Kinderfernsehen. Zwischen Unterhaltung und Bildungsanspruch


Masterarbeit, 2015

36 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung des Kinderfernsehens
2.1 1980iger Jahre: „Konkurrenz"
2.2 1970iger Jahre: „die erste Vorschulserie"
2.3 1950-1966: „Die ARD als Alleinanbieter"
2.4 1967- 1973: „Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Bildung"
2.5 1997 bis heute: „Die Geburtsstunde des Kinderkanals"

3 Die wichtigen Merkmale und Aspekte des Kinderfernsehens
3.1 Wann handelt es sich um „gutes Kinderfernsehen“?
3.2 Vorstrukturierung einer Kinderlernsendung
3.3 Die vielfältigen Einstiegspunkte einer Kinderlernsendung

4 Die Anwendung der Merkmale und Aspekte an einer Magazinsendung
4.1 Das Format Magazinsendung
4.2 Die Sendung „pur+" vom 11.04.2015: „Eric kassiert die Handys ein"
4.3 Der Vorspann: Eine Vorstellung und Analyse.
4.4 Einführung in das Thema der Sendung: Der erste Beitrag und Analyse
4.5 Der zweite Beitrag und Analyse
4.6 Der dritte Beitrag und Analyse
4.7 Das Ende der Sendung und Analyse

5 Fazit

1 Einleitung

Das Medium „Fernsehen“ ist in der heutigen Zeit nicht mehr aus der Öffentlichkeit wegzudenken. Es wird von jedem Nutzer entweder zu Unterhaltungszwecken, zur Gewinnung von Informationen oder als Aneignung von Wissen benutzt. Die Nutzung des Fernsehens dient mit seinen vielzähligen Sendungen dem Freizeitvertreib oder dem Informationsbezug.

Die spezielle Form des Kinderfernsehens kann für die kindliche Entwicklung eine Bedeutung erhalten, wenn Sendungen ausgestrahlt werden, die wissensvermittelnde und lehrreiche Angebote enthalten. Aber nicht jedes Kind nutzt diese Angebote, die speziell für Kinder produziert werden. Viele Kinder präferieren Sendungen für Erwachsene, um wieder etwas Neues zu lernen oder sich subjektiv besser unterhaltet zu fühlen. Für die Kinder hat sich das Fernsehen als allerwichtigstes Alltagsmedium entfaltet. Nach neueren Untersuchungen nutzen 79% aller Kinder das Fernsehen als vorrangiges Medium (vgl. http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf14/KIM14.pdf, 2014, S. 20, Stand: 28.04.2015). Somit ist das Fernsehen der Spitzenreiter unter allen genutzten Medien. In jedem Haushalt gibt es zur Zeit mindestens ein Fernsehgerät (vgl. KIM-Studie, mpfs 2014, S.9).

Heutzutage können Kinder vom „Fern-Sehen“ sehr schwer ferngehalten werden, vor allem Kinder von sechs bis dreizehn Jahren besitzen schon zu 35% einen eigenen Fernseher (vgl. KIM-Studie, mpfs 2014, S.9). Deshalb gewinnen Fragen zur Qualität und sinngebendem Inhalt des Kinderfernsehens an Bedeutung. Insbesondere sollte aus der Elternperspektive ein geeignetes Kinderprogramm „lehrreich" sein, so die Studie „Kinderwelten 2000" (vgl. http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/ televizion/14_2001_1/goetz.pdf, S.3, Stand: 28.04.2015). Gert Müntefering - einer der erfolgreichen Mitgründer „der Sendung mit der Maus“ - beschrieb das Kinderfernsehen Anfang der 70er Jahre wie folgt: „Kinderfernsehen ist, wenn Kinder fernsehen" (Erlinger, 1998, S. 641). Dieses bekannte Zitat zeigt, dass das Kinderfernsehen sich nicht nur auf Sendungen beschränkt, die für Kinder gedacht sind. Gerne unterbreiten die Fernsehanstalten und Programmmacher auch Unterhaltsangebote wie Spielfilme, Gameshows, Sportsendungen, etc.

Vor dem beschriebenen Hintergrund stellt sich die Frage, wann das Fernsehen für Kinder „gut“ ist? Wie sind die Lernsendungen strukturiert? Auf was achten die Programmmacher? Lernen die Kinder durch diese Sendungen?

Unter diesem Aspekt sind die Kriterien "Unterhaltung“ einerseits sowie „Bildung" andererseits von besonderer Bedeutung. Die Sender WDR, ARD und ZDF sollen auch nach den Gesetzen für den öffentlichen Rundfunk[1] u.a. die Bildung und Unterhaltung unterstützen, zumindest ist das der Auftrag der jeweiligen Sender (vgl. https://www.lfm-nrw.de/fileadmin/lfm-nrw/Medienrecht/Merkblatt-Zulassung-bundesweiten-Fernsehens01-11.pdf+&cd=9&hl=de&ct=clnk&gl=de, S.3, Stand: 30.04.2015). Die Intention des Fernsehens, aufzuklären und Informationen mitzuteilen, ist den Programmdirektoren wichtig, steht aber eher an zweiter Stelle. Das primäre Ziel des Fernsehens ist es, die Zuschauer zu unterhalten, denn für die einzelnen Sender ist es wichtig, gute Quoten zu erreichen. Im Laufe dieser Arbeit wird zu untersuchen sein, wann und unter welchen Bedingungen eine Sendung Anreize zum Lernen gibt. Es ist zu vermuten, dass aus der Perspektive der Eltern die Qualitätsanforderung an das Kinderfernsehen dann erfüllt sind, wenn dem Faktor Bildung in einer Sendung nachgekommen wird. Denn Eltern möchten, dass ihre Kinder beim Fernsehen etwas Informatives lernen.

Hier soll nun meine Arbeit ansetzen und das Fernsehen für Kinder untersuchen. Das Ziel besteht darin, herauszufinden, ob beim Kinderfernsehen die Unterhaltung oder die Bildung an erster Stelle steht. Der Schwerpunkt in der Erarbeitung wird in der Untersuchung liegen, ob die Fernsehanstalten ihrem „Bildungsauftrag“ nachkommen. Ein Schwerpunkt wird dabei die Beantwortung der Frage sein, ob die Kinder durch für sie ausgewiesene Fernsehprogramme etwas lernen. Als Einstieg in die Thematik wird zunächst die Geschichte des Kinderfernsehens betrachtet und anschließend eine aktuelle Bestandsaufnahme vorgenommen. Es werden Merkmale und Konstruktionsaspekte für „gutes“ Kinderprogramm vorgestellt und eine Folge aus dem Kindermagazin „ZDF-tivi" genauer analysiert. Zum Schluss sollen alle Ergebnisse zusammengestellt werden und eine Stellungnahme unter Einbeziehung des Themas vorgenommen werden.

2 Die Entwicklung des Kinderfernsehens

2.1 1980iger Jahre: „Konkurrenz"

Ein kurzer Einblick in die Geschichte des Kinderfernsehens in Deutschland ist von Bedeutung, weil die heutige Darstellung des Kinderfernsehens in den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern eine wichtige Rolle spielen. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde das deutsche Kinderfernsehen hauptsächlich von ARD und ZDF ausgearbeitet. Nach Beginn der Einführung des dualen Rundfunksystems werden diese Umstände wesentlich geändert. Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender, sondern auch die privaten haben eine Vielzahl von Kinderprogrammen, die nun gesendet werden. Als Sendungstypen werden Magazine, Zeichentrickfilme, Nachrichten, etc. ausgestrahlt, die sich ausschließlich an Kinder der Altersgruppen drei bis dreizehn richten. Diese Entwicklung hat den Kinderfernsehmarkt nicht nur negativ beeinflusst, sondern auch im positiven Sinne befruchtet. Die zunehmende Konkurrenz hat dazu geführt, dass die einzelnen Fernsehsender sich nun mehr mit dem Inhalt und der Qualität des Kinderfernsehens befassen mussten. Die große Auswahl von Kinderprogrammen wird besonders von Eltern diskutiert und kritisiert, sie beziehen sich dabei meistens auf die Inhalte und der Darstellung der Sendungen (vgl. http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/forschung/fam_TV_send.htm#logo, Stand: 02.05.2015). Für Eltern und Pädagogen stellte sich heraus, dass sie bei Bildungssendungen und Nachrichten einen großen Wert auf die „Verständlichkeit" legen; bei Zeichentrickserien war die „Ästhetische Qualität" von Bedeutung. Vor allem sollten geeignete Kinderprogramme „lehrreich" und „altersadäquat" sein (vgl. www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/8_1999_1/nikken.pdf, Stand: 03.05.2015). Das bedeutet, dass überwiegend Produktionen geschätzt werden, die pädagogische Bausteine erkennen lassen und bei denen eine Lernidee im Mittelpunkt des Entwurfs steht. Aufgrund dessen vertrauen Eltern diese Fähigkeiten den öffentlich-rechtlichen Sendern an, da diese Sender Kinderfernsehen anbieten, die Impulse zum Nachdenken und zum Lernen geben bzw. auch einfache Erklärweisen haben (vgl. Ergebnisse der KIM-Studie, 2014). Vor dem beschriebenen Hintergrund liegt der Schwerpunkt der Ausführungen auf einer Analyse der öffentlich-rechtlichen Sendungen.

2.2 1970iger Jahre: „die erste Vorschulserie"

Das Kinderfernsehen gewinnt in den 70er Jahren zunehmend internationale Bedeutung. Die amerikanische Vorschulserie Sesame Street erreicht den ersten Preis beim Prix Jeunesse. Nie zuvor hatte ein Kinderprogramm so viel Aufmerksamkeit bekommen. Nach langen Diskussionen von Pädagogen und Soziologen wurde eine Ausgabe des amerikanischen Formats ausgestrahlt. Ende Januar 1973 wird die Vorschulserie zum ersten Mal unter dem Namen Sesamstrasse (heute bekannt als „Die Sendung mit der Maus“) im Ersten und den dritten Programmen von NDR als Lach- und Sachgeschichten ausgestrahlt. Das ZDF bemühte sich ebenfalls und sendete 1973 die eigen produzierte „Rappelkiste" (vgl. Löhr, 1991, S.50).

2.3 1950-1966: „Die ARD als Alleinanbieter"

Als sich Mitte der 1950er Jahre das Fernsehen in Deutschland immer mehr ausbreitete, war zunächst an Fernsehsendungen speziell für Kinder nicht zu denken. Damals schauten die Kinder - wenn überhaupt - mit den Eltern zu, die sich ihrerseits Nachrichten und Spielfilme anschauten. Später zeigte die „ARD“ vereinzelnd Sendungen für Kinder, allerdings ohne zielgerichtete pädagogische Hintergründe.

Zum Kinderfernsehen gab es auch in dieser Zeit Proteste von Kritikern, die der Meinung waren, das Fernsehen für Kinder nichts Sinnvolles vermitteln würde, sondern sogar zur Suchtgefährdung und Reizüberflutung beitragen würde (vgl. Mundzeck 1991, S.28). Die „ARD“ beschließt 1960, auf die Ausstrahlung von Kindersendungen unter sechs Jahren zu verzichten. Ab dem 1. April 1963 schließt sich das ZDF dem Konkurrenzsender an. Jedoch wird ab 1966 das Kinderprogramm des ZDF wieder vereinzelt ausgestrahlt, weil die vollständige Einstellung des Kinderfernsehens seinerseits erneut kritisch betrachtet wurde (vgl. Löhr, 1991, S.47-49).

2.4 1967- 1973: „Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung und Bildung"

Gerd Müntefering - der Mitgründer der Sesamstrasse - bringt 1969 die Diskussion um das Kleinkinderfernsehen in den Mittelpunkt der Diskussion. Er zitiert Mundzeck: „… die Kinder tun, was sie nach wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen gar nicht tun sollten. Sie sehen Sendungen, die sie nach diesen Erkenntnissen gar nicht begreifen und verstehen können..." (vgl. Albrecht zit. von Mundzeck 1991, S.28f). Gerd Müntefering fordert daher Kindersendungen, die Sprache und Inhalt, Form und Zielsetzung für den kindlichen Verstand geeignet sind (vgl. ebenda, S.29). Die zehn Thesen zum Kinderprogramm gibt sein WDR- Team 1967 bekannt, die ausdrücken, dass Kinder ein Recht auf Unterhaltung und Informationen haben und das der Fernseher ein relevanter Bestandteil des Lebens der Kinder ist. Daher sollten Sendungen für Kinder existieren (vgl. Saldecki 1998, S.21). Auch Ergebnisse aus den Bereichen der Soziologie und Psychologie zeigen zum Medienverhalten von Kindern, wie unterhaltende und pädagogische Sendungsinhalte von Kindern konsumiert und von Fernsehredakteuren vermittelt werden sollten. Nach all den Kritiken und Diskussionen wurde das Fernsehen ab jetzt aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Denn das Fernsehen wurde plötzlich als pädagogisch nutzbares Informationsmedium gesehen, welche das Lernverhalten von Kindern fördern und Wissensunterschiede ausgleichen kann (vgl. Serocka, 2008, S.12). Somit strahlte der bayrische Rundfunk 1969 die erste deutsche Vorschulserie „die Spielschule" aus. Die ARD und die Arbeitsgemeinschaft der Vorschulerziehung bemühten sich sehr und produzierten eigenständige Vorschulprogramme, wodurch die „Lach- und Sachgeschichten“ erarbeitet wurden. Als pädagogischen Sinn wurden „Realitätsbewältigung, Identitätsfindung, soziales Lernen, Anregung von Kreativität, Vermittlung von Spaß und Abendteuer und als letztes die Förderung von „Selbständigkeit" aufgeführt (vgl. Löhr 1991, S.54). Das ZDF bemühte sich ebenfalls und sendete 1973 die Eigenproduktion „Rappelkiste“.

2.5 1997 bis heute: „Die Geburtsstunde des Kinderkanals"

Die Geburtsstunde des Kinderkanals war 1997 gekommen. ARD und ZDF entschieden sich für einen gemeinsamen Kinderkanal namens „Ki.Ka“, dessen Hauptauftrag in einem werbe- und gewaltfreiem Fernsehprogramm bestand. Bis heute handelt es sich bei diesem Kindersender um einen der angesehensten lernorientierten Kindersender (vgl. WDR Köln, 1999, S.86). Ziel des Kinderkanals ist es, Fernsehanfänger langsam an das Fernsehen heranzuführen, bei der Konzeption wird verantwortungsvoll und kreativ vorgegangen mit dem Ziel, ein vielfältiges Angebot an kind- und altersgerechten Informations- und Unterhaltungsprogrammen zu entwickeln und auszustrahlen. Die Sender ARD, ZDF und KiKa haben sich in den letzten Jahrzehnten bis heute für das Kinderfernsehen eingesetzt und sich bemüht, ihre Konzepte kindsgerecht zu planen und vor allem unterhaltend zum Lernen zu motivieren (vgl. Saldecki, 1996, S.19). Vor allem die Programminhalte von „logo", „pur+" oder Vorschulprogrammen, die Tiersendungen, Dokumentationen oder Inhalte der Natur und Technik beinhalten, werden aufs Neue umgestaltet bzw. neu bearbeitet, um die Informationen unterhaltend und verständlich zu vermitteln.

3 Die wichtigen Merkmale und Aspekte des Kinderfernsehens

3.1 Wann handelt es sich um „gutes Kinderfernsehen“?

Fernsehen ohne zielgruppenorientierten Sinn hat weder für Erwachsene noch für Kinder einen Wert. Deshalb haben die Programmmacher für die Informationsvermittlung eine entscheidende Rolle. Sie sind beim Kinderfernsehen das Bindeglied zwischen Kindern und medialer Programmgestaltung, denn erst durch die Übertragung von Sendungen, die das Kinderfernsehen in Grundidee und Konstruktion ansprechen, können die durch das Medium vermittelten Informationsinhalte Kinder als Zielgruppe erreichen. Aufgrund dessen müssen diese Informationsinhalte so gezeigt werden, dass sie die Sehbedürfnisse von Kindern erfüllen. Die Grundidee und Gestaltung hängt also hauptsächlich von den präzisen Vorstellungen ab, die Moderatoren von Kindern haben (vgl. Serocka, 2008, S.23).

Geeignetes Fernsehen für Kinder sollte vor allem kindsgerecht sein, dies bedeutet, dass in der Sendung typisches Denken, emotionale Fähigkeiten und Bedürfnissen der unterschiedlichen Entwicklungsstufen von Kindern angestrebt werden. Außerdem soll es gleichzeitig informativ als auch unterhaltend sein, um die Erwartungen, Hoffnungen und Neugier sowie die Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder zu berücksichtigen (vgl. Jacobi 1998, S.7).

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die funktionsbestimmte Qualität. Hierbei greifen die Sendungen Themen der Kinder auf, die unter Mitschülern Gespräche anregen sollen bzw. bei denen Kinder über die neusten Ereignisse mitreden können. Es soll an den Lebensalltag der Kinder anbinden, so dass sie eine einfache und persönliche Beziehung zu den bearbeiteten Themen herstellen können (vgl. Kammann/Jurkuhn/Wolf, 2007, S. 89). In diesem Zusammenhang sollte ein Programm auch immer Identifikationsfiguren anbieten, denn diese Figuren haben bewundernswerte Talente, die die Kinder sehr anzieht und mit denen sie sich identifizieren. Sie sollten eine eindeutige Struktur haben, wiedererkennbar und optimistische Charaktere sein, denn sie sollen durch ihre Talente Kindern helfen, sich weiterzuentwickeln (vgl. TELEVIZION, 18/2005). Eine nächste Besonderheit ist es, Kindern die Welt zu zeigen und sie sich wundern zu lassen. Eine solche Aufmerksamkeit erlangt man bei den Kindern durch das Zeigen von z. B. wilden Tieren, Mondlandungen oder auch Dingen, die man mit bloßen Auge nicht sehen kann, wie kleine Lebewesen, die erst durch Vergrößerungen erkennbar werden. Diese Wunder der Welt sollten ein gutes Fernsehen für Kinder in verständlicher Weise erklären. Ein gutes Fernsehen ist aber auch verpflichtet, schlimme Ereignisse der Welt mit geeigneten und verständlichen Mitteln zu erklären, wie zum Beispiel Terroranschläge, Elend oder Naturkatastrophen (vgl. www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/18_2005_2/grewenig_lang.pdf, 2005, S.7, Stand: 15.05.2015). Kinder wollen vieles wissen bzw. informiert werden über das, was auf der Welt passiert. Sie haben auch ein Recht darauf, so dass Kindersendungen einen Informationsauftrag haben. Hierbei soll bei der Planung und den Produktionsprozessen die spezifischen Gestaltungsmöglichkeiten wie Fantasie, Kreativität, Inhaltsorientierung, intensive Bilder, Banalität, und vor allem der Spaß und die Neugier der Kinder nicht fehlen (vgl. Bachmair, 1997a, S. 233).

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass das Kinderfernsehen keine Schule ist, denn es gibt nur einen Kommunikationsweg: den vom Sender zum Empfänger. Grundsätzlich soll das Fernsehen aber durch lehrreiche Sendungen Kindern mit Spaß zum Lernen motivieren bzw. anregen und ihre Sendungen nicht mit Faktenwissen überbelasten. Der Spaß dabei ist sehr wichtig, wenn er nicht da ist, würde es keinen Sinn ergeben (vgl. http://www.bronline.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/18_2005_2/grewenig_lang.pdf, 2005, S.6,Stand: 20.05.2015). Denn letztendlich ist das Fernsehen für die Kinder ein Unterhaltungsmedium, wie es für die Erwachsenen auch ist. Des Weiteren sollte gutes Fernsehen Kinder auf Augenhöhe ansprechen. Eine herablassende Art wird von den Kindern wahrgenommen (vgl. ebd, 2005, S.7).

Die Kinderprogramme müssen ihr Publikum unter Berücksichtigung des kindlichen Bedürfnisses nach Unterhaltung erreichen: „Kinderprogramme erreichen ihr Publikum dann, wenn sie ihren Auftrag in eine spezielle Unterhaltungsqualität für Kinder überführen" ist einer der berühmten zehn Zitate von dem Fernsehjournalist Gert Müntefering (Serocka, 2008, S.158). Die Erreichbarkeit von Informationen sollte unterhaltend präsentiert werden, damit die Kinder es aufnehmen. Diese Informationen sollten nicht nur unterhaltend sein, sondern auch altersgerecht und verständlich dargestellt werden. Redakteure vermitteln diese mit Bildmaterial und mit einer einfach verständlich formulierten Sprache, die mit dem Tempo der Bildfolge übereinstimmt, wobei sie komplizierte Satzkonstruktionen ganz weglassen (vgl. ebd, 2008, S.51). Ist diese Vereinfachung nicht vorhanden, so würde auf Seiten der Kinder die Gefahr des Desinteresses bestehen. Wichtig für die Erreichbarkeit ist auch die Kommunikation außerhalb der Fernsehsendung, zum Beispiel, ob das Programm nach der Sendung den Kindern die Möglichkeit gibt, mit den Redakteuren der Sendung zu kommunizieren, bzw. ob es Telefonzeiten gibt, so dass Kinder Fragen, Kritik und Anregungen äußern können. Teilweise gibt es auch Internetseiten (Beispiel das Magazin-Programm logo!) der Programme, bei denen es eine Rubik gibt, in der Kinder Lob und Kritik ausdrücken können (vgl. ebd, S.53).

Ein weiteres Merkmal besteht darin, dass „gutes Kinderfernsehen“ werbefrei, gewaltfrei und ohne angsteinflößende Inhalte ist. Diese Eigenschaften werden von Eltern sehr geschätzt. Unteranderem sollte die Sendungen auch fixe Sendezeiten haben, denn wenn das angebotene Kinderprogramm nicht in den Tagesablauf der Kinder angepasst werden kann, findet das Angebot seine Zuschauer nicht und wird damit überflüssig (vgl. Sara Signer Widmer, 2013, S. 338). „Kinder erwarten ihre Sendungen zu den Zeiten, zu denen sie sehbereit sind, sie möchten sich darauf verlassen können, dass diese regelmäßig auf festen Programmplätzen auftauchen..." (Theunert 1995, S.152f.).

Der letzte wichtige Punkt des „guten Kinderfernsehens“ besteht darin, seinem Publikum Lust zu machen, das heißt, Kinder zu motivieren und zu mobilisieren. Kinder sollten sich durch die Sendung anregen lassen, um selbst ihr Umfeld zu entdecken und selbst aktiv zu werden, unteranderem sollten Kinder ermutigt werden, viele Fragen zu stellen. Denn wenn Kinder selber etwas machen und entdecken, lernen sie mehr, als wenn sie nur dabei zusehen (vgl. TELEVIZION, 18/2005/2, S.8).

3.2 Vorstrukturierung einer Kinderlernsendung

Bei dieser Arbeit geht es ausdrücklich um Kinderlernsendungen, die als Schwerpunkt die Vermittlung von Inhalten haben. Diese Inhalte müssen in eine Lernsendung angemessen festgesetzt werden, um bei den Kindern den Lernerfolg zu verbessern bzw. zu bewirken. Eine Arbeitsgruppe von PädagogInnen und MedienwissenschafftlerInnen hat diverse Lernsendungen untersucht und festgestellt, dass die Dramaturgie der Lernsendung jeweils Lern- und Rezeptionsräume zur Verfügung stellt, die sowohl für den Erfolg der Sendung als auch für das Lernen der Zuschauerinnen ausschlaggebend sind. Sie haben sich hierzu in einem Artikel detailliert mit der Dramaturgie von Lernsendungen und diesbezüglichen Qualitätskriterien auseinandergesetzt (vgl. Götz, Reich und Speckhamdan 2005, S. 86). Jedes Thema hat mehrere Seiten, aus der man sie beleuchten kann. Deshalb sollten Probleme in Lernsendungen nicht nur einseitig erläutert werden. Durch die Förderung unterschiedlicher Sichtweisen, können sich Kinder in eine für sie bekannte Sichtweise hineindenken und bekommen gleichzeitig über die weiteren aufgeführten Perspektiven die Möglichkeit, ihre eigene Anschauung zu verstärken (vgl. ebd, 2005, S.90). Da jedes Kind anders ist und ein persönliches Vorwissen hat, sollten möglichst viele Anknüpfungspunkte präsentiert werden. Deshalb ist die Vorstrukturierung einer Lernsendung aus der lerntheoretischen Sicht relevant, um auch bei den Kindern eine Erwartungshaltung zu bewirken. Mit dieser Erwartung wird auf Seiten des Lernenden eine Lernumgebung vorgestellt, die leichter aufzufassen ist. Im Folgenden werden nun die vier Varianten eines vorstrukturierten Einstiegs erläutert.

[...]


[1] Vgl. z. B. §§ 11 Satz 2 Rundfunkgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (LRG NW) in der Fassung der Bekanntmachung der Neufassung vom 24. August 1995 (GV. NW. 1995 S. 994), zuletzt geändert durch Gesetz vom 10. Februar 1998 (GV. NW. 1998 S. 148).

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Kinderfernsehen. Zwischen Unterhaltung und Bildungsanspruch
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
36
Katalognummer
V314661
ISBN (eBook)
9783668133181
ISBN (Buch)
9783668133198
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinderfernsehen, zwischen, unterhaltung, bildungsanspruch
Arbeit zitieren
Gökce Cavga (Autor), 2015, Kinderfernsehen. Zwischen Unterhaltung und Bildungsanspruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314661

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