Das Thema dieser Arbeit ist die Behauptung, dass die sexuelle Abweichung der Protagonisten in E.T.A. Hoffmanns romantischer Erzählung "Die Bergwerke zu Falun" und Joseph von Eichendorffs Novelle "Das Schloss Dürande" von der Norm das Resultat einer Sehnsucht nach Ferne und Unerforschtem ist, welche für die Vertreter der romantischen Literatur eine wichtige Rolle spielte. Zur Verifizierung dieser Behauptung werden die romantischen Werke "Die Bergwerke zu Falun" und "Das Schloss Dürande" von Hoffmann und Eichendorff, zwei der bedeutendsten Autoren der Spätromantik, analysiert.
Zu Beginn des Hauptteils wird die Begrifflichkeit der „Paraphilie“ erklärt, um einen Einstieg in das Thema der sexuellen Abweichung von der Norm zu geben. Dieser Begriff wird nachfolgend auf die zwei zu Grunde liegenden Termini „Masochismus“ und „Inzest“ eingegrenzt. Im weiteren Verlauf der Arbeit, wird Bezug auf das Motiv der Ferne in der literarischen Epoche der Romantik genommen, um zu erläutern inwiefern diese sexuellen Devianzen der Protagonisten mit der, in dieser Periode vorherrschenden, Denkweise in Verbindung gebracht werden könnten. Daraufhin werden die beiden Werke unter den obenstehenden Analyse-Aspekten betrachtet, wodurch die zentrale These dieser Arbeit entweder verifiziert oder falsifiziert wird. Am Ende folgt ein Fazit, welches die Argumente des Hauptteils aufgreift, diese noch einmal auflistet und somit ein abschließendes Resümme zu dieser Arbeit liefert.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Begriffsklärung
2.1) Paraphilie
2.2) Masochismus
2.3) Inzest
3.) Die Sehnsucht nach der Ferne als romantisches Motiv
4.) Die Bergwerke zu Falun
4.1) Inhalt
4.2) Masochistische Andeutungen
5.) Das Schloss Dürande
5.1) Inhalt
5.2) inzestuöse Andeutungen
6.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die sexuelle Abweichung von der Norm bei den Protagonisten in E.T.A. Hoffmans „Die Bergwerke zu Falun“ und Joseph von Eichendorffs „Das Schloss Dürande“ als Resultat einer für die Romantik typischen Sehnsucht nach Ferne und Unerforschtem interpretiert werden kann.
- Analyse masochistischer Tendenzen in „Die Bergwerke zu Falun“
- Untersuchung inzestuöser Andeutungen in „Das Schloss Dürande“
- Verbindung psychischer Devianzen mit romantischen Motiven
- Definition zentraler Fachbegriffe: Paraphilie, Masochismus und Inzest
- Deutung der Rolle von Flucht, Unterwerfung und Isolation in der Literatur
Auszug aus dem Buch
4.2) Masochistische Andeutungen
Betrachtet man dieses Werk unter den Aspekten des Masochismus, lässt sich eine klare, chronologische Abfolge einschneidender Erlebnisse des Protagonisten Elis erkennen, die den Verdacht auf eine solche, psychische Erkrankung aufkommen lassen könnte. Diese Chronologie soll im folgenden zunächst aufgezeigt und daraufhin analysiert und gedeutet werden.
Zu Beginn der Erzählung wird der Protagonist Elis Fröbom, ein Seefahrer, damit konfrontiert, dass seine Mutter während seiner langen Abstinenz von zu Hause (er befand sich auf einer Reise nach Göteborg) verstorben ist. Der Tod seiner Mutter und sein daraus resultierendes, schlechtes Gewissen, sich nicht verabschiedet haben zu können, löst in Elis ein großes Problem aus. Er weiß nun nicht mehr, wo er hin soll und es ist ihm „als [gäbe es] keinen Menschen mehr, mit dem [er sich] freuen sollte“. Ein Loslösen von der Mutterperson, dass beim Betroffenen solch starke psychische Probleme hervorruft, wird von Vetter als ein potentieller Indikator für den Beginn masochistischer Neigungen beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, welche die sexuelle Devianz der Protagonisten in den Kontext der romantischen Sehnsucht stellt.
2.) Begriffsklärung: Theoretische Herleitung der Begriffe Paraphilie, Masochismus und Inzest als Grundlage für die literarische Analyse.
3.) Die Sehnsucht nach der Ferne als romantisches Motiv: Erläuterung der Epoche der Romantik und der Bedeutung der Sehnsucht als zentrales Leitmotiv.
4.) Die Bergwerke zu Falun: Inhaltsangabe und Analyse der masochistischen Züge im Verhalten des Protagonisten Elis Fröbom.
5.) Das Schloss Dürande: Zusammenfassung der Novelle und Untersuchung der inzestuösen Dynamik zwischen den Figuren Renald und Gabriele.
6.) Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Analyseergebnisse und Bestätigung der These zur Verbindung von Devianz und romantischer Sehnsucht.
Schlüsselwörter
Romantik, E.T.A. Hoffmann, Joseph von Eichendorff, Masochismus, Inzest, Paraphilie, Sehnsucht, Literaturanalyse, Elis Fröbom, Renald, Gabriele, Psychologie, sexuelle Devianz, Bergkönigin, Isolation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die psychischen Abweichungen der männlichen Protagonisten in ausgewählten Werken der Spätromantik mit dem zeitgenössischen Motiv der Sehnsucht nach dem Unerreichbaren korrelieren.
Welche literarischen Werke stehen im Mittelpunkt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“ und Joseph von Eichendorffs „Das Schloss Dürande“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verifizieren, ob die dargestellten sexuellen Devianzen der Protagonisten als notwendige Konsequenz ihrer romantischen Weltsicht und ihres Strebens in die Ferne verstanden werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, ergänzt durch psychologische Fachbegriffe und Theorien zu Paraphilien, um die Motivationen der Charaktere zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Einbettung in das romantische Motiv der Sehnsucht sowie die detaillierte Analyse der beiden Romane unter Berücksichtigung masochistischer bzw. inzestuöser Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Epochenmerkmalen der Romantik sind Begriffe wie Masochismus, Inzest, Paraphilie und die psychologische Zerrissenheit der Protagonisten entscheidend.
Welche Rolle spielt die „Bergkönigin“ in der Analyse von Hoffmanns Werk?
Die Bergkönigin fungiert als eine für den Masochisten notwendige „Domina“-Figur, die Schmerz und Lust im Protagonisten Elis gleichermaßen provoziert und ihn tiefer in seine psychische Erkrankung treibt.
Inwiefern beeinflusst das „Blut“ die Wahrnehmung von Renald in „Das Schloss Dürande“?
Das Blut der verwundeten Schwester markiert für Renald einen Wendepunkt, an dem er Gabriele nicht mehr nur geschwisterlich, sondern durch die Linse sexueller Reife wahrnimmt, was den Beginn seiner inzestuösen Fantasien einleitet.
- Citation du texte
- Vinzenz Schäfer (Auteur), 2015, Sehnsucht in der romantischen Literatur. Inzestuöse und masochistische Andeutungen in Hoffmans "Die Bergwerke zu Falun" und Eichendorffs "Das Schloss Dürande", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314337