Um die Lehrpläne der Berufsoberschule sowie die Leistungsmessung und -beurteilung bewerten zu können, wird im folgenden Kapitel zunächst die theoretische Fundierung des Curriculumbegriffes nebst seinen theoretischen Implikationen und Anforderungen an die Lehrplankonstruktion aus pädagogischer Sicht herausgearbeitet. Nach generellen Grundüberlegungen zum Verhaltensbegriff wird anhand des didaktischen Grundmodells die Lernzieloperationalisierung im engeren und weiteren Sinne verdeutlicht und dabei tiefer auf die Problematik der Konstruktion von Kontroll- und Testverfahren eingegangen. Anschließend wird nach einer Vorstellung der Schulform und deren Eingliederung ins Bildungsgefüge der berufsbildenden Schulen am Beispiel der Berufsoberschule in Schleswig-Holstein die Umsetzung für das Fach ‚Wirtschaft’ beleuchtet. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Bewertung der in der Praxis durchgeführten Leistungsmessung der verschiedenen Kompetenzbereiche in der Berufoberschule nach messtheoretischen Anforderungen ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung
3 Theoretische Fundierung
3.1 Der Curriculumbegriff
3.2 Lernzieloperationalisierung
3.3 Problematik der Konstruktion von Kontroll- und Testverfahren
4 Die Berufoberschule BOS
4.1 Aufbau der Berufsoberschule
4.2 Der Lehrplan der Berufoberschule für das Fach ‚Wirtschaft’
4.3 Überprüfung der messtheoretischen Implikationen
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die messtheoretischen Herausforderungen, die sich aus der am Kompetenzbegriff ausgerichteten Lehrplankonstruktion für die Berufsoberschule (BOS) in Schleswig-Holstein ergeben, und analysiert die Möglichkeiten sowie Grenzen der praktischen Leistungsmessung.
- Grundlagen des Curriculumbegriffs und der Lernzieloperationalisierung.
- Testtheoretische Anforderungen an die Konstruktion von Kontrollverfahren.
- Aufbau der Berufsoberschule und ihre curricularen Besonderheiten.
- Verzahnung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz.
- Kritische Evaluation der praktischen Umsetzung der Leistungsmessung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Curriculumbegriff
Der Curriculumbegriff in der Curriculumforschung- und praxis und seine unterschiedlichen Verwendungen weichen vom inhaltlich Gemeinten sehr stark voneinander ab, so dass eine einheitliche Definition des Begriffes schwierig zu formulieren ist. Dem Nachteil einer solchen inkonsistenten, unpräzisen und weiten Verwendung eines viel gebräuchlichen Begriffes und somit einer Vielzahl von inhaltlichen Aspekten, scheint am besten eine Analyse von mehreren Definitionen und eine Herausarbeitung der Unterscheidungsmerkmale gerecht zu werden. Um jedoch einen Einstieg in die Begriffsverwendung zu erhalten, sei an dieser Stelle die Curriculumdefinition nach Frey genannt, die viele der Aspekte, die auch in anderen Curriculumdefinitionen zu finden sind, in sich vereint:
„Das Curriculum ist die systematische Darstellung des beabsichtigten Unterrichts über einen bestimmten Zeitraum als konsistentes System mit mehreren Bereichen zum Zwecke der optimalen Vorbereitung, Verwirklichung und Evaluation von Unterricht.“
Der Konstruktionsaspekt des Curriculums, der Zeitaspekt und der Bereichsaspekt und somit die Abstimmung auf die Schulform sind nur einige Aspekte, die sich in dem Curriculumbegriff vereinen. Die Evaluation als Überprüfungsphase eines Curriculums und möglicherweise ausschlaggebender Auslöser einer eventuellen Revision wird explizit in der Definition von Frey erwähnt und ist in Bezug auf die hier zu thematisierenden Schwerpunkte von besonderer Bedeutung. Die drei Formen der Evaluation beziehen sich auf die Abschätzung, ob die Ziele des Curriculums mit den Zielen der Gesellschaft oder des Lehrers übereinstimmen, und auf die Überprüfung, ob insgesamt die Ziele des Curriculums und die Teilziele der einzelnen Unterrichtssequenzen erreicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Sonderposition der Berufsoberschule innerhalb des dualen Systems und die Herausforderung einer kompetenzorientierten Lehrplankonstruktion.
2 Problemstellung: Vorstellung der Forschungsziele und des methodischen Vorgehens zur Untersuchung der theoretischen Fundierung und der schulpraktischen Leistungsmessung.
3 Theoretische Fundierung: Analyse der theoretischen Grundlagen von Curriculumbegriff, Lernzieloperationalisierung und der Problematik von Testverfahren.
4 Die Berufoberschule BOS: Detaillierte Betrachtung des Aufbaus, des Lehrplans für das Fach Wirtschaft und der konkreten Herausforderungen bei der Messung von Kompetenzen.
5 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Bewertung der Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung sowie Ausblick auf notwendige Evaluationen.
Schlüsselwörter
Berufsoberschule, Curriculum, Kompetenzbegriff, Lernzieloperationalisierung, Testtheorie, Leistungsmessung, Didaktik, Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Studierfähigkeit, Bildung, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen und messtheoretischen Bewertung von Lehrplänen und Leistungsmessungen an der Berufsoberschule, insbesondere im Hinblick auf den modernen Kompetenzbegriff.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Definition von Curricula, die Operationalisierung von Lernzielen, die testtheoretischen Gütekriterien sowie die praktische Umsetzung der Kompetenzbewertung im Fach Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die kritische Untersuchung, inwieweit die messtheoretischen Anforderungen aus dem Curriculumbegriff in der Schulpraxis der Berufsoberschule tatsächlich umgesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie Fallbeispiele aus der Schulpraxis, gestützt durch Experteninterviews mit Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der didaktischen Grundlagen, eine Analyse des BOS-Lehrplans für das Fach Wirtschaft und eine kritische Überprüfung der angewandten Test- und Beurteilungsmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Berufsoberschule, Kompetenzbegriff, Leistungsmessung, Studierfähigkeit, Didaktik und Testtheorie sind die prägenden Fachbegriffe der Arbeit.
Wie wird die Studierfähigkeit an der Berufsoberschule definiert?
Die Studierfähigkeit wird nicht als ein eng begrenztes, vorbestimmtes Ziel verstanden, sondern als ein Prozess, der durch die Förderung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz erreicht werden soll.
Warum ist die Leistungsmessung an der BOS problematisch?
Da die Kompetenzbereiche (insbesondere Sozial- und Selbstkompetenz) schwer in numerische Noten zu übersetzen sind, stellt die objektive und valide Leistungsmessung eine große Herausforderung für Lehrkräfte dar.
- Quote paper
- Lasse Walter (Author), 2004, Der Curriculumbegriff und seine messtheoretischen Implikationen aus pädagogischer Sicht am Beispiel der Berufsoberschule Schleswig-Holstein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31458