Buchformen. Gründe für den Übergang von der Rolle zum Codex


Hausarbeit, 2012
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Herkunft, Aufbau und Handhabung der durchschnittlichen antiken Buchrolle

3. Von „Notizbüchern“ zur neuen Buchform

4. Gründe für den Buchformwandel
4.1.Vorteile des Codex gegenüber der Schriftrolle
4.2. Das Christentum als Verbreiter der neuen Buchform

5. Folgen des Buchformwandels

6. Schlussgedanke

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut Reclams Sachlexikon des Buches definiert sich eine Buchform durch das „Trägermaterial und der Art und Weise seiner Weiterverarbeitung“1. Demnach gibt es in der Geschichte des Buches viele verschiedene „unterschiedlich aktualisierte materielle Formen der Textüberlieferung“2. Auch ist es möglich, dass solche Buchformen parallel, ja sogar in Konkurrenz zueinander auftreten. So sind aus der antiken Welt zwei Buchformen überliefert, die ein solches Verhalten aufweisen: Die Schriftrolle und der Codex, wobei allgemein bekannt ist, dass sich der Codex gegen die Rolle großflächig durchsetzen konnte.

Ich möchte nun diesen Vorgang näher beschreiben und auch Gründe und Theorien dafür angeben, warum dieser Wechsel stattfand.

Dabei werde ich zunächst beide Buchformen in ihrer Beschaffenheit, Herkunft und ihrem Gebrauch beschreiben (siehe Punkt 2. und 3.), um sie dann miteinander zu vergleichen.

Als nächstes werden dann beide bezüglich ihrer Vor- und Nachteile gegenübergestellt.

Dass es nicht nur praktische Gründe für den Buchformwandel gab, werde ich in Punkt 4.2. aufzeigen. Ich gehe dabei genauer auf die Rolle des Christentums bezüglich der Buchformgeschichte ein.

Auch dass eine solche Veränderung nicht folgenlos war, stelle ich in Punkt 5. heraus. Ich gehe an dieser Stelle genauer auf die Frage ein, ob durch den Buch- formwandel Werke verloren gingen, die vielleicht ohne diesen Wechsel sich er- halten hätten.

Mein Schlussgedanke geht auf die Frage ein, ob denn die Rolle letztlich ganz verdrängt wurde oder es dennoch Gelegenheiten gibt für die Nutzung dieser Buchform. Auch werfe ich einen sehr kurzen Blick in die Zukunft, um eine Aussage darüber zu treffen, ob nicht auch die Codexform eines Tages von einer Konkurrenzform abgelöst werden könnte.

2. Herkunft, Aufbau und Handhabung der durchschnittlichen antiken Buchrolle

Mit diesem Punkt möchte ich, wie Anfangs schon erwähnt, auf den Aufbau und die Herkunft der Schriftrolle eingehen, um später die beiden Buchformen, Rolle und Codex, zu vergleichen.

Die Buchrolle ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten bekannt3, jedoch ist aufgrund von Quellenmangel keine Aussage darüber möglich, wann sich die Rolle auch in Griechenland und dem Rest der antiken Welt verbreitete4. Zwar sind auch Rollen aus Pergament bekannt, so bestanden aber die durchschnittlichen Schriftrollen in der Regel aus Papyrus5, welches auf dem Markt bereits zu Rollen verarbeitet zu kaufen war6. Diese wurden aus meist zwanzig Einzelblättern gefer- tigt, den sogenannten kollemata7, die in Fabriken aneinander geklebt wurden8. Zur Beschriftung bevorzugte man die recto-Seite des Beschreibmaterials, bei welcher „die Richtung der Fasern horizontal verlief“9, wodurch die Beschriftung leichter wurde. Darauf achtete man auch in den Fabriken, in welchen die Papyrus-bahnen zusammengeklebt wurden.10 Lediglich das erste Blatt, das protokollon, wurde mit entgegengesetzter Faserung angeordnet. Dieses war zum Schutz der Rolle gedacht und wurde nicht, oder nur mit dem Titel beschriftet11. Die so zu-sammengeklebte Papyrusbahn „rollte man nach innen, um so die Schrift vor Schaden zu bewahren“12. Freilich war eine solche gerollte Papyrusbahn aufgrund der geringeren Größe nun auch platzsparender zu lagern.

Theoretisch könnte man auf diese Weise unendlich viele kollemata aneinander befestigen, wodurch die Rolle sehr lang würde, jedoch ist eine „im aufgerollten Zustand allzu dicke Rolle für die Benutzung nicht mehr sehr handlich“13. Daher waren die Rollen selten länger als 10 m14. Betrachtet man eine 6 m lange Papyrusbahn in fest aufgerolltem Zustand, so ergibt sich eine Dicke von 5 bis 6 cm, welche bequem gehalten werden konnte15.

Beim Lesen benötigte man beide Hände: Die Rolle wurde in der rechten Hand gehalten und von der linken Hand geöffnet und wieder aufgerollt, sodass als Re- sultat nach dem Lesen eine „umgekehrt gewickelte Rolle“16 in der linken Hand entsteht17.

Obwohl einige Autoren immer wieder von der Schadensanfälligkeit einer Pa- pyrusrolle schreiben18, so wird durch „Funde bestätigt“19, dass Papyrus „trocken gelagert“20 ein „durchaus haltbares Material“21 bot. Horst Blanck berichtet von dem griechischen Arzt Galenos, der Rollen im Alter von 300 Jahren verwendet haben soll22.

Als nächstes werde ich nun die Buchform Codex bezüglich ihrer Herkunft, ihrem Aufbau und Gebrauch beschreiben.

3. Von „Notizbüchern“ zur neuen Buchform

Die Bezeichnung Codex stammt ursprünglich von lateinisch caudex und bedeu- tet so viel wie Holzstamm oder -klotz23. Davon stammt der Name für die „aus mehren mit Wachs überzogenen Holztäfelchen bestehende Schreibtafel, das No- tizbuch“24. Diese hochrechteckigen Holztäfelchen konnten durch Bohrungen und Riemen zu sogenannten Diptycha, bei zwei Tafeln, oder zu Polyptycha, bei meh- reren, verbunden werden25. Solche wurden hauptsächlich als Ernennungsurkunden verwendet26. Der entscheidende Schritt war nun, dass statt des Holzes Papyrus oder Pergament verwendet wurde.

Die Codexform besteht somit „aus einzelnen Bogen, die gefaltet zu einer Lage ineinandergelegt und zusammengeheftet sind“27. Dafür werden die einzelnen Blät- ter „in der Mitte umgebrochen und werden so zu Doppelblättern“28, welche dann „durch einen Heftfaden verbunden“29 die Lage bilden30. „Es bilden zwei solche ineinandergeschobene Doppelblätter einen Binio, drei Doppelblätter einen Trinio oder Ternio, vier einen Quaternio, fünf einen Quinternio usw.“31 So errechnet sich beispielsweise eine Anzahl von 3x4=12 Seiten bei einem Ternio32. „Mehrere ineinandergeheftete Lagen ergeben dann den mehrlagigen Kodex“33.

An dieser Stelle erkennt man, dass, wie der Papyrusrolle, auch dem Codex in seinem Umfang Grenzen gesetzt sind. So ist lediglich eine Anzahl von höchstens 50 Doppelblättern möglich34. Hierfür gibt es zwei Begründungen: Zum einen nimmt mit zunehmender Blattzahl die Stärke des Codex zu, zum anderen wird das Schriftbild durch die „nach innen stark abnehmende Breite des Kodexblattes“35 sehr beeinträchtigt36. Es wurden die Lagen nämlich in der Regel ineinander geheftet. „Kodizes aus Unien zusammengesetzt, d.h. Doppelblatt wird neben Doppelblatt gelegt, bilden eine Ausnahme“37.

[...]


1 Rautenberg 2003 in: RSL 2003, S.94 s.v. Buchformen.

2 Rautenberg/ Wetzel 2001, S. 8.

3 vgl. Husmann 1968, S. 5; vgl. Mazal 1999, S. 123; vgl. Santifaller 1953, S. 27 und S. 154; vgl. Funke 1999, S. 67.

4 vgl. Blanck 1992, S. 75.

5 vgl. Mazal 1999, S. 100.

6 vgl. Blanck 1992, S. 75.

7 vgl. ebd.

8 vgl. Mumendey 1984, S. 48.

9 Blanck 1992, S. 75.

10 vgl. Mumendey 1984, S. 48.

11 vgl. ebd.; Blanck 1992, S. 76.

12 vgl. Mumendey 1984, S. 48.

13 Blanck 1992, S. 85.

14 vgl. Mumendey 1984, S. 47; vgl. Blanck 1992, S. 85; vgl. Funke 1999, S. 69.

15 vgl. Blanck 1992, S. 85.

16 Mumendey 1984, S. 49.

17 vgl. ebd.; vgl. Chartier Roger/ Cavallo Guglielmo 1999, S. 108; vgl. Funke 1999, S. 69.

18 vgl. Schottenloher 1968, S. 24 und S. 26.

19 Blanck 1992, S. 82.

20 ebd.

21 ebd.

22 vgl. ebd.

23 vgl. Rautenberg 2003 in: RSL 2003, S. 132 s.v. Codex; vgl. Funke 1999, S. 70.

24 Georges 1913 in: DNP 3, S. 1037 s.v. caudex.

25 vgl. Rautenberg 2003 in: RSL 2003, S. 54 s.v. Beschreibstoffe; vgl. DNP 3, S. 686 s.v. Dipthychon von Gizewski; vgl. Funke 1999, S. 70; vgl. Schottenloher, S. 29.

26 vgl. ebd.

27 Funke 1999, S. 70.

28 Santifaller 1953, S. 164.

29 ebd.

30 vgl. ebd.

31 ebd.

32 vgl. ebd.

33 ebd.

34 vgl. ebd.

35 ebd.

36 vgl. ebd.

37 edb.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Buchformen. Gründe für den Übergang von der Rolle zum Codex
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V314233
ISBN (eBook)
9783668128323
ISBN (Buch)
9783668128330
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
buchformen, gründe, übergang, rolle, codex
Arbeit zitieren
Jonas Schreiber (Autor), 2012, Buchformen. Gründe für den Übergang von der Rolle zum Codex, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314233

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