess des Trauerns nicht umsonst Trauerarbeit. Es ist ein hartes Stück Arbeit diesen Weg selbst zu gehen, oder auch den Weg eines Trauernden mit zu begleiten.

„Trauerarbeit ist eine außerordentlich anspruchsvolle Arbeit. Sie verbraucht eine Menge Energie und lässt uns wenig übrig für andere Aufgaben unseres Alltagslebens.“ (Jewett Jarratt C., 2006, S. 100)

Gesund zu trauern, bedeutet in Ahnlehnung an eine Definition von Anna Freud, den erfolgreichen Versuch, zu akzeptieren, dass in der äußeren Welt eine Veränderung eingetreten ist, als auch zu akzeptieren, dass in der inneren Vorstellungswelt entsprechende Veränderungen vorgenommen werden müssen, dass das Bindungsverhalten entsprechend umorganisiert und vielleicht eine Neuorientierung stattfinden muss. (vgl. Bowlby J., 2006)

Trauerarbeit hat zum Ziel, den erlittenen Verlust als Teil der eigenen Lebensgeschichte zu akzeptieren und zu integrieren. Dazu gehören Gefühle wie Verlassenheit, Isolierung und Verzweiflung, die nicht überspielt werden sollten, sondern durch den Versuch die Gefühle zu verstehen, sollte der Genesungsprozess des trauernden Kindes unterstützt werden. (Jewett Jarratt C., 2006)

„Damit die Trauer einen günstigen Ausgang nimmt, scheint es notwendig, dass der trauernde Mensch diese emotionalen Schläge aushält. Nur wenn er den Gram, das mehr oder weniger bewusste Suchen und das scheinbar endlose Prüfen, wie und warum der Verlust geschah, sowie die Wut auf jeden, der dafür verantwortlich sein könnte, einschließlich des Toten, ertragen kann, kann er allmählich dahin gelangen, zu erkennen und zu akzeptieren, dass der Verlust tatsächlich von Dauer ist und dass sein Leben neu eingerichtet werden muss. Nur in dieser Weise scheint es ihm möglich zu sein, voll zur Kenntnis zu nehmen, dass seine alten Verhaltensmuster redundant geworden sind und darum abgebaut werden müssen.“ (Bowlby J., 2006, S. 93)

„Die Trauer hört nie auf; mit der Zeit bricht sie nur seltener aus.“ (Bowlby J., 2006, S.101)

3 Was Kinder vom Tod und Sterben verstehen

Säuglinge bis zu einem Alter von zehn Monaten

Der Tod der Mutter als Hauptverbindung zur Außenwelt, wird vermutlich als Abwesenheit, als Abbruch dieser Verbindung empfunden, welche gravierende Veränderungen mit sich bringt. Neue Stimmen, Gesichter, Verhaltensweisen und Routinen verwirren das Kind.

Der Tod anderer Familienmitglieder wird wahrscheinlich nicht so gravierend empfunden. Das Kind wird aber durchaus die Trauer der engsten Kontaktpersonen spüren und darauf reagieren. Veränderte Routinen können eine Rolle bei Irritationen des Kindes spielen. (vgl. Kroen, 1998)

Zwischen zehn Monaten und zwei Jahren

Kinder erkennen in diesem Alter Erwachsene in ihrem Leben und können Kontakt mit ihnen aufnehmen. Sie können deren Stimmungen und Gefühle wahrnehmen, Gedächtnis, Sprache und Sozialisation entwickeln sich. Kinder brauchen in dieser Zeit vertraute Stimmen und Worte. Sie werden unabhängiger und beginnen sich als Individuum wahrzunehmen. Der Tod der Mutter ist in diesem Alter der schwerwiegende Verlust der Person, mit der sie am meisten verbunden sind. Der Begriff Tod wird noch nicht verstanden. (vgl. Kroen, 1998)

Zwei- bis Fünfjährige

Kinder sind in diesem Alter egozentrisch, neugierig und nehmen alles sehr wörtlich. Kinder sehen in dieser Zeit den Tod als einen zeitlich begrenzten Zustand an, halten ihn oft für eine Form von Schlaf. (vgl. Kroen, 1998)

[...]

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Details

Titel
Wie trauern Kinder und wie kann man ihnen dabei helfen? Zu Trauerarbeit und Trauersitten
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Veranstaltung
Interventionskonzepte mit Einzelnen, Familien und Gruppen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V313912
ISBN (eBook)
9783668132009
ISBN (Buch)
9783668132016
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauerphasen, Trauer, Tod
Arbeit zitieren
Miriam Otto (Autor), 2010, Wie trauern Kinder und wie kann man ihnen dabei helfen? Zu Trauerarbeit und Trauersitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313912

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