Magersucht. Wie kann die Soziale Arbeit assistieren?


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserläuterung
2.1 Essstörungen

3. Magersucht und ihre Ursachen
3.1 Internet, Soziale Netzwerke und Werbung

4. Symptomatik und Folgen

5. Therapie
5.1 Organmedizinische Therapie
5.2 Ernährungstherapie
5.3 Psychotherapie
5.3.1 Soziale Arbeit und Psychotherapie
5.4 Gruppentherapie
5.4.1 Gruppenarbeit in der Sozialen Arbeit
5.5 Reittherapie

6. Verlauf und Prognose
6.1 Epilog aus „Luft zum Frühstück“ als Beispiel einer Therapie

7. Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

8. Fazit

9. Quellen

1. Einleitung

Für meine Hausarbeit im ersten Fachsemester habe ich mir das Thema Anorexie Nervosa (Magersucht) ausgesucht, um einen Einblick in eine Verhaltensstörung zu geben, welche auch in der Sozialen Arbeit nicht unterschätzt werden sollte. Es handelt sich dabei um eine Körperschemastörung. Der Glaube dick zu sein steht im Vordergrund, Dies bedeutet, dass sich die Betroffenen immer als zu dick ansehen, egal wie abgemagert sie bereits sind. Anorexie Nervosa wird bis jetzt hauptsächlich von Medizinern und Psychologen behandelt beziehungsweise therapiert. In meiner Hausarbeit möchte ich darauf eingehen, dass auch andere Fachkräfte einen wichtigen Teil zur Behandlung dieser Verhaltensstörung beitragen könnten. Der Fachbegriff Anorexie Nervosa ist eigentlich weniger zutreffend als die deutsche Bedeutung Magersucht, denn wörtlich übersetzt spricht man so von einer psychisch bedingten Appetitlosigkeit (vgl. Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 720). Dies ist aber in Bezug auf das Krankheitsbild nicht ganz richtig, denn Magersüchtige haben Appetit. Sie haben einen unüberwindbaren Drang nichts zu essen, weil sie panische Angst davor haben zuzunehmen, beziehungsweise wollen sie immer mehr an Gewicht verlieren. In meiner Hausarbeit werde ich daher folgend den Begriff Magersucht verwenden.

Zuerst wird das Krankheitsbild der Magersucht erläutert. Im Weiteren geht es um die Ursachen, Symptome und Folgen. Verschiedene Therapiemöglichkeiten werden vorgestellt, unter Einbezug der Diskussion um Psychotherapie und Soziale Arbeit und Gruppentherapeutischen Möglichkeiten der Sozialen Arbeit. Anschließend wird die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen noch weiter erläutert.

Um einige Beispiele zu verdeutlichen werde ich aus dem Buch „Luft zum Frühstück“ von Jana Frey zitieren.

2. Begriffserläuterung

Um das Thema Magersucht ein weniger durchsichtiger zu gestalten sollen einige unumgängliche Begriffe im Folgenden zunächst erläutert werden.

Wie bereits erwähnt ist die korrekte wissenschaftliche Bezeichnung der Magersucht lautet „Anorexia Nervosa“. Diese stammt aus dem lateinischen. Wortwörtlich steht „Anorexia“ für die Appetitlosigkeit und der Zusatz „nervosa“ bedeutet „nervöse“ - also eine „nervöse Appetitlosigkeit“. Durch den Zusatz „nervosa“ wird also folglich bereits von einer psychischen Ursache ausgegangen. Bis heute ist unklar, wer den Begriff zuerst verwendete.

Sir William Gull aus England verwendete den Begriff erstmals 1874 in der Publikation seines Vortrags über Anorexia nervosa. Früher sprach er von einer „pathogenen Kraft die im Gehirn verschiedene Störungen bewirken kann“ (Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 720). „Einen Monat vor dem zweiten Vortrag von Sir William Gull war ein Beitrag Laségues im Lancet erschienen, der acht Frauen mit Magersucht zwischen 18 und 32 Jahren beschrieb.“ (Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 720). Wie bereits weiter oben erwähnt, hat sich der deutsche Begriff „Magersucht“ weitläufig durchgesetzt, da er zutreffender ist als die lateinische Bezeichnung „Anorexia nervosa“. Der Begriff der Appetitlosigkeit ist irreleitend, da die Betroffenen der Magersucht an keiner Appetitlosigkeit leiden, sondern ihr Hungergefühl unterdrücken.

Der Begriff „Bulimia nervosa“ beschreibt die „Ess-Brech-Sucht“. Bei dieser Form der Essstörung steht eine große Nahrungsaufnahme im Vordergrund. Dem Zunehmen durch diese enorme Aufnahme von Lebensmitteln wird hauptsächlich durch erbrechen des aufgenommenen Essens entgegengesteuert.

2. 1 Essstörungen

Bei Betroffenen einer Essstörung dreht sich der Grundgedanke um die Nahrungsaufnahme, beziehungsweise deren Verweigerung. Es dreht sich um Maßnahmen, welche der Kontrolle beziehungsweise der Reduktion des Gewichtes dienen. Von Essstörungen wird bereits im Mittelalter gesprochen (spirituelles Fasten). Damals hatten die Essstörungen hauptsächlich religiöse Ursachen. „Bei der Entwicklung von Essstörungen sind biologische Faktoren (z.B. Genetik, Hirnfunktionsstörungen), persönlichkeitsbedingte Faktoren (z.B. Selbstbild und Selbstwertgefühl, Perfektionismus), gesellschaftliche Einflüsse (z.B. Schönheitsideale, Schlankheitsdruck) und das familiäre und soziale Umfeld (z.B. Familie, Peer-groups) beteiligt.“ (Andes, Wolf 2015, S. 246) Der Ausgangspunkt ist eine Körperkontaktstörung (in unterschiedlichen Fachliteraturen auch Körperschemastörung genannt). Es besteht eine perzeptorische (aus dem lateinischen - meint:

erfassen, wahrnehmen) und konzeptionelle (aus dem lateinischen - meint: auffassen, begreifen) Störung des Körperbildes. Obwohl die Betroffenen sehr schlank oder bereits abgemagert sind, sehen sie ihren Körperumfang oder gewisse Teile als zu dick. Betroffene leiden zuerst oft an der Magersucht. Durch diesen strengen Verzicht auf Lebensmittel, zunächst kalorienreduziert dann meist eine völlige Verweigerung, entwickelt sich aus der Magersucht oftmals eine Bulimie nervosa, denn selbst die wenig aufgenommene Nahrung wird als Fremdkörper wahrgenommen. Dies ist bei ca. 20% der Betroffenen der Fall. (vgl. Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 722) Dieser Übergang ist häufiger als ein Verlauf von der Bulimie nervosa zur Magersucht. Die klassische Form der Magersucht wird restriktive Magersucht genannt. Bei dieser Form verweigern die Betroffen die Nahrung oder halten eine extrem kalorien- und fettreduzierte Diät. „Zusätzliche Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, wie Erbrechen oder die Einnahme von Laxanzien, Diuretika, Appetitzüglern oder Schilddrüsenhormonen ergeben das Bild der bulimischen Anorexia nervosa.“ (Herpertz, S. 2012, S. 320)

3. Magersucht und ihre Ursachen

Die Magersucht ist wie bereits erwähnt eine Körperschemastörung und zählt zu den psychosomatischen Erkrankungen. Oftmals entwickelt sich die Störung durch eine einfache Diät. Durch die Bestätigung von Angehörigen, Bekannten und Freunden nimmt der Schlankheitswunsch der Betroffenen immer mehr zu. Sie geraten in eine Art Teufelskreis. Es entwickelt sich ein gewisser Suchtcharakter. Das Gefühl der absoluten Selbstkontrolle über ihren Körper erhalten sie durch das Abnehmen. Dies führt zu einem Erfolgserlebnis und verleiht somit Selbstbewusstsein. Die Kontrolle des eigenen Essverhaltens steht nun im Mittelpunkt des Lebens. Alles Denken und Handeln dreht sich um Kalorienzählen und die Gewichtsreduktion. Oftmals verstehen die Angehörigen erst sehr spät, dass es sich nicht nur um eine harmlose Diät handelt, sondern um eine ernstzunehmende Essstörung.

Die Magersucht ist nicht erst in der heutigen Zeit bekannt geworden. Jedoch kann man sagen, dass sich die Ursachen der Magersucht sich in der heutigen Zeit geändert haben. Die meisten Betroffenen stammen aus der Mittel- bis Oberschicht. Die größte Anfälligkeit kann man bei Mädchen zwischen 13 und 24 beobachten. Pro Jahr erkranken ca. 19:100.000 junge Frauen an der Magersucht. (vgl. Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 722) „Das Geschlechterverhältnis liegt bei 1:10 (m:w).“ (Herpertz-Dahlmann, Schwarte 2009, S. 722)

Es ist jedoch nicht eindeutig nachweisbar, welche Ursachen ursächlich zu einer Magersucht führen. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zur Entstehung der Störung zusammen kommen. Dies nennt man multifaktoriell. Das heutige soziokulturelle Schlankheitsideal der westlichen Kultur trägt einen großen Teil zur Entstehung dieser Störung bei den Betroffenen bei. Die Wahrnehmung des eigenen Körperbildes wird stark durch die Außenwelt und deren Darstellung eines perfekten Körpers geprägt. Da die Selbstwahrnehmung gestört ist, beziehungsweise das Selbstwertgefühl der Betroffenen sehr niedrig ist, sind diese anfälliger dieses vorherrschende Körperideal anzunehmen und zu übernehmen. Auch familiäre Faktoren spielen oftmals eine Rolle bei der Entstehung. Dabei können es verschiedene familiäre Probleme in der Vergangenheit gegeben haben. Ob es nun die Scheidung der Eltern, der trinkende Vater oder die überbehutsame Mutter ist sei dahingestellt. Auch eine seelische Erschütterung, wie eine Vergewaltigung oder sonstige Misshandlung - ob seelisch oder körperlich - können ein Auslöser sein. Oftmals besitzen die Magersüchtigen eine gut durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz. Sie sind eher ruhig, eher introvertiert und vermeiden gerne Konflikte. Man könnte also davon ausgehen, dass die Ursachen der Magersucht auf tieferliegende psychische Problematiken zurückgehen. Es ist also H. Csef zuzustimmen, der meint: „In der psychosomatischen Ätiologiemodellen zu den den anorektischen und bulimischen Eßstörungen besteht international weitgehend Konsens darüber, daß es sich um eine multifaktorielle Genese sehr heterogener Faktoren handelt. Unterschieden werden:

- Genetische, biologische und neurochemische Faktoren,
- Psychische Faktoren (z.B. frühkindliche Belastungen, Sozialisationsbedingungen in Kindheit und Adoleszenz, Verlust und Trennungserlebnisse, Selbstwertprobleme).
- Soziokulturelle Faktoren (Schlankheitsideal, kollektive Rollenkonflikte, einseitige Leistungsorientierung).“ (Csef 1999, S. 399)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

3.1 Internet, Soziale Netzwerke und Werbung

Auch im Internet und in sozialen Netzwerken sieht man gefährliche Veränderungen. Es entstehen immer mehr Seiten und Profile, die dazu aufrufen abzunehmen. Viele junge Mädchen folgen den Aufrufen und messen sich mit den anderen Mädchen, wer zuerst ein gewisses Gewicht erreicht, wer schneller abnimmt oder wer am dünnsten ist. Absurde Bilder werden hochgeladen um den anderen zu beweisen wie viel man wiegt beziehungsweise wie dünn man ist. Bilder, auf denen nur noch Haut und Knochen zu sehen sind. Diese werden tausendfach „geliked“, geteilt und nachgeahmt. Ein wichtiges Thema dieser Seiten ist auch die tägliche Menge an Nahrungsmitteln. Am wenigsten essen bedeutet in diesem Fall Anerkennung der anderen Mädchen zu bekommen. Viele dieser Internetseiten laden auch sogenannte Vorher- Nachher-Bilder hoch um die Mädchen zusätzlich anzuspornen. Das diese Bilder weitestgehend bearbeitet sind oder einfach zwei völlig unterschiedliche Personen zeigen, scheinen die Mädchen, die auf diesen Seiten verkehren, gar nicht wahrzunehmen oder sie wollen es bewusst nicht wahrnehmen. Auf den meisten Seiten findet man gleich noch Links zum Thema „Wie bin ich so dünn geworden“ mit absolut irrsinnigen Diäten, Rezepten oder Sportplänen. Die Mädchen orientieren sich natürlich an diesem Angebot von Diäten und geraten so sehr schnell in die Falle der Magersucht. Was auf diesen Seiten geschrieben wird, wird als normal - wenn nicht sogar als Vorbild angesehen, nachgeahmt und befolgt. Durch die Bestätigung der anderen Mädchen fühlen Sie sich gut und verfolgen ihr Ziel immer weiter. Überspitzt könnte man fast schon sagen, es entsteht ein regelrechter Wettkampf um die am weitest hervorstehenden Hüftknochen, den kleinsten Krümel auf dem Teller oder die Zahlen auf der Waage. (vgl. www.news.de)

Im Gegensatz zu diesen Seiten gibt es nun eine App für Handys und Tablets deren Gründer gegen die Magersucht ankämpfen. Die Gründerin dieser App war selbst von einer Essstörung betroffen und möchte Mädchen helfen aus der Magersucht zu entkommen. „Mit Jourvie kommst du jeden Tag einen Schritt näher zum Ziel - deinem Leben ohne Magersucht, Bulimie oder Esssucht. Mit praktischen Essprotokollen und Tipps für schwierige Situationen schaffst du die Therapie deiner Essstörung einfacher!“ (http://jourvie.com/)

Regelmäßig werden auch Diskussionen über Sendungen wie „Germany`s Next Topmodel by Heidi Klum“, Werbekampagnen mit Magermodels oder Modenschauen geführt. In einer der letzten Sendungen des Formats „Germany`s Next Topmodel“ gab es im Anschluss in den Medien eine große Disskussionswelle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Magersucht. Wie kann die Soziale Arbeit assistieren?
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V314360
ISBN (eBook)
9783668130951
ISBN (Buch)
9783668130968
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
magersucht, soziale, arbeit
Arbeit zitieren
Nina Böcher (Autor), 2015, Magersucht. Wie kann die Soziale Arbeit assistieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314360

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