Menschen mit Behinderung haben in der Bundesrepublik Deutschland die grundsätzlich grundrechtlich garantierte Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die frei gewählt oder angenommen wird. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Trotzdem wird nur ein verschwindend geringer Teil der Absolventen einer Förderschule für geistige Entwicklung tatsächlich auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert. Vielmehr besuchen die meisten nach dem Abschluss der Förderschule eine Maßnahme des Übergangssystems, wie z.B. das schulische Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) oder den Berufsbildungsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), um dann in der Regel nach der 2 jährigen Eingangsphase nahtlos in den Arbeitsbereich der Werkstätten zu wechseln, wo sie in der Regel auch verbleiben.
In dieser Arbeit wird der Übergang von der Förderschule für Menschen mit einer geistigen Behinderung in das Erwerbsleben näher betrachtet. Hierbei liegt der Fokus auf den Bemühungen, eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang soll folgender Fragestellung nachgegangen werden: „Welche Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe gibt es für Menschen mit geistiger Behinderung und wie können diese beim Übergang in Ausbildung und Erwerbstätigkeit unterstützt werden?“
Der erste Teil dieser Arbeit wird sich auf den ersten Teil der Fragestellung beziehen und die Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe für Menschen mit einer geistigen Behinderung aufzeigen. Hierbei soll sowohl auf den „klassischen“ Weg der Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, wie auch auf alternative Formen – wie etwa die berufliche Integration mit Hilfe einer Arbeitsassistenz, welcher im zweiten Teil vorgestellt wird eingegangen werden. Weiterhin beschäftigt sich der zweite Teil dieser Arbeit mit den Unterstützungsmöglichkeiten, die beim Übergang von der Schule in den Beruf greifen. In dem letzten Teil der Arbeit werden die erworbenen Erkenntnisse zusammengetragen und mögliche Visionen durchdacht, welche von einer Integration in den Arbeitsmarkt hin zu einer Inklusiven Arbeitswelt führen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung
3. Übergänge von der Schule auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
3.1 Heranführung an den Arbeitsmarkt
3.2 Unterstützung und Vernetzung verschiedenster Akteure im Übergang von Schule - Beruf
3.3 Berufliche Integration von Menschen mit einer geistigen Behinderung durch Arbeitsassistenz
4. Ausblick und Visionen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen und Möglichkeiten beim Übergang von Menschen mit einer geistigen Behinderung von der Förderschule in das Erwerbsleben. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie eine gelungene Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt trotz struktureller Barrieren und traditioneller Übergangssysteme realisiert werden kann.
- Berufliche Teilhabeperspektiven für Menschen mit geistiger Behinderung
- Analyse von Übergangssystemen zwischen Schule und Beruf
- Bedeutung der Arbeitsassistenz und unterstützter Beschäftigungsformen
- Vernetzung relevanter Akteure zur inklusiven Berufsorientierung
- Visionen für eine inklusive Arbeitswelt und Bildungsumstrukturierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Heranführung an den Arbeitsmarkt
Das frühzeitige Erproben von beruflichen Tätigkeiten, sowie die Vorbereitung auf eine selbstständige Lebensführung oder die Beschäftigung in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen stellen erste Schritte dar, welche zu einer Eingliederung auf den ersten Arbeitsmarkt führen können. Dies erfordert methodische Erfordernisse, welche es den Schülern ermöglicht, realen und alltäglichen Bedingungen der Arbeitswelt zu begegnen. Dies kann durch handlungsbezogenen und projektorientierten Unterricht geschehen, welcher sich an den Interessen und Fähigkeiten der SchülerInnen orientiert.
Um den Berufsorientierungsprozess von Schülern zu unterstützen, bietet es sich an, Realbegegnungen mit der betrieblichen Arbeitswelt zu schaffen. Durch Betriebs- und Arbeitsplatzerkundungen sowie das Durchführen eines Betriebspraktikums können Möglichkeiten geschaffen werden, um erste praktische Erfahrungen und Eindrücke zu gewinnen. Dies bedarf immer einer intensiven Vorbereitung seitens der Lehrkräfte und eine Begleitung sowie Auswertung. Durch die Vernetzung von Schule und Arbeitswelt kann Berufsorientierung gefördert werden und sich positiv auf die einzelnen Individuen auswirken.
Die Jugendlichen erwerben Berufswahlkompetenzen und entwickeln ihre Persönlichkeit weiter. Besonders die Übernahme von Verantwortung, das Einhalten von Regeln, Zuverlässigkeit oder Pünktlichkeit können in Netzwerkkooperationen erprobt werden, wenn sie die Möglichkeit bekommen, z.B. im Rahmen eines Praktikums im Betrieb tätig zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die grundrechtliche Situation von Menschen mit Behinderung dar und formuliert die zentrale Fragestellung zur beruflichen Teilhabe beim Übergang in das Erwerbsleben.
2. Möglichkeiten der beruflichen Teilhabe für Menschen mit geistiger Behinderung: Dieses Kapitel erörtert die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die verschiedenen Qualifizierungswege, einschließlich Werkstätten und alternativer Beschäftigungsmodelle.
3. Übergänge von der Schule auf den allgemeinen Arbeitsmarkt: Das Kapitel beleuchtet die Problematik des Übergangssystems und betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Berufsorientierung durch Vernetzung und praxisnahe Projekte.
3.1 Heranführung an den Arbeitsmarkt: Hier werden methodische Ansätze wie handlungsbezogener Unterricht und Betriebspraktika zur Vorbereitung auf das Berufsleben beschrieben.
3.2 Unterstützung und Vernetzung verschiedenster Akteure im Übergang von Schule - Beruf: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung persönlicher Zukunftsplanung und regionaler Netzwerke zwischen Schulen, Eltern und Rehabilitationspartnern.
3.3 Berufliche Integration von Menschen mit einer geistigen Behinderung durch Arbeitsassistenz: Es wird das Konzept der „Unterstützten Beschäftigung“ als Instrument zur Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt vorgestellt.
4. Ausblick und Visionen: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Umstrukturierung des Bildungssystems und ein gesellschaftliches Umdenken hin zu einer inklusiven Arbeitswelt.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, berufliche Teilhabe, Inklusion, erster Arbeitsmarkt, Übergangssystem, Werkstatt für behinderte Menschen, Arbeitsassistenz, Berufsorientierung, inklusive Bildung, Unterstützte Beschäftigung, Berufswahlkompetenz, Schulentwicklung, Förderbedarf, Integrationsfirmen, Arbeitsleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der beruflichen Teilhabe von Menschen mit einer geistigen Behinderung und den Möglichkeiten, diese beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Übergangssystem zwischen Schule und Beruf, die Rolle von Werkstätten, das Konzept der Unterstützten Beschäftigung sowie die Bedeutung von Netzwerkarbeit für eine erfolgreiche Inklusion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie junge Menschen mit geistiger Behinderung besser auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet und durch individuelle Unterstützungssysteme dort integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse aktueller Berichte, gesetzlicher Grundlagen (SGB IX) und wissenschaftlicher Fachpublikationen zur Geistigbehindertenpädagogik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Situation in Förderschulen, die Herausforderungen der Berufsorientierung sowie spezifische Förderinstrumente wie Praktika und Arbeitsassistenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, berufliche Integration, erster Arbeitsmarkt, Unterstützte Beschäftigung, Übergang Schule-Beruf und Kompetenzorientierung.
Wie unterscheidet sich die „Unterstützte Beschäftigung“ von der Arbeit in einer Werkstatt?
Während Werkstätten häufig als sekundärer Arbeitsmarkt fungieren, zielt die Unterstützte Beschäftigung darauf ab, Menschen mit Behinderung gezielt an Arbeitsplätzen des allgemeinen Arbeitsmarktes zu etablieren und dort dauerhaft zu begleiten.
Welche Bedeutung kommt der Vernetzung von Akteuren zu?
Die Vernetzung ist entscheidend, um die Kooperation zwischen Schule, Arbeitsverwaltung, Betrieben und Eltern zu stärken, damit junge Menschen individuell auf ihrem Weg in das Erwerbsleben begleitet werden können.
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- Anonym (Author), 2015, Berufliche Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung. Wie können sie beim Übergang in die Ausbildung und Erwerbstätigkeit unterstützt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314647