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Rhetorik und Autonomie in Goethes "Iphigenie auf Tauris"

Title: Rhetorik und Autonomie in Goethes "Iphigenie auf Tauris"

Seminar Paper , 2003 , 14 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sarah Trede (Author)

Rhetoric / Elocution / Oratory
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„Was der Dichter diesem Bande/ Glaubend, hoffend anvertraut,/ Werd’ im Kreise deutscher Lande/ Durch des Künstlers Wirken laut./ So im Handeln, so im Sprechen/ Liebevoll verkünd’ es weit:/ Alle menschlichen Gebrechen/ sühnet reine Menschlichkeit.“
Diese Verse Goethes, die er für einen Schauspieler, der den Orest spielte, in dessen Exemplar von „Iphigenie auf Tauris“ schrieb, wurden von der Literaturwissenschaft über einen langen Zeitraum hinweg dahingehend ausgelegt, im Zentrum des Stückes stehe der Triumph der Humanität. Und Goethe stelle dies durch seine Figur der Iphigenie, quasi als Personifikation der Menschlichkeit, dar, wobei diese Grundthese der meisten Interpretationen nur selten hinterfragt wurde.
Genau das jedoch macht W. Rasch in seinem Buch „Goethes ‚Iphigenie auf Tauris’ als Drama der Autonomie“, daß eine moderne Deutung des Stücks darstellt und sowohl die Aussagen Goethes zu seinem Werk als auch die daraus folgenden traditionellen Forschungsergebnisse kritisch betrachtet. Er kommt daraufhin zu dem Schluß, daß als zentrales Thema nicht die Humanität Iphigenies, sondern vielmehr der Autonomiegedanke, den Goethe in diesem Werk ausführt und seinem Publikum vermitteln will, in den Mittelpunkt der Interpretation gerückt werden muß, eine Ansicht, die wiederum von Literaturwissenschaftlern kritisiert wird.
Die Unabhängigkeit der Figuren beschränkt sich aber nicht nur auf das persönliche Verhalten des Einzelnen, sondern zeigt sich zusätzlich dadurch, daß der Umgang mit den Göttern durch die menschliche Autonomie verändert wird, und in ein neues, gleichberechtigteres Verhältnis gesetzt wird.
Die Interpretation des Schauspiels durch Rasch will ich im folgenden in ihren Grundzügen darstellen, sowie dadurch auch die Unterschiede zwischen dieser und der traditionellen Sichtweise deutlich machen.
Danach möchte ich auf die rhetorischen Theorien in „Iphigenie auf Tauris“ eingehen, wobei der Rhetorikbezug Goethes, den wir im Verlauf des Seminars in allen behandelten Werken herausgearbeitet haben, hier sehr eng mit der neueren Deutung zusammenhängt. Denn um wirklich autonom agieren zu können, bedarf der Mensch der rhetorischen Mittel, da er nur, wenn er seinen Willen sich selbst und anderen gegenüber auszudrücken in der Lage ist, diesen daraufhin auch in die Tat umsetzen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Interpretation von Rasch im Vergleich zur traditionellen Sichtweise

3. Autonomie und die rhetorischen Strategien der Figuren

4. Die Rhetoriktheorie unter dem Aspekt Blumenbergs

5. Schlußbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von rhetorischen Strategien und dem Autonomiebegriff in Goethes „Iphigenie auf Tauris“, wobei sie insbesondere die moderne Interpretation von Wolfdietrich Rasch sowie anthropologische Rhetoriktheorien von Hans Blumenberg integriert. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Charaktere durch rhetorische Mittel ihr Maß an Unabhängigkeit definieren und warum der tugendhafte, wahrheitsorientierte Redestil letztlich als überlegen dargestellt wird.

  • Analyse der Autonomie als zentrales Thema des Dramas
  • Kritische Gegenüberstellung von traditioneller Deutung und Raschs Interpretation
  • Untersuchung der rhetorischen Strategien (Ethos vs. Pragma) der einzelnen Figuren
  • Anwendung der anthropologischen Rhetoriktheorie von Hans Blumenberg
  • Diskussion des Rednerideals im Hinblick auf den "reichen Menschen"

Auszug aus dem Buch

3. Autonomie und die rhetorischen Strategien der Figuren

Um herauszufinden, inwieweit die rhetorische Strategie der Charaktere ihr Maß an Autonomie bedingt, muß jeweils zuerst geklärt werden, wie groß die Unabhängigkeit der verschiedenen Personen eigentlich ist.

Die Hauptfigur, Iphigenie, läßt sich in ihrem Handeln und auch in ihren inneren Wünschen durch andere kaum beeinflussen. Sie ist äußerst willensstark und hat noch nie gelernt sich „(...) dem harten Worte,/ Dem rauhen Ausspruch eines Mannes (...)/ Zu fügen, (...).“ Sie läßt sich also auch durch Befehlsrhetorik ihre Autonomie nicht entziehen.

Den Grund dafür, daß sie in ihrem Vorgehen so zielstrebig ist, liefert sie selbst: Da sie nicht fähig ist, zu lügen, ja dies sogar verabscheut („O weh der Lüge! Sie befreiet nicht“), ist sie von der Richtigkeit und der Wahrheit ihrer Handlungen überzeugt, und läßt sich daher nicht von ihnen abbringen. Iphigenie erlangt also ein hohes Maß an Autonomie, da ihre Handlungen mit ihrer innerlichen Überzeugung im Einklang sind.

Diese Übereinstimmung mit ihrem Inneren findet sich wieder in ihrer rhetorischen Vorgehensweise, in dieser folgt sie dem Vorbild Ciceros und Quintilians, mit dessen Werken sich Goethe intensiv beschäftigte: So besitzt sie ein hohes Maß an Tugend, sie hat sich selbst der Wahrheit verpflichtet und die Worte kommen ihr aus dem Herzen (vgl. Quintilians pectus-Lehre).

Einerseits sagt sie dies selbst: „Nicht Worte sind es, die nur blenden sollen;/ Ich habe dir mein tiefstes Herz entdeckt.“ Andererseits muß es auf ihre Zuhörer auch tatsächlich so wirken, da sie sonst nicht in der Lage wäre, die anderen von ihren Interessen zu überzeugen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die den Triumph der Humanität hinterfragt und stattdessen den Autonomiebegriff als zentrales Thema des Dramas positioniert.

2. Die Interpretation von Rasch im Vergleich zur traditionellen Sichtweise: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie Rasch das Mächteverhältnis zwischen Mensch und Gott neu bewertet und Iphigenie sowie Orest als autonom handelnde Subjekte charakterisiert.

3. Autonomie und die rhetorischen Strategien der Figuren: Hier werden die rhetorischen Mittel der Charaktere analysiert und deren Erfolg in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Autonomiestatus gesetzt.

4. Die Rhetoriktheorie unter dem Aspekt Blumenbergs: Dieses Kapitel nutzt die anthropologischen Kategorien Blumenbergs, um das Verhältnis von Wahrheit, Rhetorik und dem Menschsein innerhalb des Dramas tiefergehend zu beleuchten.

5. Schlußbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die Goethes utopisches Menschenbild dem skeptischen Ansatz Blumenbergs gegenüberstellt.

Schlüsselwörter

Iphigenie auf Tauris, Johann Wolfgang Goethe, Autonomie, Rhetorik, Wolfdietrich Rasch, Hans Blumenberg, Menschlichkeit, Ethos, Pragma, Mängelwesen, reicher Mensch, Sühne, Wahrheit, Redekunst, Dramentheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen der rhetorischen Gestaltung der Charaktere und deren Streben nach Autonomie in Goethes Stück "Iphigenie auf Tauris".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Autonomiekonzept der Figuren, die Rolle der Rhetorik als Instrument der Selbstbehauptung und die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Interpretationen des Werks.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, nachzuweisen, dass Iphigenie und andere Figuren rhetorische Strategien nutzen, um trotz göttlicher oder machtpolitischer Vorgaben ihre eigene Unabhängigkeit zu sichern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine textnahe Literaturanalyse mit der Anwendung spezifischer literaturwissenschaftlicher Theorien, insbesondere jener von Wolfdietrich Rasch und Hans Blumenberg.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Interpretation von Rasch, die rhetorischen Vorgehensweisen der einzelnen Figuren und kontrastiert diese mit den anthropologischen Rhetoriktheorien von Blumenberg.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Autonomie, Rhetorik (Ethos/Pragma), Menschlichkeit sowie der Vergleich zwischen dem "reichen Menschen" und dem "Mängelwesen".

Wie unterscheidet sich Iphigenies Rhetorik von der von Arkas oder Pylades?

Während Iphigenie eine Ethos-geprägte Rhetorik verwendet, die auf ihrer inneren Wahrheit beruht, nutzen Arkas und Pylades eine pragmatische, logisch-sachliche Argumentation.

Warum spielt Hans Blumenbergs Rhetoriktheorie eine wichtige Rolle?

Blumenbergs Theorie hilft, das unterschiedliche Menschenbild der Figuren zu systematisieren und zu erklären, warum manche Charaktere als "reiche Menschen" und andere als "Mängelwesen" agieren.

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Details

Title
Rhetorik und Autonomie in Goethes "Iphigenie auf Tauris"
College
University of Tubingen
Course
Goethe und die Rhetorik
Grade
2
Author
Sarah Trede (Author)
Publication Year
2003
Pages
14
Catalog Number
V31500
ISBN (eBook)
9783638324854
Language
German
Tags
Rhetorik Autonomie Goethes Iphigenie Tauris Goethe Rhetorik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Trede (Author), 2003, Rhetorik und Autonomie in Goethes "Iphigenie auf Tauris", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31500
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