Systemexklusion durch Migrationshintergrund? Zur Chancengleichheit im Bildungssystem


Hausarbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Teilsysteme in der funktional differenzierten Gesellschaft ... 3
2.1 Teilsysteme ... 4
2.2 Inklusion und Exklusion ... 5

3. Datenanalyse zu Migrationshintergrund und Bildung ... 6
3.1 Verteilung im schulischen Bereich ... 6
3.1.1 Anteil der Migranten in Deutschland ... 6
3.1.2 Verteilung der Absolventen allgemeinbildender Schulen ... 7
3.1.3 Verspätete Einschulung und Sonderschulen ... 8
3.2 Ausbildung und beruflicher Übergang ... 10
3.3 Bewertung der Datenanalyse ... 11

4. Nur eine Exklusion aus dem Bildungssystem? ... 12
4.1 Ursachen der Exklusion ... 12
4.2 Folgen der Exklusion ... 13
4.3 Nur eine Teilexklusion? ... 15

5. Fazit ... 18

6. Literatur ... 22

1. Einleitung

Der Zugang und die Teilnahme am Bildungssystem ist eine Grundvoraussetzung für die weitere Inklusionsmöglichkeit in andere gesellschaftliche Teilsysteme. Die vielfältige Präsenz dieses Themas in Politik, Medien und in Forschungsarbeiten, zeigt eine Einigkeit über die Notwendigkeit der Teilnahme am Bildungssystem.

Diese Arbeit möchte den Blick auf die Teilhabechancen von Menschen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem in Deutschland richten. Sie soll aufzeigen, ob und in welchem Ausmaß eine Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund vorliegt. Nachdem im zweiten Kapitel auf die funktional differenzierte Gesellschaft mit ihren verschiedenen Teilsystemen eingegangen wird, wird im dritten Kapitel anhand von Datenmaterial die Abschlusschancen für Schüler mit Migrationshintergrund und deren Übergang in das duale Ausbildungssystem analysiert und bewertet werden. In einem vierten Kapitel wird herausgearbeitet, welche Ursachen die unterschiedlichen Teilnahmemöglichkeiten im Bildungssystem haben und welche Folgen damit verbunden sind. In einem abschließenden Fazit werden Lösungsansätze aufgezeigt und aktuelle Diskussionen aufgegriffen.

2. Teilsysteme in der funktional differenzierten Gesellschaft

Luhmann entwickelte die Systemtheorie von der System-Umwelt-Perspektive weiter, zu einem System der selbstreferentiellen Geschlossenheit von Teilsystemen. Sie gilt heute als eine der bedeutsamsten Makrotheorien (vgl. Schimank 2007, 83). Der Grundgedanke der Systemtheorie ist die soziale Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und die Ausdifferenzierung der Teilbereiche in der Gesellschaft. In diesen geschlossenen Systemen wird nach eigener Logik kommuniziert, ohne direkten Bezug zu anderen Teilsystemen zu nehmen. Durch diese Ausdifferenzierung entstehen immer komplexere Formen des gesellschaftlichen Lebens, die für den Einzelnen nicht mehr zu erfassen sind. Soziale Systeme haben die Aufgabe, diese Komplexität zu reduzieren und eine Identitätssicherung zu ermöglichen. Folglich haben die Systeme, bezogen auf ihre Umwelt, immer eine reduzierte Komplexität. Durch die Vereinfachung, also der Strukturbildung, werden viele Möglichkeiten ausgeschlossen. Deshalb kann eine Interaktion mit der Umwelt nicht mehr eins zu eins geschehen (vgl. Schimank 2000, 110-125). Die Kommunikation in den Teilsystemen folgt einer bestimmten Leitorientierung, die durch Codes festgelegt wird.

2.1 Teilsysteme

Teilsysteme grenzen sich von anderen Teilsystemen ab. Sie praktizieren eine spezielle Kommunikation, die letztendlich nur im eigenen Teilsystem verstanden wird. Die entsprechenden Leitwerte innerhalb eines Teilsystems, bezeichnet Luhmann als binäre Codes. Diese sind im Wirtschaftsystem „zahlen“ bzw. „nicht zahlen“, in der Wissenschaft „wahr“ oder „unwahr“ von Erkenntnissen und in der Bildung „gute Zensuren /schlechte Zensuren“. Kommunikationsinputs in andere Teilsysteme finden zwar statt, müssen aber in die teilsystemspezifische Sprache umcodiert werden, um verstanden bzw. verarbeitet werden zu können (vgl. Schimank 2000,133-141). Durch dieses Umcodieren jedes Geschehens in den systemeigenen Code, ist die Kommunikation zwischen den Teilsystemen von ungewolltem Unverständnis geprägt. Ursprüngliche Intentionen oder Bedeutungshintergründe der Kommunikation werden durch die Umcodierung verändert, bzw. verändert wahrgenommen. Das Wirtschaftsystem sieht bei einem Schulneubau den Wertnutzen der Investitionskosten, die Politik die Stärkung ihrer Macht und das Bildungssystem die Verbesserung der Schulleistung. Anhand dieser Codes bestimmen die jeweiligen Teilsysteme ihre Handlungen Jedes Teilsystem sieht seine „Wertesphäre“(Schimank 2000, 127) mit Absolutheitsanspruch, das hat zur Folge, dass jedes gesellschaftliche Ereignis, mit den systemeigenen, durch Codes festgelegten Blickwinkel betrachtet werden. Dabei werden Ereignisse und geplante Maßnahmen zum Teil sehr unterschiedlich, oder sogar gegensätzlich bewertet und dementsprechend in Handlung umgesetzt. Die spezielle Kommunikation mit binären Codes ist notwendig und dient der Aufrechterhaltung der Systemidentität und damit auch der Autopoiesis des Systems. Autopoietisch, oder auch selbstreferentiell, bedeutet, dass Systeme die Selbstherstellung beherrschen (vgl. Schimank 2007,131). Als Folge der Gleichwertigkeit der Systeme existiert kein Leitsystem und damit kein System zur Steuerung. Die Gleichwertigkeit heißt aber auch, dass kein System bei einem Ausfall ein Anderes ersetzen kann (vgl. Luhmann 1990, 97).

Die Untergliederung der modernen funktional differenzierten Gesellschaft erfolgt meist in 12 Teilsysteme. Die folgende Tabelle zeigt nicht nur die unterschiedlichen Teilsysteme, sondern auch die vorhandenen Rollen, in welchen die Akteure in den Teilsystemen agieren. Außerdem werden die dazugehörigen Codes im jeweiligen Teilsystem aufgezeigt, nach denen alle Handlungen innerhalb der Teilsysteme ausgerichtet sind.

Abb. 1 Teilsysteme einer funktional differenzierten Gesellschaft

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht dargestellt.]

(Burzan/Lökenhoff/Schimank/Schöneck 2008, 19+28, Eigene Darstellung)

2.2 Inklusion und Exklusion

Inklusion meint die Teilhabe an Teilsystemen der Gesellschaft, also die Einbindung der Gesellschaftsmitglieder in die Teilsysteme der funktional differenzierten Gesellschaft. In der modernen westlichen Gesellschaft wird der Anspruch vorausgesetzt, dass jedes Gesellschaftsmitglied zumindest die Chance hat, an jedem Teilsystem teilzunehmen, also eine Vollinklusion bzw. Multiinklusion möglich ist. Angesichts dieses „Postulats der Vollinklusion aller Menschen“(Luhmann 1997,630) ergibt es sich, dass die Exklusion von Gesellschaftsgruppen aus Teilsystemen, z.B. dem Bildungssystem, nicht akzeptiert werden kann bzw. zumindest stark begründungsbedürftig ist. Die Teilhabe ist für den Bezug der Leistungen aus den Teilsystemen und damit für die Entwicklung der Lebenschancen des Einzelnen, aber auch als Leistungserbringer für andere Teilsysteme wichtig. Das Bildungssystem soll für den Einzelnen eine beruflich verwertbare Qualifikation ermöglichen, erbringt aber auch eine Leistung für andere Teilsysteme in der das Individuum beruflich tätig wird.

Exklusion bedeutet der Verlust der Teilhabe oder der Teilhabechance, die prinzipiell bereits gewährt wurde oder für alle Gesellschaftsmitglieder möglich ist. Die Inklusion in Teilsysteme hat Auswirkungen auf verschiedenste Lebensbereiche, genauso hat die Exklusion aus einem oder mehreren Teilsystemen maßgebende, meist negative, Auswirkungen auf die Lebenschancen und Lebensführung eines Individuums. Eine Exklusion aus einem Teilsystem, kann eine Folgeexklusion aus anderen Systemen nach sich ziehen und bei weiterer Reduzierung der Aktivität in Teilsystemen bis hin zu einer Vollexklusion führen d.h. die weitgehende Nichtteilnahme an gesellschaftlichen Teilsystemen (vgl. Burzan/ Lökenhoff/ Schimank/ Schöneck, 2008).

Im nächsten Kapitel sollen die Teilhabechancen am Bildungssystem von Menschen mit Migrationshintergrund anhand von erhobenen Daten der statistischen Ämter analysiert werden.

3. Datenanalyse zu Migrationshintergrund und Bildung

3.1 Verteilung im schulischen Bereich

3.1.1 Anteil der Migranten in Deutschland

In Deutschland leben im Jahre 2007 82,3 Millionen Menschen. 19% von Ihnen hatten einen Migrationshintergrund d.h. sie selbst oder ein oder auch beide Elternteile hatten eine andere Staatsangehörigkeit. In Ballungsgebieten ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung oft deutlich höher. Der Anteil von Ausländern an der Gesamtgruppe mit Migrationshintergrund beläuft sich auf 9% der Gesamtbevölkerung (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2009, 12).

In der für das Bildungssystem besonders relevanten Altersgruppe bis zum 25 Lebensjahr, liegt der Anteil an der Gesamtbevölkerung bei 27,3%. So hat fast jeder 3. Teilnehmer am Bildungssystem einen Migrationshintergrund.

Abb. 2

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht dargestellt.]

(Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2009, 12. Eigene Darstellung und Berechnung)

Eine weitere Differenzierung in Altersgruppen, zeigt einen deutlich steigenden Anteil, je jünger die Personengruppe wird. Bei den unter 6-Jährigen beträgt der Anteil 33,6%. Dies bedeutet, dass sich in den nächsten Jahren der Anteil mit Migrationshintergrund in Schule und Ausbildung weiter erhöhen wird.

3.1.2 Verteilung der Absolventen allgemeinbildender Schulen

Ein ungleiches Bild zeichnet eine Analyse der Absolventen von allgemeinbildenden Schulen im Jahre 2008. Deutlich überrepräsentiert ist der Ausländeranteil bei Schülern, die die Schule mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss verlassen. Die Chance, als Ausländer ohne Abschluss von der Schule abzugehen, ist 2,5 mal höher, als bei deutschen Schülern. Mit Hauptschulabschluss ist die Chance noch doppelt so hoch.

Eine ebensogroße Ungleichheit besteht beim Gymnasialabschluss. Ausländische Schüler absolvieren 2,6mal seltener das Gymnasium als deutsche Schüler.

[…]


Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Systemexklusion durch Migrationshintergrund? Zur Chancengleichheit im Bildungssystem
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Soziologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V314130
ISBN (eBook)
9783668131866
ISBN (Buch)
9783668131873
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migrationshintergrund, Bildungssystem, Teilsysteme, Systemtheorie, Luhmann, Exklusion, Inklusion, Differenzierung, Funktionssysteme, empirisch, funktional, differenzierten, Bildung, Teilexklusion, duale, Ausbildung
Arbeit zitieren
Dipl. Soz. Päd. (FH) Gerhard S. Müller (Autor), 2010, Systemexklusion durch Migrationshintergrund? Zur Chancengleichheit im Bildungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314130

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