Diese Arbeit befasst sich mit dem Wissen über Hochsensibilität und setzt es in Bezug zur sozialpädagogischen Arbeit. Es wird das Konstrukt der Hochsensibilität erklärt und anhand von Beispielen aufgezeigt, wie das Wissen darüber, in der sozialpädagogischen Arbeit hilfreich sein kann. Ziel ist die Sensibilisierung von sozialpädagogischen Fachkräften bezüglich dieses Wesenszugs, um einen adäquaten Umgang mit hochsensiblen Menschen zu ermöglichen. Dies schließt bestimmte sozialpädagogische Haltungen und Kompetenzen mit ein, sowie das Achten auf ein ausgewogenes Reizniveau.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie zum Thema Hochsensibilität - Entstehung des Begriffs
2.1. Ivan Pawlow (1849 – 1936)
2.2. Carl Gustav Jung (1875 – 1961)
2.3. Alice Miller (1923 – 2010)
2.4. Jerome Kagan (1929 – heute)
2.5. Max Wolf
2.6. Elaine Aron (1945 – heute)
2.7. Arthur Aron (1945 – heute)
2.8. Gemeinsame Erkenntnisse der Grundlagenforschung
3. Das Konstrukt – Hochsensibilität
3.1. Begriffserklärung Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität
3.2. Abgrenzung zu ADS / ADHS
3.3. Abgrenzung zu Autismus und Asperger
3.4. Wesentliche Aspekte der Hochsensibilität
3.5. Empathie und Intuition
3.6. Indikatoren zur Feststellung von Hochsensibilität
3.7. Selbsterkenntnis
4. Sozialpädagogische Relevanz
4.1. Sozialpädagogische Kompetenzen
4.2. Hochsensibilität und Schule
4.3. Kognition vs. Emotion
4.4. Alltagssituationen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ein tieferes Verständnis für das Konstrukt der Hochsensibilität zu schaffen und deren Relevanz für die sozialpädagogische Praxis zu beleuchten. Dabei wird explizit untersucht, wie Fachkräfte ihr Wissen über diesen Wesenszug nutzen können, um hochsensible Menschen adäquat in ihrer Entwicklung zu unterstützen und gesellschaftliche Inklusion zu fördern, wobei eine bewusste Gestaltung des Reizniveaus im Zentrum steht.
- Grundlagenforschung und wissenschaftliche Herleitung des Begriffs Hochsensibilität
- Abgrenzung von Hochsensibilität zu klinischen Diagnosen wie ADS/ADHS und Autismus
- Analyse zentraler Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen hochsensibler Menschen
- Sozialpädagogische Kompetenzen im Umgang mit hochsensiblen Klienten und Klientinnen
- Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten im schulischen Kontext und Alltag
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriffserklärung Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität
Unter dem Begriff Hochsensibilität oder Hochsensitivität (‚High Sensory Processing Sensitivity‘) wird ein angeborenes Wesensmerkmal in der Sinnesverarbeitung verstanden. Das betrifft einerseits die Feinheiten Wahrnehmung von Reizen unterschiedlichster Art, Qualität, Intensität und andererseits das Potenzial von Überwältigung zu starker Reize (vgl. Aron 2014b, S. 20).
Anzumerken ist, dass sich bei der Übersetzung ins Deutsche fälschlicherweise der Begriff Hochsensibilität eingebürgert hat, anstatt Hochsensitivität. Da jedoch Sensitivität weit mehr beinhaltet, als lediglich empfindsam und sensibel zu sein entspricht das so nicht dem theoretischen Konzept von Arons High Sensory Processing Sensitivity. In den meisten Publikationen sowie in dieser Arbeit werden beide Begriffe akzeptiert und verwendet, jedoch stets im Sinne des Begriffs Hochsensitivität (vgl. Trappmann-Korr 2012, S. 27).
Wenn Sie also von Hochsensibilität hören, dann ist dies in den meisten Fällen identisch mit der hier beschriebenen Hochsensitivität. Sensitivität leitet sich von dem lateinischen Begriff sentire ab, und dies bedeutet so viel wie ‚empfinden‘ oder ‚fühlen‘. Hier wird deutlich, dass Sensitivität über den Begriff der Sensibilität hinausgeht, denn aus wahrnehmungspsychologischer Sicht wird die Komponente der Gefühle mit einbezogen. Sensibel zu sein, heißt nämlich nicht automatisch auch ‚sensibel‘ wahrzunehmen. Sensitive Wahrnehmung lässt sich nicht immer rein rational über die klassischen Sinneswege erklären, denn Phänomene wie feinstoffliche Wahrnehmung oder Empfindung, Intuition, Empathie, die ‚Gabe des Gesichts‘ und Psi Fähigkeiten sind ein wesentlicher Bestandteil der Hochsensitivität. Es besteht also ein großer Unterschied zwischen sensibel und sensitiv, und streng genommen ist ein hochsensitiver Mensch (HSM) zwar immer sensibel, aber ein hochsensibler Mensch nicht immer auch hochsensitiv! (Ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, einen Einblick in das Thema Hochsensibilität im sozialpädagogischen Kontext zu geben und Wege zur Inklusion aufzuzeigen.
2. Theorie zum Thema Hochsensibilität - Entstehung des Begriffs: Das Kapitel verfolgt chronologisch die wissenschaftlichen Wurzeln der Hochsensibilität von frühen Forschern wie Pawlow und Jung bis hin zu modernen Ansätzen von Elaine und Arthur Aron.
3. Das Konstrukt – Hochsensibilität: Hier werden die wesentlichen Merkmale der Hochsensibilität detailliert beschrieben und von klinischen Phänomenen wie ADS, ADHS und Autismus abgegrenzt.
4. Sozialpädagogische Relevanz: Dieses Kapitel erörtert die konkrete Anwendung des Wissens über Hochsensibilität in der Praxis, insbesondere in der Beratung, in der Schule und bei der Bewältigung von Alltagssituationen.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass Hochsensibilität ein wichtiges, aber in der Fachwelt noch unterrepräsentiertes Thema ist, dessen Berücksichtigung in der Sozialpädagogik essentiell für die Lebensqualität der Betroffenen ist.
Schlüsselwörter
Hochsensibilität, Hochsensitivität, Sozialpädagogik, Wahrnehmung, Sinnesverarbeitung, Reizüberflutung, Inklusion, ADHS-Abgrenzung, emotionale Intelligenz, Stressprävention, Persönlichkeitsentwicklung, Beratung, soziale Kompetenz, Empathie, Intuition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Fundierung und der praktischen Bedeutung von Hochsensibilität, speziell für den sozialpädagogischen Bereich und den Umgang mit hochsensiblen Kindern und Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Herleitung, der psychologischen Abgrenzung zu anderen Diagnosen, der Analyse der Symptomatik und den konkreten Anforderungen an die sozialpädagogische Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Sensibilisierung von Fachkräften, um einen adäquaten Umgang mit hochsensiblen Menschen zu ermöglichen, mit der zentralen Frage, wie dieses Wissen zur Erfüllung sozialpädagogischer Aufgaben beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychologischer und pädagogischer Erkenntnisse sowie auf der Zusammenführung populärwissenschaftlicher und universitärer Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Entstehungsgeschichte des Begriffs, definiert das Konstrukt der Hochsensibilität, grenzt es von ADS/ADHS und Autismus ab und gibt konkrete Hinweise für das pädagogische Handeln in Schule und Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hochsensibilität, Reizverarbeitung, Inklusion, sozialpädagogische Kompetenzen, emotionale Empfänglichkeit und Stressbewältigung.
Wie unterscheidet sich Hochsensibilität von einer ADHS-Diagnose?
Während ADHS oft durch allgemeine Verhaltensauffälligkeiten in allen Situationen gekennzeichnet ist, zeigen sich die Besonderheiten hochsensibler Kinder oft nur unter Überstimulation, während sie ansonsten über eine hohe Konzentrationsfähigkeit verfügen.
Welche Rolle spielt die Intuition bei hochsensiblen Menschen?
Die Intuition ist eng mit der feinen Sinneswahrnehmung verbunden; hochsensible Menschen verarbeiten Informationen unbewusst und tiefgründig, was ihnen oft ein schnelles Erfassen komplexer sozialer Situationen ermöglicht.
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- Helmut Riedrich (Author), 2016, Der Umgang mit hochsensiblen Menschen in der sozialpädagogischen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313921