Der thematische Schwerpunkt dieses Referats liegt, wie bereits der Titel anzeigt, auf der westlichen Transformation und Rezeption des Zen-Buddhismus, der zunächst aus dem „Land der aufgehenden Sonne“ zu uns in den Westen kam, später dann auch von koreanischen und vietnamesischen Zen-Meistern einer beträchtlichen Schülerzahl in den USA und vielen Ländern Europas vermittelt wurde.
Obwohl eine nähere Betrachtung der Rezeptionsgeschichte des Buddhismus im Westen seit Schopenhauer sicher ein verlockendes Unterfangen wäre, wird sich dieser Beitrag thematisch auf den Zen-Buddhismus im Westen beschränken. Eine inhaltliche Konzentration auf den postkolonialen Zen-Buddhismus vorwiegend japanischer Provenienz in Nordamerika und Westeuropa bietet sich an, weil der Buddhismus in eben dieser kulturellen, philosophischen und spirituellen Ausgestaltung in der öffentlichen Wahrnehmung bzw. unter interessierten Nicht-Fachleuten – neben dem tibetanischen Buddhismus – am ehesten präsent ist. Dies schlägt sich in teilnehmerstarken Ikebana-Kursen ebenso nieder, wie in Wochenend-Workshops für japanische Kalligraphie oder Teezeremonie, oder auch in auflagenstarken Ratgebern mit Titeln wie: Jacky Sach, Jessica Faust: Zen. Entspannung für Körper und Geist, Kraft und Frieden für die Seele. München 2004.
Die enorme Popularität von mehr oder minder authentischen Zen-Kursen, buddhistisch angehauchten Lebenshilfe-Publikationen, oder auch von kurios anmutenden „Mini-Zengärten für Schreibtisch und Fensterbank“, verdankt sich zu einem nicht geringen Anteil jenen charismatischen und beeindruckenden Persönlichkeiten, welche als Multiplikatoren der Zen-Lehre und –Praxis im Westen aufgetreten sind. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl der „große“ und der „kleine“ Suzuki, sowie Philip Kapleau, Deshimaru Roshi, Thich Nhat Hanh, Seung Sahn und Bernie Glassman. Auch die deutschen „Zen-Pioniere“ Herrigel, Graf Dürckheim und Enomiya-Lassalle finden eine kurze Erwähnung. Dieser Auswahl an „Darumas Boten“ wird ein kurzer Abschnitt in diesem Beitrag gewidmet sein, in welchem sie anhand einiger biographischer Daten vorgestellt werden.
Ein weiterer, gewichtiger Grund für den beachtlichen Erfolg des Zen im Westen liegt im Anspruch besonders des japanischen Zen begründet, den Buddhismus quasi in seiner Reinform erhalten bzw. wiederhergestellt zu haben, befreit von allen mythischen und kulturellen Verzerrungen seit seiner legendären Begründung durch den Buddha Shakyamuni. Dieser von
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist „Zen“?
3. Zen im Westen
3.1 „Warum kam Bodhidharma in den Westen?“ – Stationen der westlichen Rezeption bzw. Inkulturation des japanischen Zen“
3.2 „Darumas Boten“ - Einige bedeutende Vertreter des Zen im Westen
Daisetz Teitaro Suzuki
Shunryu Suzuki
Philip Kapleau
Mokudô Taisen Deshimaru
Thich Nhat Hanh
3.3 Exkurs 1: „Engaged Zen“ bzw. „Engagierter Buddhismus“:
Seung Sahn
Tetsugen Bernard („Bernie“) Glassman
3.4 Exkurs 2: „JewBus“ („Jubus“), „BuJews“, oder „Zen Judaism“
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die westliche Transformation und Rezeption des Zen-Buddhismus, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse der historischen Entwicklungen, der Rolle charismatischer Vermittler und der kritischen Auseinandersetzung mit der Anpassung an westliche Lebenswelten und Bedürfnisse liegt.
- Historische Rezeptionsgeschichte des Zen im Westen
- Bedeutung von Schlüsselpersönlichkeiten als Multiplikatoren
- Kritische Analyse des Begriffs „Engagierter Buddhismus“
- Interaktion zwischen Zen-Praxis und westlichen (religiösen) Identitätskonzepten
- Phänomen der westlichen Zen-Klischees
Auszug aus dem Buch
3.1 „Warum kam Bodhidharma in den Westen?“ – Stationen der westlichen Rezeption bzw. Inkulturation des japanischen Zen“
Nach der zwangsweise erfolgten Öffnung Japans durch die USA und die europäischen Kolonialmächte („Die schwarzen Schiffe des Commodore Perry“), und der in der Folge einsetzenden Meiji-Restauration ab 1868 (benannt nach dem Meiji-Tennō, jap. 明治天皇, Kaiser Matsuhito, 1852-1912), welche jedoch vielmehr eine historisch singuläre Revolution im Land der aufgehenden Sonne darstellte (daher besser: „Meiji-Revolution“), kam der Buddhismus in Japan ganz plötzlich in eine gravierende, geradezu existenzbedrohende Zwangslage:
Japan sah sich von den fremden Mächten in seiner Unabhängigkeit bedroht und suchte nach Auswegen, um einer Besetzung und Aufteilung durch die Kolonialmächte zu entgehen (wie es etwa zeitgleich China, dem „Reich der Mitte“, widerfuhr). Die Lösung suchte man nach dem gewaltsamen Sturz der Militärregierung des Shōgunats und der anschließenden „Restauration“ der Herrschaft des Tennō (jap. 天皇 „Himmlischer Herrscher“) in der politisch-nationalen, wie auch religiösen Einigung Japans, sowie in einer rasanten kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Angleichung an den Westen. Der vom asiatischen Festland nach Japan gelangte Buddhismus, seit der Mitte des 8. Jahrhunderts bis ins Jahr 1870 als Religion des (in der Meiji-Revolution militärisch unterlegenen und in der Folge abgeschafften) Feudal- und Schwertadels praktisch Staatsreligion Japans, wurde nun von der neuen Meiji-Regierung als „ausländische, unjapanische, auf Abwege geratene, korrupte, parasitäre, dekadente, abergläubische und der Modernisierung Japans gegenüber feindselig eingestellte Religion“ angesehen und zeitweise sogar verfolgt (vgl. Ursula Baatz: Zen-Buddhismus im Abendland.). Tempel wurden aufgelöst, buddhistische Mönche vertrieben oder mancherorts sogar Opfer von Massakern, jegliche finanzielle Unterstützung seitens des Staates wurde eingestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert den thematischen Fokus auf die Transformation des Zen-Buddhismus im Westen und stellt die Bedeutung der Multiplikatoren sowie der historischen Kontexte heraus.
2. Was ist „Zen“?: Dieses Kapitel gibt einen grundlegenden Überblick über die Philosophie, die zentralen Daseinsmerkmale und die meditativen Praktiken des japanischen Zen-Buddhismus.
3. Zen im Westen: Dieser Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen der Rezeption in der Meiji-Ära, portraitiert wichtige Zen-Lehrer und beleuchtet spezielle Ausprägungen wie den „Engagierten Buddhismus“ und die Verbindung von Zen mit jüdischen Identitätskonzepten.
4. Diskussion: Im Schlussteil werden kritische Stimmen und Zitate gegenübergestellt, um die aktuelle Dynamik und die Herausforderungen der Zen-Rezeption im Westen zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Zen-Buddhismus, Meiji-Revolution, Rezeptionsgeschichte, Engagierter Buddhismus, Zen-Meister, D.T. Suzuki, Meditation, Westliche Transformation, Identität, Achtsamkeit, Satori, religiöse Pluralität, Kulturtransfer, Religionswissenschaft, Spiritualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Transformation und Verbreitung des Zen-Buddhismus im westlichen Kulturkreis nach dessen Ankunft aus Ostasien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung in Japan (Meiji-Zeit), die Rolle einflussreicher Zen-Lehrer im Westen, die praktische Anwendung im Alltag sowie die kritische Reflexion des „Engagierten Buddhismus“.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Zen im Westen erfolgreich Fuß fassen konnte, und dabei die religiösen, historischen und kulturellen Anpassungsprozesse kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen religionswissenschaftlichen und historisch-analytischen Ansatz, um die Rezeptionsgeschichte und die soziokulturellen Dynamiken zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Stationen der westlichen Rezeption, stellt prägende Lehrer wie D.T. Suzuki, Philip Kapleau oder Thich Nhat Hanh vor und analysiert Phänomene wie den „Engagierten Buddhismus“ und das „JewBus“-Phänomen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zen-Buddhismus, Rezeption, Meiji-Revolution, Engagierter Buddhismus, Zen-Praxis, kulturelle Transformation und religiöse Identität.
Inwiefern hat die Meiji-Zeit den Buddhismus nachhaltig beeinflusst?
Die politische Unterdrückung und der soziale Druck führten zu einem Reformprozess, der den Zen-Buddhismus säkularer und für westliche Denkmuster anschlussfähiger gestaltete.
Warum ist das Konzept des „Engagierten Buddhismus“ für die westliche Rezeption relevant?
Es verbindet die meditativen Aspekte mit aktivem sozialen und ökologischen Engagement, was besonders für moderne westliche Individualisten eine attraktive Verbindung von Spiritualität und gesellschaftlicher Verantwortung darstellt.
- Arbeit zitieren
- Frank Drescher (Autor:in), 2006, Zen im Westen. Stationen der westlichen Rezeption unter Berücksichtigung bedeutender Vertreter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314358