In dieser Hausarbeit wurde der Comic „Emil und die Detektive“ von Isabel Kreitz aus dem Jahr 2012 anhand von drei (der insgesamt sieben) Textualitätskriterien von Beaugrande/Dressler untersucht.
Es wurde den Fragen nachgegangen, wie im Comic Kohäsion und Kohärenz entstehen und inwiefern auch die Intertextualität eine Rolle spielt. Schon die Formulierung ‚einen Comic lesen‘ scheint sowohl Text-, als auch Bildanteile zu umfassen. Warum dem so ist und wie im Comic Text- und Bildanteile miteinander verknüpft werden, sodass der Comic als gesamtheitlicher Text betrachtet wird, der ähnlich wie schriftsprachliche Texte funktioniert, ist Gegenstand dieser Hausarbeit. Dem Ganzen geht ein kleiner Abschnitt voraus, welcher allgemein etwas zur Semiotik erläutert und speziell zum Zeichen im Comic.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Comics
2.1. Das Zeichen im Comic
2.2. Kohäsion
2.3. Kohärenz
2.4. Intertextualität
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Comic „Emil und die Detektive“ von Isabel Kreitz (2012) aus einer textlinguistischen Perspektive. Ziel der Untersuchung ist es, aufzuzeigen, wie Text- und Bildanteile im Comic miteinander verknüpft sind, um eine kohärente Geschichte zu bilden, und inwieweit der Comic als gesamtheitlicher Text verstanden werden kann.
- Semiotische Analyse von Comic-Zeichen
- Kohäsionsstiftende Prozesse in der Abfolge von Panels
- Herstellung von Kohärenz durch Inferenz- und Referenzprozesse
- Intertextuelle Bezüge zwischen Comic, Romanvorlage und anderen Adaptionen
- Zusammenspiel von Bild- und Textinformationen
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Zeichen im Comic
In der Semiotik ist ein Zeichen etwas, das für etwas steht. Es gibt 3 Arten von Zeichen:
1. Ikonische Zeichen: Sie stehen in einem Abbildverhältnis zu dem, für das sie stehen. Z.B. kann ein Foto oder Gemälde eines Hauses für ebendieses stehen.
2. Indexikalische Zeichen: Sie stehen in einem Folge-Verhältnis zu dem, für das sie stehen. Beispielsweise ist Rauch ein Zeichen für Feuer.
3. Symbolische Zeichen: Sie sind willkürlich und abhängig von Konventionen. Z.B. steht die Buchstabenfolge ‚H-a-u-s‘ für die Idee eines Hauses, weil das Wort ‚Haus‘ dies im Deutschen bedeutet.
(vgl. Saraceni 2003; 15)
Schrift ist laut dieser Erläuterung also symbolisches Zeichen. Kommen allerdings paraverbale Zeichen hinzu, kann Schrift auch mehr indexikalischen Charakter bekommen. In einer Handschrift kann sich beispielsweise das etwaige Alter des Produzenten abbilden oder auch, ob er es eilig hatte, also in welcher Verfassung dieser beim Schreiben war. Schrift kann also auch, je nach Aussehen, mehr als nur symbolisches Zeichen sein. Der Comiczeichner macht sich dies zunutze, indem er laut geäußerte wörtliche Rede beispielsweise größer und fett schreibt, oder teilweise zwischen verschiedenen Schriftarten wechselt, um unterschiedliche Charaktere darzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die textlinguistische Untersuchung von Comics ein und erläutert die Relevanz des Objekts „Emil und die Detektive“ für die Analyse der Textualität.
2. Analyse des Comics: Dieser Hauptteil prüft den Comic auf textlinguistische Phänomene, wobei insbesondere die Kategorien Zeichen, Kohäsion, Kohärenz und Intertextualität detailliert beleuchtet werden.
2.1. Das Zeichen im Comic: Das Kapitel definiert verschiedene Zeichenarten (ikonisch, indexikalisch, symbolisch) und untersucht deren Zusammenspiel im Comic, einschließlich der Rolle von Sprechblasen und Panelrändern.
2.2. Kohäsion: Hier wird analysiert, wie durch die Verknüpfung von Panels, wiederkehrende Elemente und Verweisketten (Setzungen und Rückbezüge) ein zusammenhängender Text auf der Oberfläche entsteht.
2.3. Kohärenz: Das Kapitel erläutert, wie Leser durch Inferenz- und Referenzprozesse sowie kulturelles Weltwissen Sinnzusammenhänge zwischen den Panels herstellen, um eine kohärente Narration zu erzeugen.
2.4. Intertextualität: Es wird untersucht, wie die Adaption des Romans von Erich Kästner in Comicform sowie Bezüge zu Illustrationen und Verfilmungen das Verständnis des Textes beeinflussen.
3. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Comics durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Zeichen und textlinguistischer Mechanismen als eigenständige, kohärente Texte funktionieren.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Comic-Analyse, Emil und die Detektive, Semiotik, Kohäsion, Kohärenz, Intertextualität, Panel, Zeichen, Narrativität, Isabel Kreitz, Erich Kästner, Textualität, Bild-Text-Verhältnis, Textsorte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht einen Comic aus textlinguistischer Sicht, um zu verstehen, wie Bilder und Text gemeinsam eine zusammenhängende Geschichte bilden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Semiotik des Comics, die Kohäsion und Kohärenz innerhalb der Bilderabfolge sowie die intertextuellen Bezüge zur Romanvorlage.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die textlinguistischen Mechanismen zu identifizieren, die es dem Leser ermöglichen, einen Comic als geschlossenen und kohärenten Text wahrzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse stützt sich primär auf textlinguistische Kriterien nach Beaugrande und Dressler sowie auf Ansätze der Comic-Analyse von Krafft und anderen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Zeichen im Comic, die strukturelle Kohäsion, die inhaltliche Kohärenz und die Intertextualität bei Literaturadaptionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textlinguistik, Kohäsion, Kohärenz, Intertextualität, Zeichenarten, Comic-Morpheme und Narrativität.
Warum wird speziell „Emil und die Detektive“ untersucht?
Der Comic von Isabel Kreitz dient als Fallbeispiel für eine gelungene Adaption, bei der die Zeichnerin den Originalwortlaut des Romans mit einer detailreichen visuellen Erzählweise kombiniert.
Welche Rolle spielen die Sprechblasen in der Analyse?
Sprechblasen werden als funktionale, konventionelle Zeichen betrachtet, die wörtliche Rede vermitteln und einen wesentlichen Beitrag zur Kohäsion und zum Textcharakter leisten.
Wie wird Bewegung im Comic erzielt?
Bewegung entsteht nicht nur durch die Bilder selbst, sondern vor allem in den „Lücken“ zwischen den Panels, die der Leser durch Inferenzprozesse mental überbrückt.
- Citation du texte
- Tina Schwelnus (Auteur), 2014, Textlinguistische Analyse im Comic. Isabel Kreitzs „Emil und die Detektive“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314493