Das Phänomen der Jewish Buddhists („JuBus“) in den USA


Forschungsarbeit, 2008
17 Seiten, Note: k.A.

Leseprobe

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Inhalt

1. Einleitung ... 2

2. Zum Befund ... 2

3. Zur Entwicklung des Phänomens ... 6

4. JuBus – Ein amerikanisches Phänomen? ... 9

5. Anstelle einer Zusammenfassung: ... 13

7. Verwendete und weiterführende Literatur ... 15

1. Einleitung

In den späten 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben östliche Philosophien und Meditationspraktiken einen regelrechten Boom bei vielen, vor allem jungen Menschen in den Gesellschaften des Westens erlebt1. Richtet man den Blick auf die USA und schaut sich die dortigen buddhistischen Strömungen einmal etwas genauer an, so wird man sehr bald feststellen, dass sich unter den Anhängern und Lehrern einiger Gruppierungen unerwartet viele Menschen mit einem jüdischen Hintergrund befinden.

Unerwartet wohl deshalb, weil sich Buddhismus und Judentum auch bei näherem Hinblick als zwei völlig verschiedene, Kultur prägende Religionen mit sich zum Teil ausschließenden Konzepten und Praktiken zeigen. Und doch scheint es eine Reihe von Berührungs- bzw. Ergänzungspunkten zu geben, die es diesen Menschen ermöglichen, „praktizierende Buddhisten und observante Juden“ (Sylvia Boorstein) zu sein2.

Dieser Beitrag will der Frage nachgehen, was den Buddhismus in den USA gerade für Menschen mit einem jüdischen Hintergrund so außerordentlich attraktiv macht, und worin diese gemutmaßten Berührungs- bzw. Ergänzungspunkte bestehen könnten.

2. Zum Befund

Unter den Buddhisten in den USA gibt es zwei große, deutlich voneinander abgegrenzte Gruppen3, zum Einen die „ethnischen“ bzw. „asiatischen“ Buddhisten. Sie sind aus asiatischen Ländern (China, Korea, Japan, Vietnam) eingewandert, bleiben überwiegend unter sich und pflegen in ihrer neuen Heimat weiterhin in sehr konservativer Weise ihre lokalen Traditionen. Sie bilden die weitaus größere der beiden Gruppen. Zum Anderen gibt es die „westlichen“ Buddhisten. Dies sind US-amerikanische Konvertiten, welche sich, von der originären religiösen Identität der Elterngeneration zumeist frustriert oder entfremdet, dem Buddhismus zugewandt haben. Im Verlauf der Rezeption bzw. Adaption durch diese euro-amerikanischen Anhänger hat der aus Asien stammende Buddhismus einen komplexen Transformationsprozess hin zu einem „westlichen Buddhismus“ erfahren4.

Es gibt keine gesicherten Statistiken zum Buddhismus in den USA, jedoch kursieren in einschlägigen Veröffentlichungen folgende Angaben:

“Of the estimated 3 to 4 million Buddhists in the United States, the vast majority are Asian Americans. Only 800,000 are American converts. In recent years, the relationship between the two Buddhist communities has become extremely tenuous, and any potential for future cooperation remains highly uncertain.” 5

“The United States has an estimated 6 million Jews and 3 million Buddhists. While most U.S. Buddhists are Asian, up to 30 percent of converts are Jewish.” 6

Leider gilt auch für das Phänomen der “Jewish Buddhists”:

“No one knows for certain how many JuBus there are; the last surveys were conducted in the 1970s. A large majority of the 3 million Buddhists in the United States are Asian, but by some estimates, at least 30% of all newcomers to Buddhism are Jewish. (By comparison, U.S. Jews number 6 million.)“ 7

Inzwischen hat das lebhafte Interesse vieler Juden an östlichen Religionen sogar Eingang in den jüdischen Humor gefunden. So werden z.B. (vermeintliche) Zen-Prinzipien auf die Schippe genommen8:

The journey of a thousand miles
Begins with a single "oy."

Breathe in. Breathe out.
Breathe in. Breathe out.
Forget this and attaining Enlightenment
Will be the least of your problems.

Accept misfortune as a blessing.
Do not wish for perfect health
Or a life without problems.
What would you talk about?

Be aware of your body.
Be aware of your perceptions.
Keep in mind that not every physical sensation
Is a symptom of a terminal illness.

The Tao does not speak.
The Tao does not blame.
The Tao does not take sides.
The Tao has no expectations.
The Tao demands nothing of others.
The Tao is not Jewish.

Für den außenstehenden Betrachter ergibt sich auf den ersten Blick folgendes Problem: Ab wann wird aus einem Juden, der sich für östliche Lehren und Praktiken interessiert, ein “JuBu”, bzw. ab wann ist jemand ein Buddhist mit jüdischer Herkunft? Hinzu kommt folgendes von Hannes Stein polemisch auf den Punkt gebrachtes Paradox: „Wie stellt man eine Götzenstatue auf und hält zugleich am Judentum fest? – ‚Jubus’ bringen’s fertig.“ 9

Augenscheinliche Hauptdifferenzen sind der strikte Monotheismus des Judentums, welcher eine „Zuflucht zum Buddha“ prinzipiell eigentlich verunmöglichen sollte, zumindest aus orthodox-jüdischer Sicht. Es existiert aber auch ein gegensätzliches Verhältnis zur „körperlich-materiellen Welt“:

“This difference in worldviews translates into two very disparate ways of life.

Buddhism is about silence; Judaism is about words.

The Buddhist ideal is celibacy; Judaism's is family.

Buddhist spiritual centre is the temple; the Jewish spiritual centre is the home.

Buddhism glorifies the life of a monk; Judaism glorifies the life of a mother.

In Buddhism holiness is discovered in solitude; in Judaism holiness is found in community.

Buddhism says the physical world is an illusion; Judaism says this world is just misunderstood, its potential for holiness waiting to be revealed.

In short, Buddhism is a calling to retreat from physicality and reach for the spiritual. Judaism is a calling to marry the two, and make this world holy.” 10

Der hiermit aufgeführte Befund führt zu folgender Frage: Wie ist es den so genannten „JuBus“ 11 theoretisch und praktisch möglich, diese offenkundigen Differenzen zu überwinden und sich zugleich als „gläubige Juden“ und „leidenschaftliche Buddhisten“12 zu verstehen?

Bei der Beantwortung dieser Frage ergibt sich folgende Schwierigkeit: Das JuBu-Phänomen ist noch sehr wenig erforscht, es gibt kaum gesicherte Statistiken und Darstellung in der Fachliteratur. Allerdings sind auf dem US-Buchmarkt einige autobiographische Werke erhältlich, welche wertvolle Informationen enthalten. Zu den wichtigsten gehören:

- Rodger Kamenetz: The Jew in the Lotus. A Poet’s Rediscovery of Jewish Identity in Buddhist India. Paperback Plus Edition, New York 2007 (1 1994).

- Sylvia Boorstein: That’s Funny, You Don’t Look Buddhist. On Being a Faithful Jew and a Passionate Buddhist. Paperback Edition, New York 1998 ( 11997).

- Alan Lew: One God Clapping. The Spiritual Path of a Zen Rabbi. Paperback Edition, New York 2002 (11999)

- Rosie Rosenzweig: Jewish Mother in Shangri-LA. Boston 1998.

- Akiva Tatz; David Gottlieb: Letters to a Buddhist Jew. Southfield (Michigan) 2005.

3. Zur Entwicklung des Phänomens

Zur Vorgeschichte bzw. zum besseren Verständnis der Entwicklung des US-amerikanischen JuBu-Phänomens ein kleiner Exkurs: Jüdische Buddhisten in Deutschland: Zu den Wegbereitern des Buddhismus im deutschsprachigen Raum gehörten der aus jüdischer Tradition stammende Asienkenner und Gelehrte Karl Eugen Neumann (1865-1915), sowie der vom Judentum zum Buddhismus konvertierte Mathematiker und Ingenieur Friedrich Zimmermann (1851-1917), welcher im Jahr 1888 einen „buddhistischen Katechismus“ veröffentlichte13. Weitere aus Deutschland stammende jüdische Konvertiten zum Buddhismus sind Sigmund Feninger (1901-1994), besser bekannt unter seinem Dharma-Namen „Nyanaponika14“, sowie die aus einer jüdischen Familie stammende buddhistische Nonne Ayya Khema 15 (1923-1997), welche im Gegensatz zu Nyanaponika an einer jüdischen Identität und Lebensweise festhielt und hierin keinen Widerspruch erkennen konnte wollte16. Von ihr kann man wohl als der ersten deutschsprachigen Jubu durch eine Synthese religiöser Vorstellungen und Praktiken sprechen17.

[…]


1 Als Vortrag gehalten auf dem 15. Religionswissenschaftlichen Symposium „EntZAUBERung“ vom 01.05. - 4.05.2008 in Münster.
2 Siehe hierzu folgende Veröffentlichung des Verfassers zu diesem Thema:
Frank Drescher: Von der Tora zum Dharma - und wieder zurück? Jüdische Konvertiten zum Buddhismus und das „JuBu"-Phänomen, S. 276-289. In: Regina Laudage-Kleeberg, Hannes Sulzenbacher (Hgg.): Treten Sie ein! Treten Sie aus! Warum Menschen Ihre Religion wechseln. Parthas Verlag Berlin 2012.
3 Vgl. zum folgenden Michael von Brück: Einführung in den Buddhismus. Frankfurt am Main; Leipzig 2007, S. 496 f. Außerdem Heinz Bechert: Die Erneuerung des asiatischen und die Entstehung des abendländischen Buddhismus. In: Ders.; Richard Gombrich (Hgg.): Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart. München 22002, S. 353-358.
4 Ebd.; vgl. auch James William Coleman: The New Buddhism. The Western Transformation of an Ancient Tradition. Oxford 2001.
5 Charles S. Prebish, in: Religion and Ethics Newsweekly. Cover Story: Tensions in American Buddhism. Episode Nr. 445 vom 06.07.2001.Veröffentlicht unter: http://www.pbs.org/wnet/religionandethics/week445/buddhism.html (Stand: 23.04.2008).
6 UPI: Buddhist Jews a Growing U.S. Force. In: United Press International vom 02.05.2006, veröffentlicht unter: http://www.upi.com/NewsTrack/Quirks/2006/05/02/buddhist_jews_a_growing_us_force/2744/
(Stand: 23.04.2008)
7 Louis Sahagun: At One With Dual Devotion. “JuBus” blend the communal rituals of Judaism with the quiet solitude of Buddhism. Most adherents are at peace with the paradox. In: Los Angeles Times, 02.05.2006. Online ursprünglich veröffentlicht unter:
http://www.latimes.com/news/local/la-me-jubus2may02,0,3937916.story?coll=la-home-headlines
Da diese Seite allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt (April 2008) nicht mehr aufrufbar ist, greife ich zu Zitationszwecken auf eine Veröffentlichung des Artikels auf folgender Website zurück: WorldWide Religious News (WWRN): http://www.wwrn.org/article.php?idd=21384&sec=52&con=4 (Stand: 23.04.2008).
8 Folgendem Büchlein entnommen: David M. Bader: Zen Judaism. For You, A Little Enlightenment. New York 2002.
9 Hannes Stein: Das „Jubu“-Phänomen. USA: Warum sich Tausende jüdische Amerikaner dem Buddhismus zuwenden. In: Jüdische Allgemeine Nr. 15/08 vom 10.04.2008.
10 Aron Moss: A Rabbi and a Buddhist Monk. In: Algemeiner.com. Jewish Commentary on Life Today. Gepostet am 04.05.2007: http://www.algemeiner.com/generic.asp?ID=3387. (Stand: 23.04.2008)
11 Der Begriff „JuBu“ für „Jewish Buddhist“ wurde 1994 von Rodger Kamenetz in seinem Buch: The Jew in the Lotus, New York 11994, eingeführt. Er geht wohl auf den jüdisch-amerikanischen Augenarzt Marc Lieberman zurück, welcher sich Kamenetz gegenüber als „JUBU“ bezeichnet hat. Vgl. hierzu Rodger Kamenetz: The Jew in the Lotus. A Poet’s Rediscovery of Jewish Identity in Buddhist India. Paperback Plus Edition, New York 2007, S. 7.
12 Sylvia Boorstein: That’s Funny, You Don’t Look Buddhist. On Being a Faithful Jew and a Passionate Buddhist. Paperback Edition 1998.
13 Vgl. hierzu Michael von Brück: Einführung in den Buddhismus. Frankfurt am Main; Leipzig 2007, S. 500.
14 Vgl ebd. S. 504. Außerdem Nathan Katz: Buddhist-Jewish Relations. In: Perry Schmidt-Leukel (Hg.): Buddhist Attitudes to Other Religions, St. Ottilien 2008 (in Druck), S. 11 im Manuskript. (Das Manuskript zu diesem Artikel wurde mir von Prof. Dr. Katz freundlicherweise vorab für diesen Vortrag zur Verfügung gestellt.)
15 Nathan Katz: Buddhist-Jewish Relations, S. 12 f. im Manuskript.
16 Ebd., S. 13.
17 Martin Baumann hat gezeigt, dass es in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts eine ganze Reihe deutscher Buddhisten jüdischer Herkunft gab. Diese Entwicklung ist unter der Shoah jedoch abgebrochen, so dass sich in Deutschland parallel zur Buddhismus-Welle in den Jahren 1965-75 kein eigenes JuBu-Phänomen mehr hat herausbilden können. Vgl. ders.: Deutsche Buddhisten. Geschichte und Gemeinschaften. Marburg 1995, S. 66 f.; 283-243.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen der Jewish Buddhists („JuBus“) in den USA
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Allgemeine Religionswissenschaft)
Veranstaltung
15. Religionswissenschaftlichen Symposium „EntZAUBERung“ vom 01.05. - 4.05.2008 in Münster
Note
k.A.
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V314483
ISBN (eBook)
9783668135420
ISBN (Buch)
9783668135437
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judaistik, Religionswissenschaft, Jewish Buddhists, USA, JuBu, JuBus
Arbeit zitieren
Frank Drescher (Autor), 2008, Das Phänomen der Jewish Buddhists („JuBus“) in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314483

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