"Jenseits von Gut und Böse". Nietzsches Entwurf vom Übermenschen


Hausarbeit, 2014

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Biographie

3. Ein Zugang zu Nietzsches Denkweise

4. Nietzsches Konzept vom Übermenschen

5. Jenseits von Gut und Böse

6. Würdigung und Kritik

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn? Wenig Philosophen haben in der Geschichte der Menschheit so tiefe Spuren hinterlassen wie er. Seine Persönlichkeit polarisiert, von Zukunftsvisionär bis Geisteskranker- Friedrich Nietzsche deckt ein facettenreiches Spektrum der gedanklichen Bandbreite ab und bezieht zudem ein hohes literarisches Niveau ein. Im Rahmen dieser Studienarbeit werden nach einem biographischen Abriss essentielle Gedanken und Konzepte, wie beispielsweise der Wille zur Macht oder die ewige Wiederkehr des Gleichen oder die Umwertung der Werte thematisiert. Komplettiert wird das Konzept des Übermenschen anschließend durch weitere essentielle Gedankengänge, wie dem Tod Gottes. Die Komplexität der Gedanken Nietzsches lässt eine Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten zu, die in diesem Rahmen nicht erfasst werden kann. Dennoch soll diese Arbeit einige Kemaussagen und Zusammenhänge Nietzsches enthalten und in den Kontext seiner Moralkritik gestellt werden. Was ist gut? Was ist böse? Und was bedeutet es, sich jenseits dieser moralischen Grundvorsteilungen zu bewegen? Diese und weitere Aspekte, jedoch besonders der Bezug zu seinem zentralen Leitbild, dem Übermenschen werden Gegenstand der Arbeit sein.

2. Biographie

Friedrich Nietzsche erblickt am 15. Oktober 1844 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Röcken das Licht der Welt. Im Alter von sechs Jahren stirbt dieser und Friedrich wächst anschließend nach dem Tod und dem Verzug nach Naumburg in einer ausschließlich von Frauen dominierten und streng pietistischen Umgebung auf. Bereits mit zehn Jahren brilliert der Knabe durch sein literarisches und musikalisches Geschick, was ihm eine Ausbildung am angesehenen Internat Schulpforta ermöglicht. Nach dem Abitur studiert Nietzsche ein Semester Theologie, wendet sich aber dann von der familiären Tradition ab und beginnt ein Studium der klassischen Philologie in Bonn und Leipzig. Er setzt sich in der folgenden Zeit intensiv mit den Werken Schopenhauers auseinander, von dessen Weitsicht er sich sehr angezogen fühlt. 1869 wird er im Alter von 24 Jahren noch vor seiner eigentlichen Promotion zum außerordentlichen Professor für klassische Philologie an die Universität Basel berufen, wo er eine fruchtbare Vorlesungstätigkeit entfaltet. Zu jener Zeit erreicht auch seine Freundschaft zu Richard Wagner, den er zu einem späteren Zeitpunkt verurteilte und verabscheute, seinen Höhepunkt. 1879 gibt Nietzsche seine Professur vorzeitig auf, wozu ihn die seit Kindheit bestehenden Krankheiten wie starke Kurzsichtigkeit bis zur praktischen Blindheit, Migräneanfálle oder Magenstörungen bewegten. In den Folgejahren reist der Mann viel und war schriftstellerisch tätig. Seine geistige Verwirrung beginnt im Jahre 1888, welche in Werken wie „der Fall Wagner“ (1888) oder ..Der Antichrist. Versuch einer Kritik des Christentums“ (1895) Spuren hinterlässt. Mit 45 Jahren bricht er in völlig geistiger Umnachtung an den Folgen einer Paralyse, die er sich durch eine früher erworbene Syphilis zuzog, zusammen. Seine Mutter sorgt anschließend für den verwirrten und von Schlaganfällen gezeichneten Mann. Nach ihrem Tod übernimmt Nietzsches Schwester diese Aufgabe, bis er am 25. August 1900 in Weimar stirbt.1 Elisabeth Förster-Nietzsche initiiert nach seinem Tod die Gründung des „Nietzsche Archivs“ und sorgt aktiv für eine Verbreitung und Darstellung des Gedankenguts in der Art und Weise, dass es dem nationalsozialistischen Ideal zuträglich war und verfälscht sowie fehlinterpretiert Auslebung fand.

3. Ein Zugang zu Nietzsches Denkweise

Nun folgend werden einige Begrifflichkeiten skizziert, die im Zusammenhang zur Erfassung der Denkweise Nietzsches von Bedeutung sind.

„Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern- so lehre ich's dich- Wille zur Macht!“2

Der Wille zur Macht stellt für Nietzsche einen Grundcharakter des Lebens dar. Nietzsche wendet sich mit seiner Formel des Willens zur Macht gegen traditionelle Auffassungen, die den Willen lediglich als Einheit oder Vermögen sehen. Er begreift den Willen als komplizierten Komplex, der nicht die Charakterisierung dieses oder jenes Seienden, sondern die durch jedes Seiende hindurch gehende Verfassung, darstellt. Demzufolge ist der Wille zur Macht eine durchgängige Grundverfassung und nicht auf den Menschen begrenzt.

„Leben selbst ist Wille zur Macht“3. Der Wille steht in direktem Zusammenhang mit Freiheit, daher impliziert der Wille zur Macht auch eine Freiheit des Willens. Im Prinzip fasst Nietzsche die gesamte (für ihn oberflächliche) Psychologie als Morphologie und Entwicklungslehre des Willens zur Macht‘ zusammen. Der Wille ist hierbei für ihn ein auf sich als Ziel gerichtetes Streben: „Das Wesen der Macht ist Wille zur Macht, und das Wesen des Willens ist Wille zur Machť.4 Der Wille zur Macht kann sich in einer Metapher des Kreises oder der Spirale vorgestellt werden, er ist niemals ruhend und verfolgt permanente Steigerung, Vergrößerung und Mehrung- eben ein ,Über'- sich- hinaus. Als zielgerichtetes Streben, das sich im Befehlen auf die Macht richtet ist der Wille zur Macht sowohl eine Relation im Prozess des Werdens, als auch Überstieg, der in sich selbst die Möglichkeit der Überwindung auf eine höhere Ebene birgt. Der Wille zur Macht als Möglichkeit der Überwindung folgt seiner Grundstruktur des ,Übers4.5 Erscheinen kann der Wille zur Macht auf zwei Weisen, denn er kann einerseits eine Steigerung und Wachstum des Lebens anzeigen und andererseits Schwächung und Niedergang. Als das Prinzip der neuen Wertsetzung bildet er die Grundlage für die menschliche Ausrichtung auf den Übermenschen.

„Der ewige Wiederkunfts- Gedanke, die höchste Formel der Bejahung“6

Das konstruktive Zentrum nimmt in Nietzsches Denkweise die ewige Wiederkehr ein. Diese besagt, dass „jedes Ereignis bereits unendlich oft eingetreten ist und in genau der gleichen Weise, wie es gegenwärtig eintritt, noch unendlich oft wieder eintreten wird. So gibt es strenggenommen keinen „letzten Menschen“, sondern eine unendliche Klasse letzter Menschen, keine einmalige Person Nietzsche, sondern eine unendliche Anzahl von völlig ähnlichen Nietzsches, die einander durch die Zeit widerspiegeln.“7 Der Übermensch ist zur völligen Bejahung, zur Annahme der ewigen Wiederkehr in der Welt und damit zur Akzeptanz der Wirklichkeit fähig. Ihn charakterisiert außerdem die Amor fati, die Liebe zum Schicksal. Einzig der Übermensch hat die Größe sein in alle Ewigkeit gleiches Schicksal zu akzeptieren und es sogar zu lieben. daß die bisherigen obersten Werte sich entwerten“8

Nietzsche bestrebte eine Beurteilung von Recht und Unrecht „jenseits von Gut und Böse“ (1886). Der Nihilismus- eine Bewegung des „Nichts“ (in verschieden starken Ausprägungen existierend) ist im Zuge des Darwinismus auch als historische, geistige Strömung des Abendlandes zu verstehen. Für Nietzsche bringt dieser eine Entwertung der obersten Werte mit sich. Das Wahre, das Gute, das Schöne, das wirklich Seiende- diese Werte werden gekippt und verlieren ihre Gültigkeit. Nihilismus meint für Nietzsche die Überzeugung von der Nichtigkeit, Zwiespältigkeit, Sinnlosigkeit und Wertlosigkeit der Wirklichkeit.9

[...]


1 Vgl. Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe. Die großen Philosophen in Alltag und Denken. München 200030, S. 257 ff. und Vgl. Universität Leipzig: Friedrich Nietzsche. http://www.uni-leipzig.de/~agintem/uni600/ugl86.htm.Rev.2014-10-09.

2 Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. In: Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Werke, Köln 2012, S. 448.

3 Nietzsche, Friedrich: Jenseits von Gut und Böse. In: Ders.: Sämtliche Werke. Hrsg. v. Colli, Giorgio und Montinari, Mazzino. KSA 5. jenseits von Gut und Böse, Zur Genealogie der Moral, München 201212, S. 27.

4 Heidegger, Martin: Nietzsche. Band 2, Pfullingen 19614, S. 265.

5 Vgl. Joisten, Karen: Die Überwindung der Anthropozentrizität durch Friedrich Nietzsche. Würzburg 1994, S. 44 ff.

6 Nietzsche, Friedrich: Ecce Homo. In: Nietzsche, Friedrich: Gesammelte Werke, Köln 2012, S. 942.

7 Danto, Arthur C: Friedrich Nietzsche. In: Hoerster, Norbert (Hrsg.): Klassiker des philosophischen Denkens, Bd.2, München 19822, S. 266.

8 Heidegger, Martin: Nietzsche. Band 2. Pfullingen 196RS. 276

9 Vgl. Küng, Hans: Existiert Gott? München Zürich 1978, S. 431.

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Details

Titel
"Jenseits von Gut und Böse". Nietzsches Entwurf vom Übermenschen
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V314686
ISBN (eBook)
9783668136601
ISBN (Buch)
9783668136618
Dateigröße
8849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jenseits, böse, nietzsches, entwurf, übermenschen
Arbeit zitieren
Jennifer Hilme (Autor), 2014, "Jenseits von Gut und Böse". Nietzsches Entwurf vom Übermenschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314686

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