Erosions- und Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet


Projektarbeit, 2016
50 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Zusammenfassung

1 Einführung

2 Sagen

3 Erosion und Verwitterung
3.1 Erosionsformen
3.2 Verwitterungsformen
3.2.1 Stand der Forschungen
3.2.2 Verwitterungsformen im Freistaat Sachsen
3.2.3 Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet
3.2.3.1 Genese
3.2.3.2 Opferkessel
3.2.3.3 Zerstörte Opferkessel

4 Aspekte des Denkmalschutzes

5 Danksagung

Quellenverzeichnis

0 Zusammenfassung

Schon seit jeher haben Hohlformen in unterschiedlichen Gesteinen auf Grund ihrer Auffälligkeit Menschen interessiert. Sagen, Mythen und Überlieferungen sind uns dazu bis heute überliefert.

Aber auch Wissenschaftler begannen sich bereits im 19. Jahrhundert mit den Entstehungsprozessen dieser Hohlformen näher zu befassen. Die Vorstellungen über die Genese der Hohlformen gingen bei ihren Betrachtungen oft weit auseinander. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Auffassung über eine natürliche Entstehungsweise durchgesetzt.

Anlass für die vorliegende Dokumentation waren die verschiedensten Mutmaßungen und Auffassungen über die Entstehung der Hohlformen am „Taufstein“ bei Obercrinitz.

Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich daher mit den Sagen und Mythen im deutschsprachigen Raum und speziell dem Kirchberger Granitgebiet.

Bei Hohlformen auf der Oberfläche von Gesteinen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Erosions- und Verwitterungsformen. Während die fluviale Erosion vor allem auf die einschneidende Tätigkeit von Fließgewässern zurückzuführen ist, entstanden die Opferkessel durch Verwitterungseinflüsse.

Eine Übersichtskarte zeigt die Lage der kartierten Opferkessel im Gebiet auf. Daran schließt sich eine umfassende Beschreibung der bisher im Kirchberger Granitgebiet aufgefundenen Opferkessel an. Für jeden Opferkessel werden Lage, Besonderheiten und Abmessungen aufgeführt; Fotos ergänzen diese Angaben.

Die Opferkessel haben unterschiedliche Formen und Abmessungen. Man trifft sie auf horizontalen und vereinzelt aber auch auf vertikalen Gesteinsoberflächen an. An abgerundeten Blöcken befindet sich die Auswitterung oft auch an den höchsten Stellen. Die Auswitterungen sind glatt, bei grobkörnigen Varietäten des Granits aber auch gröber ausgebildet.

Besondere morphologische Merkmale, dies wird an einigen Beispielen erläutert, deuten den Beginn einer Genese an.

Bei den Untersuchungen konnten auch Fragmente vormaliger Opferkessel aufgefunden werden, die man bei der Aufarbeitung der Blockfelder zur Steingewinnung im 19. und 20. Jahrhundert im Gebiet zerstörte.

Den Abschluss der Ausführungen bildet die Erörterung einiger Aspekte des Schutzes dieser besonderen Verwitterungsformen.

1 Einführung

Nahe der kleinen Gemeinde Obercrinitz steht versteckt in einem kleinen Wäldchen ein beeindruckender Granitblock mit unterschiedlich großen Vertiefungen, der in der Region als „Taufstein“ bekannt ist und der zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit von Wanderern und interessierten Natur- und Heimatfreunden auf sich zog.

Bei Kartierungsarbeiten zu den Spuren der Steinbearbeitung in den Wäldern des Kirchberger Granitgebietes in den Jahren 2010 bis 2013 (Thoss 2015) wurde die Aufmerksamkeit des Autors auf weitere schüsselförmige Vertiefungen in Granitblöcken gelenkt. Das war letztendlich Anregung, sich mit den Hohlformen in den Graniten des Gebietes näher zu beschäftigen.

Die Kirchberger Granitintrusion liegt südlich von Zwickau und hat die Form einer Ellipse. Ihre Größe wird bei Förster (in Pälchen & Walter 2008) mit 111 Quadratkilometern ausgewiesen.

Es befindet sich zwischen dem westlich gelegenen kleineren Bergener und dem südlich bis südöstlich gelegenen bedeutend größeren und etwas jüngeren Eibenstock-Karlsbader (neuerdings Eibenstock-Nejdecker) Granit. Sie werden nach Förster (in Pälchen & Walter 2008) den Gebirgsgraniten, der letztere den Erzgebirgsgraniten zugeordnet.

Vereinfacht lässt sich die Geologie des Kirchberger Granitgebietes (in Pälchen & Walter 2008, Leonhardt 2014, Thuss, briefl.) wie folgt beschreiben. Der Granit wird in seiner Gesamtheit dabei als „durchschnittlich fluorarmer Biotitgranit“ ausgewiesen.

Die Randbereiche werden von grobkörnigen, porphyrischen Biotitgraniten und im mittleren Teil aus mittelkörnigen zumeist gleichkörnigen Varietäten, der Westteil von feinkörnigen, oft gleichkörnigen Varietäten bestimmt (Förster in Pälchen & Walter 2008).

Verschiedene festgestellte Gesteinsalter, die oft recht nahe nebeneinander liegen, resultieren aus sich wiederholenden, lokal unterschiedlichen Aufheizungen sowie stagnierenden Abkühlungen in Verbindung mit gleichzeitiger Bruchtektonik.

Die Biotitgranittypen entsprechen nach der gegenwärtigen Nomenklatur einem Monzogranit. Die Hauptbestandteile setzen sich aus Kalifeldspäten (Mikroklin/Orthoklas) mit ca. 34%, Quarz ca. 30%, Plagioklas ca. 29% und Dunkelglimmer (Biotit) zwischen 3,1% und 8%, zusammen. Die akzessorischen Minerale (Nebenminerale) unterliegen mit nur sehr geringem Anteil (briefl. Thuss, Hartenstein).

Das Becken bildet eine Schüsselform und wird von einem bis zu 70 m hohen verwitterungsresistenten Wall aus härteren Kontaktgesteinen überragt. Dabei kommt es vereinzelt zu Überschneidungen mit den benachbarten Kontakthöfen des Bergener und Eibenstocker Granits.

Die Breite des Kontakthofes schwankt zwischen 0,5 und 3 km. Die die Granitintrusion umgebenden Kontaktgesteine sind in der Vergangenheit unterschiedlich benannt worden. Die Ausgangsgesteine (Sedimentablagerungen) der späteren Metamorphite um den Kirchberger Granit gehören zum Tieferen Ordovizium, dem Tremadoc.

Die Kontaktmetamorphose resultiert aus der nachfolgenden Plutonaufschmelzung und dem abschließenden Höhepunkt dieser varistischen Gebirgsbildung. Ausgangsgesteine sind Phyllite, feinschluffige Phyllite und Schluffschiefer, untergeordnet auch Quarzite u. a. Schiefer. In der inneren Kontaktzone treten neben Andalusitglimmerfels z. B. auch Turmalinschiefer und Kontaktquarzit auf. Im äußeren Kontakthof überwiegen hingegen Fleck-, Frucht- und Knotenschiefer (briefl. Thuss, Hartenstein).

Die noch zahlreich vorhandenen Blockansammlungen entstanden vor allem durch Dauerfrost und Auftauperioden im kaltzeitlichen Jahreswechsel auf die Längs- und Querklüfte. Einen Einfluss auf die ungleiche Verwitterungsfestigkeit haben die unterschiedlichen Körnungen des Gesteins sowie wechselnde Mineralkonzentrationen.

Prescher (1978) und Thuß (briefl.) vertreten die Auffassung, dass die vorhandenen flächenhaften Verwitterungsdecken in der Weichsel-Kaltzeit bis hin zum Boreal durch die Wechselwirkung zwischen Frostverwitterung und Bodenfließen entstanden. Auch Spaltenfrost sprengte vom anstehenden Gestein Blöcke und Scherben ab.

Auf den „Geologischen Specialkarten des Königreiches Sachsen“ (1884 bis 1912) und den Erläuterungen (Dalmer 1885, 1898, 1901,1915), sind die Granite nach feinkörnigen, porphyrisch feinkörnigen, mittelkörnigen, meist nicht porphyrischen, mittel- bis grobkörnigen porphyrischen und grobkörnigen porphyrischen Ausbildungsformen ausgewiesen.

Die Methodik zur Erfassung der Opferkessel erfolgte nach folgenden Kriterien:

- Ermittlung der Fundorte mittels Hoch- und Rechtswertes nach Gauß/Krüger und Eintrag der Lage in eine Arbeitskarte,
- die Anfertigung von Belegfotos,
- die Erfassung der Maße der Blöcke und Opferkessel,
- sowie eine Kurzbeschreibung der Besonderheiten.

Die Messungen waren auf Grund der mannigfaltig ausgebildeten Vertiefungen oft problematisch und sind deshalb teilweise mit subjektiven Fehlern belastet. Die ausgewiesenen Maße sollten deshalb, besonders beim „Taufstein“, unter diesem Aspekt betrachtet werden.

Alle Abbildungen stammen vom Autor.

2 Sagen

Diese seltsamen schüssel-, napf- oder rinnenförmigen Vertiefungen in Gesteinen gaben und geben bis in die Gegenwart immer noch Anlass zu unterschiedlichen Mythen und Erklärungsversuchen.

Bis heute noch vertreten viele die Ansicht, dass diese Vertiefungen von Menschenhand geschaffen wurden. Es verwundert daher nicht, dass auch einige Esoteriker die Überzeugung vertreten, dass diese Vertiefungen eine starke positive Strahlung aussenden.

Vor allem aus dem Fichtelgebirge sind diese Hohlformen als „Druidenschüsseln“ und „Opfersteine“ bekannt und werden sogar mit Menschen- oder Tieropferungen in Verbindung gebracht. Auch vermutete man an diesen Orten ehemalige Kultstätten.

Baier & Hochsieder (1990) haben dahingehend den Druidenhain bei Wohlmannsgesees in Oberfranken eingehend auf diesbezügliche Spuren untersucht. Für eine vermutete Kultstätte konnten allerdings keine belegbaren Erkenntnisse vorgelegt werden.

Beide Autoren kamen zu dem Schluss, dass eine Nutzung als vorgeschichtliche Kultstätte theoretisch zwar denkbar wäre, die natürliche Genese des Felslabyrinths aber als bewiesen gelten muss.

Vollrath (2008) erwähnt in seinen Ausführungen zwei Tagungen des Arbeitskreises Radiästhesie Nürnberg (= Strahlenempfänglichkeit sensitiver Personen), die im Druidenhain in Wohlmannsgesees stattfanden. Bei einem zufälligen Zusammentreffen der Teilnehmer dieser Tagung mit Vollrath (2008) kam es zu einem Meinungsaustausch. Dazu vertrat man u. a. von Seiten des Arbeitskreises die Meinung: „ Die beiden südlichen [genauer wohl: östlichen] Schüsseln des Felsblockes haben eine sehr starke positive Strahlung. … Wer jemals gleichzeitig Finger in ihr Wasser taucht, erfährt heilende Wirkung.“

In manchen Gegenden Europas ist man aber auch der Auffassung, dass diese Aushöhlungen früher als Gebärsteine Verwendung fanden. Wesentliche Eigenschaften waren entsprechende Höhlungen, die ausreichend Platz für eine hockende Gebärende boten, eine Mulde für das herausrutschende Kind hatten und auch Platz für eine unterstützende Person gewährten.

Auch in der Presse findet man hin und wieder diesbezügliche Hinweise, so in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 02.08.2012: „ Granit als Gebär-, Kompass- und Weltuntergangsstein “, in der WELT am SONNTAG vom 13.12.2009: „ Was waren Frosch- und Gebärstein? “, im Kurier vom 19.12.2005: „ Auch im Winter haben ‚mystische Plätze‘ für Wanderer ihren Reiz. Bei Kautzen im Bezirk Waidhofen etwa, ... ge-formte Felsgiganten - wie der ‚Gebärstein‘ - und der geheimnisvoll bearbeitete „Energiestein" und in DIE ZEIT vom 14.11.1997: „ Die mystische Kraft der Steine. … Im niederösterreichischen Waldviertel wahren Riesenfelsen aus Granit sowie prähistorische Opfer- und Kultplätze bis heute ihre Geheimnisse ..., ... eines Granitfelsens, der als ‚Gebärstein‘ bezeichnet wird, ... .

Aber auch als „Taufsteine“ sind diese Hohlformen im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Bei Sebnitz in Sachsen [1] befindet sich in einem kleinen Wäldchen ebenfalls ein kleinerer „Taufstein“. Es ist überliefert, dass in den Kriegswirren im 17. Jahrhundert die Sebnitzer in den Wald flüchteten und hier mehrere Wochen verbringen mussten. „ Ein großer Stein, in welchem eine Hölung zum Einsatz des Taufbeckens gehauen ist und auf dem man damals die Kinder im Walde taufte.“

Im Kirchberger Granit befindet sich inmitten eines waldbestandenen Knocks auf Obercrinitzer Flur der „Taufstein“. Mit seinen sechs unterschiedlich großen Vertiefungen wirkt er wie ein überdimensionaler kariöser Backenzahn.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich um diesen Stein auch eine Sage rankt, die Köhler (1886) wahrscheinlich von Wetzel (1881) in sein Sagenbuch des Erzgebirges aufgenommen hat und die hier in wesentlichen Teilen vorgestellt werden soll:

„Als vor langer, langer Zeit das Christentum sich auch in unserer Gegend Anhänger zu erwerben begann, konnte die Verehrung des wahren Gottes nur im geheimen geschehen, da sonst die heidnischen Priester den Christen ein sicheres Verderben bereitet hätten; besonders aber mußte die Taufe geheim gehalten werden. Deshalb suchten die wenigen Christen einsame, tief im Walde versteckte Orte auf, wo sie ungesehen und unbemerkt die heilige Taufe vollziehen konnten. Zu diesem Behufe wählten sich nun die Glaubensgenossen große, auf bewaldeten Anhöhen liegende Steine aus und arbeiteten in dieselben ein Becken zur Aufnahme des Wassers, drei Sitze für die drei Taufpaten und einen für den Täufling hinein. Der Taufstein bei Obercrinitz soll nun von unsichtbaren Mächten beschützt werden, und niemand hat das Becken vollständig ohne Wasser gesehen. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal eines Abends als junger Bursche mit seinen Freunden das Wasser gänzlich ausgeschöpft, doch als sie am nächsten Morgen nachgesehen, sei eine größere Menge Wassers in dem Becken zu finden gewesen als vorher, obgleich es die ganze Nacht nicht geregnet hatte. Schon oft hätten die Steinmetzen sich an den Stein gemacht, um ihn zu zerschlagen und zu verarbeiten, aber die ‚Uhamel‘ (Unheimel?), mit dem in der Gegend auch die Mütter ihren Kindern drohen, um sie zur Ruhe zu bringen, habe sie stets auf den Arm geschlagen, so daß sie von der Arbeit hätten abstehen müssen. Der Taufstein wurde deshalb jetzt von ihnen in Ruhe gelassen. Noch wird erzählt, daß in dem Wasserbecken Geld liege.“

Wetzel beschäftigt sich bereits 1881 eingehend in seinem Beitrag mit dem „Taufstein bei Oberkrinitz“. Dabei setzt er sich ausführlich mit dem Wissensstand seiner Zeit auseinander:

„Obschon unsere Sagen bestimmt von einem Taufsteine sprechen und die in ihm vorhandene größere Vertiefung als Taufbecken bezeichnen, so glaube ich doch, dass der Krinitzer Granitblock ein alter Opferstein ist und habe ich deshalb die sich mit ihm verknüpfenden Sagen dem ersten Abschnitte des Sagenbuchs angereiht. Bestimmend ist für mich seine offenbare Ähnlichkeit mit Blöcken im Fichtelgebirge, in Schlesien und andern Landesteilen, welche von den meisten Archäologen für Opfersteine angesehen, aber von dem Volke nicht immer als solche, sondern auch als Richter- und Teufelssitze, Teufels- und Hexenschüsseln usw. bezeichnet werden. In den Schüsseln sammelten die Priester das Blut der geschlachteten Tiere und zum Opfer bestimmten Kriegsgefangenen, um dann vielleicht ihre Hände hinein zu tauchen und das umstehende Volk damit zu besprengen. Obschon Dr. H. Gruner (Opfersteine Deutschlands, Leipzig, 1881) die schüssel- und muldenartigen Vertiefungen als durch Einwirkung von Frost und Atmosphärilien, Gletschertätigkeit oder Wasserstrahlen entstanden erklärt, würde doch ihre spätere Benutzung zu Opferzwecken damit nicht ausgeschlossen sein, schreibt doch Dr. Gruner (S. 7) selbst: ‚ Dass viele Steine zu solchem Zwecke gedient haben, soll nicht bestritten werden.‘ Unsere zweite Sage vom Krinitzer Taufsteine fasst übrigens die Hauptvertiefung ebenfalls als ein Naturbecken auf. Ganz unwahrscheinlich klingt in der zuerst mitgeteilten Sage die Deutung der übrigen Vertiefungen als Sitze für den Täufling und die Taufpaten. Die Täuflinge stiegen in der ersten christlichen Zeit wohl durchgängig ins Wasser und wurden untergetaucht, später, vom 8. Jahrhundert an, trat das Begießen und Be sprengen an die Stelle des Untertauchens, obschon sich in der lateinischen Kirche das letztere teilweise noch bis ins 13. Jahrhundert erhalten hat. (Hauff, Bibl. Real- und Verbal- Concordanz, II. S. 748.) Es wäre dabei allerdings immer möglich, dass man am Krinitzer Taufsteine aus dem mittelsten Becken das Wasser geschöpft und damit den Täufling besprengt habe. Daraus aber, dass eine der Vertiefungen als Sitz für den Täufling bezeichnet wird, ergibt sich, dass der Taufstein bei Erwachsenen benutzt wurde. Wozu dienten dann aber die andern Sitze, da ja wohl bei der Taufe von Erwachsenen keine Paten nötig waren? Es kann nämlich angenommen werden, dass die Wahl von Paten zugleich mit der Kindertaufe gegen Ende des zweiten Jahrhundert in der christlichen Kirche Gebrauch wurde. Mir erscheint es darum wahrscheinlicher, in unserm Taufsteine einen heidnischen, entweder germanischen oder slawischen Opferstein zu erblicken, und zwar auch in Berücksichtigung der Sage von dem dämonischen ‚ Uhamel‘ , welcher ihn gegen Steinmetzen schützen soll. Von spukhaften Gestalten, welche alte Opfersteine schützen, erzählen auch andere Sagen. So befindet sich bei Mukwar auf einem Hügel ein Stein, von dem man sagt, dass auf demselben einst geopfert worden ist. Als denselben einst ein Arbeiter zerschlagen wollte, sah er auf ihm eine Gestalt in langem, weißem Gewande sitzen. Vor Schrecken lief er davon und seit der Zeit hat niemand mehr Hand an den Stein zu legen gewagt. (Veckenstedt, Wendische Sagen und Märchen. Graz, 1880, S. 431.)“

Noch heute zieht der Taufstein viele Menschen in seinen Bann. Ein Rundwanderweg führt dort vorbei, aber auch die Kirchgemeinde Obercrinitz [2] veranstaltete dort in den letzten Jahren unter reger Beteiligung der Gemeinde mehrere Gottesdienste.

In den Zeiten intensiver Aufarbeitung der Granitblöcke (Thoss 2015) im 19. Jahrhundert sollte auch der Taufstein bei Obercrinitz zerschlagen und verkauft werden.

In den Sitzungsberichten der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS 1886 in Dresden wird berichtet, dass durch Vermittlung des Pastors Schürer (Obercrinitz) ein Abbau verhindert werden konnte. Der Besitzer versprach damals, den Stein vor einem Abbau zu verschonen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Erosions- und Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet
Autor
Jahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V314935
ISBN (eBook)
9783668146839
ISBN (Buch)
9783668146846
Dateigröße
10462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufarbeitung Granitblöcke, Crinitzer Wasser, Fluviale Erosion, Gebärstein, Hirschfeld, Irfersgrün, Kirchberger Granit, Lochmühle, Marienstein, Morphologie, Niedercrinitz, Obercrinitz, Opferkessel, Pechtelsgrün, Pfarrholz Hirschfeld, Taufstein
Arbeit zitieren
Wolfgang Thoß (Autor), 2016, Erosions- und Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314935

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