In dieser Arbeit geht es um die Anthropologie Indiens, im Speziellen um Mysore Narasimhachar Srinivas und sein Schaffen. Außerdem setzt sich der Text mit der Beziehung der Disziplinen Sozialanthropologie und Soziologie auseinander, die in Indien sehr komplex ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anthropologie in Indien
3. Sozialanthropologie ist gleich Soziologie?
4. Wichtige Vertreter der ersten und zweiten Generation
5. Mysore Narasimhachar Srinivas
5.1. Srinivas Studienzeit unter Ghurye
5.2. Srinivas Studienzeit in Oxford
5.3. Studienzeit: Vergleich Indien - Oxford
5.4. Rückkehr nach Indien und weitere Laufbahn
6. Conclusio
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung der Sozialanthropologie und Soziologie in Indien anhand des Werdegangs von M.N. Srinivas nachzuvollziehen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich diese wissenschaftlichen Disziplinen in einem kolonialen Kontext etablierten und welche akademischen Einflüsse Srinivas während seiner Ausbildungsstationen in Indien und England prägten.
- Historische Genese der Anthropologie in Indien
- Differenzierung zwischen Soziologie und Sozialanthropologie
- Akademische Sozialisation von M.N. Srinivas unter G.S. Ghurye und Radcliffe-Brown
- Die Bedeutung von Feldforschung im indischen Kontext
- Reflexion über das Konzept "Anthropology at Home"
Auszug aus dem Buch
5.1. Srinivas Studienzeit unter Ghurye
Srinivas begann Soziologie an der University School of Economics and Sociology bei Ghurye zu studieren. Nebenbei machte er noch einen Abschluss in Rechtswissenschaften, um einer eventuellen Arbeitslosigkeit als Soziologe entgegenzuwirken (vgl. Srinivas 1997:2). Diese Vorgehensweise kann ich sehr gut nachvollziehen, da damals wie heute Sozialwissenschaften nicht unbedingt zu den anerkanntesten Disziplinen in der Welt des Arbeitsmarktes, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene zählen. „Was macht man damit?“ ist wohl so ziemlich die häufigste Frage, die ich beantworten muss wenn es um die Wahl meines Studiums geht.
Ghurye gab Srinivas Themenvorschläge, die dieser annahm und bearbeitete. So hatte Ghurye, der eigentlich als „armchair anthropologist“ (Srinivas 1997:5) gilt, weil er die teilnehmende Beobachtung von Malinowski noch nicht kannte (entstand bekannter maßen erst später) und eher kürzere Feldaufenthalte präferierte, die Gelegenheit einfach an Informationen heranzukommen. Ich denke, dass dieses Arbeitsverhältnis zu Beginn beiden von Nutzen war, da sowohl Ghurye von den Arbeiten Srinivas, aber auch Srinivas von den Kontakten Ghuryes profitieren konnte (Ghurye war quasi Srinivas Gatekeeper). Zum Ende seiner Studienzeit hin lässt sich aus Srinivas Artikel herauslesen, dass das Verhältnis sich verschlechterte und Ghurye ihn immer mehr als Sekretär nutzte (vgl. Srinivas 1997:6), beziehungsweise ihn Forschungen anbot, die Srinivas nicht unbedingt interessierten. Unter Ghurye kam er sich eher wie ein Altertumsforscher, als ein Soziologe vor (vgl. Srinivas 1997:7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihre Themenwahl durch ein Interesse an der Entwicklung sozialwissenschaftlicher Disziplinen in Indien und führt die gewählte Literatur ein.
2. Anthropologie in Indien: Dieses Kapitel skizziert die Entstehung der Anthropologie im 19. Jahrhundert, stark beeinflusst durch den kolonialen Verwaltungsapparat und evolutionistische Theorien.
3. Sozialanthropologie ist gleich Soziologie?: Es wird die komplexe, in Indien oft synonym verwendete Beziehung beider Disziplinen beleuchtet, inklusive der historisch-geografischen Unterschiede in der akademischen Verankerung.
4. Wichtige Vertreter der ersten und zweiten Generation: Ein kurzer Überblick über prägende Figuren wie Iyer, Roy, Ghurye und andere, die das Fach maßgeblich mitgestalteten.
5. Mysore Narasimhachar Srinivas: Das Kernkapitel zeichnet detailliert den Lebensweg von M.N. Srinivas nach, von seinem Studium in Bombay und Oxford bis zu seiner wissenschaftlichen Etablierung in Indien.
6. Conclusio: Die Autorin resümiert die Herausforderungen für Anthropologen in einem kolonisierten Staat und diskutiert den Wert der "Anthropology at Home".
Schlüsselwörter
Sozialanthropologie, Soziologie, Indien, M.N. Srinivas, G.S. Ghurye, Kolonialismus, Radcliffe-Brown, Feldforschung, Anthropology at Home, Evolutionismus, Strukturfunktionalismus, Wissenschaftsgeschichte, indische Gesellschaft, akademische Ausbildung, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte und Entwicklung der Sozialanthropologie und Soziologie in Indien sowie den wissenschaftlichen Werdegang des einflussreichen Anthropologen M.N. Srinivas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das koloniale Erbe der indischen Anthropologie, der Vergleich westlicher und indischer Forschungsansätze und die akademische Laufbahn von Srinivas.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich eine wissenschaftliche Disziplin in einem kolonialen Kontext entwickeln konnte und wie M.N. Srinivas seinen Weg zum bedeutenden Anthropologen fand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Fachartikeln und Buchkritiken, um die disziplinäre Geschichte und die Biografie von M.N. Srinivas aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Anthropologie in Indien, die methodische Differenzierung zwischen Soziologie und Sozialanthropologie sowie die detaillierte biografische Darstellung von Srinivas' Studienzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Sozialanthropologie, Kolonialismus, M.N. Srinivas, Feldforschung und Anthropology at Home.
Welchen Einfluss hatte der "armchair anthropologist" Ghurye auf Srinivas?
Ghurye fungierte zunächst als Mentor und Gatekeeper, wobei Srinivas von seinen Kontakten profitierte, sich später jedoch durch die eingeschränkten Forschungsthemen eher wie ein Sekretär als ein Soziologe fühlte.
Wie unterschied sich die Zeit in Oxford von der in Bombay?
Laut der Analyse empfand Srinivas seine Zeit in Oxford als inspirierender, da dort mehr auf seine eigenen wissenschaftlichen Interessen eingegangen wurde, während er in Indien stärker an die Bedürfnisse der Kolonialmacht gebunden war.
Was bedeutet der Begriff "Self-in-the-Other" im Kontext der Arbeit?
Srinivas reflektierte damit die Schwierigkeit, als indischer Forscher die eigene Gesellschaft zu erforschen, wobei die vertraute Umgebung dennoch eine wissenschaftliche Distanz ("das Andere") erforderte.
- Citation du texte
- BA Anna Sailer (Auteur), 2013, Anthropologie in Indien. Srinivas Anfänge und sein weiterer Werdegang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314366