Die Erziehung zur Zeit des Nationalsozialismus‘ war auf den Krieg gerichtet – Hitler zielte auf absolute Kontrolle, die „totale Erziehung“ ab.
Im Folgenden werden Ziele und Umsetzung von nationalsozialistischer Erziehung unter Berücksichtigung der damaligen Weltanschauung behandelt. Die Eingriffe des Regimes in den Unterricht hatten die politische Instrumentalisierung der Jugend zum Ziel.
Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern die nationalsozialistische "Erziehung" dem heutigen Verständnis des Begriffs entspricht. Dies soll durch Betrachtung der Rahmenbedingungen, die durch die NS-Ideologie vorgegeben wurden, diskutiert werden. Ein Vergleich moderner Leitbilder von Erziehung mit denen nationalsozialistischer zeigt auf, wie sehr diese sich unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Jugend als Zukunft
2. Wertvorstellungen von Erziehung im Nationalsozialismus
3. Umsetzung der nationalsozialistischen Erziehung
4. Schulpläne und Unterricht in Schulen während der NS-Zeit
5. Die Ziele der Erziehung
6. Pädagogische Folgerungen der Erziehung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Erziehungspolitik mit dem Ziel, die Mechanismen der Manipulation von Kindern und Jugendlichen sowie die Instrumentalisierung des Schulsystems für ideologische Zwecke aufzudecken und kritisch zu hinterfragen.
- Die Rolle der Ideologie und Weltanschauung im NS-Erziehungssystem
- Die strukturelle und inhaltliche Anpassung der Lehrpläne an NS-Ziele
- Propagandistische Einflüsse im Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht
- Die Auswirkungen totalitärer Erziehung auf Persönlichkeitsentwicklung und Mündigkeit
- Das Konzept der "Volksgemeinschaft" als erzieherisches Leitziel
Auszug aus dem Buch
Schulbücher des Mathematikunterrichts
In demokratischen Staaten hat der Mathematikunterricht die Aufgabe, die Rechenfertigkeit der Schüler zu entwickeln und zu fördern. Doch der national-sozialistische Unterricht versuchte selbst die Mathematik für Propagandazwecke zu nutzen. Da es aber nicht möglich war, den puren Zahlen eine politische „Note“ zu verleihen, musste dies durch Aufgaben geschehen, die in einem politischen, militärischen oder ideologischen Rahmen handelten. Im Folgenden wird anhand von zwei Aufgabenbeispielen gezeigt, wie die Propaganda im Mathematikunterricht aussah.
Die erste Aufgabe hatte einen militärischen Hintergrund. So wurden die Einwohnerzahl, Kriegsstärke von Armeen samt der Anzahl der vorhandenen Luftwaffe von deutschen Nachbarländern, sowie weiterer europäischer Länder angegeben. Und unter dem Stichwort „Luftangriffe drohen ringsum“ folgende Aufgaben gestellt:
„ - a) Wieviel Kriegsflugzeuge haben die angegebenen Staaten, soweit sie Nachbarn Deutschlands sind, insgesamt?
- b) Die Stadt Essen ist von der französischen Grenze … km, von der belgischen Grenze … km entfernt (Atlas!). Wieviel Minuten braucht ein Flugzeug für diese Strecke bei 250km Stundengeschwindigkeit? […]
- c) Ein moderner Nachtbomber kann 1800 Brandbomben tragen. Auf wieviel km Streckenlänge kann er diese Bomben verteilen, wenn er bei seiner Stundengeschwindigkeit in jeder Sekunde 1 Bombe abwirft?“
Solche Aufgaben hatten genau zwei Absichten. Zum einen unterstellten sie den Nachbarländern Angriffsabsichten und in gewisser Weise auch eine aggressive Haltung gegenüber Deutschland. Zum anderen konnten die Staatsführer dadruch eine Art Kriegsfurcht innerhalb der Gesellschaft erzeugen. Für den Staat war des danach ein leichtes diese Furcht in Aggression umzuwandel. So sollte es gelingen, dass Schüler "ihrem Führer" in den Kreig folgen, um das eigene Land zu beschützen. Die zweite Aufgabe beschäftigete sich dagegen eher mit sozialen/ideologischen "Problemen", die sehr einfach zu vermitteln waren um so früher man angefangen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Jugend als Zukunft: Dieses Kapitel erläutert Hitlers Absicht, die Jugend als zentrales Instrument für den Fortbestand seines Reiches durch eine "totale Erziehung" ideologisch zu formen.
2. Wertvorstellungen von Erziehung im Nationalsozialismus: Hier werden die Kernelemente der NS-Ideologie wie Arier-Ideal, Kameradschaft und Opferbereitschaft als Basis für die Erziehung zu Soldaten und Müttern dargelegt.
3. Umsetzung der nationalsozialistischen Erziehung: Das Kapitel beschreibt das totalitäre und faschistische Erziehungssystem, das durch Strenge, Demütigung und die Zerstörung der Individualität geprägt war.
4. Schulpläne und Unterricht in Schulen während der NS-Zeit: Es wird analysiert, wie durch die Gleichschaltung der Schulen und die gezielte Indoktrination in den Lehrplänen das Weltbild der Partei implementiert wurde.
5. Die Ziele der Erziehung: Dieses Kapitel vertieft die politischen Ziele der NS-Erziehung, insbesondere die Schaffung einer gleichgeschalteten Volksgemeinschaft bei gleichzeitigem Abbau von Klassenschranken.
6. Pädagogische Folgerungen der Erziehung: Die dramatischen psychologischen und sozialen Folgen der NS-Indoktrination für die betroffenen Generationen werden hier kritisch reflektiert.
7. Fazit: Das Fazit stellt die grundsätzliche Frage, ob die Praxis des Nationalsozialismus überhaupt als Erziehung im pädagogischen Sinne zu bezeichnen ist oder als bewusste Zerstörung des Individuums gelten muss.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehung, Indoktrination, Volksgemeinschaft, Schule, Lehrplan, Propaganda, Pädagogik, Totalitarismus, Antisemitismus, Ideologie, Kriegsvorbereitung, Gehorsam, Individuum, Manipulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der nationalsozialistischen Erziehung und deren Einfluss auf Kinder und Jugendliche im "Dritten Reich".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der ideologischen Durchdringung des Unterrichts, der Rolle des Sports, der Umgestaltung von Lehrplänen sowie der psychologischen Manipulation der heranwachsenden Generation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwiefern die NS-Erziehungspraxis den Zielen einer echten pädagogischen Bildung widerspricht und ob sie überhaupt als solche legitim bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Untersuchung basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die Lehrpläne, historische Reden und zeitgenössische Dokumente auf ihre propagandistischen und erzieherischen Absichten hin auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Beispiele aus dem Schulalltag, insbesondere die Instrumentalisierung des Mathematikunterrichts durch "eingekleidete Aufgaben", sowie die theoretischen Wertvorstellungen des Regimes detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Erziehung im Nationalsozialismus, Indoktrination, Volksgemeinschaft, Propaganda, totale Erziehung und der Manipulationsauftrag im Schulsystem.
Warum spielt gerade der Mathematikunterricht eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Der Autor zeigt auf, wie das Regime selbst in einem scheinbar "trockenen" und rationalen Fach wie Mathematik versucht hat, politische Ideologien und Feindbilder zu verankern.
Welche Bedeutung kommt dem "Fremdkörper"-Begriff in den Schulaufgaben zu?
Anhand des Beispiels der "Volksgemeinschaft" verdeutlicht die Arbeit, wie durch diskriminierende Zahlenbeispiele in Schulbüchern gezielt Hass gegenüber Juden geschürt und der Ausschluss aus der Gemeinschaft gerechtfertigt wurde.
- Citation du texte
- Michaela Klein (Auteur), 2012, Die Erziehung zur Zeit des Nationalsozialismus. Wertvorstellungen, Ziele und Umsetzung von NS-Ideologie im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314631