Bettet man das Selfie in den Zusammenhang der digitalen Welt ein, gehört es unmittelbar in das Feld der sozialen Netzwerke. Dort dienen Selfies als Material für das eigene Profil und die Darstellung des Selbst. Die Schnelligkeit und Frequenz mit der Selfies benutzt werden, zeigen auf, dass hier ein gesellschaftliches Phänomen entsteht und bereits jetzt Teil digitaler Kultur ist.
Wie genau das Selfie als besondere Form der Fotografie das menschliche Bewusstsein beeinflusst, ist Ziel dieser Arbeit. Es geht darum, Rückschlüsse auf Kultur und gesellschaftliches Verhalten im digitalen sowie realen Raum ziehen zu können. Ist das Selfie Teil des aktuellen Zeitgeistes und damit dieser Kultur? Welche kulturellen und sozialen Mechanismen werden durch das Selfie in Gang gesetzt und wie sieht dessen Entwicklung und Prognose aus. Wer ist an diesem Strom beteiligt und welche Konsequenzen hat er?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorien der Fotografie – ein Medium und seine bewusstseinsverändernde Kraft
3 Analoge und digitale Fotografie – die Demokratisierung des Fotos
4 Die Selbstrepräsentation in der Fotografie – damals bis heute
4.1 Von Stabilität zu Veränderung – Selfies sollen unsere Wandlungsfähigkeit zeigen
4.2 Die Selbstrepräsentation im digitalen Zeitalter – Selfies sind für Andere gemacht
4.3 Selbst- und Fremdbestimmung durch das Selfie
5 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Selfie als ein kulturwissenschaftliches Phänomen und analysiert, wie diese spezifische Form der Fotografie das menschliche Bewusstsein sowie die Selbstdarstellung im digitalen Zeitalter beeinflusst.
- Historische Entwicklung der Fotografie und ihre medientheoretischen Grundlagen
- Der Wandel von analoger zu digitaler Bildkultur
- Identitätskonstruktion und Selbstrepräsentation durch das Medium Selfie
- Gesellschaftliche Auswirkungen wie Narzissmus und das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit
- Das Selfie als Instrument der Emanzipation und die Verschiebung von Nacktheit und Öffentlichkeit
Auszug aus dem Buch
Die Selbstrepräsentation im digitalen Zeitalter – Selfies sind für Andere gemacht
Mit dem Computer hat sich auch unsere Wahrnehmung des Realen verschoben. Der Desktop ist so real wie ein richtiger Schreibtisch und alle Dokumente, die darauf zu sehen sind, scheinen ebenso real. Sherry Turkle formuliert diesen Eindruck folgerndermaßen: „In der Kultur der Simulation gilt, daß etwas real ist, wenn es funktioniert.“46
Die Antwort auf die Frage, woher die Anstrengung zur Selbstpräsentation rührt, muss im aktuellen Zeitgeist gesucht werden. Franck stellt die Gier nach Aufmerksamkeit, die im digitalen Zeitalter ins unermessliche gestiegen ist, heraus.47 Der Grund für diesen Anstieg liegt im massiven Angebot von sozialen Medien, die vielfache Plattformen zur Selbstdarstellung anbieten. Verfolgt man das Konzept der Aufmerksamkeitsbefriedigung, lässt sich daraus schlussfolgern, dass mehr preisgegebene persönliche Informationen eine höhere Aufmerksamkeit durch andere fördern.48 Ergänzend dazu ist festzustellen, dass beispielsweise private Nachrichten bewusst im öffentlichen Raum ausgetragen werden, das heißt also unter gewollter Beobachtung aller anderen Kontakte.49 Hans-Jürgen Arlt ist Professor an der Berliner Universität der Künste und schreibt auf seinem Blog ‚Carta‘, dass der Unterschied der digitalen Selbstpräsentation gegenüber der realen Darbietung, der auch mit für den Erfolg des Selfies verantwortlich ist, die Distanz ist. In der digitalen Welt gibt es keine Einwände oder Nachfragen, die die Selbstdarstellung beeinflussen könnten.50
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Selfies als gesellschaftliches Phänomen und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses auf das menschliche Bewusstsein.
2 Theorien der Fotografie – ein Medium und seine bewusstseinsverändernde Kraft: Das Kapitel beleuchtet theoretische Ansätze zur Fotografie, insbesondere von Susan Sontag und Roland Barthes, um das Verständnis von Bild und Realität zu fundieren.
3 Analoge und digitale Fotografie – die Demokratisierung des Fotos: Hier wird der technische Wandel von der Camera Obscura zur digitalen Bildgenerierung sowie die damit einhergehende Entstehung diskreter, mobiler Bilddaten untersucht.
4 Die Selbstrepräsentation in der Fotografie – damals bis heute: Dieser Abschnitt analysiert den historischen Kontext der Selbstinszenierung und die moderne Praxis des Selfies als Ausdruck von Identität und Wandelbarkeit.
4.1 Von Stabilität zu Veränderung – Selfies sollen unsere Wandlungsfähigkeit zeigen: Die Untersuchung des Wandels von festen Identitätsstrukturen hin zu einer postmodernen Pluralität wird hier anhand der Inszenierung des Selbst analysiert.
4.2 Die Selbstrepräsentation im digitalen Zeitalter – Selfies sind für Andere gemacht: Dieses Kapitel thematisiert die psychologischen und sozialen Motive hinter der digitalen Selbstdarstellung und die Rolle sozialer Medien.
4.3 Selbst- und Fremdbestimmung durch das Selfie: Abschließend wird das Selfie als Werkzeug der Emanzipation sowie sein Bezug zur Sexualmoral und zum Thema der Nacktheit in der Öffentlichkeit diskutiert.
5 Conclusio: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass Selfies eine symbolische Nachricht transportieren, die aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Selfie, Fotografie, Selbstrepräsentation, Digitale Kultur, Identität, Soziale Medien, Aufmerksamkeitsökonomie, Postmoderne, Roland Barthes, Medientheorie, Inszenierung, Individualisierung, Emanzipation, Nacktheit, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Selfie als ein zentrales, kulturelles Phänomen des digitalen Zeitalters und seine Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Menschen sich selbst darstellen und wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Medientheorie der Fotografie, die Transformation der Identitätskonstruktion, der Einfluss sozialer Netzwerke auf die Selbstdarstellung und der gesellschaftliche Wandel hinsichtlich öffentlicher Nacktheit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Selfie als symbolisches Ausdrucksmittel des aktuellen Zeitgeistes zu entschlüsseln und Rückschlüsse auf kulturelle sowie soziale Mechanismen in der digitalen Welt zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine kulturwissenschaftliche Analyse, wobei Theorien zur Fotografie (insbesondere von Roland Barthes und Susan Sontag) mit aktuellen Phänomenen der digitalen Kommunikation verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Genese der Selbstinszenierung, die psychologischen Aspekte der digitalen Selbstdarstellung sowie das Spannungsfeld zwischen Privatheit und öffentlicher Präsentation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Selfie, Identitätskonstruktion, digitale Kultur, Aufmerksamkeitsökonomie und die medientheoretische Rhetorik des Bildes.
Inwiefern beeinflusst das Internet die Art und Weise unserer Selbstdarstellung?
Das Internet bietet durch soziale Netzwerke eine permanente Bühne, auf der Nutzer ihr Online-Ich steuern können, wobei die räumliche Distanz und die fehlenden direkten Nachfragen in der digitalen Welt die Selbstdarstellung enthemmen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich sexualisierter Selfies?
Die Autorin stellt fest, dass das sexualisierte Selfie trotz Ähnlichkeiten zur Pornografie gesellschaftlich weniger negativ konnotiert ist und oft als ein Akt der persönlichen Deutungshoheit über das eigene Bild wahrgenommen wird.
- Arbeit zitieren
- Nathalie Isaak (Autor:in), 2015, Die Fotografie des eigenen Selbst. Das Selfie im Spannungsfeld von Selbstdarstellung, Identität und Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313933