Kontextuelles Cueing beschreibt die Aufmerksamkeitslenkung mit Hilfe des Kontextes der präsentierten Stimuli. Angenommen wird ein impliziter und inzidenteller Lernprozess, der die Position des Zielreizes inmitten von distraktorischen Reizen bei wiederholter Darbietung derselben visuellen Konfiguration ermöglicht. Dieses Lernen erfolgt mit Hilfe der globalen Umgebung des Zielreizes. Demnach ist die Anzahl der Distraktoren maßgebend für den globalen Inhalt und dies beeinflusst die Aufmerksamkeitslenkung.
Das vorliegende Experiment zeigt, dass eine erhöhte Anzahl an ablenkenden Reizen eine Erhöhung der Reaktionszeiten zur Folge hat. Ferner zeigte sich, dass Reaktionszeiten mit wiederholter Präsentation der Displays abnehmen. Eine Ursache dafür wäre der Lerneffekt, was den kontextuellen Cueing-Effekt bestätigen würde. Die Studie zeigte keinen Effekt auf das Intercept (Schnittpunkt der Funktionsgeraden mit der Y-Achse/Ordinate) oder die Steigung der Regressionsgerade der Kategorien „alte“ versus „neue“ Displays, was darauf schließen lässt, dass keine anderen Faktoren als die Aufmerksamkeitslenkung beim kontextuellen Cueing eine Rolle spielen. Eine Wiedererkennungsaufgabe am Ende des Experiments bestätigte, dass die Displays implizit gelernt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 METHODIK
2.1 Versuchspersonen
2.2 Design und experimentelle Durchführung
2.3 Analysemethoden
2.3.1 Reaktionszeiten
2.3.2 Intercept und Slope
2.3.3 Wiedererkennungsaufgabe
3 ERGEBNISSE
3.1 Reaktionszeiten
3.2 ANOVA 1: Analyse der Steigung
3.3 ANOVA 2: Analyse des „Intercept“
3.4 Analyse der Wiedererkennungsaufgabe
4 DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Replikation bisheriger Erkenntnisse zum „kontextuellen Cueing“-Paradigma und die Untersuchung der Frage, inwieweit neben der Aufmerksamkeitssteuerung auch andere Faktoren, wie Lerneffekte oder die räumliche Konfiguration der Stimuli, einen Einfluss auf die Sucheffizienz haben.
- Analyse der automatisierten vs. kontrollierten Aufmerksamkeitslenkung
- Untersuchung des Einflusses von Lerneffekten auf die Reaktionszeiten
- Überprüfung von Intercept- und Slope-Effekten bei variierenden Setsizes
- Differenzierung zwischen implizitem und explizitem Lerncharakter der Displays
- Evaluation des Einflusses von Wahrnehmungsprozessen auf das kontextuelle Cueing
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
In der Psychologie zählt die kognitionspsychologische Forschung zu den am häufigsten untersuchten Gebieten. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Theorien aufgestellt, diese erweitert oder auch abgelehnt. Laut Pollmann (2008), bildeten u.a. Theorien, wie die Filtertheorie zur selektiven Aufmerksamkeit von Broadbent (1958) und die Theorie zur späten Selektion von Deutsch und Deutsch (1963) den Grundstein für weiterführende Forschung. Eine Erkenntnis war es, dass je nach Aufmerksamkeitsanforderung entweder selektiv voreingestellt oder zwischen wahrgenommenen Reizen gefiltert wird; abhängig von der Anzahl der präsentierten Reize (Pollmann, 2008, S. 96-98). Für diese selektive Fokussierung ist es notwendig, die Aufmerksamkeit zu steuern, um ein Ziel zu realisieren (Stangl, 2013). Laut Pollmann (2008) existieren verschiedene Paradigmen zur Aufmerksamkeitssteuerung. Dazu zählen u.a. die Merkmalsintergrationstheorie von Treisman und Galade (1980), das Modell des guided search von Wolfe und Kollegen (1989) und die Attentional Engagement Theory vom Humphrey und Duncans (1992). Letztere stellten in ihrer Studie fest, dass die Sucheffizienz mit abnehmender Ähnlichkeit zwischen Zielreiz und Ablenker ansteigt (Duncan & Humphreys, 1989).
Die hier beschriebene Studie hat die automatisierte (implizite) vs. kontrollierte (explizite) Aufmerksamkeitslenkung zum Thema, wobei sich in dieser Studie Zielreiz und Distraktor besonders ähnlich sind, was nach Duncan und Humphrey bedeutet, dass die Suche nicht besonders effizient sein sollte. Ähnliche Experimente zur Aufmerksamkeit zeigten trotz dessen einen Anstieg der Sucheffizienz - und zwar nach wiederholter Präsentation gleicher visueller Konfigurationen von Zielreizen und ablenkenden Reizen (Chun & Jiang, 1998, 1999, 2003). Wiederkehrende Displays wiesen schon nach wenigen Wiederholungen eine schnellere Reaktionszeit (RT) auf, als Displays mit neuen Konfigurationen. Diese Erkenntnis wurde mit dem kontextuellen Cueing-Paradigma (im Folgenden CC abgekürzt) erklärt. Wie schon der Name des CC andeutet, wird hier auf die inhaltlichen, ortsbezogenen Informationen eines Displays (z.B. globale Umgebung des Zielreizes) Bezug genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die psychologische Forschung zur Aufmerksamkeit ein, erläutert das kontextuelle Cueing-Paradigma (CC) und formuliert die Forschungsfrage bezüglich weiterer Einflussfaktoren auf die Sucheffizienz.
2 METHODIK: Hier werden die Stichprobe, die technischen Instrumente, der Versuchsablauf sowie die verwendeten statistischen Analysemethoden, einschließlich t-Tests und ANOVA, detailliert beschrieben.
3 ERGEBNISSE: Dieses Kapitel präsentiert die statistischen Daten zu den Reaktionszeiten sowie die Ergebnisse der ANOVA-Analysen und der Wiedererkennungsaufgabe.
4 DISKUSSION: Hier werden die Ergebnisse interpretiert, mit der Literatur verglichen, methodische Limitationen aufgezeigt und Ansätze für zukünftige Forschungen abgeleitet.
Schlüsselwörter
Kontextuelles Cueing, Aufmerksamkeitssteuerung, Visuelle Suche, Reaktionszeit, Implizites Lernen, Inzidentelles Lernen, Intercept, Slope, Setsize, Wahrnehmungsprozess, Sucheffizienz, Psychologie, Kognitionspsychologie, Experimentelles Praktikum, Stimuli-Konfiguration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das „kontextuelle Cueing“-Paradigma und die Frage, wie menschliche Aufmerksamkeit und Lernprozesse interagieren, wenn Personen lernen, Zielreize innerhalb visuell wiederkehrender Konfigurationen schneller zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Differenzierung zwischen implizitem und explizitem Lernen, der Zusammenhang zwischen Aufgabenkomplexität (Setsize) und Suchgeschwindigkeit sowie die psychologischen Mechanismen der Aufmerksamkeitssteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die bekannten Effekte des kontextuellen Cueings zu replizieren und empirisch zu prüfen, ob neben der reinen Aufmerksamkeitssteuerung auch andere Faktoren wie Lerneffekte oder räumliche Anordnungen die Sucheffizienz beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein empirisch-experimentelles Design, bei dem 20 Probanden eine visuelle Suchaufgabe bearbeiteten. Die Daten wurden mittels t-Tests und mehrfaktorieller ANOVA mit Messwiederholung ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der detaillierte Versuchsaufbau, die Durchführung der Suchaufgabe, die statistische Aufbereitung der Reaktionszeiten sowie die Ergebnisse der anschließenden Wiedererkennungsaufgabe dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kontextuelles Cueing, Visuelle Suche, Aufmerksamkeitssteuerung, Implizites Lernen und Reaktionszeit definieren.
Wurden die Displays von den Probanden explizit oder implizit gelernt?
Die Studie deutet auf einen impliziten Lernprozess hin, da die Trefferquote bei der Wiedererkennungsaufgabe für 8-Item-Displays keinen signifikanten Effekt zeigte; bei 12-Item-Displays ergab sich jedoch ein Hinweis auf einen möglichen expliziten Lernanteil.
Welchen Einfluss hatte die „Setsize“ auf die Ergebnisse?
Die Anzahl der Items (8 vs. 12) beeinflusste die Reaktionszeiten maßgeblich, wobei größere Setsizes zu einer höheren Komplexität und längeren Wahrnehmungsprozessen führten.
- Arbeit zitieren
- Doreen Singer (Autor:in), 2015, Die implizite Aufmerksamkeitssteuerung des "kontextuellen Cueing"-Paradigma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314075