Die technologische Entwicklung ist einer rasanten Beschleunigung unterworfen, die nicht nur die Geschwindigkeit der einzelnen Komponenten betrifft, sondern auch deren
Vernetzung und Kommunikationsfähigkeit. Neben der Miniaturisierung und dem Hinzugewinn von Mobilität verringerte sich auch die körperliche Distanz bei der Computernutzung durch den Menschen. Zudem erhöhte sich der Zeitraum, in dem das Gerät sich in unmittelbarer körperliche Nähe zum Nutzer befindet. Es ist nicht länger nötig, spezielle Räume für Datenverarbeitung aufzusuchen. Es genügt ein Griff in die Hosentasche, um das Smartphone nutzen zu können, das den Charakter eines vernetzen mobilen Computers mit Telefoniefunktion besitzt. Das Smartphone hilft so im Alltag bei der mobilen Kommunikation und der Beschaffung von Informationen. Häufig wird es aber in den unpassendsten Momenten zu einem akustischen Ärgernis und erfordert zudem
bei der Bedienung die volle Aufmerksamkeit.
Das Wearable Computing setzt an dieser Stelle an. Es verändert entscheidend die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, wobei für das Gerät erkennbar wird, wann jemand Informationen benötigt oder wann er gestört werden kann. Das Gerät wird am Körper getragen, ist permanent aktiv und stellt dem Träger unmittelbar und dezent Informationen zum Abruf bereit. Die Herausforderung liegt darin, dass es die Umwelt
und den Träger (er-)kennen muss, um situationsbedingte Entscheidungen treffen zu können. Dazu greift das Gerät auf Sensoren zurück, die unter anderem Vitaldaten des Trägers oder audiovisuelle Daten der Umwelt erfassen. Bietet diese Technologie damit ein großes Potential, das es auszuloten gilt, stellen sich zugleich die Fragen, ob Wearable Computing als Innovation die Menschen einen Schritt weiter in die totale Digitalisierung führt und es damit zum informationellen Kontrollverlust kommt oder ob der Datenschutz und die Datensicherheit sich vor dem immer lauter schallenden „Code is Law!“ behaupten kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problem- und Aufgabenstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Datenschutz und Datensicherheit
2.1 Daten und Informationen
2.1.1 Daten im juristischen Sinne
2.1.2 Daten in der Computerwissenschaft
2.1.3 Informationen
2.2 Datenschutz
2.2.1 Motivation zur Schaffung von Datenschutz
2.2.2 Datenschutz in Deutschland
2.2.3 Datenschutz in Europa
2.2.4 Datenschutz International
2.2.5 Datenschutz Grundprinzipien
2.2.6 Safe-Harbor-Abkommen
2.3 Datensicherheit
2.3.1 Schutzziele
2.3.2 Datensicherheit operationalisieren
2.4 Soziologische Aspekte von Datenschutz und Datensicherheit
3 Wearable Computing
3.1 Einführung
3.1.1 Attribute des Wearable Computing
3.1.2 Augmented Reality
3.1.3 Interessenvertreter und treibende Faktoren
3.2 Abgrenzung zu anderen Technologien
3.2.1 Ubiquitous Computing und Wearable Computing
3.2.2 Mobile Computing und Wearable Computing
3.3 Klassifikation von Wearables
3.3.1 Einteilung nach Körperteil und Anwendungsbereich
3.3.2 Einteilung nach technologischer Entwicklung
3.4 Technische Daten
3.4.1 Hardwarearchitektur
3.4.2 Sensoren
3.4.3 Betriebsdauer
3.4.4 Speicherkapazität
3.5 Evaluation des Datenschutzes
3.5.1 Anwendung im Sport und Fitnessbereich
3.5.2 Anwendung in der Medizin
3.5.3 Anwendung in der Versicherungsbranche
3.5.4 Anwendung bei der Polizei und der Strafverfolgung
3.5.5 Anwendung in der Industrie
3.5.6 Wearable Computing und die Prinzipien des Datenschutzes
3.6 Evaluation der Datensicherheit
3.6.1 Ermitteln des Schutzbedarfs
3.6.2 Ermitteln des Informationsflusses
3.6.3 Sicherheit der Kommunikation
3.6.4 Sicherheit von Wearable-Betriebssystemen
3.6.5 Risiken für die Datensicherheit
3.6.6 Datensicherheit im Privat- und Geschäftsumfeld
4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Kritische Betrachtung der Ergebnisse
4.3 Weiterführende Arbeiten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das Potenzial von Wearable Computing als disruptive Innovation unter Berücksichtigung ihrer Anwendungsfelder und untersucht kritisch die daraus resultierenden Risiken für Datenschutz und Datensicherheit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob eine datenschutz- und datensicherheitskonforme Verarbeitung personenbezogener Daten bei dieser Technologie möglich ist oder ob sie zu einem informationellen Kontrollverlust führt.
- Grundlagen des Datenschutzes und der Datensicherheit in Deutschland und Europa
- Definition, Klassifikation und technische Architektur von Wearables
- Evaluation von Datenschutz und Datensicherheit in verschiedenen Anwendungsbereichen (Sport, Medizin, Versicherung, Polizei/Industrie)
- Analyse der Sicherheit von Wearable-Betriebssystemen und Kommunikationsstandards
- Soziologische Aspekte und das Privacy-Paradoxon im Kontext der Technologie
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Attribute des Wearable Computing
Rhodes, der am Massachusetts Institute of Technology forscht, definierte den Begriff Wearables im Jahr 1997 für tragbare Computer und nannte fünf charakteristische Merkmale. Das Hauptunterscheidungsmerkmal gegenüber Laptops oder Desktop PCs ist die Benutzung des Geräts, während der Nutzer läuft oder anderweitig in Bewegung ist. Das zweite Merkmal berührt die Bedienbarkeit des Geräts ohne oder allenfalls mit minimalem Einsatz der Hände. Eingaben sollen durch Sprache und die Ausgabe über Head-up-Display oder als Sprachausgabe in militärischen und industriellen Anwendungsfällen erfolgen. Das dritte Merkmal betrifft die Sensorik, die neben Vitaldaten des Nutzers auch Umweltdaten über drahtlose Kommunikation, GPS, Kameras und Mikrofon erfasst. Viertens sollen Wearables den Nutzer proaktiv, d. h. ohne eine durch den Nutzer manuell initiierte Aktion über Ereignisse informieren. Das fünfte Merkmal betrifft die standardmäßige permanente Aktivität des Gerätes und der Sensoren. Das Gerät muss nicht manuell aktiviert werden oder vor der Nutzung einen Bootprozess durchlaufen.
Steve Mann lieferte auf der ersten Internationalen Wearable-Computing-Konferenz (ICWC 98) einen weiteren Definitionsansatz:
“Wearable computing facilitates a new form of human-computer interaction comprising a small body-worn computer (e.g. user-programmable device) that is always on and always ready and accessible. In this regard, the new computational framework differs from that of hand held devices, laptop computers and personal digital assistants (PDAs). The ‘always ready’ capability leads to a new form of synergy between human and computer, characterized by long-term adaptation through constancy of user-interface.”
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die technologische Entwicklung mobiler Systeme ein, definiert das Wearable Computing als neue Form der Mensch-Maschine-Interaktion und stellt die Forschungsfrage bezüglich der Risiken für Datenschutz und Datensicherheit.
2 Datenschutz und Datensicherheit: Dieses Kapitel erläutert elementare Begriffe und rechtliche Grundlagen des Datenschutzes und der Datensicherheit, analysiert nationale sowie europäische Regelungen und betrachtet soziologische Aspekte des Themas.
3 Wearable Computing: Das Kapitel bietet eine Einführung in die Technologie, klassifiziert Wearables anhand ihrer Eigenschaften und Anwendungsbereiche, bewertet den Datenschutz sowie die Datensicherheit in verschiedenen Branchen und analysiert technische Sicherheitsaspekte der Betriebssysteme.
4 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die technologische Entwicklung und den Datenschutz kritisch und gibt Ausblicke auf zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Wearable Computing, Datenschutz, Datensicherheit, Informationelle Selbstbestimmung, Personenebezogene Daten, Sensortechnik, Wearables, Mobile Computing, Sicherheit, Datenschutz-Grundverordnung, Fitness-Tracker, Privacy-Paradoxon, Augmented Reality, Betriebssysteme, Verschlüsselung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der disruptiven Innovation „Wearable Computing“ und den notwendigen Anforderungen an den Datenschutz sowie die Datensicherheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die rechtlichen Grundlagen des Datenschutzes, die technische Klassifikation von Wearables, die Analyse von Anwendungsfällen und die Bewertung der Datensicherheit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Chancen und Potenziale von Wearable Computing herauszuarbeiten und gleichzeitig die Risiken für den Datenschutz und die Datensicherheit in verschiedenen Anwendungsfeldern fundiert zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur, Studien, Gesetzen, internationalen Abkommen und technischen Spezifikationen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsbestimmung, eine umfassende Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine praxisnahe Evaluation von Wearables in Sport, Medizin, Versicherung und Industrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Wearable Computing, Datenschutz, Datensicherheit, personenbezogene Daten, informationelle Selbstbestimmung und Wearable-Betriebssysteme.
Inwiefern beeinflussen internationale Handelsabkommen wie TTIP den Datenschutz bei Wearables?
Die Arbeit erläutert, dass solche Abkommen den Ausbau strenger Datenschutzstandards hemmen könnten, da Investitionsschutz-Klauseln Unternehmen aus den USA rechtliche Angriffsflächen gegen schärfere europäische Regeln bieten könnten.
Was besagt das sogenannte „Privacy-Paradoxon“ im Kontext der Arbeit?
Das Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Nutzer zwar ein hohes Bewusstsein für Datenschutzprobleme äußern, sich jedoch im Alltag konträr dazu verhalten und bereitwillig viele Informationen über sich preisgeben.
Warum bewertet der Autor Wearables in der Industrie oder bei der Polizei als besonders kritisch?
Aufgrund der permanenten Erfassung sensibler Daten und der potenziellen Nutzung von Video- sowie Audioaufzeichnungen sieht der Autor hier erhöhte Gefahren für Persönlichkeitsrechte und die informationelle Selbstbestimmung.
Gibt es bei Wearables ein generelles Problem bei der Verschlüsselung?
Ja, laut Analyse müssen Verschlüsselungsmechanismen oft auf Applikationsebene durch Entwickler implementiert werden, da viele Betriebssysteme auf Wearables keine systemseitige Verschlüsselung der Daten bieten.
- Quote paper
- Mario Möller (Author), 2015, Wearable Computing. Datenschutz und Datensicherheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315001