In dieser Hausarbeit wird Levelts Modell der Sprachproduktion zusammengefasst um daraufhin im Rahmen des Modells Möglichkeiten der Entstehung zweier Versprechertypen auf der Phonemebene (Phonemreiteration und Phonemvertauschung) anhand von konkreten deutschsprachigen Beispielen zu diskutieren. Diese Arbeit bezieht sich auf Levelts Modell von 1992, wo dieses Lücken aufweist wird auf Levelt et al. (1999) Bezug genommen.
Worüber machen wir uns Gedanken wenn wir über Sprachproduktion nachdenken? Über die Mechanismen einer unserer zentralen kognitiven Fähigkeiten. Diese Mechanismen sollen erklären, wie eine kommunikative Intension in eine sprachliche Äußerung überführt wird.
Die Forschung zur Sprachproduktion ist wesentlich weniger umfangreich als die zum Sprachverständnis, was vor allem daran liegt, dass die Sprachproduktion schwerer zu untersuchen ist (Harley 2010: 397). Wie kann der Aufbau des Sprachproduktionssystems untersucht werden? Introspektion taugt dazu nicht, da wir keinen bewussten Zugriff auf die zu untersuchenden Prozesse haben (Levelt 1992: 2).
Doch es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, mit deren Hilfe Erkenntnisse über das Sprachproduktionssystem gewonnen werden können. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden deshalb Abweichungen von flüssiger Sprache untersucht. Dazu gehören Verzögerungen und Versprecher, welche im spontanen Sprachfluss auftreten oder experimentell ausgelöst werden können. Außerdem nehmen Reaktionszeitparadigmen eine wichtige Stellung ein, sowie die Integration von neueren Erkenntnissen aus der Neuropathologie (Levelt 1992: 2f.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Sprachproduktion im seriellen Modell nach Levelt (1992)
2.1. Lexikalische Selektion
2.2. Phonologische Enkodierung
2.3. Monitoring
3. Versprecherentstehung
3.1. Phonemreiteration
3.2.Phonemvertauschung
4. Zusammenfassung/Ausblick/Konklusion/Kritik am Modell
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das serielle Modell der Sprachproduktion nach Willem J. M. Levelt (1992) und analysiert, inwiefern dieses theoretische Konstrukt die Entstehung spezifischer Versprecher auf der Phonemebene erklären kann. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie fehlerhafte Sprachäußerungen innerhalb eines Modells entstehen, das primär auf diskreten, seriellen Verarbeitungsstufen basiert.
- Struktur des seriellen Sprachproduktionsmodells nach Levelt
- Prozesse der lexikalischen Selektion und phonologischen Enkodierung
- Die Rolle des Monitorings bei der Fehlererkennung
- Mechanismen der Phonemreiteration und Phonemvertauschung
- Validität des Modells anhand natürlicher Versprecherdaten
Auszug aus dem Buch
3.1. Phonemreiteration
Zur Kategorisierung von Versprechern können zum Beispiel die betroffene linguistische Einheit und der Fehlermechanismus betrachtet werden (Harley 2010: 400). Bei dem Versprechertyp, dessen Entstehung hier dargelegt werden soll, ist die betroffene Einheit das Phonem. Hinsichtlich diesem findet eine Reiteration statt, was bedeutet, dass ein Phonem durch ein Phonem aus einer vorangegangenen Silbe ersetzt wird.
Das Beispiel, anhand dessen ich die Entstehung der Phonemreiteration erklären werde, ist ein von mir selbst beobachteter Versprecher. Es lautet: „im Topf kopfen“, wobei „im Topf kochen“ intendiert war. Es wurde im Kontext eines Gesprächs über und während des Kochens geäußert. Die Sprecherin erkannte sofort ihren Fehler und machte eine kurze Sprechpause, nahm aber keine Korrektur vor. Im Folgenden werde ich erklären, was dabei im Prozess der phonologischen Enkodierung fehlgeschlagen sein könnte.
Offensichtlich wurde der metrische Rahmen richtig konstruiert. Die Anzahl der Silben, ihre Silbenstruktur sowie die Betonung weichen nicht von der intendierten Aussage ab. Die beiden phonologischen Wörter [ɪmtɔpf]ω und [kɔchn͎]ω (bzw. [kɔpfn͎]ω) wurden richtig eingeteilt. Demnach gibt es zwei Teilschritte der phonologischen Enkodierung in denen der Fehler unterlaufen sein könnte: entweder ist die Zuordnung der Segmente fehlgeschlagen oder es wurde eine falsche Silbenvorlage ausgewählt. Auf diese beiden Möglichkeiten werde ich im Folgenden eingehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel motiviert die Untersuchung der Sprachproduktion und erläutert, warum die Analyse von Versprechern wertvolle Einblicke in die psychologische Realität sprachlicher Prozesse bietet.
2. Sprachproduktion im seriellen Modell nach Levelt (1992): Hier werden die theoretischen Grundlagen des seriellen Modells, insbesondere die lexikalische Selektion, die phonologische Enkodierung sowie die Funktion des Monitorings, detailliert dargelegt.
3. Versprecherentstehung: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Stufen des Levelt-Modells auf konkrete Versprecherbeispiele, um die Mechanismen hinter Phonemreiteration und Phonemvertauschung zu analysieren.
4. Zusammenfassung/Ausblick/Konklusion/Kritik am Modell: Das abschließende Kapitel bewertet die Leistungsfähigkeit des Modells, diskutiert seine Grenzen bei der Erklärung komplexer Phänomene und vergleicht es mit konkurrierenden Forschungsansätzen.
Schlüsselwörter
Sprachproduktion, Levelt-Modell, Psycholinguistik, Versprecher, Lexikalische Selektion, Phonologische Enkodierung, Monitoring, Phonemreiteration, Phonemvertauschung, Mentales Lexikon, Sprachplanung, Artikulation, Kognitive Fähigkeiten, Serielle Modelle, Fehleranalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der psycholinguistischen Untersuchung der Sprachproduktion, speziell basierend auf dem 1992 von Willem J. M. Levelt publizierten seriellen Modell.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Stufen der Wortproduktion, der Rolle der phonologischen Enkodierung und der Frage, wie natürlich auftretende Sprachfehler innerhalb eines strikt seriellen Modells verortet werden können.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Annahmen von Levelt durch die Analyse von Phonemfehlern (Reiteration und Vertauschung) zu prüfen und deren Erklärungskraft zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine theoretische Modellanalyse durchgeführt, bei der empirische Versprecherbeispiele der Autorin mit den postulierten Verarbeitungsschritten des Levelt-Modells abgeglichen werden.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil erläutert die Phasen der lexikalischen Auswahl und phonologischen Strukturierung sowie die mechanistischen Erklärungsversuche für Versprecher durch Fehlzuordnungen oder falsche Silbenvorlagen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Sprachproduktion, Levelt-Modell, Phonemreiteration, Phonemvertauschung und die kognitive Architektur der Sprechplanung.
Was ist das sogenannte "Monitoring" im Kontext von Levelts Modell?
Monitoring beschreibt einen Kontrollprozess, durch den Sprecher ihre Äußerungen nach der Planung, aber vor der tatsächlichen Artikulation überprüfen können, um Fehler wie "Non-Words" zu vermeiden.
Warum ist die Phonemreiteration für das Modell von Levelt besonders aufschlussreich?
Sie dient als Testfall für die Frage, ob der "check off"-Mechanismus bei der Segmentzuordnung im Rahmen der phonologischen Enkodierung korrekt funktioniert oder ob Segmente fälschlicherweise mehrfach verwendet werden.
- Citar trabajo
- Sarah König (Autor), 2015, Sprachproduktion und Versprecherentstehung im seriellen Modell nach Levelt (1992), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314110