Schon seit jeher haben Hohlformen in unterschiedlichen Gesteinen auf Grund ihrer Auffälligkeit Menschen interessiert.
Im Kirchberger Granit wurden Hohlformen im Zeitraum zwischen 2011 und 2014 dokumentiert. Dabei wird zwischen fluviatilen Erosionen und Verwitterungsformen, den Opferkesseln im Granit, unterschieden.
Es erfolgt eine Erläuterung der wichtigsten Theorien zu ihrer Entstehung im Verlauf der letzten 150 Jahre und der Darstellung des gegenwärtigen Wissensstandes. Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich mit den damit verbundenen Sagen und Mythen im deutschsprachigen Raum und speziell dem untersuchten Gebiet.
Die dokumentierten Erosions- und Verwitterungsformen (Opferkessel) werden bildlich dargestellt und kommentiert. Die Opferkessel haben unterschiedliche Formen und Abmessungen. Man trifft diese auf horizontalen, vereinzelt auch auf vertikalen Gesteinsoberflächen an. Eine Übersichtskarte zeigt die Lage der kartierten Opferkessel im Gebiet.
Abschließend werden einige Aspekte des Denkmalschutzes besprochen.
Inhaltsverzeichnis
0 Zusammenfassung
1 Einführung
2 Sagen
3 Erosion und Verwitterung
3.1 Erosionsformen
3.2 Verwitterungsformen
3.2.1 Stand der Forschungen
3.2.2 Verwitterungsformen im Freistaat Sachsen
3.2.3 Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet
3.2.3.1 Genese
3.2.3.2 Opferkessel
3.2.3.3 Zerstörte Opferkessel
4 Aspekte des Denkmalschutzes
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Hohlformen in den Granitgesteinen des Kirchberger Granitgebietes, insbesondere die sogenannten „Opferkessel“, wissenschaftlich zu dokumentieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Formationen entstehen, welche Rolle Sagen und Mythen bei der Deutung dieser Steine spielen und wie die verbliebenen Exemplare unter Aspekten des Denkmalschutzes bewahrt werden können.
- Wissenschaftliche Analyse der Entstehung von Opferkesseln durch Verwitterung.
- Aufarbeitung lokaler Sagen und Mythen rund um den „Taufstein“ und ähnliche Gesteinsformationen.
- Kartierung und detaillierte Beschreibung der im Kirchberger Granitgebiet identifizierten Opferkessel.
- Diskussion über die Einflüsse von Steinbearbeitung und natürlicher Verwitterung auf den Erhalt der Objekte.
- Empfehlungen zur denkmalpflegerischen Bewertung und touristischen Ausweisung der Fundorte.
Auszug aus dem Buch
3.2 Verwitterungsformen
Durch Verwitterung entstandene Hohlformen findet man in den unterschiedlichsten Gesteinen, besonders verbreitet aber in Karstgebieten. Nicht selten beobachtet man diese Hohlformen auch in magmatischen Gesteinen. So untersuchte und vermaß GRUNER (1881) bereits im 19. Jahrhundert die großen Steinkessel im Granit des Riesengebirges. Aber auch von den Graniten des Fichtelgebirges sind diese weit über Bayern hinaus bekannt geworden. Hier hat sich vor allem VOLLRATH (2008) eingehend mit diesen geomorphologischen Erscheinungsformen beschäftigt.
GÜNTHER (1909) meint in seinen Ausführungen: „Zur Frage der durch Verwitterung entstehenden Gesteinsaushöhlungen“:
„Der früher hier und dort gehegten Meinung, man habe es da mit künstlich hergestellten Löchern zu tun, die etwa in heidnischer Vorzeit bei Opferfesten zur Aufnahme des Blutes gedient hätten, ist zwar von wissenschaftlicher Seite entschiedener Widerspruch entgegengesetzt worden, aber die an diesen Wahn erinnernde Bezeichnung hat sich nichtsdestoweniger erhalten und wird auch kaum mehr zu beseitigen sein.“
Über ihre Entstehung gab es viele Theorien. 1937 vertrat man nach GEBAUER (1937) noch folgende sehr unterschiedliche Auffassungen bezüglich ihrer Entstehung:
- die Glazialtheorie (Gletschertöpfe),
- die Erosionstheorie (fallendes und fließendes Wasser, Strudeltöpfe),
- die Verwitterungstheorie (Ergebnis der Einwirkung von Sonne, Wind, Wasser und Frost),
- die Zersetzungstheorie (Chemische Zerstörung des Gesteins),
- die basische Knödel-Theorie (Auswitterung von weichen Einschlüssen, Freiwerden von harten Einschlüssen im Gestein).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Zusammenfassung: Ein Überblick über das Thema der Hohlformen in Gesteinen, von historischen Mythen hin zur heutigen wissenschaftlichen Auffassung der natürlichen Entstehung.
1 Einführung: Vorstellung des Kirchberger Granitgebietes sowie der Anlass zur Beschäftigung mit den dortigen schüsselförmigen Vertiefungen, angeregt durch Kartierungsarbeiten.
2 Sagen: Analyse der mythologischen Deutungen dieser Hohlformen als vermeintliche Kultstätten, Gebärsteine oder Taufbecken in der Erzählkultur.
3 Erosion und Verwitterung: Differenzierung zwischen fluviatiler Erosion und verschiedenen Verwitterungsprozessen, die zur Bildung von Hohlformen führen.
3.1 Erosionsformen: Erläuterung der fluvialen Erosion durch Fließgewässer und deren begrenzter Einfluss auf die Gesteinsformationen im untersuchten Gebiet.
3.2 Verwitterungsformen: Vertiefende Betrachtung der Verwitterungsprozesse, die primär zur Ausbildung der sogenannten Opferkessel beitragen.
3.2.1 Stand der Forschungen: Historischer Rückblick auf die wissenschaftlichen Theorien zur Kesselbildung in magmatischen Gesteinen.
3.2.2 Verwitterungsformen im Freistaat Sachsen: Dokumentation bekannter Beispiele von Opferkesseln an verschiedenen Standorten in Sachsen.
3.2.3 Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet: Detailanalyse der spezifischen Geologie und der Entstehungsbedingungen der Hohlformen im Kirchberger Raum.
3.2.3.1 Genese: Erörterung der physikalischen und chemischen Einflüsse, die eine Kesselbildung im Granit begünstigen.
3.2.3.2 Opferkessel: Auflistung und detaillierte Beschreibung der im Untersuchungsgebiet kartierten Opferkessel mit Angaben zu Lage, Maßen und Beschaffenheit.
3.2.3.3 Zerstörte Opferkessel: Dokumentation von Hohlformen, die im Zuge der historischen Steingewinnung oder Blockaufarbeitung zerstört wurden.
4 Aspekte des Denkmalschutzes: Erörterung der Notwendigkeit und Möglichkeiten, diese geomorphologischen Besonderheiten als Kulturdenkmale zu erhalten.
Schlüsselwörter
Opferkessel, Kirchberger Granit, Verwitterung, Erosion, Taufstein, Granitblock, Silikatkarst, Geomorphologie, Denkmalschutz, Sagen, Biotitgranit, Schalenbildung, Kultstätte, Geologie, Naturdenkmal
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entstehung, Verbreitung und kulturelle Bedeutung von schüsselförmigen Hohlformen in den Granitblöcken des Kirchberger Granitgebietes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geologie, der Verwitterungssymbolik, der lokalen Sagenwelt und der denkmalpflegerischen Bewertung von Gesteinsformationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der sogenannten Opferkessel im Kirchberger Granitgebiet, um deren natürliche Entstehung zu belegen und ihren Schutzstatus zu untermauern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt Geländebeobachtungen, Vermessungen von Blöcken und Hohlformen, Fotodokumentation sowie den Abgleich mit historischem Kartenmaterial und geologischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung von Erosions- und Verwitterungsformen sowie die detaillierte Katalogisierung der Fundorte, unterteilt in erhaltene und durch Steinbearbeitung zerstörte Objekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Opferkessel, Kirchberger Granit, Verwitterung, Geomorphologie und Denkmalschutz.
Warum wird der „Taufstein“ bei Obercrinitz als so wichtig erachtet?
Der Taufstein gilt als der eindrucksvollste Granitblock dieser Art in der Region und ist aufgrund seiner komplexen Form und der damit verbundenen Sagen bereits seit langer Zeit ein bekannter, schützenswerter Ort.
Welche Rolle spielen die Sagen für die wissenschaftliche Einordnung?
Sagen dienen als kulturelles Zeugnis dafür, wie Menschen die auffälligen Vertiefungen in der Vergangenheit interpretiert haben; wissenschaftlich betrachtet müssen diese Deutungen jedoch von der natürlichen Genese durch Verwitterungsprozesse unterschieden werden.
- Citation du texte
- Wolfgang Thoß (Auteur), 2016, Erosions- und Verwitterungsformen im Kirchberger Granitgebiet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314935