Diese Arbeit beschäftigt sich mit Gründen und Theorien für den Wechsel von der Rolle zum Codex in der Buchgeschichte. Laut Reclams Sachlexikon des Buches definiert sich eine Buchform durch das „Trägermaterial und der Art und Weise seiner Weiterverarbeitung“. Demnach gibt es in der Geschichte des Buches viele verschiedene „unterschiedlich aktualisierte
materielle Formen der Textüberlieferung“. Auch ist es möglich, dass solche Buchformen parallel, ja sogar in Konkurrenz zueinander auftreten. So sind aus der antiken Welt zwei Buchformen überliefert, die ein solches Verhalten aufweisen:
Die Schriftrolle und der Codex, wobei allgemein bekannt ist, dass sich der Codex gegen die Rolle großflächig durchsetzen konnte.
Zuerst werde ich zunächst beide Buchformen in ihrer Beschaffenheit, Herkunft und ihrem Gebrauch beschreiben (siehe Punkt 2. und 3.), um sie dann miteinander zu vergleichen. Als nächstes werden dann beide bezüglich ihrer Vor- und Nachteile gegenübergestellt. Dass es nicht nur praktische Gründe für den Buchformwandel gab, werde ich
in Punkt 4.2. aufzeigen. Ich gehe dabei genauer auf die Rolle des Christentums bezüglich der Buchformgeschichte ein.
Auch dass eine solche Veränderung nicht folgenlos war, stelle ich in Punkt 5. heraus. Ich gehe an dieser Stelle genauer auf die Frage ein, ob durch den Buchformwandel Werke verloren gingen, die vielleicht ohne diesen Wechsel sich erhalten
hätten. Mein Schlussgedanke geht auf die Frage ein, ob denn die Rolle letztlich ganz verdrängt wurde oder es dennoch Gelegenheiten gibt für die Nutzung dieser Buchform. Auch werfe ich einen sehr kurzen Blick in die Zukunft, um eine Aussage darüber zu treffen, ob nicht auch die Codexform eines Tages von einer Konkurrenzform abgelöst werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herkunft, Aufbau und Handhabung der durchschnittlichen antiken Buchrolle
3. Von „Notizbüchern“ zur neuen Buchform
4. Gründe für den Buchformwandel
4.1.Vorteile des Codex gegenüber der Schriftrolle
4.2. Das Christentum als Verbreiter der neuen Buchform
5. Folgen des Buchformwandels
6. Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den historischen Übergang von der antiken Schriftrolle zum Codex als dominierende Buchform. Dabei werden die technischen, praktischen und soziokulturellen Faktoren analysiert, die diesen Wandel begünstigten, sowie die Rolle des frühen Christentums bei der Etablierung des Codex beleuchtet.
- Technische Beschaffenheit und Handhabung der antiken Buchrolle
- Entwicklung des Codex aus antiken Notizbüchern
- Praktische Vorteile des Codex (Speichervolumen, Handhabung, Schutz)
- Bedeutung des Christentums für die Verbreitung der neuen Buchform
- Auswirkungen des Wandels auf die Überlieferung literarischer Werke
Auszug aus dem Buch
3. Von „Notizbüchern“ zur neuen Buchform
Die Bezeichnung Codex stammt ursprünglich von lateinisch caudex und bedeutet so viel wie Holzstamm oder –klotz. Davon stammt der Name für die „aus mehren mit Wachs überzogenen Holztäfelchen bestehende Schreibtafel, das Notizbuch“. Diese hochrechteckigen Holztäfelchen konnten durch Bohrungen und Riemen zu sogenannten Diptycha, bei zwei Tafeln, oder zu Polyptycha, bei mehreren, verbunden werden. Solche wurden hauptsächlich als Ernennungsurkunden verwendet. Der entscheidende Schritt war nun, dass statt des Holzes Papyrus oder Pergament verwendet wurde.
Die Codexform besteht somit „aus einzelnen Bogen, die gefaltet zu einer Lage ineinandergelegt und zusammengeheftet sind“. Dafür werden die einzelnen Blätter „in der Mitte umgebrochen und werden so zu Doppelblättern“, welche dann „durch einen Heftfaden verbunden“ die Lage bilden. „Es bilden zwei solche ineinandergeschobene Doppelblätter einen Binio, drei Doppelblätter einen Trinio oder Ternio, vier einen Quaternio, fünf einen Quinternio usw.“ So errechnet sich beispielsweise eine Anzahl von 3x4=12 Seiten bei einem Ternio. „Mehrere ineinandergeheftete Lagen ergeben dann den mehrlagigen Kodex“.
An dieser Stelle erkennt man, dass, wie der Papyrusrolle, auch dem Codex in seinem Umfang Grenzen gesetzt sind. So ist lediglich eine Anzahl von höchstens 50 Doppelblättern möglich. Hierfür gibt es zwei Begründungen: Zum einen nimmt mit zunehmender Blattzahl die Stärke des Codex zu, zum anderen wird das Schriftbild durch die „nach innen stark abnehmende Breite des Kodexblattes“ sehr beeinträchtigt. Es wurden die Lagen nämlich in der Regel ineinander geheftet. „Kodizes aus Unien zusammengesetzt, d.h. Doppelblatt wird neben Doppelblatt gelegt, bilden eine Ausnahme“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Buchform und skizziert den Wandel von der antiken Schriftrolle zum Codex sowie die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Herkunft, Aufbau und Handhabung der durchschnittlichen antiken Buchrolle: Dieses Kapitel beschreibt die materielle Beschaffenheit, die Fabrikation und die spezifische Handhabung der Papyrusrolle im antiken Alltag.
3. Von „Notizbüchern“ zur neuen Buchform: Es wird die technische Entwicklung des Codex aus vor-antiken Wachstafelsystemen und die Konstruktion der ersten mehrlagigen Kodizes erläutert.
4. Gründe für den Buchformwandel: Hier werden die praktischen Vorteile des Codex wie Speichervolumen und Handhabung sowie der maßgebliche Einfluss des Christentums als Verbreiter dieser neuen Form dargelegt.
4.1.Vorteile des Codex gegenüber der Schriftrolle: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die funktionalen Vorzüge des Codex, insbesondere die verbesserte Schutzfunktion, den schnelleren Zugriff und die ökonomischen Aspekte.
4.2. Das Christentum als Verbreiter der neuen Buchform: Hier wird untersucht, warum das Christentum als junge Religion den Codex bevorzugte und diesen als Identitätsmerkmal nutzte.
5. Folgen des Buchformwandels: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen des Wechsels auf die literarische Überlieferung und widerlegt die These, dass der Wandel direkt für den Verlust antiker Werke verantwortlich war.
6. Schlussgedanke: Der abschließende Teil würdigt den technologischen Wandel als epochal und wirft einen kurzen Blick auf die potenzielle Zukunft heutiger Buchformen.
Schlüsselwörter
Buchform, Schriftrolle, Codex, Papyrus, Pergament, Christentum, Buchgeschichte, Buchformwandel, Überlieferung, Kodex, Buchkultur, Handhabung, Schreibstoff, Literaturverlust, antike Buchrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Wandel von der antiken Schriftrolle hin zum Codex und analysiert die Ursachen sowie die soziokulturellen Hintergründe dieses Übergangs.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die materielle Entwicklung des Buches, die Vor- und Nachteile von Schriftrolle und Codex sowie die Rolle religiöser Bewegungen bei der Adaption neuer Medientechnologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für den Erfolg des Codex zu identifizieren und aufzuzeigen, wie praktische Vorteile und religiöse Einflüsse den Siegeszug gegenüber der Rolle ermöglichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene historische Quellen, Fachlexika und Forschungsliteratur zur Buchgeschichte in der Antike zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Aufbau und Handhabung der Buchrolle, die Evolution des Codex, dessen spezifische Vorteile und die Rolle des Christentums als Verbreiter analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören: Buchform, Schriftrolle, Codex, Papyrus, Pergament, Christentum, Buchgeschichte und Überlieferungsgeschichte.
Welchen Einfluss hatte das Christentum konkret auf die Verbreitung des Codex?
Die Arbeit stellt dar, dass das Christentum den Codex einerseits aus utilitaristischen Gründen (geringere Kosten) und andererseits als Unterscheidungsmerkmal zur nicht-christlichen Welt bevorzugte, was maßgeblich zur Verbreitung beitrug.
Ist der heutige Buchformwandel mit dem antiken Prozess vergleichbar?
Die Arbeit zieht Parallelen zwischen der Erfindung des Buchdrucks und dem Übergang von der Rolle zum Codex und deutet an, dass auch die heutige Buchform langfristig durch neue, innovative Technologien abgelöst werden könnte.
- Citation du texte
- Jonas Schreiber (Auteur), 2012, Buchformen. Gründe für den Übergang von der Rolle zum Codex, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314233